DER
INTERNATIONALEN MUSIKGESELLSCHAFT.
Heft 1 u. 2, Erster Jahrgang. 1899.
Erscheint monatlich. Fiir Mitglieder der Interuationalen Musikgesellschaft kostenfrei, fiir Nichtmitg-lieder 10 J^. Anzeigen 25 ^ fiir die 2 gesj)altene Petitzeile. Beilagen 15 JL
Zum Geleit.
Niemals ist die musikalische Produktion so massenhaft gewesen als jetzt, iind es scheint, als ob sobald noch keine Ebbe eintreten wolle. Ganze Regimenter von Musikern haben sich in den groBen Stildten angesanunelt. Orchester von mebr als liundert Mann sind keine Seltenheit melir. Massenauf f iibrungen , an denen sich hunderte von Menschen beteiligen, erregen heutzutage kaum noch Aufsehen. Die Konservatorien imd Musikschulen werfen jâhrlich Tausende von Berufsmusikern auf den Konkurrenzmarkt und haben bereits ein kaum noch iibersehbares Musikerproletariat erzeugt.
Mit der Massenhaftigkeit der Musiker ist natUrlich auch die Produktion von Musik auRerordentlich gestiegen. Wer will sich anheischig machen, die Legionen von Liedern, Tânzen, Gassenliauem , Orchesterstiicken, Opernpartituren, Salonstiicken, Arrangements u. s. w., die jâhrlich in aller Herren Lândern veroffentlicht werden — von der ungedruckt bleibenden Musik ganz abgesehen — auch nur zu nennen? Der Musikalien-Verlag und -Handel beschâftigt taglich vielo Tausende von Menschen, und so reiht sich an die Berufsiiiusiker ein Heer von Gewcrbetreibenden, die da die geistigen Werte der Kunst in klingendes Gold ummiinzen: Instrumentenbauer und -stimmer, Handler und Agenten u. s. av. Zu ihnen gesellen sich Musikschriftsteller und Kritiker und deren Verleger, — kurz, man kann wirklicli nicht sagen, daB die Musik mit ihrem Gefolge irgend etwas in Bezug auf Massenhaftigkeit zu wiinschen ubrig lieBe.
Aber ein lateinisches Sprichwort fordert mulhiDi non multa, und das laRt sich recht gut auf unsre Musikverhiiltnisse anwenden. Denn mit der wachsenden Quantitiit luit die Qualitât — wie gcwohnlich — nicht
2 Oskar Fleischer' Zum Geleit.
Schritt gehalten. Niclit jeder, der von der Musik sein Brot Ijezieht, ist ein »Musiker«; es giebt stets melir Handwcrker als Kiinstler. Dem Musikfreunde wird es scliwer, un ter ail der iingeheuren Mcnge neiier niusikalisclier Produkte die Spreu vom Hafer zu sondern, und ebenso scliwer ist es fiir den Musiker, in dem massigen Wettbewerbe die Aufmerksamkeit einer groReren Menge auf sich zu lenken. Daher das Streben, sich zu grofieren Gemeinscliaften zusammenzuscblieBen , um mit vereinten Kraften ein gemeinsames Ziel zu erstreben: namlicli das der groRten Marktfiihigkeit.
DaB es dabei auf die Kombination solclier Gemeinscliaften ankommt, ob sie zum Ziele fiïhren oder niclit, ist selbstverstândlich. Eine Schlaclitreihe kampft gegen die anderen, und die stârkste von ihnen driickt die schwacheren Gegner vom Markte ab oder lâHt sie dort gar nicht erst aufkommen.
Die musikalischen Leistungen allein tliun es leider meist niclit mehr; sie reichen iiur in seltenen Fallen liin, in der unabsehbaren Menge der Konkurreiiten den Einzelnen zur Geltung zu bringen. Wort und Sclirift miissen vielmelir mit belfen, und wer sie reclit zu niitzen wciR, kann dadurcli sehr wohl erreiclien, daB sein Naine sclinell bekannt und er selbst der Gegenstand der Aufmerksamkeit einer breiten Menge wird. Es verstelit sich, daB die hierbei gewalilten Mittel, zum Ziele zu kommen, nicbt immer und uberall ganz reinlich sind. Ebcnso konnen aber aucb ganze groBe Koterien durcli unsaubere oder gewaltsame Mittel schâdigend und vergiftend in die Entwickelung der Musik eingreifen. Hiei'gegen sicli aufzulelmen ist Aufgabe eines Jedcn, der es mit der Musik ernst meint, und fiir den Berufsmusiker ist es sogar Selbsterhaltungspflicht.
Die natiirlichste und daher am meisten berechtigte Gruppenbildung im kiinstlerischen Leben ist ohne Zweifel die nationale. Aber sie ist keineswegs die beste und wirksamste, am wenigsten die forderlichste fUr die Kiinstler selber. Wir sehen das an vielen Thatsaclien, wo gerade das Betonen der Nationalitat der Anerkennung des Kiinstlers zu seinem eignen und selbst seines Volkes Schaden arg im "Wege gestanden hat. Wer spricht in der groBen Musikwelt wohl viel von dem Polen IMoniuszko? Der Bolinie S^metana wurde erst viele Jahre nacli seinem Tode zufâllig »entdeckt«. Wer kiimmert sich auBerhalb lluBlands um Glinka? Und doch waren aile drei bedeutende, fruchtbare und anregende Komponisten, die der Beachtung der ganzen Welt Avohl wiirdig warcn. Aber sie waren Slaven, und als solche gehorten sie keiner gliickliclien genossenschaftlichen Kombination an. Hiitten sie, wie^friiher Chopin, spiiter Rubinstein und ïschaikowsky, sich einer der einfluBreicheren franzosischen oder deutschen Grni)pen angeschlossen, sie wiiren luirbarer zu Worte gekommen. Aber sie wollten nur Slaven sein und bheben somit auf kleine nationale Gruppen
Oskar Fleischer, Zum Geleit. 3
beschrânkt, die ilmen wedei- den Riihm noch das Einkommen gewâhren konnten, dessen sie wiïrdig waren.
Jedes Volk setzt jetzt seinen Stolz darein, môgliclist »iiational« zii sein. Namentlich sucht eine jede iiberall ihre eigene Spraclie zur Geltung zu bringen. Heiitzutage reiclien fiir einen Gebildeten Deutsch, Engliscli, Franzosisch iind Italieniscli neben Latein und Griechiscli scbon nicht mehr aus, er muB oft noch die eine oder andre Siirache hinzunehmen. Das macht sich besonders in der Musik auBerordentlich empfindbar. Wer sich beispielsweise uber die Volkslieder der verschiedenen Liinder unterricbten will, bat es gar nicht so leicht. Die VolksHeder fast aller Nationen liegen in groBen und kleinen Sammiungen vor. Aber die Heraiisgeber bedienen sich fast aile nur ihrer eigenen Nationalsprache, nicht ■nur bei den Texten der Lieder selber, sondern auch in den Vorreden, die meist hochst schâtzenswerte Winke und Bemerkungen bieten. Wer aber beherrscht denn aile dièse Sprachen und Idiome, Bretonisch und Gadhelisch neben Russisch, Polnisch, Wendisch und Kroatisch, Neugriechisch und Portugiesisch neben Finnisch und Ungarisch? Aile Gesangsmusik mit nationalem Texte teilt dièses Los: versteht man den Text nicht, so lâBt man die Musik einfach unbeachtet. Man geht wortlos iiber sie hinweg und zur sonstigen massenhaft aufgehauften Produktion iiber; bei der Uberfiille des sonstigen StofEes vermiBt man das unbequeme Fremde nicht im geringsten und keinen Augenblick.
So sehen Avir groBe nationale Musikergruppen ganzlich abseits und auBerhalb ihrer engen Landesgrenzen unbeachtet stelien, obgleich sie Tiichtiges geleistet haben. Die kiinstlerische Wirkung ihrer Schopfungen geht zum Schaden der gesamten Tonkunst unbenlltzt verloren. Es ist gar nicht abzusehen, wohin das endlich noch fiihren soll, wenn nicht bei Zeiten den Gefahren voUiger Zersplitterung und chinesischer AbschlieBung der Volker gegeneinander im musikahschen Leben durcli zeitgemaBere Einrichtungen begegnet wird.
Auf allen Gebieten der Kultur und des Handels macht sich jetzt immer mehr und mehr ein unaufhaltsames Drângen nacli internationalem ZusammenschluB bemerkbar. Das ist keine Mode, kiinstlich gemacht oder durch Zufall gcworden, sondern eine kulturgeschichtliche Notwendigkeit. Tiefbegriindet ist dièse Erscheinung in der Avachsenden Produktion aller Volker, fiir welche die eng umschriebenen nationalen Absatzgebiete nicht mehr ausreichen und die mit zwingender Folgerichtigkeit allem nationalen Stolze zum Trotze den Weltmarkt, den internationalcn Kampfplatz im Frieden, anstreben muB. Auch die Musik Avird sich wohl oder iibel diesem Zuge der Zeit anschlieBen miissen. Je cher sie es thut, desto bessor. Nennt man doch gerado die Musik aui haufigsten eine internationale Kunst.
4 Oskar Fleischer' Zum Geleit.
In praxi liaben Einzelne immer schon clen groRen "Weltmarkt beniitzt, um sicli Reichtumer und Ehren zu erwerben. Die groBen Virtuosen sind allzeit von Land zu Land gewandert, meist gern gesehen und gut bezahlt, Der Verkehr mit fremdsprachigen Kunstlern und Kritikern, das Leben und Streben in fremden Lândern, die Kenntnis der verscliiedenen Bedingungen, unter denen die Musik zu wirken bat, — ailes das giebt dem weltreisenden Yirtuosen einen internationalen Anstricli und einen kiinstlerischen Weitblick, der ibn iiber den kurzsicbtigen und kleinlichen National- und Lokalmusiker hocli emportragt.
Wer sicli von der musikgeschichtliclien Wichtigkeit eines solcben internationalen Musikergeistes unterricbten will, der gehe nacli Weimar und studiere den Briefwechsel, den Liszt, die bedeutendste modern-internationale Erscheinung, mit der ganzen geistigen Elite seiner Zeit gefiihrt liât. Hunderte von Mannern, die auBerhalb des musikaliscben Bodens Ruhm und EinfluB hatten, fanden an seinem weitsiclitigen Urteile Belehrung und Direktive, und man weiB, wie Liszt seine "Weltstellung zum Nutzen der Musik und der Musiker verwendet bat.
Sollten sich derartige Einzelerscbeinungen niclit verallgemeinern lassen? Sollte niclit dadurcb, daB die Bildung der Musiker sicb erweitert und vertieft, aucb das Niveau der ganzen Musik sich beben, die Machtstellung und der EinfiuB der Musik und der Musiker sicb mebren, und dadurcb sicb die pekimiàre Lage bessern?
Geben wir es auf, nutzlos Nation gegen Nation zu kampfen. Die Musik und ibre Jlinger konnen dadurcb nur gewinnen, niemand aber wird verlieren. Anstatt der nationalen Genossenscbaften wollen wir lieber eine wirksamere Kombination zu l)ilden sucben. Die tiicbtigen und intelligenten Geister der Nationen mogen sicb die Hand reicben zu einem Bunde gegen die Einseitigkeit, die Kurzsicbtigkeit und den Mangel an Bildung im Reicbe der Musik, dann wird jeder Gewinn des Einen nicbt durcb einen gleicbgroBen Verlust des Anderen wieder aufgeboben Averden. Wenn die nationalen Scbrankcn nicbt inelir gleicli einer cbinesiscben Mauer zwiscben den Volkern steben, wenn aile Kenner und Freunde der Musik Hand in Hand geben, ibre Meinungen gegenseitig bericbtigen und ausgleicben und ibre Interessen, so individucll sie soust auch sein mogen, docb soweit sie gemcinsam sind, einbeitlicb und mit vereinten Ki'ilften verfolgen, dann muB die Tonkunst einen ungeabnten Aufscliwung nelimen, von dem aile Angeborige der Musik ibrcni Vorteil und an dem aile Freunde der Tonkunst ibre Freude babcn werden. Dann erst erweitert sicb der Wirkungskreis der Musik zu ungeabnter Breite und erscblioBt sicb in WirkUcbkcit der AVeltinarkt einem jeden, aucb dem kleinen Musiker.
Das berbcizufiilu-en ist der Zwcck der internationalen Musikgesellscbaft. Sie sielit es keineswegs ab auf ein Aufgeben der nationalen und
Oskar Fleischer, Ziim Geleit. 5
personlichen Besonderheiten und Unterschiede in der Musik. Nichts wâre verfehlter! Demi gerade durcli solclie Yerschiedenlieiten wird dasjeiiige erzeugt, was der Tonkunst Mannigfaltigkeit und Formenfiille giebt. Wohl aber soll der unniitze und schâdliche Kampf eines Jeden gegen aile, der nichts als Verbitterung und Gehassigkeit in das Reicli der Harmonien trâgt, gemildcrt und soweit als moglicli beseitigt werden.
Zweifelnd wird wohl mancher fragen: wie mag das geschehen? Nicht wenige werden diesem idealistischen Gedanken Unglâubigkeit und wohl gar MiBtrauen entgegensetzen.
Freilich durch Aufrufe und Manifeste wird hier gar nichts erreicht. Aber es giebt zwei krâftige Mittel, die uns langsam dem ersehnten Ziele zufiihren konnen: personlicher Verkehr der bisher sich gleichgiltigen oder entgegengesetzten Kreise und grlindliche Aufklarung derjenigen Gebiete, auf denen eine gemeinsame Aktion flir aile moglich ist.
Unserm Zeitalter des Verkehrs kann es nicht schwer fallen, solbst raumlich weit entfernte Kreise einander anzuniihern. Wenn sogar die »Proletarier aller Lânder« jetzt personlich sich naher treten, — sollte dies begiiterteren Kreisen mit edleren und schoneren Absichten weniger moglich sein? SchlieBen sich die Musiker und Musikfreunde einer und derselben Stadt mit ihrer Umgebung zu einer Ortsgruppe zusammen, so wird schon dadurch ein Verein geschaffen, der auf die Musikverhiiltnisse dieser Stadt einen nachhaltigen und heilsamen EinfluB ausiiben muB, weil das Band, das die Mitglieder jener lokalen Gruppe, seien es Berufsmusiker oder Musikfreunde, umspannt hait, das denkbar festeste im praktischen Leben ist: die gemeinsame Arbeit und die gemeinsame Macht. Noch mehr wird dièses Band befestigt durch eine Vereinigung sâmtlicher Ortsgruppen zu einer Landessektion. Wie in der Ortsgruppe die gemeinsamen lokalen Interessen, so kommen in der »Sektion« die gemeinsamen Landesinteressen zur Besprechung und Geltung. Die nationalen Landcssektionen wiederum treten zur internationalen Vereinigung zusammen, um die verschiedenartigen, nationalen Interessen zu vergleichen und aus ihnen das allen Gemeinsame als Grundlage der einheitlichen Aktion herauszuheben. Nationale und internationale Zusammenkiïnfte erleichtern und fordern den Verkehr der einzelnen Gruppen untereinander und die Centralgeschâf tsstelle , als das amthche ausfiihrende Organ, sorgt flir die Verwirkhchung der gefaBten Beschliisse und giebt dem schriftlichen wie mundlichen personlichen Verkehre immer neue Anregung.
