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Tâgliche Rundschau" (Berlin) 1883. N». 255 und

Die deutsche Kriegscorvette * Elisabeth*' in der Sunda-Strasse am 20 Mai 1883. Vom Marinepfarrer Heius.

Mit stolz auswehendem, vomehm und lang nachschleppendem Ueimathswimpel war S. M. Kriegscorvette von der Rhede von Anjer weggedampftt (9 Uhr morgens) den Kiu*s nacb West-Sfld-West nehmend. An Bord ging Ailes nach der Sonntagsroutine seinen regelmSssigen Gang. Die Mannschalt war im sauberen Festtagsanzug auf Oberdeck zur Musterung in Divisionen angetreten. Der Kommandant hatte eben die paradirende Besatzung hesichtigt und schickte sich an, „zur Inspektion" des schônen blitzblanken SchifTes zu gehen, als unter den im Sonntagsanzuge mit Schârpe, Uut und Sâbel auf Achterdeck versammellen Offizieren und oben auf der Kommandobrûcke eine gewisse Auiregung bemerkbar wurde. Die Glflser und Kieker hieivund die Kôpfe dort wendeten sich einmûthig ûber die Reeling und der verlassenen Gegend zu, in der die Kûstenumrisse von Sumatra und Java schon mit der kleinen Insel Krakatoa fast zusammenliefen : Dort gerade stieg wenigstens 17 Seemeilen von uns ab, bis ziim balben Zenith, eine énorme glânzend wetsse Dampfsâule mit reissender Schnelligkeit auf, in kurzcr Frisl die kolossale Hôhe von nach vorgenommener Messung nicht unter eilltausend Metem erreichend, und in fast schneeiger Helle von dem klaren, blauen Hhnmel sich abhebend, in sich gerundet und geringelt, vergleichbar einem gigantischen weissen Korailenstock von keulenartiger Form , oder auch einem riesigen Blumenkohlkopf , nur das hier ailes grossartige Bewegung von impo-

santesier Wirkung war ; aus den einzelnen dicht aneinander gedr&ngten und ûber einander geschichteten plastischen Dampfballen quollen und wallten bestândig durch den ungeheuren Druck von unten getrieben , neue wirbelnde Massen nach oben und-seitw3rts hervor im majcstStischen Rollen und doch blieben die Umrisse der sonach bestAndig wachsenden Riesenerscheinung klar und scharf begrenzt, nur der Gipfel, der skh uns zuzuneigen begann, sah aus, als ob der Wind dort in der Hôbe anfange ihn zu verweben, bis neue Wolken mit unwiderstehlicher Kraft nachgeschoben wurden, âhnlich der aufwallenden , in sich roUenden DampfsSule aus dem Schornstein einer ungeheuren, stehenden Lokomotive. AllmShlich mischten sich dunklere Farben in die weisschimmemde Helle der Wasserdâmpfe , indem von unten schwârzliche Streifen aufstiegen. besonders an der einen Seite, wAhrend es in der anderen Hâifte der Basis wie ein schwach rôthlicher Schein sich bemerkbar zu machen schien, bis nach und nach eine breite blaugraue Wand , gleich einer m&chtigen finsteren , fâcherfôrmigen Gewitterwolke, oben breit, unten schmSler, Ailes ûberdeckte und weit ûber den Himmel sich ausbreitete. Wir waren eben Zeugen eines gewaltigen vulkanischen Ausbruchs gewesen , der auf der erwAhnten , 2600 Fuss hohen Insel Krakatoa stattgefunden. Detonationen wurden nicht vernommen. Jedenfalls konnten wir mit der uns erwiesenen Aufmerksamkeit und der Grossartigkeit des aufgesteckten Abschiedssignals von drûben zufrieden sein. Der letzte Blick auf Asien und die Station war imposant genug.