Doch mit dem Austausche personlicher Meinungen durch miindlichc oder schriftHche Diskussion allein ist zur Erreiclmng der gesteckten Ziele nur erst der Anfang gegeben. Nicht bloB auf ihre eigenen Kreise, sondern auch nach auBen hin muB die » Internationale Musikgesellschaft« machtig wirken, will sie anders die allgemeine Anerkennung ihrer Be-
6 Oskar Floischei-, Zum Geloit.
strebungen in der "Welt errino:en. Durcli nichts kann dies so wirksam gescliehen, als durch eine bedeutsame litterarische Thatigkeit, die auf aile gebildeten Kreise Eiïcksicht nimmt und sie diu'cli sachlieh wertvolle Gastgesclienke an sich bindet. Denn was wâre die Musik, imd wo blieben die Musiker, wenn sie sich nur an ihre Beruf sgenossen wenden konnten ? Soll etwa ein Musiker dem anderen zum Publikum dienen? Das gebildetste Publikum aber ist von jeher das beste gewesen, und darum wird sich die » Internationale Musikgesellschaft* an dièses zuerst wenden niiissen, will sie am schnellsten zum Ziele kommen.
Von jeher liât ja die Musik im Mittelpunkte des Interesses der gebildeten Welt gestanden, wie keine andere Kunst. Sie war durch das ganze Mittelalter hindurch mehr noch als die Théologie der Centralpunkt der Bildung, die doch ausschlieBlich in den Handen der Geistlichen ruhte; sie war ein unerlaBliclier Teil der akademischen Bildung liberhaupt. Selbst in der modernen Zeit hat immer die Tonkunst als die gesellschaftlichste der Kiinste und als die eigentlich hofische Kunst gegolten, und Kaiser und Konige verschmahten es nicht, an musikalischer Fertigkeit mit Berufsmusikern konkurrieren zu wollen. Hand ans Herz: spielt die Musik heutzutage noch die nâmliche Rolle ? Hat sie nicht vielmehr derart von iln-er friiheren Machtstellung verloren, daB jetzt z, B. die adlige Jugend sich immer mehr und mehr von der Musilc ab und den bildenden Kiinsten oder dem Sport zuwendet? Wo sind die fiirsthchcn Vcrchrer der Musik geblieben, die sich friiher eigene Kapellen hielten, uni mit ihnon zu musizieren? Jene Zeiten sind voriiber, wo Beruf smusiker, wie Farinelli oder Steffani, Minister und Gesandte werden konnten. Das Vcrtrauen der maBgebenden und gebildeten Kreise zu der Intelligenz der Musiker ist gesunken und — gebcn wir uns keiner Tauschung hin ! — nur zu oft mit Recht. Die Anerkennung der Besten unter den Gebildeten der Tonkunst wieder zu erringen, das muB unser unablassiges Streben sein!
Dies zu erreichen, ist scliwer, aber nicht unmoglich. Denn ein Erbteil ist der Musik von glanzenderen Zeiten iiberkommen: eine Fiille von Bezichungen zu den Wissenschaften, Avie sie auBer der ilir verschwisterten Dichtkunst keiner der Kiinste zur Vertugung stelit. Kaum eine der Wissenschaften steht auBer Fiihlung mit der Tonkunst. So bildet eine der wichtigsten Fragen in der Théologie die liturgische und geistliche ]\[usik in den verschiedenen Religionen; denn fast aile Formen der Gottesverehrung, selbst die primitivsten , bedienen sich des Gesanges. Ganze Gebiete der Natur wissenschaften haben Tonentstehung und Tonverhiiltnisse zum Gegenstande ihrer Betrachtung, wie die Akustik und friiher die Astronomie und Mathematik. Die Medizin ist durch die Untersuchung des Stimmapparates und des Gehores eng mit der Musik verkniipft; sie war es friiher noch mehr, als man don Tcinen einen auBor-
Oskar Fleisehor, Zum Geleit. 7
ordentlichen EinfluB auf Korper iind Geist zuschrieb imcl selbst Greisteskrankheiten durch Musik zu lieilen hoffte. Die Anatomie der Hânde und die Mechanik des Atmens sind fiir deii Arzt ebenso wichtig als fllr den Musiker. Die Litteratiirgeschichte aller Volker ist ohne eine Beriicksichtigung der Musik als vollkommene Wissenschaft gar nicht denkbar, und die Pliilologie kann olme die musikalischen Begriffe von Metrik und Rliythmik niclit wissenscliaftlicli erschopfend sein. Auch die pliilologische Hilfswissenschaft der Palâographie wird sicli auf die Dauer der Beachtung der besonderen Eigentiimlichkeiten musikalischer Handschriften nicht entzielien konnen. Wo blieben ferner die allgemeine Kulturgeschichte und die Asthetik ohne eine stete Beachtung der Tonkunst und ihrer eigenartigen Daseinserscheinungen und Lebensbedingungen ? Die Philosophie hat ebenfalls begonnen, ihre Aufmerksamkeit auf die Musik zu lenken und hat in der Tonpsychologie einen eigenen Wissenszweig errichtet. Die Pâdagogik kann sich der Erorterung der Beziehungen der Schule zum Gesange und zur Tonkunst nicht ohne eigenen Schaden entschlagen. SchlieBlich sei noch auf die Ethnographie und Folklore hingewiesen, denen sich in den musikalischen Instrumenten, in den Volksliedern und Tânzen eine reiche Fundgrube ihrer Forschungen darbietet.
So fehlt es gewiB nicht an Beziehungen unserer Kunst zu den ûbrigen Zweigen des Geisteslebens. Tausend Faden verkniipfen die Musik mit dem Werdegang der Kultur; sie bloBzulegen wird nicht nur unsere Pfiicht, sondern auch unser Vorteil sein. Ein weites, unendliches Feld offnet sich unserer Thatigkeit, und trotzdem ist die Gefahr gering, daB wir uns zersplittern oder das Ziel unserer eigentlichen Aufgabe aus den Augen verlieren konnten, namlich die Hebung der Macht und des Ansehens der Musik selber. Denn ail jene Grenzgebiete, die die enge Verknlipfung der Tonkunst mit dem Geistesleben vermitteln, reihen sich von Natur rings um die Tonkunst wie um ihre Konigin und umgeben sie wie bewaffnete Trabanten schlitzend und wegbahnend.
Dièse Trabanten scheiden sich — um im Bilde zu bleiben — in schwer und leicht Bewaffnete. Unsere Monatszeitschrift sammelt die leichten Volker der kleinen Aufsatze, der Referate und Kritiken, der Notizen und Berichte. Dièse sollen in erster Linie dem praktischen Musikleben gewidmet sein. Die neuen Erscheinungen auf dem Gebiete des Konzertlebens, der Oper, der Komposition und des Schriftstellertums werden hier angezeigt, besprochen, und iibersichtlich registriert. Auch das internere Leben der »Internationalen Musikgesellschaft« findet hier den Platz fiir sachliche oder personliche Aussprache. Betritt die Wissenschaft das Gebiet unserer Zeitschrift, so glâttet sie ihre strengen Falten und hidlt sich in das freiere Gewand anregender Plauderei oder begeisternder Beredsamkeit ; was sie sonst in niuhseligen und arbeitsvollen Studien und Untcr-
8 Oskar Fleischer. Zum Gelcit.
sucliiingen gewoiincn liât, das teilt sie aiischaiilich und in gaiigbarer Mlinzc dem praktisclien Tonkiinstler mit. Solche kurzen und in sicli abgeschlossenen Aufsâtze werden siclier ihre Friichte bringen, wenn sie z. B. wichtigc Eragen von aktueller Bedeutung, wie die liber den Musikunterridit an Konservatorien , Hocbschuien, Gymnasien und in der Volksschule erortern, oder Nacbricht gel)en von Reformbestrebungen in der liturgischen Musik der verschiedenen Kulte. sei es in der protestantisclien, der romischen und griechischen Kircbe oder in der Synagoge; oder wenn sie von gliicklichen Erfindungen und Verbesserungen im Instrumentenbau Kundc bringen, oder sich liber Neuerungen in der Notenscbrift verbreiten und uns liber wichtige wissenschaftliche Entdeckungen unterrichten.
In den Sammelbânden hingegen tritt das schwere Geschiitz der strengen Wissenschaft in sein Redit. Die Erkenntnis der Musik zu vertiefen, unbekannte Gebiete der Musikgesdiichte aufzuhellen, weitergreifenden Untersuchungen liber wichtige Eragen der Musiktheorie oder des praktisdien Musiklebens Raum zu geben, und nidit zuletzt ail jene, soeben genannten Beziehungen der Tonkunst zu dem gesamten Geistesleben aufzudecken, das ist die Aufgabe der Samraelbânde. Moge der praktische Musiker und der Musikfreund nidit glauben, daB dièse Sammelbânde ilim nichts bieten konnten, weil er nicht selbst Eorscher von Beruf sei. Wenn er aucli nicbt jede einzelne dieser Abhandlungen durdistudieren wird, so wird ihm doch mandie Anregung zu eigenem Naclidenken entgegentreten. In das AVerden der Musik wird er hier manchen Einblick gewinnen, der seine Hochaditung vor der eigenen Kunst und die Liebe zum eigenen Berufe vermehrt. Macht er aber den Versudi, etwas zu lesen, was ihm zuerst schwer verstandlich erscheinen will, so wird er bald an sidi merkcn, daB es ihm geht, wie dem Musiklaien mit ernster Musik : wie diesem im Horen, so werden iluu im Lesen die Krafte des Verstandnisses wachsen.
Ereilidi wollen wir nicht zu viel versprechen. Thoricht ist, wcr da meint, daB man lieute einen Baum pflanzen und morgen schon Friichte von ihm pfliïcken konne. Jahrelanger Arbeit wird es bediirfen, ehe wir auch nur einen Bruditeil unseres Strebcns erfiillt sehen Averden. Wir tuhlen es schon jetzt, mit welch schwercr Mlihe und Verantwortung wir unsere Schultern freiwillig belastet haben ohne einen anderen Lohn als den, welchen eine gethane Arbeit im Dienste einer Gesamtheit gewjihrt.
Aber gewiB ist es auch, daB, um Friichte zu ernten, der Baum gepflanzt, gehegt und gepflegt Averden muB ; denn der Wildlinge liât gerade das Musikleben der Gegenwart nur zu vide. Doch eben dies iJiBt uns hoffen, daB es unserem Streben nicht an freundlichen Helfern fchlen wird, die durch Mitarbeit oder wohlwollende Nachsicht mit unseren Sclnviichen das Werk der »Internationalen Musikgesellschaft<^ zu einem Allgemeingut unseres Standes ausgestalten. Oskar Fleischer.
Charles Maclean, Music in England.
Music in England.
An account of the expired London musical seasoii, with a gênerai survey of the présent state of music in England? To do that in one report would indeed he a Muse-rivalling feat for whicli one must expect tlie fate of Thamyris or of the nine daughters of the Macedonian Pierus. The writer will confess his inability, and merely offering a prayer to Cleio, will i^roceed in the hopes that in the course of a narration, means may be found for making it something just beyond a bare inventory or »terrier«. And most certainly as much will be found left out as said.
London Season.
The London Season of the fashionable and rich is only some 10 weeks in the early summer months of May, June, July. The Grand Opéra season at Covent Garden agrées. The season of gênerai concerts is from about 1^* Sep tomber to about HOti» June, deducting in the middlc one month after Christmas Day. The académie teachers, who are at least a nether grindstone, work in three terms of about 12 weeks each, witli 16 weeks altogether of holiday interspersed. The music of London therefore goes on nearly ail the year round. However no doubt tliere is a particular pressure of it from Mardi to June inclusive, Avitli a few derelicts in July. And this spring season is when most of the foreign artists come over; whereas they would receive mucli more attention from Public and Press, if they came at any other time.
Covent Garden.
At Covent Garden (in common town jjarlance »the Garden* and once the garden of tlie Abbot of Westminster) is tlie only lirst-class operahouse in London; though old Drury Lane théâtre and several of tlio newer buildings can take minor companies. The ownersliip of Covent Garden opéra has till this year been a quadrilatéral. First the ground landlord, the Duke ofBedford, who 20 years hence will absorb the whole property ; secondly the lessee of the ground and the théâtre and its contents and properties, Mr. Faber; thirdly a syndicate, whether so-callcd or not, who from year to year hâve j)rovided the subscription amount or capital necessary for hiring the bouse for the opéra season and for giving the entertainments ; fourthly this syndicate's manager, who engages the singers and is subject to their control, responsible for the entertainments, the powerful Sir Augustus Harris for 12 years from 1884 and since his death in 1896 Mr. Maurice Grau. Covent Garden opéra could
10 Charles Maolean, Music in England.
not exist witliout tlie subscription-list, otherwise seasonal contract to take up the best seats in the house at higli priées entered iiito by the wealtliy to follow fashion. Under this organization three results ensue; the best singers in the world are procured and from ail nationalities, tlie cboice of optu'a is in tlie main that of the upper classes, the opéra is nearly always sung in a foreign language. Looking to i)roperties and traditions, the permanent répertoire is about the following: — Africaine, Aïda, Ballo in Maschera, Barbiere, Carmen, Cavalleria, Don Giovanni, Ernani, Falstaft, Faust, Favorita, Figaro, Flying Dutchman, Hamlet, Huguenots, Lohengrin, Lucia, Manon, Marta, Mefistofele, Meistersinger, Mignon, Navarraise, Orfeo, Otello, Pagiiacci, Philémon, Prophète, Rigolctto, Romeo, Semiramide, Siegfried, Tannhâuser, Traviata, Trovatoré, Walklire. A secondary list of less-used opéras would be: — Amico Fritz, Cid, Dinorah, Fidelio, Freischiitz, Gioconda, Linda, Mirella, Norma, Oberon, Pêcheur de perles, B/ienzi, Tell, Werther. After this everything may be regarded as specially raounted. Tlie théâtre bas been built 40 years, and the arrangements l)ebind the curtain bave liitherto been much out of date, conse(j[uent on the short leasing; with inadéquate space for the storage of scenery, conse(|uent on the abandonment of the Floral Hall side-building. Such bave been the gênerai conditions. At the beginning of this year after hésitations a formally and permanently constituted » Grand Opéra Syndicate« raised capital and purchased for £ 110000 Mr. Faber's complète rights for the remaining 20 years of bis lease, and began opérations as l)ublic entertainers with a working capital of £ 85000, still relying of course on the society subscription-list. Mr. Grau, the gênerai manager, having simultaneously obtained a 4-year lease of the New York Metropolitan opéra, the same singers could be employed there and hère, wliich perhaps offered some conveniences. A first step at Covent Garden was to appoint Mr. E. 0. Sachs, author of the large i)late-book >Moderu Opéra Houses and Théâtres «, to be engineer and manager of the; stage mechanism; an appointment never yet made in a London théâtre. The opéra season ran from May 8"' to July 24"^''. Conductors, Mottl, Muck (new), Mancinelli, Flon. Muck won golden opinions. But the (ierman conductors bave slowcr tempi than the English are accustomed to. Needless to give an exhaustive list of singers. It contained : — IMelba, Brema, Nordica, Schumann-Heink, Gadski (new), Bavogli, liilli Ijehmann (reappearance), Héglon (new), Litvinne (new), Susan Strong, Suzanne Adams, Jean de lleszke, Alvarez, Van Dyck, Bispham, Scheidemantel (new), Edouard de lleszke, Plangon, Van E-ooy. Négociations failed with Calv^, Eames, and Ternina. Jean de Reszke played till 21^*^ June only, and was replaced by Alvarez from Paris (not to be confounded as by some with Max Alvary who died distressingly last November). Melba sang
Cliar^es IVIaclean, Music in Eiiglaiid. 11
seldom and did not keep ail lier engagements. The 3 above-mentioned new lady-singers were eacli liighly commendable, especially Frau Gadski in Wagnerian parts. The opéra given were: — Aïda 4 times, Bohème 4, Carmen 5, Gavalleria 3, Chalet 1, Don Giovanni 3, Ero e Leandro 1, Faust 7, Fidelio 1, Flicgender Hollânder 2, Huguenots 2, Lohengrin 6, Lucia 2, Meistersinger 2, Messaline 3, Norma 2, Pagliacci 4, E,igoletto 1, Romeo et Juliette 5, Tannhauser 5, Tristan 4, Walkure 3. Singers exercise some choice, but the above is a fair index to prevailing London opéra taste. The three years old »Bohème« for the first time in London in Italian, Melba as Mimi; its tender and homogeneous beauty won immédiate acceptance. Adam's brisk »Le Chalet« was produced at the indirect instance of the Queen; would that there were more such authoritative revivais! »Norma«, last heard hère in 1887 and 1890, was produced for Frau Lehmann. The music was vehemently attacked in part of the press; not a worthy attitude to take toM^ards that great master, or to the Neapolitan school without which modem opéra, Wagner included, would never hâve existed. » Tannhauser « and » Meistersinger* were transferred to the German. Isidore de Lara's »Messaline« was the novelty, and was considered a poor art-production gorgeously trapped ; the music is a mixture of Massenet and Verdi at his penvdtimate stage, with the différence that Verdi would hâve used up ail the material in 6 of his pages ; the 4'^ Act lias some vigour ; this Spanisli-born composer long lived in England, but the work lias no connection of any sort with British art. The staging was among the finest ever seen at Covent Garden, and the composer niust be well supported. The features of the Covent Garden season were a great improvement in scenery and lighting, an average choice^ of opéras, fair punctuality by the management, and the maintenance of pure vocalism by Melba and Jean de Reszke.
National Opéra.
This year illustrâtes at once the jeapardous position and the aspirations of English national opéra. That means finally opéra composed to English words by Englishmen, but as a step towards that end foreign opéra siing in English. Opéra in either of thèse classes has liad the slightest possible attraction for Covent Garden subscribers. Drury Lane and Lyceuni audiences hâve been more amenalile. Deducting, however, Sullivan's enormously successful séries of farcical operettas at the Savoy etc. (1807 to date), Sullivan's serions opéra »Ivanhoe« at the late small Royal English Opéra House (1891), and Stanford's L-ish Operetta »Sliamus g' Brien* at the Opéra Comique (1896), it is believed that no Englishsung opéra has drawn money at a real profit in central London for the last 50 years. Cheap companies touring in the suburbs or provinces
J2 Charles Maclean, IMusic in Eiiofland.
have been the alternative; wlience the Pyne-Harrison Company (1856 — 1862), Cari Rosa (1875 to date), Moody-Manners (1890 to date), etc. But increasing demands by even provincial audiences have forced down the profits. This year has probably seen the extinction of the excellent Cari Rosa. A provincial » National Grand Opéra Company* began well last January, but failed soon after. The Moody-Manners alone by prudence still holds the field. Justly stung by thèse results, and justly l)elieving that to présent people witli opéra in tlieir own language is the most rational of proceedings, while there exists abundance of clever English-speaking singers, and even some native composing talent; certain influential persons representing medicine, law, science, literature, painting, sculpture, the drama, and music, have lately tried to rouse the metropolis to a new and concentrated effort. Application has been made to the County Council, otherwise Metropolitan sub-Parliament, to give from public funds (a) a newly built opera-house exactly suited to English opéra conditions, (b) an annual subsidy towards the same for working expenses. That body have replied not discouragingly but in terms lacking définition. The above means at the very least a quarter of a miUion of money. It will be a pity if we corne to this, for it is contrary to our spirit. The British democracy does occasionally, without knowing what it is about, swing round and ask for Government support and control ; but -with small exceptions we obtain ail our results by ruhng ourselves, thinking for ourselves, providing for ourselves. And the distinction made between »state« and »municipal« is little more than a juggle of words; the proceeds of taxation are equally such whatever the area of collection and whether the control is centralized or decentraHzed, aud the real issue lies of course between public taxation and private investment. The proper course undoubtedly is to promote a limited company; in the usual English fashion, but with such internai safe-guards as would prevent its capital either being the subject of spéculation or being administered by cliques. Thèse checks are feasible. Such a company would have two alternatives ; with a large capital to lease a site wliich the County Council says that they will reserve for them and build tliereon, with a smaller capital to utilize Covent Garden whicli is now in the hands of a body with a 20-year lease. A comparatively minor event has occurrcd this year, which may yet have some bearings on the above question; chiefly owing to the wellearned influence which the Principal Mr. W. H. Cummings has acquired, the Cori)orati()n of London has granted £ 22000 for building a théâtre annexe to its «Guildhall School of Music «. Whatever else happens, this will make more hungry mouths outside the stage-door.
Charles Maclean, Music in England. 13
Philharmonie.
The London Pliilliarmonic Society succeeded after a gap Salomon's concerts (last décade of 18'-'^ century), and its history is really, leaving aside tlie more modéra Crystal Palace, a 90-year history of the orchestra in London. As to conductors from abroad; "Weber conducted 1 concert hère in 1826, Mendelssohn 1 concert in 1833 half a season in 1844 and 1 concert in 1847, Spohr 2 concerts in 1843, Wagner 1 season in 1855, Dvorak 1 concert in 1884, Svendsen 2 concerts in 1888. Otherwise the conductor has always been a résident musician; and with the exception of Costa, always an Englishman. For the first 24 years of avowed conductorshi]), 1820 to 1843, the office was assigned from concert to concert; and Cramer, Gr. Smart, Attwood, Bishop, Cipriani Potter, Clementi, Moscheles, Lucas etc. divided it between them. Mendelssohn broke tins tradition by his half-season in 1844. Prom 1846 the conductorship (excepting in 1884 after Cusins's résignation) has been held continuously, thus in chronological order: — Costa 9 years, Sterndale Bennett 11, Cusins 17, Sulhvan 3, Cowen 5, Mackenzie 7. Mendelssohn brought the first breath of living inspiration to the conductorship, and with liis personal charm in the orchestra and command of the public saved the society at a drooping crisis. Wagner, alas, nearly wrecked it, being rough and intemperate ; it is pitiable to think what might not hâve been the différence to music in England but for this small matter of tempérament ; supposing lie had made this his exile instead of Zurich! Sir Alexander Mackenzie has this year resigned the conductorship in order to find more time for composition, and his successor will jirobably be appointed about the time that thèse lines appear ; an immense responsibility lies with the directors. The organization is this: — (a) 100 non- prof essional Pellows, who represent only a money contribution, (b) a number of Associates, professional, unlimited by rule, who obtain that position individually by nomination and élection at gênerai meeting, (c) a central body of Members, limited to 60, who recruit their numbers as vacancies arise by similar élection from among the Associates, (d) 7 Directors elected annually by Members, (e) a Conductor appointed by Directors. The administration from base to apex is thus in the hands of professional musicians. Rival concertschemes are mostly in the hands of impresarii. A large principle lies hère involved. Past landmarks of interest in performance etc. are thèse : — 1814, symphony overture and vocal pièce bought from Cherubini for £ 200; 1815, Cherubini appeared with Anacreon and other works, 3 overtures bought from Beethoven for £ 75, and £ 200 voted for trial a new Works; 1817, offered £ 300 to Beethoven to appear with 2 new symphonies, but he did not come; 1820, Spohr came over and introduced the bâton;
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1 825, Beethoven's 9*^'' Symiiliony performed, for whicli X. 50 paid, and not played again for 12 years; 1826, Weber's visit and death; 1827, sent £ 100 to Beethoven in liis last illness, and first appearance of Liszt; 1829, Mendelssohn came witli C minor synipliony; 1831, Spohr's Last Judgment; 1833, Bennett's début witli concerto in E tiat; 1841, Berlioz' niusic first donc in England, Benvenuto Cellini overture, and disKked, though now it seems very clear; 1844, Mendelssolin's conductorsliip, and first appearance of Joacliim aged 13; 1847, Beetlioven's Mass in C; 1852, Hiller's first appearance, Avith Ln Freien symphony; 1853, Berlioz invited and brought Harold, Carnaval Romain, and an air from Holy Family, which applauded by public, but critics differed; 1854, Schumann's B flat symphony, not appreciated; 1855, Wagner's music first donc by society, Lohengrin sélection and Tannhâuser overture, the public divided; 1855, Schumann's Paradise and Péri introduced to England, sung by Jenny Lind; 1857, Rubinstein first played; 1867, Sullivan's Marmion overture; 1871, Wagner's Rienzi overture; 1872, Brahms Sérénade in D; 1873, Brahms Requiem; 1877, Brahms 0 minor symphony; 1879, Rubinstein Océan symphony; 1880, from tins year Avorks of less-known English composers are gradually introduced; 1881, Berlioz Romeo et Juliette, twicc; 1882, Rubinstein Paradise Lost, not approved, but the Philharmonie is not an oratorio audience; 1883, on Wagner's death are performed Flying Dutchman, Meistersinger and Tristan overtures, Valkyrie ride, and Good Friday music, much the same sélections that now prevail; 1885, Moszkowsky's Johanna d'Arc, first appearance hère of a symphonie -poem so-called; 1888, Tschaikowsky String Sérénade etc., the Wagner Siegfried Idyll, S y ends en symphony in D. The Philharmonie more fairly represents the average English taste than any other institution. Its two mottoes may be fesUitatio tftrda, and sat cito .si sat hcue (it is sufficiently quick if it is sufficiently well); if it bas never forced the pace, so it has never acted as boot on the wheel. The nu)st noticeable exécutants tins last season were Dohnânyi (Liszt E fiât concerto), Leonora .lackson (Mendelssohn violin con(;erto), Joachim. The first-named young Hungarian brought over by Richter without encomium had already achieved an immédiate success, especially in Brïdnns playing. Leonora Jackson, an American violinist trained in Berlin, lias a firm withal dashing style, .luachim came over to take the place of Paderewski, who at the last hour disappointed directors, proceeding to Poland to be married; the latter was to hâve played a new concerto by Cowen. The composer Rachmaninof f appeared with his orchestral Fantasia in E, a very extrême cas(» of colour Avithout music; but he conducted in magisterial and most effective manner. Richard Strauss brought his »Tod und Verkliirung*,
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wliich satislied unly a, siuall section uf tlic audience. Martucci brouglit his D ininor Symphony; it bas something the manner of Brahms, witli a little of Tschaikowsky, and an évident tliougli sliglit veneer of Italian; if not absolutely original, it is mucli more so than most, and is a refreshing novelty, intellectual and sympatlietic. Coleridge Taylor, a élever yoimg West Indian African liere naturalized, produced his Orchestral Ballad. He seems by his successive works to reflect several styles and still to be in search of one. His most individual Avork hitherto bas been »Hiawatha's Feast«, from Longfellow. He will apparently now push this American -Indian vein. This young African bas a pleasing almost Beethovenish face, and the case is remarkable. Edward Grerman's »Much Ado about Nothing« overture, music of the théâtre- entracte class, would probably bave been heard to better advantage in another class of programme; he is a comparatively new writer; his forte is a very musicianly development of quaint English measures, and he bas given a solidarity to English light music which, Sullivan always apart, it never had before.
Other Concerts.
The Crystal Palace music being next in anti(piity and importance should next be mentioned, but as its autumn season of Saturday concerts is just at hand this may be adjourned. An organization pressing hard its elders, and for the moment eclipsing ail others in popularity, is the Queen's Hall music under the entrepreneur Robert Newman. This takes the form at différent parts of the year of daily evening Promenade Concerts, so called because in the area there are no seats, but in fact the audience is too dense to promenade ; . Saturday af ternoon Symphony concerts; Sunday afternoon gênerai concerts; a yearly »London Festival <of concerts twice daily for a week or two; extra concerts. Queen's Hall opened 25*^ November 1893. In the^arge and small rooms there were about 250 concerts the first season, about 500 concerts each season since. The Queen's Hall orchestra started in the second season with 9 concerts, and bas had about 100 concerts each season since. Sunday music begun tins last season. Robert Newman bas shown great resource and instinct in attracting the public, and in 5 years bas fairly ereated a passion for orchestral music among the middle classes of London. The popular tastc in England bas hitherto gone to oratorio, because a large section of the population bave good voices and like to hear themselves sing. This newcr taste is tbat of people who bave no part or interest in the music except that it intrinsically rouses their enthusiasm, and who at the Promenades will even stand for hours with utmost patience to listen to it. No one can foresee the end of this or its effect on the national art. The pro-
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grammes are in merit going iip and not down. Tlie modem Russian scliool has been largely indented on. In an eqiial degree Wagner. An orchestra of about 100 playing thus nearly daily for the best part of a twelvemonth has given the conductor Henry Wood an opportunity which lie has very splendidly used, and it Avould be hard to find superlatives too strong to attach to the excellence of the performances. This orchestra often yields that phenomenon observable only when a great number of instruments are in accord physically and spiritually, the illusion as if a large human voice was singing in the inner parts; it is not the horns, but the totality of the singing parts sustained by perfectly balanced harmonie work. Robert Newman brought out Perosi this year in three of his oratorios, the composer however not coming to London. There was a sensé of disappointment, and probably the introduction was made in the wrong place. The Queen's Hall audiences are accustomed to the extrêmes of platform effect. But for ail that the music is founded on the bed-rock of the magniiicent incontestable church style, and those who scoffed did wrong. The merit may be not the composer's but that of the style; still the merit was there. Perosi is not a musical genius, and it is improbable that lie will develop or change his style; it may be said then that liis music, greatly though it has advantaged his own country in being purer than the ordinary current taste, will be very little heard again in Protestant England. The Viennese said it was refectory music. Richter's London concerts, hrst initiated by the viohnist Hermann Frunke hâve been running 21 years. The leading violin is now Ernst Schiever, chorus-master Theodor Frantzen, programme-commentator C. A. Barry. This season was pro-Russian. Rimsky-Korsakoff's >Scheherazade«, Glazounoff's 6^^ Symphony, Tschaikowsky's »Hamlet« overture. Berlioz' »Harold« was added. Edward Elgar's 14 Variations on an original thème were played. For the thème, it is scarcely lyric, and the cardinal feature or alternation between tonic minor and major is of doubtful beauty. For the variations; the masters hâve secured unity in such by resemblances of melody or of tonal working or of lengtli of period, or sometimes by their combination; but thèse variations are so wholly free that they can barely be said to keep those principles in view at ail; to take only period, not 2 out of the 15 movements in the least resemble one another. Still Elgar deserves honour for working out lus own style, and if he can persuade the public to assimilate a virtually new form so much the better. He is a masterly wiclder of the orchestra for his own purposes. Siegfried Wagner's »Barenhauter« overture was considercd an unpretending génial work. Brahms' 4''* Symphony was given (also at the Philharmonie and Crystal Palace); the order of their ])opularity in England luis hitherto been 2"'^, l*'*, S-""^, 4"', with a strong leaning to the 2'"i; everything shows that
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there soon will be a strong awakening hère to Brahms. W. H. Thorley, an Englishman of micldle âge, gave an orchestral concert of his own Works; Schumannesque music, but clecidedly powerful; »Der Tod«, a scena for bass voice, was a fine production. Fritz Delius gave such another concert conducted by Alfred Hertz of Breslau, the music being quite post-Wagnerian and exciting controversy. Chief works, Fantasia »Over the hills and far away«. Légende for violin and orchestra, Suite »Folkeraadet« (part), Symphonic-poem »Tlie dance goes on«, Scena »Also spracli Zarathustra«, opéra »Koanga« (excerpt). This young composer ])orn and brought up in England, but a German or Norwegian educated at Leipzig and Paris, lives now in France. He is an ambitions and strong exponent of the newest German dramatic and orchestral style. Wagner's »Liebesmahl« done under Costa at Birmingham Festival of 1876, Avas revived this year by the Royal Choral Society, the largest regular choral society in this country, conductor Sir Frederick Bridge, at the Albert Hall; and the effect on the audience was immense. It was well to show that Wagner could grasp ail styles that he undertook Avith equal power and beauty. The same society gave this year Handel's »Messiah« without any additional accompaniments ; and the simpler effects were quite adéquate, if indeed they were not préférable. Hère as everywhere there is a party of purists who wish to take old scores in their exactitude, and an opposite party who wish to give the music its utmost in-lying effect however that is done. As it happens, in this case both parties should bave been satisfied. But then the reason was that there was an enormous hall, an enormous choir, and a fine organ to do the filling-in. No gênerai argument can be drawn. Mozart's accompaniments were written for smaller halls, and places where there was no organ. Probably this matter of accompaniments for Handel turns on the organ question. As to the further matter of dynamic balance, Prof essor Prout and others hâve not ceased to point out that in Handel's own performances (or some of them) the instrumentalists were to the chorus as 3 to 2 ; a realistic revival therefore would absolutely invert modem circumstances, where the corresponding figures are something like 1 to 7. Truly if one tries to escape from the living 19'^ and almost 20'^ century, one is beset with difficulties ; and is not the happy valley of Amhara the day in which we actually exist? The opinion of the writer, for what it is worth, is that we should realise our own modernity, that it is better to level up music (in externals) than to level down our own sensibilities, that we should not hesitate to make those modifications (in externals) to which composers would infallibly hâve assented, and which they would even hâve craved themselves. The Worcester Festival, just taken place, performed a sacred cantata »Hora Novissima<' by H. W. Parker of Boston, America, z. d. I. M. L 2
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A suave com2)Osition, not a note out of place, not a difficulty introduced wliicli could clieck sound, not a vocal effect lost tliat could be made, the fugued clioruses admirably constructed, ail tlie part-writing good, some of the solo "work coiitaining real 2)lacid beauty. On tlie other side, ail the individualities tliose of Dvorak, and the work as a whole not strong. To sum up, a meritorious work, which the Festival did itself honour by making cross the Atlantic. Next after »Messiali« and »Elijah« it secured the largest attendance. A Beethoven symphony in cathedral aisles showed tliat this is the true gold of miisic. Spohr's »Last Judgment« in the same showed that he had gone further to reach and touch the depths of religions feeling than even the beautifnl and polished ^[endelssohn, whose >Lobgesang« came soon after.