Als nach etwa dreiviertelstûndiger Dauer der Gottesdienst beendet, war der vorher so heitere Himmel schon grôsstentheils trûbe bezogen; im Osten lag es dick und schwer. Schon am Nachmittage setzte der ersehnte Sûdostpassat so krfiftig ein , dass die Hofinung , die Feuer der Machine baldigst ausmachen zu kônnen , eine sehr reale war — aber mehr und roehr bezog sich auch der Himmel, bis ilin gleichmâssiges , graiies Gewôlk ringsum den ganzen Horizont bedeckte. Ueber die Natur dièses Gewôlkes soilten wir nicht lange in Zweifel bleiben. Mit dem frischen Winde machte sich von der Luvseite , hier also von See , und nicht vom Lande her , ganz allmShlich ein sehr feiner Aschenregen bemerkbar, der eine hellgraue. etwas gelbUche. unendlich fein zertheilte Masse, die ûberall hindrang, gleich einemdûnnen, weisslichen Flaum ûber das SchifT breitete, welcher im Laufe des Nachmittags wie ein recht greifbarer Reif sich auf Deck und Takelage legte, Drûben, in See, nach Land zu, war es nachtdunkel geworden. Zur Zeit des beginnenden À«chcnfalles waren wir zwôlfDentscheMeilenvonderKûste entfernt. Es lag also hier die eigenthûmUche Erscheinung vor, dass der aufgeworfene Lavastaub von einer hôheren LuDslrômung, dem Antipnssat,

voin Land her hoch ûber die See fortgeflllirt war, und dass die allmfihlich niedersinkenden Theilchen von dem tiefer gehenden Sûdostpassat aufgenommen und zurfick auf uns zu gefûhrt wurden. Die Verschleierung des Ilimmels war dabei so dicht und gleichmâssig, dass der beinahe voile Mond am Abend und wiUirend der Nacht kaum als schwach erleuchtete Gegend droben erkennbar war.

Am n&chsten Morgen den 21 Mai bot S. M. Korvette, die vierundzwanzig Stunden vorfaer so tadellos blank und sauber ausgesehn, einen sonderbaren Anblick: sah genau wie ein Mûllerscbiffoderrichtigerwieeineschwimmende Cementfabrik aus. Aussenbords war Ailes: SchifTswand, Torpedolancirrohr, Wanten, Parduns, die ganze Takelage bis in die Toppen hinauf dick und lûckenlos gleichfarbig mit dem graulichen, haltenden Staul)e belegt; das Kartenhaus auf der Kommandobrûcke schien ûber Nacht bel! gemalt zu sein ûber der sonst gewohnten Mahagonipolilur; aile Fenster und Deckslichter waren belegt; auf Deck lag die feine Masse gleichmâssig mehr als einen Centimeter hoch; dick und schwer batte sie sich in den Segeln gesammelt; gedâmpft klang der Tritt der Leuteaufdem weichemStaube, und sie selbst sahen aus , als wâren sie ehrbare Mûllergesellen , so gepudert und geschminkt ging Ailes einher. Schon in der Frûhe erschien ein Kommandobefehl, der den wacblhabenden Oilizieren das — sonst im Dienst nicht gestattete — tragen weisser Jacketts erlaubte, weil dunkles Zeug geradezu unmôglicb war in dem feinen intensiven Gestôber, das fort und fort ûber uns sich entlud, in aile Kammem, durch aile Fugen und Ritzen eindringend, in der Batterie so wirksam , wie oben , und im Z wischendeck die abgeblûhten KameUenstôcke in der Oiliziermesse bei dicht verscbalktem Oberlicht wie mit weissem Mehlthau beziehend; als dicker Schleim auf allen eingefetteten Eisentheilen sich niederschlagend; die Falten der GeschûtzbezûgeausfûUend; bei einem nolhwendigen Manôver in massigen Wolken aus den backschlagenden Segeln aufwallend, von dem bewegten Tauwerk versprûhend, hôchst empfindlich filr die Augen, und alimAblich unangenehm auf die Lungen fallend. Beim ersten filick auf dièse Métamorphose des Schifies ûberkam einem ein geradezu winterlicher Ëindruck. Die Leute fegten den Lavastaub stillvergnûgt als schâtzbares Putzmaterial zusammen , und es machte ihnen geringe Mûhe, ihre Sâcke, Pûtzen und Kâsten zu fûllen. Die Arbeit des Abbûrstens und Abstaubens in den Kammem musste man bald ab eine ganz vergebUche aulgeben.