Conductors.
The prominent résident conductors now in England are seven. August Manns at the Crystal Palace is in position the lineal descendant of Costa, whom he scarcely overlai^ped but succeeded; at his great âge of 74 he is simply a phenomenon, walking more erect than many men of 40, and conducting music still with boundless buoyancy; when a youth in Prussia he arranged Beethoven's symphonies for military band, and he lias had his reward in becoming the leading conductor of the richest and most effectively music-supporting country in the world; it is calculated that he lias conducted 13000 concerts at the Crystal Palace. Henry Wood is a phenonienon in the other direction of quick aliiiost sudden rise; 7 years ago he was only known as the conductor of the short 1892 Lago opéra season (Eugène Onegin); 5 years ago liaving been selected by the entrepreneur Robert Newnian he at once stepped permanently before one of the most influential audiences in the metroijolis at the Queen's Hall; no one can grudge liim the immense success which he bas since increasingly had, for it is not only that lie is young and lias ail his wits about him, but he lias also a most sensitive musical organization. Stanford is not a jirofessional conductor, but lias wliat was once considered the highest claim of ail or sole claim for conducting, that lie is a créative composer and can tlius see into the very lieart of music, — the rest being regardcd as encroachment of the laity; he conducts at the Bach Choir and the Boyal Collège. Cowen lias the same claim, and has perhaps given more attention to conducting as a career; he once conducted the Philharmonie as above seen for 5 years and has for the last 2 years conducted the Manchester so-called » Halle « concerts, and by a turn of the wheel lias made room there for Bichter. The secret of Frederick Bridge 's success as a choral conductor at the Albert Hall is that he is bcloved, but he is also an extraordiiiarily (piick and
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able man. Georges Jacobi, the hero of literary 100 ballets composée! and performed at the Alhambra etc. does not go beyond bis province, but knows what he is about therein. George Risely, lately of Bristol in the provinces, liad a réputation as a choral conductor and came to London very recently; he was employed by Robert Newman for choral and other concerts at the Queen's Hall, but 3 weeks before thèse remarks are written undertook the Covent Garden Promenade concerts. Regarding foreign orchestral conductors there bas been a cycle of public favour in last few years; Richter, Mottl, Lamoureux, and back to Richter. The latter bas worked his way up from the ladder's foot, and will probably retain the premier position as long as lie desires it. The Covent Garden opéra conductors are nearly always imported.
Seientifle.
Perhaps this is enough about executive nuisic. The Royal Institution in Albemarle Street, co-eval witli the century, employ lecturers on many subjects, but do not print results in Proceedings. Last January Sir Alexander Mackenzie gave 3 lectures on Liszt, Tschaikowsky, Brahms ; an eminent composer on composers in open lectm'e is very noteworthy, and as the Principal of the Royal Academy takes an intellectual grasp of everything he handles it is a pity that he is only to be read through newspaper reports; his »prose-works« are not. Last May Mr. E. A. Jacques gave 3 lectures on the influence of Eastern on European music; six différent scale-tunings were exhibited on three Broadwood pianos, and the melody types of many nations were examined, coming from east to west longitude. The Musical Association is the only Learned Society in Great Britain spécial to music. It has 8 lectures a year, with discussions; and the lectures and discussions entire are printed in yearly Proceedings. This season Dr. F. G. Shinn lectured on learning by heart; he divided the memory there used into (a) musical or that of the ear concatenating sounds, (b) muscular or where the fingers concatenate motions unconsciously, (c) visual or where the player remembers the printed page or the order of the notes on key-board, (d) intellectual or where the player mentally reconstructs passages, forms etc.; those surely who think they use »c« must be self-mistaken, and the other three may divide the responsibility, but the last must be the dominant factor. Mr. H. Davey on Palestrina was full and historié in a most valuable degree but seemed to think he would be singular in asserting Palestrina's place among greatest masters, which few will deny; he was for putting in accidentais hère and there, but some regard »musica flcta« as décadence destructive of the pristine solemn charm , and at least it is a thorny ill-understood subject. Mr. Piper lectured in favour of modem-
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made violins. Dr. E. Walker gave a cultured tribute to Bralims who was »the fusion in the terms of the musical material of the latter of the 19th century of the désire for emotional expression witli the désire for structural proportion* ; he pointed out the intensely melodious nature of his work', and how he had produced »ahsolutely flawless art in every département of music from the largest to the smallest, witli the solitary exception of opéra, which after ail is only music in a partial sensé «. Mr. W. Wall ace lectured on Programme Music, but held the scales very evenly between praise and dispraise. This year Messrs, Broadwoods, through Mr. A. J. Hipkins the vétéran of that firm, hâve moved for uniform tuning of pianofortes to the comparatively low French, called hère Vocal, pitch. The only extant history of Enghsh pitch is in the truly extraordinary form of a catalogue of known pitches in order of vibration-number, so the following sketch may be of use. Down to about Blow, or during the golden âge of English music, the Protestant church i)itch was in gênerai inordinately high, as we now regard it, and in détail variable with the organs; the chamber and unaccompanied pitch Avas in gênerai very low and had no standard to speak of. Thus Byrd's anthems require now transi)osing up (though it is never doue), and his masses require now transposing down. Furthermore the Protestant church pitch was on a steep downward slope during that period, due to the development of cham])er music. The chm-ch pitch of Tallis, Gibbons, Morley etc. (16^^ century) was probably the same as that of N. Germany, A 567, almost a major 3'"^ above our récent high pitch; but organs of Purcell's time (latter part of 17th. century) had corne down to A 474, a semitone only above and there were within the ijeriod even some organs at 442, 428 etc. Thèse matters found bottom decisively in Handel's time. His own fork, now in a private collection at Vermont, Massachusetts, shows that by 1751 the concert-oratorio pitch had settled to A 422.5; and as there was a low chamber pitch much below that at the same time, this fork of Handel's has been in England called »mean pitch*. For three-quarters of a century, and ail through the time of Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Weber, etc. there was a stable orchestra at this pitch, in England as in Europe, the London Philharmonie fork being still A 423.7 down to 1828. The rapid rise whicli took place in Vienna just at the close of that period, owing to the military band, was little noticed hère; though Smart in 1828 sanctioned a shght rise to A 433.2, which (called Smart's pitch) remained in force through Mendelssohn's 1844 conductorship, and was in fact French ])itch. Quite otherwise the Italian opéra, which in sympathy with the continental movement and under Costa ran unrestrainedly up, so that in 1846 it was at A 452.5; and this highly divergent pitch Costa rather forcibly introduced into
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the Philharmonie also when he took charge there in 1846. From 1850 onwards Broadwoocls had 3 pitehes, Vocal 433 (being Smart's piteh) Médium 446 (empirieal for domestic pianos), and Philharmonie 452 (whence »coneert-piteh«); after that the Crystal Palace went up to 454, and the Albert Hall to 455, through their organs; Erards had pianos up to 456 ; independent brass bands in the north hâve gone still higher. France however has always favoured a low pitch, and in 1859 Napoléon III took up the A 435 pitch previously adopted by the French opéra 24 years before, and legalized it for France as A 435.4 at 59° Fahrenheit; that is to say ail instruments exposed to that heat should be at that pitch. Then began varions efforts hère for slipping out of the high pitch yoke. A » Society of Arts« committee under Hullali proposed A 440 (J. H. Scheibler's proposai at Stuttgart Physical Science congress of 1834). Sir John Herschel desired a philosophical A 430.5, derived from C 512, because 1 vibration per second raised by 9 octaves gave the latter figure. And so on. In 1869 Novello and Co. under Mr. H. Littleton actually made some oratorio concerts at French pitch, Barnby conductor, and new instruments being bought; Cusins similarly with the Queen's State Band; but neither of thèse changes was permanent. In 1879 Covent Garden adopted French pitch and hâve since kept it. In 1885 the military authorities were asked to lower their 452 pitch, but as they had only followed Costa and the Philharmonie in 1846 they declined to change back. In 1886 another Society of Arts committee in vain advocated French pitch. At last the Philharmonie itself finally broke with its own pitch, and in broad terms adopted French pitch, A 435, on IP^ July, 1895. In the autumn of 1895 Queen's Hall adopted French pitch; since then the Queen's State Band, Manchester Halle orchestra, Liverpool Philharmonie, Leeds Philharmonie, Moody- Manners opéra company, Hoyal Academy, Royal Collège, and many others, hâve followed. On November 6*^ 1896 on the advice of Mr. Hipkins the Philharmonie proceeded to be more spécifie and introduced the température question. He pointed out in effect that 59°, however it miglit suit out-door military bands, was long below the heat of an occupied lighted concert-room, (as realized by the Yiennese in 1885); and he put the latter at an average of 68°, or 9" higher. But varions instruments sharpen differently with heat according to the différences either in their own elastic and other qualifies or in the size of the contained column of air. A Flûte or a Hautboy will sharpen 1.50 vibrations per second for 10° rise in heat, while a low widebore brass instrument will sharpen 3.50 vibrations. Shrewdly and patiently taking a mean for the Avhole orchestra including organ, he considered that if that mean is 435 for 59°, it will bave sharpened to 439 Avhen the room is at 68?; and he
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verifiecl this by multiplied expériences which must Lave cost liim much labour. He consiclered then that tlie actually performing concert température should be the ruling factor, and that each individual instrument should be constructed in such a way as to give A 439 at 68°. The Philharmonie followed liim in this, and on November 6th 1896 announced their corrected pitch as A 439 at ôS"^, and issued an A fork at 439; adding also deduced thence by equal température a B flat 465 for guidance of brass-instrument makers, and a C 522 for pianoforte makers and organ builders. This year Messrs. Broadwood nioved to extend the standard to the pianoforte trade, and putting the ligures at 439 for 68", hâve gained the concurrence of Bechstein, Bliithner, Brinsmead, Challen, Erard, Ibach, Pleyel, and Schiedmayer, fwitîi many other makers), to send out pianos thus tuned unless the contrary are called for. It will be seen from the above history sketch that England, like France, lias always been conservative of a low orchestral pitch, (and indeed there are many who would hâve preferred even now to go straight back to Handel's >mean pitch «, the pitch of the period of ail the classical composers;) and that l)ut for a temporary aberration caused by the Italian opéra under a determined foreign conductor she would never bave left it. The culminating concurrence of action in the last 4 years bas practically dethroned the high pitch for English opéra houses and orchestras, leaving it only with the Begimental bands; and it is doubtful whether the Government will not eventually make a grant to pay for change in the latter. As regards the pianofortes it is to be presumed that manufacturers will issue forks to tuners passim, for the tuner régulâtes the situation not the maker. As to the refinement about température two thouglits occur : — (a) A conséquence of taking a concert-room beat standard and working up to that, is that the manufacturers of orchestral instruments, (whose factories are certainly not lieated to 68",) Avill bave to make calculations and take trouble to attain the end. (b) As pianofortes change very littlc with beat and where they change Hatten, they will practically be manufactured under the new convention at A 439 itself; so that the prevailing domestic pitch, which entirely dépends on pianofortes will be shghtly ovcr the French legalized pitch of A 435 at 59" Fahrenheit. However undoubtedly the gênerai principle is correct, that the température to choose and work up to is the température where the concerted troubles mostly or exclusively arise, in other words the température of the heated concert-room; and the procédure of the Philharmonie in acting on this j)rinciple is of international interest. Mr. Hipkins, who at the opening of bis life was a pioneer of equal tempérament tuning, bas hère towards its close rendered great services to the question of absolute jntch.
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Journalism.
Musical journalism in London is in a very progressive state. Not long back ail the newspapers required musical and dramatic criticism from tlie same person ; now not only do they separate those functions, but tlie leading papers bave at least two musical critics in direct pay. The multiplication of musical events is so enormous that even the latter hâve to systematically enlarge the staff by private arrangement. The work falls into two classes; that for specially musical papers, where the principal matter is usually signed; that for gênerai newspapers Avhere the matter is anonymous, or in a few cases initialled. Musical criticism is now a self-supporting profession, though small. The monthly » Musical Times « (editor F. G. Edwards) deserves the front rank among English musical newspapers; it is in the direct interests of Novello and Co., which diminishes its opportunities as a gênerai newspaper ; still sucli is the grasp which that firm bas on English musical life that the paper very fairly reflects the whole country; it is conducted witli mucli dignity, contains tightly packed matter, and is a journal in which things in gênerai find their level; price fourpence. The weekly »Musical Standard « (editor E. A. Baughan) is the property of Mr. Eeeves, a publisher and seller of musical books, but that fact is very little obtruded; it bas a considérable news agency; some of its columns are rather disfigured by an extravagance of the new-style first-person journalism, but it is the most independent and perhaps the most vigorous of English musical newspapers; price 1 penny. The weekly » Musical News« (editor J. E. Borland) is the property of a syndicate and the organ of the Royal Collège of Organists and the English organists generally; at the instance of an ex-editor Mr. T. L. Southgate it has led some excellent crusades against charlatanries in the teaching world; it is a fighting paper when there is something to combat; price 1 penny. The weekly »Musical Courier « (editor F. V. Atwater) is the property of a syndicate, and is more or less the organ of executive artists; it is conducted smartly and genially, and perhaps on American principles; it freijuently contains important enterprising matter; price threepence. The monthly »Musical Record <' (editor J. S. Shedlock) is the organ of Augener and Co. ; it has for the most part a very self-restrained style, and is worthily produced; it represents school interests as connected witli imported music: jirice twopence. Each of the above papers contains about the same amount of letter-press, excepting the Musical Times which contains double. In 1897 there appeared, but only for 6 months, the most admirable venturc yet made in English musical journalism, namely the weekly »Musician« (proprietor and editor B. Gray). This was a sixpenny paper slightly analogous to the Saturday Review, yet differentiated for the subject. It
24 Charles Macleau, 3Iusic ùi England.
combinée! in about equal parts, Avritten-up news-items, criticism, and essayism, and Avas ail original matter by tlie best writers of the class in London. The pressnre was kept up to the last, but there was no demand for such an expensive journal once a week and it fell. Following on that hâve this year appeared two numbers of a small quarterly shilling magazine, »The Chord« (editor J. R. Runciman); mainly aesthetic essayism, with some review matter. The ingrédients for a recipe of musical sesthetics proper would seeni to be, enthusiasm, analogy of other subjects and especially of other arts, translation of the art into language of the émotions, invective, epigram, water to dilute; the proportions of the first 5 varying with the idiosyncracy of the writer, and the quantity of the latter varying with his ability. Whether there is enough market for tins class of writing in England, unless floated by a considérable amount of news, remains to be seen. The »Chord« articles are nearly ail clever. No. I contains an article in French by Alfred Brune au protesting that Wagner taken in lump just now by Parisians is sticking in the throat and preventing a due circulation of aliment, and assuring his brothercomposers of France that nevertheless their time is at hand for having their own say in their own manner. The leading musical critics of London may be found in the following epitome. J. A. Fuller-Maitland of the Times occupies the first place, representing the application of the highest culture to music, which culture he seasons with an incisive humour; F. Gilbert Webb of the Standard, Morning Post, Observer, and Référée, may claim the second place, combining sound and instructive journalism with a well-balanced critical judgment; Joseph Bennett of the Daily Telegraph and Musical Times brings a very long expérience to bear on the subject, and one would with risk controvert his judgment; Edgar F. Jacques of the Observer lias two attractive qualities, common-sense and terseness; E. A. Baughan of the Musical Standard and Musical Record is a very clever littérateur, and sound in a comprehensive grasp of affairs; W. Barclay Squire holds an imjiortant position in the music section of the British Muséum, and while a learned anticpiarian writes modem criticism for the Globe; Hermann Klein of the Sunday Times f urnishes fluent and intoresting feuilleton matter on current (nonts : J. R. Runciman of the Saturday Review bas extraordinary abilities, but thinks and writes in reckless extrêmes; Arthur Harvey of the Morning Post has an casy picturcsque pen agrceable to a polite audience; Alfred Kali s ch, of the ]\ranch(>ster Courier, Morning, Star, and World, is an ex-Oxonian and a skilled sound journalist; Robin H. Legge of the Times, also an Oxonian, writes shrewdly on the passing hour; Vernon Blackburn of the Pall Mail Gazette is a really brilliant exhibitor of the style of the new criticism; Franklin Peterson of the INIusical Record is an essayist whose
Charles Macleau, Music in England. 25
conciseness and laregnancy of thought make his work always engaging; Mrs. Newmarch, translater for the papers of Russian musical writings, yet adding original commentary, lias been very opportunely iiseful during the late influx of Russian music. English critical journalism is as a rule very temperate; wlien otlierwise, divergence generally accompanies heated opinion, and among sucli a multiplicity of journals it is easy to strike an average.
Organization.
Not including governesses, there are about 10000 professional practitioners of music in this country; and nearly ail thèse either combine teaching with performance, or teach exclusively. Half of the whole are in London. Of the 5000 in London, 1000 are vocalists, 2000 play instruments other than the pianoforte and organ, and 1000 are either pianists or organists or miscellaneous. The Incorporated Society of Musicians represents about 2000 gênerai professional teachers throughout the country, in 24 local sections; it is the resuit of self-help and co-operation, and is admirably organized; its aims, to give a status to members, hold conférences, and federate for miscellaneous purposes. It has some hopes of pressing on Parliament a measure for compulsory registration of ail who teach, like the registration in Law and Medicine; but the public aspects of those three professions are différent. In 1897 was formed a Musical Directors' Association, Président Georges Jacobi; this is mainly for theatrical conductors. The Orchestral Association represents over 1000 of the orchestral players of London, and contains most of the best players in the kingdom; it safe-guards in varions ways the interests of this talented branch of the profession, which has ail the burdens of professional status with an extremely scanty share of the émoluments. The Royal Society of Musicians of Great Britain (a benevolent society) is a very typical institution. 150 years ago a German oboist of high repute fell into want and was found dead in tlie London streets. The Secretary Mr. Stanley Lucas tells with the dramatic force of simplicity how the orphan sons were seen driving milch asses, and how a fcAv pounds were subscribed for them. Tliat began the society. The capital value of its property is now £ 1(X)000. Another animating incident; in the nowcxpiring half-century a bassoon-player invented a pianoforte check-action, rose to unexpected affiuenee, and subscril)ed £ 3(X)0 to the society. The institution is typical by reason of its sturdy cameraderie and excellent business aspects. Charles Maclean.
26 AVilhclm Klcctckl. Die Bayreuther Festspiele 1899.
Die Bayreuther Festspiele 1899.
Als Richard Wagner im Jahre 1876 in Bayreuth zum erstenmal den »Ring des Nibelungen« auffiihrte, brauste ein Sturm der Entrûstung und des Abscheus durch die papierne Welt des Zeitgeistes. Die Kritik war einig in der Verurteilung. Erst nach 6 Jabren wagte der Meister einen zweiten Versucb, mit dem Biilinenweihfestspiel »Parsifal«. Inzwischen batte Angelo Neumann im Frûhling 1881 die Tétralogie in Berlin eingefûhrt. Eine Wagnergemeinde war hier, wie an anderen Centren des Geistes, aus den eifrigen Bestrebungen hochgestellter Persônlichkeiten herausgewacbsen; doeh war ihre Anerkennung eine vereinzelte. Die erdrûckende Majoritât blieb im gegnerischen Lager; sie erklârte, die Schôpfung werde in aile Ewigkeit nichts Anderes sein imd bleiben, als die grandiose Verirrung eines ungemein willensstarken Geistes.
Lange Zeit batte man in den Wagner'schen Opem nichts als das Blech hcrauszuhôren vermocht, und billige Witzworte, wie »der blechgepanzerte Lohengrin« und das »Rheingold, das richtiger Rheinblech heiBen sollte«, rechneten kurz und unwillig mit den Werken ab. Dann kam eine Zeit des Wagner-Fanatismus, eine Zeit, da man sich in Lobestiraden ersehopfte und jede Kritik als Verrat an den heiligsten Geboten der musikalischen Kunst ansah und verurteilte, bis sich endlich die ruhige, sachgemaCe Anschauung durchrang, die die einzelnen Phasen lobend und tadelnd begleitete, ohne dabei zu leugnen, daC in dieser grandiosen Vereinigung von tônender, dichtender und bildender Kunst eine ganz neue, mit friiheren MaBen unerreichbare GroBthat geschafFen sei. Ober die GrôBe des Génies, das nun immer klarer aus den Nebeln der Zeiturteile hervortrat, vcrgafi man leicht und gcrn die Nebel selber, die zuerst seinen Glanz verdunkelt. dann zu Weihrauchdunst verdichtet ihn wie ein unantastbares Mysterium verborgen hatten. Wie war man erstaunt, als die Wolken sich teilten, ein urgewaltiges, groBzûgiges, aber dabei doch immer rein mcnschliches, mit Menschenwissen geschafFenes, mit Menschenkonnen zu begreifendes Kunstwerk vor sich zu sehen!
Man erkannte, daB die Unbegreiflichkeit der Musik weniger in den Werken selbst, als in deren mangclhafter Ausfûhrung zu suchen war. Und man war mit dem Schôpfer einig, daB in der Beschaffung der Darstellungsmittcl, der technischen wie der kiinstlerischen, der erste Schritt zum Verstiindnis und zur Beurteilung seiner Schopfungen zu finden sei. So wuchs mit der Verbesscrung der Interprétation auch die Empfiinglichkeit und die Kritikfahigkeit f'iir die Errungenschaften der Wagner'schen Muse, deren Wirken und SchafFen wir heute objektiv gegenûberstehen.
Die Thatsache der jetzt ungeheuren Popularitat Wagner's kônnte eigentlich Bayreuth ûberfliissig erseheinen lassen. Und doch fûllt dièse Stiltte noch eine Lûcke in unserem modernen Kunsttreiben aus, da man einzig in Bayreuth ohne aile Ncbeninteressen, ohne gesellschaftliche und matérielle BeeinHussimg einmal in der reinen Luft der Idealitiit geistig Atem schopfen kann. Freilich muB die Leitung der Festspiele ihre Aufgabe zu losen verstehen; sie muB den Intentionen des Meisters gerecht werden, ohne in dem starren Ténor seiner idealen Forderungen selbst zu erstarren.
»Geben Sie nur auf die kleinen Noten acht, die groBen kommen schon von selber «, rief Wagner seinen Sangern zu. Das hat sich auch die Festspiel-
Wilhelm Klcefeld, Die Bayreuther Fcstspiele 1899. 27
leitung zu Herzen genommen; und gerade in dieser Beachtung ailes Begleitenden, ailes Beigeordneten, mit dem Hauptgedanken parallel Laufenden beruht ein gut Teil des Bayreuther Erfolges. Die scheinbar nebensâchliehen Episoden, die an anderen Bûhnen verkûrzt oder ganz gestrichen werden, wachsen hier in einen gigantischen Rahmen hinein, so die Zwiesprache zwischen Waltraute und Brûnnhilde und die Nornenszene in der »Gôtterdâmmerung«, so die Erdaszenen im »Rheingold« und » Siegfried « und die Wotansgesprache in der »'Walkûre«. Ganz besonders wirkungsvoll durch den berûckenden Klang der trefFlich ausgewâhlten Stimmen waren die Ensemblesâtze , der Mannerchor in der »Gôtterdâmmerung«, das Rheintôchterterzett, die Walkûrenszenen, die weihevollen Grals- und die machtigen Meistersingerchore. Eine Ausnahme bildete das Meistersinger-Quintett, dessen Weihestimmung durch schlechte Intonation der beiden alternierenden Eva-Vertreterinnen, Fr. Kernic und Fr. Gadsky, zerstôrt wurde.
In diesen Rahmen der ûberwâltigenden Totalwirkungen fiigten sich die Einzelleistungen fest und sieher ein. Frisch aus der untheatralischen Naivetat heraus hat man Manner wie Burgstaller, Breuer, Heidkamp direkt fur Bayreuth herangebildet und gemeistert. Freilich leiden die Darstellungen solcher Meisterschûler lange Zeit unter dem Drucke der Schule, die ja, wie Wagner in seiner einzigen komischen Oper selbst darlegt, allzu leicht zu Ûbertreibungen und Verzerrungen verleitet. Das BewuCtsein der Absicht lugt aus jeder Linie des Vortrags wie der Bewegung stôrend und illusionsraubend hervor.
Eine eigene Kunst Bayreuths ist, aus Konzertsângern Bûhnendarsteller zu schnitzen. Man war ermutigt durch die auCerordentlichen Erfolge eines van Rooy, einer Gulbranson, die ohne zu straucheln von dem Parkett des Konzertsaals sich auf die abschûssige Bahn der Bûhne hinûberwagten. Wir kônnen uns jetzt kaum einen besseren Wotan denken als van Kooy, kaum eine bessere Brûnnhilde als Ellen Gulbranson. Der Versuch war so glânzend gelungen, daB er zur Wiederholung ansporute. Bei Sistermans und Frl. Dietz blieb der Erfolg aus; sie stachen unangenehm gegen das Ensemble ab. Bei Dr. F. Kraus kam man stimmlich schon jetzt zum GenuC, sein Gurnemanz war ganz Ausdruck und Empfindung. Die Darstellung lâCt natûrlich noch die Sicherheit, die Routine vermissen. Von den neu hinzugezogenen Kiinstlern seien Ernst Kraus als Siegfried und Walther Stolzing, Frl. Ternina als Kimdry und Dr. Briesemeister als Loge ganz besonders riihmend erwâhnt.
Die Frage, ob Siegfried Wagner durch die Leitung der Tétralogie der Bayreuther Kunst genûtzt habe, ist kurzweg zu verneinen. Freilich irren auch die, die ihm aile Bayreuther Sûnden zur Last legen; er hat nicht genûgend Eigenart, noch geniigend Unart gezeigt, um fur den Ruhm oder den Tadol der einzelnen Episoden verantwortlich gemacht zu werden. Manche Un- /.ufriedene wollen in dem Umstand, daB die erste »Meistersinger«-Auffûhrung unter Hans Richter durch mancherlei Zwischenfiille beeintrilchtigt wurde, noch die schadliche Nachwirkung der Siegfried Wagner'schen Orchesterleitung erblicken. Das geht zu weit; Hans Richter ist ein so gewiegter Kapellmeister, daB er derartige Einfltisse mit starker Faust in Grund und Boden dirigieren miiCte. Nein, Richter war ofFenbar bei der ersten Auffûhrung selbst nicht in der geeigneten Stimmung; die erste Wiederholung stand dagegen wieder ganz auf der Sonnenhôhe seiner traditionellen Glanzleistungen. Dazu trug
28 Max Seiffert, Das Album Morsianum.
auch vor allem der Umstand bei , daB van Rooy den Hans Sachs iibemahm, wâhrend bei der Première Demuth. die Figur verkôrpert hatte. Van Rooy gab dem Portrât des Nûrnberger Schusterpoeten einige derbere Pinselstriche in Haltung und Gesang; dièse Kraft des Ausdrucks, dièse Ûberzeugung des Herzens muBten ihren EinfluB auf das ganze Werk geltend machen. Auch die zweite »Parsif'al«-Vorstellung stand ûber der ersten, we'û Burgstaller unmittelbarer zu wirken verstand als sein Kollege Gerhâuser. Fischer dirigierte den »Parsifal« treu den Intentionen des Meisters, der ihn noch selbst in seine Mysterien eingefûhrt. Wilhelm Kleefeld.
Das Album Morsianum.
Joachim Morsius, eines Hamburger Patriciers Sohn, ging 1610 Studien halber auf Reisen; er besuchte viele deutsche GroBstadte, kam nach Holland, England, Danemark. Seine gesellschaftliche Stellung verschaffte ihm den Verkehr mit bedeutenden Mannern der damaligen Gelehrtenwelt und auch den Zutritt an mehrere fûrstliche Hôfe. Von Beginn seiner Reisen an lieB es sich Morsius angelegen sein, aile wenn auch nur fiûchtigen Begegnungen, die ■wichtigsten Erlebnisse \md Ereignisse litterarischer wie politischer Natur durch irgend welche Merkmale fur seine Erinnerimg lebendig zu erhalten. So entstand eine uberaus umfangreiche Sammlimg von Autographen, Kupferstichen, Holzschnitten, Gelegenheitsdrucken und ahnlichen Raritaten aus der Zeit bis zum Jahre 1642. Spâtere MuBestunden, die Morsius als Universitats-Bibliothekar in Rostock fand, benutzte er, um im einzelnen mannigfache Zusatze, kleine biographische Notizen, Kopieen von Lobgedichten und anderes mehr nachzutragen. Die Sammlung, die ursprùnglich einen unfôrmlich dicken Band ausmachte, teilte ein spaterer Besitzer, Jacobus a Melle, in vier Bande; und diesen fûgte er seinerseits in einem fûnften Bande ein dreifaches, sehr brauchbares Register bei (Ms. 61 a — e, 4^, der Lûbeckcr Stadtbibliothek).