Ueber ail diesen Aschenregendesastra wôllbte sich der Himmel wie eine grosse Glocke aus recht mattem Milchglas, in der die Sonne wie eine hellblaue Kugelampel hing; ein ganz eigenartiger Anblick als Folge einer enlschieden

regelwidrigen Absorption der Lichtstrahlen. Neue Vorrâtlie von Lavastaub waren noch reichlich vorhanden da oben in Gestalt dicker, massiger Schneewolken, und es sclmeite auch mit einzebien Unterbrechungen ganz munter bis in die Nacht hinein weiter. Noch aof 75 deutsche Meilen mussten wir uns am spâten Abend mit dem Gesicht nach Lee setzen, als wir auf der Kampagne Loft schôpfend beisammen sassen. Das wûrde eine Ausbreitung des Âschenfalles ûber ein Gebiet ergeben, mindestens so gross als ganz Deutscliland. Die Beleuchtung batte am Morgen aufi^llige Aeniichkeit mit der bei einer Sonnenfinstemiss, 'und ûber der blauen See lag es wie ein eigenthûmlich matter, brâunlicber Schein bei krâftig dreinwehendem Wind.

Am 22 Mai war der Himmel zwar immer noch gleichmâssig grau und

trûbe, aber es fiel keine Asche mehr." 34*. Jahresbericht der deutschen geographischen Gesellschaft. Berlin 1884.

Bericht des Capitain zur See Hollmann, S. M. Corvette Eluahelh,

>Am 20 Mai gegen 10 U. 30 M. Vorm. wurde vom Schiffe aus ein Vulkan-Ausbnich auf der Insel Krakatoa beobachtet. Man sah zuerst von der Insel eine weisse Wolke van Gumulus-Aussehen schnell aufsteigen. Dieselbe erhob sich ziemlich senkrecht, bis sie nach Verlauf von etwas ûber einer halben Stunde die Hôhe von circa 11000 Metem erreicht batte; hier fing sie — wahrscheinlich in den Bereich des Antipassats gekommen — an , sich langsam schirmarlig auszubreiten, so dass bald nur noch ein schmaler Streifen blauen Himmels ûber den Horizont zu sehen war. Als gegen 4 Ulir Nachm. ein leichter S. S. E. Wind durchkam, brachte er feinen Aschenstaub mit y der am 21 frûh so zunahm und in ziemlich gleicher Intensitât bis zum 22 frûh , fiel, dass bald das Schiff in allen seinen Theilen mit einer gleichmSssigen feinen grauen Staubschicht bedeckt war. Die Hôhe des auf das Schiff in diesen 24 Stunden gefallenen Aschenregens dûrite 2—4 Centimeler betragen.

Bei Beginn des starken Fallens befand sich das ScliifT ungef^r 100 Seemeilen, aïs der Regen am 22 an Stdrke nachzulassen anfing, 300Seemeilen von der Insel Krakatoa entfernt , in der Richting r. w. S. W. Va W., wâhrend der Wind immer S. £. war. Die Sonne, soweit sie durch den leichten Staub sichtbar wurde , batte eine asurblauè Farbe. Der Aschenfall liess am 22 scliliesslich nach, ohne dass der Wind sich ânderte, doch wurde etwas Staub noch wâhrend der beiden nâchsten Tage in der Lufl bemerkt." 85. Javasche Courant du 29 Mai.

S6. ' » • 1» Juin.

. Rapport du surveillant de feu, de 1^ classe, J. Sparbnberg; ce rapport m*a été envoyé par le Lieutenant de Marine de 2**™* classe, J. J. Poostmar.

Javasche Gourant du 12 Juin.

Algemeen Dagblad, JavaBode, Bataviaasch Handelsblad du 28 Mai.

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