In diesem Album befinden sich nun auch einige musikgeschichtlich beachtenswerte Eintragungen.
1) Bd. III S. 496. — »Joh. Adolff Hoyer, F. D. H. et Cap: M. Lûbeck. 12. Febr. 1618. « Ober diesen Musiker ist sonst nichts bekannt.
2) Bd. II S. 247. — » Canon in unisono, quatuor vocum. [Noten.] In Amsterdam 3. Decemb. 1618. Jan P. Sweelinck. Org:« Ein Facsimilc dièses Blattes hat Ch. M. Dozy (Oud Holland III, S. 277 ff.), eine Ûbcrtragung des Kanons .1. C. M. van Riemsdijk Tijdschrift der Vereenig. v. N.-Ned. Muz. II, S. 202 tr.) verôffentlicht.
[ 3) Bd. III S. 566. — Brief aus Augsburg vom 13. Aug. 1620. Schreiber ist Philipp Hainhoffer, der diplomatische Agent consiliarius) des Hcrzogs l'hilipp II. von Pommern in Augsburg. musikgeschichtlich als eifriger Lautenmusik-Sammler bekannt. In dem Briefc dankt H. Morsius fur die Ûbersendung des «Thésaurus Harmonicus« von Bcsardus (1603). 4) Bd. IV S. 77.'). — Ein Autograph von H. Schûtz: »B. Hyeronimus.
Credenti totus mimdus divitiarum est:
.Tohannes AVolf, Ein alter Lautondrnck. 29
infidelis autem etiam obolo indiget.
Cantabo Domino in vita mea, psallam Deo meo quam diu fupvo. [Ps. 104, 33.] Clarissimo ac praestantissimo viro Dno Joaehimo Morsio, observantiae et Amoris ergo lubens apponebat, HafFniae die 21 Januarii Ao. 163(4). Henricus Sagittarius pro tempore Ser"" Daniae et Norwegiae Régis, alias Ser"" El''^ Sax'-' Capellae Magister.«
5) Bd. II S. 225. — Originaldruck von Gabriel Voigtlânder's »Liedt An die Kônigliche Vestung Glûckstadt. Gedvuckt Im Jahr 1639 « (6 Stropben ohne Musik). K. Goedecke (Grundrili z. Gescb. d. deutsch. Dicbtg. III. 2. Aufl. S. 95) konnte dies Stûck nur nach MoUer's »Cimbria literata* citieren.
Max Seiflfert.
Ein alter Lautendrack.
In der Bibliothek des E. Istituto musicale zu Florenz befindet sich ein bisher unbekannter Lautendruck ia qu.-4'^ mit dem Titel: »Frottole de Misser Bortolomio Tromboncino et de Misser Marcheto Carra con Tenori et Bassi tabulât! et con soprani in canto figurato per cantar et sonar col lauto*. Jahr und Druckort sowie Name des Druckers fehlen. Doch wird eine ungefahre Zeitbestimmung ermôglicht durcb das Privileg: » Sanctissimus dominus dominus noster Papa Léo X. vetat, ne quis alius bos cantus imprimat toto decennio sub excommunicationis pena«, da Léo X. nur wenige Jahre (1513 — 21) den papstlichen Stuhl inné batte.
Das Werk entbâlt 37 Gesânge, die je nacb dem Verfasser bald B. T., bald M. C. gezeichnet sind. Ibnen voran gebt eine régula per quelli che non sano cantare, worin wesentlicb die italienische Lautentabulatur erklârt wird. Leider vermag icb auf Grund meiner 1896 angefertigten Notizen nur einen Teil der Stûcke nambaft zu macben; so von Tromboncino:
Chi se postegar d'amore preso.
Se la luma cba cbe s'abrusa.
Ognimal d'amor procède.
Facto son per affanni ombra si oscura.
G lie pur concente il fier désir.
Forsi e ver forsi che no.
Ben ces' son d'amor.
Queste non son piu lacrime.
Congida il mio bel sol.
und von Car a:
Per fugir la mie morte.
Se alcun tempo da voi son stato absente.
Se amor non è che adunque quel chio sento. Von den angegebenen Gesângen laCt sich Qlie pur coiicente il fier désir sowohl in der Sammlung von 1519 Fioretti di Frottole etc. (vgl. Vogel, Vokalmusik Italiens II, 375) als auch zusammen mit Queste non son piu lacrime und Se amor non è che adunque in der Sammlung von 1520 Frottole libro quarto. Venetiis etc. (vgl. Vogel II, 376) nachweisen. Johannes Wolf.
30 Notizen.
Notizen.
Aus Frankreicli wii-d das Bevorstehen einer wichtigen musikwissenschaftlichen Publikation gemeldet, die sich » M é 1 a n g e s d e M u s i c o 1 o g i e « betitelt und vom Archivar Pierre Aubry geleitet wird. Es sind vier Quartbânde in Aussicht genommen folgenden Inhalts: I. Adam de S t. -Victor, œuvres poétiques et musicales, palaGgraphische Ausgabe mit Nachbildungen, ediei't von E. Misset imd P. Aubry. II. Les plus anciens Monuments de la musique française, Sammlung von 24 Naclibildungen in Phototypie mit Ubcrtragungen, Noten, Kommentaren und Einleitung von P. Aubry. III. La Musicologie médiévale. Gescbichte uud Entwickelung der Musikwissenschaft im Mittelalter von P. Aubry, die besonders behandelt Jumilhac, Lebeuf. M. Gerbert, Fétis, Coussemaker, les éditions des livres de chant liturgiques. l'œuvTC Bénédictine, die philologische und historische Méthode in der Musikwissenschaft , die wissenschaftliche Hypothèse. IV. Lais et Descortez du moyen-âge. Texte und Weisen kritisch herausgegeben von A. Jeanroy, L. Brandin imd P. Aubry. — Bis zum Dezember 1900 sollen aile 4 Bande erschienen sein, auf die man zum Preise von 72 Mk. bei Brcitkopf & Hârtel subskribieren kann.
Die Zahl der Sammluugen alter Masikinstrumente ist in erfreulichem Wachsen begriffen. Zu den bekannten staatlichen Sammlimgen in Berlin, Briissel, London, Paris und den privaten von P. de Wit-Leipzig, Ei'zherzog Franz Ferdinand von Ôsterreich-Este , Baron Nath. Hothschild in Wien , G. Donaldson in Great Stanmore, Scheurleer in Haag, Morris Steincrt in Newhaven (Amerika) u. A. sind in jiingst verilossener Zeit mehrere hinzugekommen.
Im Kunstgewerbemuseum zu Hamburg hat sich die von friiher vorhandene imbedeutende Kollektion durch die Bemiihungen von Dr. Fr. Chrysander und Prof. Brinkmann zu einer bcsonderen Abteilung entwickelt, die sich u. a. durch den Besitz mehrerer vortreflflicher Instrumente von Joach. Tielke, dem bedeutcndsten Hamburger Geigenbauer, auszeichnet.
Im Nationalmuseum zu Kopenhagen hat Prof. A. Hammerich die Einrichtung einer Instrumentenabteilung durchgefiilirt. Zur Feier der Eroffnung fand nach einem oinleitenden Vortrag des Pruf Hammerich ein historisches Konzert statt.
Die Kollektion des Rijksmuseum in Amsterdam ist vor kurzem durch die .T. C. Boers'sche Privatsammlung (130 Nummern) vermehrt worden. Als Hauptinstrumente sind zu nennen: Viola von Hcndrik Jacobs, Amsterdam 1692; 1 kupfeme Viola mit getriebenen Ornamenten aus dem 17. Jahrh.; Altviola von Daniel Raetzen, Hamburg 1732; Altviola von Seb. Naye, Miinchen 1778; Viola d'amore von J. Andr. DiJrffel, Klingenthal 1754; zweiklavieriges Spinett von Pet. Joh. Couchet, Antwerpen 1640; eine Série von 13 Oboen; endlich ein sog. Kortholt oder Courtaut [Praetonus, Synt. Mus., fiihrt ein »Kortholt« an »als Basset oder Ténor zum Chorist-Fagott*. Laborde, Essai sur la Mus., bezeichnet »Courtant« nâher als a basson qui servait de Basse aux musettes*]. 28 Stiicke sind nichteuropilischen Ursprungs.
Eine betrâchtliche Sammlung (940 Nummern) ist der Michigan-Universitàt in Ann Arbor durch die Munificenz von Mr. Fred. Stearns in Détroit zugefallen. Bisherigen kurzen Mittcilungen zufolge ist die Sammlung relativ gut konserviert und besteht aus europâischen, afrikanischen, amcrikanischcn und asiatischen Instrumenten ; besonders reieh sind China und Japan vertreten. Man darf auf eingehendere Nachrichten liber dièse Sammlung, die der Leitung Prof. Stanley 's untcrstellt ist, gespannt sein.
In Stockholm hat in diesem Jahre die Verwaltung ein »Musikhistorisches Mnseum« eingerichtet , worin Instrumente auch von Privatleuten, wie dem bekannten Sammler Claudius, mit eingeflossen sind.
Eine der groCartigstcn Instrumentensammlungen ist durch den Tod ihres Schopfers und Besitzers filr dcu Verkauf frci gcworden, die Sanimlung von C. César Snoeck
Notizen. 31
in Gent. Snoeck war ein wissenschaftlich gebildeter Mann, Advokat von Haus ans, der es zu bedeutendem Vermogen gebracht hatte und dessen Lieblingsbeschâftigung die mit Instrumenten war. Sein Beruf zwang ihn viel auf Reisen zu sein, sein Blick war durch lange Ûbung und sein Urteil durch wissenschaftliche Studien auf deni Gebiete der Instrumentenkunde geschàrft worden. Nur wenigen ist es vergonnt gewesen, seine Sammlungen zu besichtigen, deshalb wird ein nâheres Eingehen darauf manchem von Wiclitigkeit sein. Unter den Klavieren ragen besonders die Clavicymbel und Spinette ans der Schule der Ruckers in Antwerpen hervor. Andréas und Joannes sen. und jun. sind durch Meisterwerke ersten Ranges vertreten , ihre Cla\'icymbel, reich mit den lierrliclisten Malereien von Klinstlerhaud geschmiickt, gehoren zu dem Schonsten, was der Klavierbau iiberhaûpt aufzuweisen hat. Besonders ragt ein Kielfliigel von Joh. Ruckers von 1627 durch seine kiinstlerische Ausstattung hervor; Van der Straeten giebt davon in seinem Werke La iimsviue aux Pays-Bas Beschreibung und Bild. Andere Nicderlandische Meister wie François van Huffel, J. N. Couchet, Dirk van der Lugt, Albert De lin, sind ebenfalls durch hervorl'agende Klaviere vertreten. Reich ist die Sammlung Snoeck an Geigen, besonders giebt es eine ruile von allei'liebsteji Pochetten , wie nirgends sonst wieder, gegen 70 an der Zahl. Nanientlich hervorragen unter den Streichinstrumenten : ein BaB von Nicolaus Amati 1650, und enie Violine von Morglato Morella in Mantua 1515, bcide Meisterwerke ersten Ranges und letztere als eine der ersten Violinen vor allem bemerkenswert.' Unter den Geigenbauern ist besonders die Faniilie Klotz iiberraschend reich vertreten (Mathias, Sébastian, Georg, Egidius, und Joh. Cari), sonst herrscht die fi'anzosisch-belgische Schule vor. Kaum eine der iibrigen Instrumentenarten fehlt, und fast jede Art weist ihre pièces de résistance auf. Bewundernd wird der Kenner eine alte italienische Zither aus Brescia betrachten, die, soviel bekannt, das schonste Instrument dieser Gattung darstellt. Ein altes Clavichord aus dem 16. Jahrhimdert, dessen Kasten ganz aus Einlcgarbeit verfertigt ist, wundervoll gesclmitzte und gravierte alte Schalmeien und Harfen, ein Paar Minnesângerharfen , herrlich bernalte und gesclmitzte kleine Orgeln, Geigen von Fayence, allerliebste Miniaturinstrumente und andere kunstgewerbliche Herrlichkeiten entziicken das Auge, wie die reichen Sammlungen von Metronomen, Stimmgabeln und Stimmflôten, Einzelteilen von Instrumenten, Geigenbogen von der iiltesten Faktur bis zum modernen Tourte- Bogen etc. das Interesse des Fachmannes gefangen nehmen. Gliicklich die Instrumentensammlung, welche dièse schonste aller Privat-KoUektionen sich einverleiben konnte, — sie marschierte fiir lange Zeit an der Spitze aller Instrumentensammlungen-
Karl von Jan i- am 4. September 1899, geboren 1836 in Schweinfurt, seit 1883 Professer am Lyceum in StraCburg. — In K. v. Jan ist ein bedeutender Forscher auf dem Gebiete der alten Musikgeschichte dahingeschieden. Nach einer grossen Reihe kleinerer Schriften musikwissenschaftlichen Inhaltes — es seien u. a. genannt seine Dissertation De (idihus Cxraecoruni, von Abhandlungen : die griechische Musik (Harmonik des Aristoxenos und Excerpte aus Aristoxenos) ; die Tonarten der alten Griechen; die griechischen Floten; die griechischcn Saiteninstrumente ; Musikinstrumente der Alten; der pythische Nomos und die Syrinx; auletischer und aulodischer Nomos; die Handschriften der Hymnen des Mescmedes; die Metrik des Bacchius; die Harmonie der Spharen ; der Musikschriftstellcr Albinus — veroffentlichte er als Sechzigjahriger 1895 sein Lebcnswerk Musici seriptorcs (jracci, dazu 1899 ein Supplément. Die kritische Untersuchung des seit Meibom (1652) nur wenig durchforschten, sehr umfangreichen Handschriften -Materials, die sorgfaltige Bearbeitung der Texte selber, sowie die wertvolle Beigabe der vorhandeneu Reste altgriechischer Melodien sichern K. V. Jan einen chrenvollen Platz in den Annalen der Musikgeschichte. Auch der praktischen Musik hat er manchen Dienst geleistet. Jan war an den verschiedenen Orten seiner padagogischen AVirksamkeit als Dirigent von Chorvereinigungen tliatig, besorgte eine Sammlung lateinischer Chorgesange, denen er zum Gebrauch beim protestantischen Gottesdienst deutsche Texte unterlegte, und gab einige Werke von H. Schiitz heraus, so dcn 122. Psalra und die Exequien.
Kritisclier Aiizeisfcr.
Kritischer Anzeiger
der im Jahre 1899 erschienenen Bilcher und Scliriften liber
Musik, sowie der Neuausgaben altérer Musik*)
(mit EinscliluB der bemerkenswertesten Erscheinungeii vom Jahre 1898}.
Referenten:
O. Fleischer, M. SeiflFert, A. Sturmhoefel, J. Wolf.
Adler, Guido. 1. Heinr. Fr. Biber.
Acht Violinsonaten mit ausgefûhrter Klavierbegleitung (Denkmâler der Tonkunst in Ôsterreich). Wien, Artaria & Co. 1898. Zweite Hiilfte.
— 2. J. J. Froberger. IL Teil. Suiten fur Klavier (Denkmâler der Tonkunst in Ôsterreich). Wien, Artaria & Co., 1899. Zweite Halfte.
Arnold, Yourij von. Théorie der Stellung der Stimme nach der altitalienischen Schule (russisch). St. Petersburg, Seliwerstorff, 1S98.
Bachmann, Fr. Grundlagen und Grundfragen zur evangelischen Kirchenmusik. Giitersloh, C. Bertelsmann, 1899 — 186 S. 80. Jl 3,—.
In drei einleitenden Kapitehi (die kir- (îhenmusikalischen Fragen und die realen Verhaltnisse der Gegenwart; das Religiose und das MusikaUsche; das Musikalische und das Kircliliche) legt Vf. zunâchst seinen neuen religionsphilosophischen Standpunkt dar, von dom aus er dann in weiteren drei Kapp. Stellung und Bedeutung der einzelnen kirclienmusikalischen Faktoren (Geistlicher, Chor, Orgel, Gemeinde, Komponist), eingehend behandelt. Den evangelischen Kultus allein von der liturgischen oder musikalischen Seite her ausbauen zu wollen, ist lângere Zeit schon als Gefahr erkannt worden. »Von einer holieren AVarte aus ist das kirchliche und musikalische Gebiet zu Uberblicken, um die Fiiden zu erkennen, welche eine organischc Verkniipfung des Kultischen mit dem Musikalischen ermoglichen.* Der bedeutendste Versuch. dièse
Aufgabe zu erfiillen, lag bisher in Fr. Spitta's Werke »Zur Reform des evangel.
Kultus« (1891) vor. Eine philosophische Vertiefung des Begriffs »Kirchenmusik« und die Verwertung der neueren Forschungen Rietschel's und Liliencron's fûliren nun den Yf. zu einer breiteren, systematisch ausgebauten Théorie des evangelischen Kults. Mag der Liturgiker wie der Musikhistoriker auch nicht allen Auffassungeu unbedingt beipflichten, so ist doch das Werk berufen, eine allseitige Verstândigung iiber AVeg und Ziel kiinftiger Reformbestrebungen anzubahuen, namentlieh aber dazu, den Musikern das Verstandnis fiir lange vernaclilâssigte Pflichten zu erschlieCen. Moge, was gut ist, hiiben und driiben auf fruchtbaren Boden fallen und hundertfaltige Frucht tragen. M. S.
Békirt, Hans. Taschenbuch der Wagnerkûnstlerin. (R. Wagner's Frauengestalten in gesangsdramatischer Beziehung.) AbriB eines Kompendiums der gesangsdramatischen Wagnerkunst in Bezug auf Kûnstler. Ausgestaltung der Frauengestalten in R. W's. Tonwerken, und die filr die Kûnstlerin wagner. Notwendigkeiten.
Leipzig, C. Wild, 1899 — XVI u.
91 S. 8». Jl 4,—.
Bellerinann,H. AugustEduardGrell.
Berlin, Weidmann, 1899 — 222 S.
8». Jl 4,—.
Der Ausgabe von Grell's »Aufsatzen und Gutachten iiber INIusik* (1887) liisst B. nunmehr eine voUstândige Lebensbeschreibung GrelFs folgeu. Gestiitzt auf ein reiches Material von Briefen und sonsti^en
*) Die ÛberfùUe der nachtrâglicli anzuzeigenden Bûcher und Schrifteii macbt es der liedaktion leiJer tininôglich, aile bisher erfolgten Einseiuiungen in der ersten Nommer zu berackaichtigen. Nach Ablauf der Hochflut wird das Princip, jedos rechtzeitig eingegaiigone Buch in der nachstfiilligen Nummer anzuzeigeo, streng innegchalten wcrden.
Kritischer Anzeitrer.
Aufzeichnungen , stellt sie nicht nur- die allmâliliche Herausbildung seiner individuellen Bestrebungen und seinen persônlichen Charakter in ein klares Licht, sondern bietet auch wertyoUe Beitrage fur die Cieschichte des Domchors. des Gesangunterrichts am Graiien Kloster. der Singakademie. Sie spiegelt ein gutes Stiick Berliner Musikgeschichte des 19. Jahrli. wieder.
Beresowskj, W. W. Russische Musik.
Kritiscli-historisclie Skizze (russisch).
St. Petersburg, Selbstverlag, 1898 —
BernouUi, E. Die Choralnotenscbrift
bel Hymnen und Sequenzen, (Sammlg.
musikAvissensch. Arbeiten y. dtsch.
Hochschulen, Bd. I). Leipzig, Breit-
kopf & Hârtel, 1898 — 244 S. 8"
m. Noten u. Tafeln. Jl 9, — .
Der Titel entspriclit nicht voUig dem Inhalt. Vf. sucM die Frage zu losen, wie die in Choralschrift notierten Hymnen und Sequenzen zu iibertragen seien, und stiitzt sich dabei im wesentlichen auf die Forschungen yon Runge und Riemann. Die beiden ersten Teile des "Werkes bestehen aus den Exzerpten, die sicli Vf. zum Zwecke seiner Untersucliung aus den mittelalterlichen, neueren und neuesten Theoretikern gesammelt bat, und deren Kritik. Wenn auch die Vorteile einer solchen IJbersicht liber die ganze das Gebiet berûhrende Litteratur nicht yerkannt werden sollen, so befremdet doch ihr Abdruck, ^yeii Schlussfolgerungen daraus gar nicht gezogen werden. Von wirklichem "Wei-te ist der 3. Teil, in dem Vf. Ubertragungen giebt. Dank yerdient ferner die Sorgfalt, die auf Druck und Ausstattung yerwendet wurde, so\yie die Beigabe der wertyollen Facsimilia. J. AV.
Bezecny, Emil, u. Mantuani, Jos.
Jacob Handl '^Gallus). Opus Musicum I. Teil (Denkmiiler der Tonkunst in Ôsterreich). Wien, Artaria & Co., 1899. Erste Hâlfte.
Bie, Osk. 1. Das Klayier und seine Meister. Mit zahlr. Portrâts, Illustrationen und Facsimiles, sowie musikal. Originalbeitrâgen von E. d'Albert, W. Kienzl, M. Moszkowski, Ph. Scharwenka, R. Strauss.
Muncheu, Verlagsanstalt F. Bruckmann, 1898 — 307 S. 8".
Bie, Osk. 2. A History of the Pianoforte and Pianoforte Players. Translated from the German by E. E. Kellett and E. W. Naylor. London, J. M. Dent & Co., 1899 —
Bourgault-Dueoudray , L. A. Rapport sur l'organisation de l'enseignement du chant dans les écoles. Vannes, Lafolye, 1898 — 48 S. 8".
Brescius, H. von. Die Konigl. Sachs, musikalische Kapelle von Reissiger bis Schuch (1826 — 1898). Festschrift zur Feier des 350jahrigen Kapelljubilâums (22. Sept. 1898).
Dresden, C. C. Meinhold & Sôhne,
1898 — 120 S. gr. 8». Jl 2,50.
Vf. giebt iiber die Zeit, die von Fiir-
stenau bereits qviellenmâssig bearbeitet ist, nur einen orientierenden Ûberblick und fiihrt dann in breiter Darstellung die Geschichte bis in die neueste Zeit fort. Reissiger, Wagner, Rietz, Krebs, Schuch sind ihre Hauptreprasentanten.
Dankenswert ist das yollstândige Verzeichnis der in den Konzerten zum Besten des Unterstiitzungsfonds bis 1898 aufgefiihrten Musikwerke. Als Historiker bedauere ich das Fehlen eines Namensverzeichnisses ; Fiirstenau's schlechtes Beispiel durfte nicht nachgeahmt ^verden. M. S.
Bricquevilles, E. de. Notes Historiques et Critiques sur l'Orgue. Préface de C. M. Widor. (Extr. du Ménestrel). Paris, libr. Fischbacher,
1899 — 37 S. 8". Jl 2,—.
Der Orgelbau im 18. Jh., Handel als Orgelmeister, die Orgel im Schloss zu Versailles, die Orgel in der Versailler Grotte, die Orgelvirtuositât — das sind die Themata der nicht sehr tiefgehenden, aber nicht uninteressanten Feuilletons. Es ist merkwurdig, wie neuerdings die franzosische und deutsche Orgelkunst nach jahrhundertelanger getrennter Entwickelung zu konvergieren beginnen, wie in Deutschland die franzos. Litteratur immer mehr bekannt wird und die Franzosen Bach bewundern lernen. Vf. ist ein sympathischer Vertreter dièses modernen Standpunkts. Wenn Widor im Begleitwort sagt: »Ce n'est pas sans un petit frisson d'ironique contentement que nous voyons des Américains, des Anglais, des Allemands même, venir étudier cliez nous l'art du maître d'Eisenach«, wahrend man fruher Stuttgart oder Miinchen aufsuchte, so soll dièse Verschiebung nichi
Kritischer Anzeiger.
geleugiiet werden. Ob uns Deutschen aber zugleich damit das Yerstândnis fiir die hohe Bedeutung unserer alteu Orgehneister verloren gegangen ist, mochte ich nach B's. Ausfiihrungen ûber Bach und Handel doch etwas bezweifeln. M. S.
Bruinier, J. W. Das deutsche Volkslied. Ûber Werden und Wesen des deutschen Volksgesanges. (Aus Natur u. Geisteswelt, Sammlg. wissensch.
gemeinverstândl. Darstellungen aus ail. Gebieten d. Wissens, 7. Bandcben). Leipzig, Teubner, 1899 — 15G S. 8". Jl 0,90.
Behandelt: Pflege des Yolksliedes in der Gegenwart ; "Wesen und Ursprung des deutschen Volksgesanges ; der Priestersanger; Skop und Spielmann; Heldengesang; Geschichte und Mare; Leben und Liebe (im Volksliede). Vf. sieht in dem Eindringen des Kunstliedes in das Volk keinen Nachteil fiir das Volkslied. Wohl aber birgt das Eindringen stadtischer Gassenhauer ins Volk wegen ihrer Frivolitât eino grosse Gefahr der Zersetzung, weil vor allem in dem Ernste der Enipfindung das Wesen des Volksliedes beruht. Die einzelnen Liedgattungen werden in ihrer geschichthclien Entwickelung von der heidnisch-deutschen Zeit an eingehend und meist zuverliissig dargestellt und durch zahlreiche Textproben und besonders auch durch vergleichende Seitenblicke auf die Neuzeit veranschaulicht. Erorterungen iiber die Musik sind dabei nicht ausgcschlossen. Das Werk ist fur den Musikforscher sehr brauchbar. G. F.
Bûcher, Karl. Arbeit und Rhythmus.
2. starkverm. Aufi. Leipzig, Teubner, 1899 —Xu. 412 S. 8". Ji ^—.
Vf. weist nach, dass sich bei den meisten primitiven Volkerschaften mit der Arbeit bestimmte Gesânge verbinden, sei es bei der Einzelarbeit (Mattenflechten,Schnitzen), sei es besonders bei der gemeinsamen Arbeit Mehrerer im Wechseltakt (Dreschen, Schmieden) oder Gleichtakt (Rudern,]Mâhen, Rammen, Marschiercn). Letztere erfordert und erzcugt stets einen bestimmten Rhythmus; und \\o die Arbeit nicht sclbst die rhythmische Schallfolge ergiebt, wird der Rhythmus durch Zurufe oder rbythmische SchalHnstrumente erzeugt. Besonders Gesang unterstiitzt die Arbeiter, Rudernden, -Marschicrendenin ilirer taktmiiBigcn Arbeit, und zwar l'hythmischer, nicht melodischer Gesang; denn die Mckjdie ist dabei ganz Nebcnsache und biklet sich erst sekundiir. Hieraus Icitet Vf., von groCem Belegmate-
rial unterstiitzt, den Ursprung der Musik und Poésie her. Wenn auch bei den wilden Volkern der Tanz eine ganz hervorragende Rolle spielt, so ist doch die Arbeit eher da. als das Vergniigen. weil sie notwendiger ist. Hier geht Vf. wohl zu weit. Die Arbeit ist gar nicht das Friiliere ; denn — -wie Vf. selbst sorgsam ausfiihrt — verabscheuen gerade die unkultivierten Volker die Arbeit, entziehen sich ilir nach Moglichkeit und geben sich ihr nur hin, soweit sie ihnen Vergniigen macht. Also eher wâre das Vergniigen das prius. Soviel aber ist durch B.s Arbeit gesicliert, dass es die energische rhythmische Koi'perbewegung ist, die zur Entstehung des Rhythmus in Poésie und Musik fiihrt und mit ihr innig verbunden ist. — Aus den Schlagwerkzeugen der Arbeit entwickelten sich nach B. ferner die primitivsten Tonwerkzeuge, die Schlaginstrumente, die noch heute bei den Naturvolkem am verbreitetsten und beliebtesten sind, z. B. Trommel. Pauke, Gong, Tamtam, Schallholzer, Schallstocke, Klappern und Rasseln der verschiedensten Art. Trommel oder Pauke sind fur manche Volker die einzigen Musikinstrumente geblieben; sie haben sich aus dem mit Fell iibersi:)annten holzernen Getreidemorser entwickelt, der fast bei allen Volkern der Erde verbreitet war. Die melodischen Instrumente liingegen treten bei den Naturvolkem sehr zuriick. Am haufigsten erscheinen Flote und Rohrpfeife, weil dièse vorzugsweise rhythmiscli wirken. — Das Werk ist zugleich als verràssliche Quelle von »ethnographischen* Melodien verdienstlich.
Bulthaupt, Heinr. Cari Loewe. (Berûhmte Musiker, IV). Berlin, Harmonie, 1898 — 378 S. 8".
Buss, Ernst. Was lilsst sich thun zur liturgischen Bereicherung unseres evangelischen Gottesdienstes? Vortrag (Monatsschrift f. Gottesd. u. kirchl. Kunst). Glarus, in Comm. v.Baschlin, 1898 — 12 S. 80. .// 0,40.
Ein Vortrag, urspriinglich fiir die einfaclieren Vcrhaltnisse in der Schweiz berechnct, aber gleichwohl geeignet auch in auderen Kreisen Interesse fiir die liturgischen Bestrebungen der Gegenwart zu erwecken.
Cecilia 6 coleccion de oraciones y cânticos sagrados populares. Dedicada a los fidèles de les paises de la lengua espanola. Freiburg i. Br., Herder, 1899— XXX u. 556 8. IB». Jl 1,80.
Dauriac, C.L. Les Orgues de Fribourg.
Paris, Vanier, 1 898 — 106 S. 16".
Kritischer Anzei^er.
Décréta authentica Coiigregationis Sacr. Rit. Vol. I. IL ab anno 1588 No. 1 usque ad annum 1870 No. 3233.
Kegensburg, Pustet, 1898 — 8».
Dietrieli, Alb. Erinnerungen an J.
Brahms in Briefen besonders ans - seiner Jugendzeit. Leipzig, O. Wiegand, 1898 — 76 S. 8». Ji 1,50.
Vf. behandelt das Freundschaftsverliâltnis von Br. zu Dietricb und dem Schumannkreise(E.ob.u. Cl. Schumann, J. Joachim, Th. Kirchner u. A.) und bringt mancherlei Nachrichten iiber die Jugend von Br., sein Elternhaus und die Todeskranldieit R. Schumann's. Das Werk ist ein »Baustein fiir eine erschopfende Charakteristik des grossen unvergesslichen Meisters, die von berufener Feder hoffenthch bald gegeben werden wird. «
Dreseher, C. Nurnberger Meistersinger-Protokollevonl575— 16S9. Tûbingen, Verlag des litterarischen Vereins in Stuttgart, 1898. 8». Bd. L
' 1575 bis 1634. |327 S. Bd. IL 1635 bis 1698. 334 S.
Ebeling, Aug. Die Gedichte von Paulus Gerhardt. Hannover-Leipzig, Hahnsche Buchhandlg., 1898 —XIX u. 411 S. Jl 3,—.
liber die bisherigen besten kritischen Ausgaben der Gerhardtschen Gedichte, Bachmann 1866 und Goedeke 1877, kommt Vf. betrâchtlich hinaus. Durch die Benutzung der 5. Ausg. von Joh. Criiger's Praxis pietatis meUca, 1653 (Ex. in Munchen) gewann er eine w^esentHch zuverlâssigere Grundlage fiir die kritisclie Behandlung der Texte. Ein historisch-kritischer Anhang giebt iiber sie im Einzelnen Rechenschaft, eine biographische Einleitung orientiert den Laien, ein doppeltes Register dient zum Aufsuchen der Lieder. Die Xeuausgabe ist eine wertvolle Bereicherung der germanistischen und liymnologischen Litteratur. M. S.
Ebhardt, K. Zwei Beitrâge zur Psychologie des Rhythmus und des Tempo. Berliner Dissertation, 1898 — 56 S. 8».
Eiehhorn, A. Der akustische MaBstab fur die Projektbearbeitung grosser Innenrilume in seiner l^eziehung zu den musikalischen Harmonien erlautert und nach seinen harmonischen Verhaltnissen theoretisch berechnet
imd zeichnerisch dargestellt. Berlin.
Schuster&Bufleb, 1899 — 40. Jl\,—.
Vf liait fiir die Akustik der grossen Innenrâume deren Resonanz fiir allein massgebend. Die Erkenntnis der Resonanz ist uralt. Sie war Griechen und Romem Vitruv) bekannt; ebenso in neuerer Zeit den franzosischen und deutschen Baumeistern iSturmhoefel in allen seinen Schriften;. "Wenn Vf. aber dabei den rohen, unbeholfenen Resonanzkorper der tromba marina zu Grande legt, so fragt man iiberrascht, warum denn niclit das vollkommenste hierin Geschaffene : den Violinkorper, um aus dessen Abmessungen irgend etwas Brauchbares lierzuleiten? Und dann : die Blinde der tromba mar. bedingen nicht das Mitklingen des Korpers, sondern dieser ordnet sich mit seinen Schwingungen den Schwingungen der Saite genau so unter, wie der Hohlraum einer Orgelpfeife der anblasenden Zunge, wie jedes beliebig geformte diinne Brett den Schwingungen der Stimmgabel. — Vor allem aber ist fiir die Akustik grosser Innenrâume deren Resonanz gar nicht allein ausschlaggebend, sondern die Entwickelung des Tones selbst in diesen Râumen und seine Reflexionen von Wânden, Decke etc. sind ganz bedeutend wichtiger. Und was wird mit den eigentlichen Trâgern der Verstândlichkeit fiir das gesprochene oder gesungene AVort, was wird mit den Konsonanten, deren Gerâusche doch etwas anderes sind, als die regelmâssigen Tonschwingungen ? Dariiber schweigt sich die Schrift vôUig aus ! — Wenn man die viele Miihe und den redlichen Fleiss des Vf erwâgt. der ailes Môgliche und Unmogliche zusammentragt zur Unterstiitzung seiner Idée, wird man unwillkiirlich an den Danenprinzen erinnert, von dessen Eingebungen
Polonius anerkennt: . yet there is me-
thod in't! A. St.
Ende, H. vom. E. T. A. Hoffmann's musikalische Schriften. Mit Einschluss der nicht in die ges. "Werke aufgenommenen Aufsâtze ùber Beethoven, Kirchenmusik etc. , nebst einer Biographie (Universalbibliothek fur Musik-Litteratur, No. 15 — 17). Kôln, H. vom Ende, 1899 — 287 S. 8^ Jl 1,50.
Bildet eine notwendige Erganzung zum Bildc von der viclseitigen Thatigkeit dièses merkwiirdigen Mannes, da seine musiklitterarischen Leistungen zwar nicht unbekannt geblieben sind, aber bisher doch nicht leicht voUstandig iiberschaut werden konnten.
Enthillt die Aufsâtze iiber Musik, die novcllistischen Essais, Rezensioncn und Analysen von Tonwerken etc., die H. meist fiir die
Kritischer Anzeiger.
Allg. Mus. Ztg. 1809 -1814 schrieb. Der Beethoven-Freund iindet hier feinstilisierte Analysen von warmem Ton. Der Musikkritiker heutiger Tage kann von H. formell und inhaltlich manches lernen. 0. F.
Entwurf eines Gesetzes, betr. das
Urheberrecht an Werken der
Literatur und der Tonkunst.
Amtliche Ausgabe. Berlin, J. Gut-
tentag, 1899 — 45 S. 8». J^ 0,50.
Der Entwurf ist von der Reichsverwal-
tung auf Grund langwieriger und vielgestal-
tiger Beratungen zwischen Juristen, Verle-
gern, Musikern etc. ausgearbeitet. Die Be-
kanntmachung bezweckt, auch die offentliche
Kritik fiir die wichtige gesetzgeberische Auf-
gabe zu verwerten.1 Wir hoffeii, auch unser
Scherflein dazu beitragen zu konnen, und
bitten die MitgUeder der IMG., sich durch
Einsendung von diesbezuglichen Wiinschen
und Kritiken zu bethâtigen. O. F.
Expert, Henry. Les maîtres Musiciens de la renaissance française. Paris, Alphonse Leduc — jed. Liefg. 12 fr.
Vile livr. Chansons de maistre Clément
Janequin.
Ville livr. Liber quindecim missarum electarum quae per excellentissimos musicos compositae fuerunt. Roma, Andr. Antiquus de Montona, 1516. [Josquin des Prez, Ant. B r u m e 1 , Ant.
Fevin, Pierre de la Rue, Jean Mouton, Math. P i p e lare, P. Ilousseau(Roselli!].
Pindeisen, Nie. Katalog der Notenhandschriften, Briefe und Portrâts M.
J. Glinka's in der Handschriften-Abteilung der kaiserlichen offentl. Bibliothek in St. Petersburg (russisch).
St. Petersburg, Verlag der Nowoe Wremja, 1898 — 145 S. S». 10 fr. Fink, G. Etude biographique sur J. S. Bach. Angoulème, imp. de la Chronique charentaise, 1899 — 50 S. 16".
Fleischer, Oskar. Mozart. Berlin, Ernst Hofmann & Co., 1899 — XI u.
Ich habe hier das Problem zu losen mich bemiiht, niichtern, iiberzeugend, allgemein verstandlich und wissenschai'tlich fijrdersam die allmâhliche Entwickelung eines musikalischen Génies und die Bedingungen und Folgen seines AVirkens darzulegen. Ich glaube Mozart' s vielgeschildertes Leben viel-
fach unter neuen Gesichtspunkten beleuchtet undnichts gesagt zu haben, was wissenschaftlich nicht beweisbar ware. Eine Mozart- Bibliographie als Anhang zeigt, wie lebendig Mozart noch heute auf die Welt einwirkt.
Freisen, Joseph. Manuale Curatorum secundum usum ecclesiae Rosckildensis. Katholisches Ritualbuch der dânischen Diôzese Roeskilde im Mittelalter. Paderborn, Junfermann, 1898
— XXXV u. 68 S. 8". J/ 3,—.
Das Manuale Curatorum, der Erstlings-
druck des Pavel Raeff in Kopenhagen 1513, bestimmt mehrere Riten. Wichtig sind ihre mannigfachen Abweichungen vom Rituale romanum, die gewiss noch ins tiefere Mittelalter zuriickreichen. Den Wert des Neudruckes erhôhen einleitende Bemerkungen iiber die Einfiihrung des Christentums und der Reformation in Danemark, sowie iiber die Entwickelung der katholischen Kirche Danemarks seit der Reformation bis zur Neuzeit. M. S.
Frommel, Otto. Kinder-Reime, -Lieder u. -Spiele. 1. Heft. Berlin, 1899
Fuller-Maitland, l. A. The Musicians
Pilgrimagc : a study in artistic deve-
lopment. London, Smith, Elder& Ce,
1899 — XIV u. 152 S. 8".
Der Vf versucht, die Wandlun^en darzulegen, die ein jeder ausiibender Kiinstler, mager auch noch so reich begabt sein, durchzumachen hat, bis er zur VoUendung heranreift. Mit seinem Bûche verbindet er einerseits den Zweck, der oft gehegteu Meinung, die Kiinstlei'schaft sei eine Gabe Gottes und nicht das Ergebnis ernstesten Strebens, entgegenzutreten, andererseits denen, die auf dem "Wege zur KUnstlerschaft sind, aber zweifelnd mitten auf dem AVege stehen bleiben, zu zeigen, in welcher Richtung sie sich weiter entwickeln miissen. Wie weit dièse Absicht an Hand des Bûches erreicht werden kann. mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls birgt es eine Fiille scharfer Beobachtungen und vortrefflicher und beherzigenswerter Ratschlage. Aus der durch die Entwickelung sich ergebcnden Kette von Veranderungen innerhalb der Kiinstlernatur greift der Vf als oharaktcristisch 7 Typen heraus: das Wunderkind, den Studierenden, den eingebildeten Kiinstler, den INIusikliebhaber und Enthusiasten, den V'irtuosen, den vollendeten Kiinstler und den Kunstveterancn. Einen jeden Typus zeichnet er scharf seinen Vorziigen und etwaigen Sohwachen nacli. J- " •
Kritischer Anzeiger.
FuUer-Maitland, I. A. and Squire,
W. B., The Fitzwilliam Virginal Book, Leipzig, Breitkopf & Hârtel, 1898. Heft 36—39.
Gauchat, L. Etude sut le ranz des vaches fribourgeois. (Progr.) Zurich, Fâsi & Béer, 1899 — 47 S. 4».
Gavina, P. Jl Ballo. Storia délia Danza. Balli girati. Contraddanze.
Cotillon. Danze locali. Feste da ballo. Igiene del Ballo. Con 99 figure intercalate nel testo. Milano, Hoepli, 1898 — VII u. 239 S. 80.
EinesderGOO bisher erschienenen Hoepli-
schen Taschenbiicher, das in erster Linie
dem Unterricht in den heute gebrâuchlichen
Tânzen dient, aber auch auf die Geschichte
des Tanzes im Altertum und Mittelalter ein-
geht. Wichtiger ist die Beschreibung von
Volkstânzen in Europa, Asien, Afrika, Ame-
rika, Océanien; doch scheint das Material
nicht immer zuverlassig. 0. F.
Gehrmann, H. Cari Maria von Weber
(Beriihmte Musiker Bd V.). Berlin,
Harmonie, 1899 —II u. 117 S. 80.
Ji 4,00.
Der Vf. giebt, gestiitzt auf die Werke von M. M. V. Weber und Jâhns und auf die bedeutenden Urteile eines Spitta, Riehl, Hanslick, E,. Wagner etc. ein anschauliches Bild von dem Leben und Wirken Weber's.
Einer Anregung Spitta's folgend weiC er dem Stoff dadurch neue Seiten abzugewinnen, daB er zeigt, wie Weber als Avisgangspunkt einer neuen Entwicklung zu betrachten ist und wie von ihm aus sich die Fâden bis in unsere Zeit ziehen lassen. Er ist Begriinder der romantischen und Schopfer der ersten deutschen Oper. Das Ziel, nach dem er in der Oper strebt, ist einheitliches Zusammenwirken der Musik mit ihren Schwesterkunsten, ein Gedanke, der von R. Wagner, seinem Amtsnachfolger in Dresden aufgegriffen und seiner Vollendung entgegengefiihrt worden ist. Mit groCerem Nachdruck wie die friiheren Meister verlangt er den poetischen Stimmungsgehalt in der absoluten Musik. In der Liedmusik bringt er das volkstiimliche und naïve Lied zur Anerkennung und wirkt in der Klaviermusik bahnbrecïiend fiir Chopin, Mendelssohn, Schumann und Liszt. — Eine reiche und geschmackvolle Auswahl von Abbildungen und Facsimilien verleiht dem Bûche besonderen Reiz. Zu tadeln ist die schlechte Verteilung des Textes bei Einschiebung von
ISTotenbeispielen. Auf S. 63 und 91 werden
dadurch dem Léser geradezu Râtsel auf-
gegeben. J. W.
Goblot, Edm. De musicae apud vete-
res cum philosophia conjunctione.
Pariser Dissertation, 1898 — 65 S. 80.
Grabowsky, Norb. Wider die Musik!
Die gegenwârtige Musiksucht und
ihre unheilvollen Wirkungen. Zu-
gleich ein Nachweis der geringwerti-
gen oder ganz mangelnden Bedeutung,
welche die Musik als Kunst wie als
bildendes Elément in Anspruch neh-
men kann. Leipzig, M. Spohr, 1899
— 66 S. 8^ Jl 0,50.
Grossmann, M. Wie bestimmt man
das Stârkeverhâltnis der Resonanz-
platten bei der Geige ? (Sep.-Abdr.
aus der Musik -Instrumenten-Zeitg.)
Berlin, M. "Warschauer, 1899 —
Vf meint, dass Boden und Decke der Geige mit den erklingenden Saiten nicht gleich schnell, sondern nur in ihrem Eigentone schwingen. Das Geheimnis der italienischen Geigenbauer bestehe darin, dass sie den Eigenton des Bodens in das Verhaltnis der hoheren reinen Quarte oder Quinte zum Eigenton der Decke setzten und als letzteren g oder fis wâhlten. Ein Instrument klinge um so weniger hell, je tiefer der Eigenton der Decke sei. J. W.
Grupp, G. Oettingen-Wallersteinsche Sammlungen in Maihingen. Handschriftenverzeichnis. l.Hâlfte. Nôrdlingen, Th. Reischle, 1897 — 36 S. 80. Jl 1,—.
Enthalt unter !>XI. Musikgeschichtec Anzeige von 12 Handschriften (11. — 16. Jh.) meist liturgischer Musik, darunter 2 î^eumenhdschr. des 11. Jh. Ein Trinklied aus einem Briefe des Aeneas Sylvius ist in Noten wiedergegeben. 0. F.
Haberl, F. X. 1. Kirchenmusikalisches Jahrbuch fiir das Jahr 1898. Regensburg, Fr. Pustet, 1898. — 136 S.
und 160S.Notenbeilagen,80. .//2,60.
— 2. Kirchenmusikalisches Jahrbuch fur das Jahr 1899. Ibid. 1899. — 145 S. und 24 S. Notenbeilagen,
Jl 2,60.
Die Titel der in beiden Jahrbiichern enthaltenen zahlreichen Aufsatze findet man in
Kritischer Anzeijrer.
der Zeitschriftenschau uuter H. Bellemiann, H. Davey, F. X. Haberl. E. Langer, R.
31olitor, K. Walter; J. AVolf.
Haberl, F. H., 3. Orlando di Lasso.
Samtliche Werke. Leipzig, Breitkopf & HârteL Magnum opus musicum, 1S98, TeilV.
Habert, J. E. Beitrâge zur Lehre von der musikalisclienKomposition. Leipzig, Breitkopf & Hartel, 1809 — S».
L Harmonielehre. XVIII u. 382 S.
Jl 6, — . II. Lehre von dem einfachen Kontrapunkte. XIVu. 190S. JH,—.
III. Lehre von der Nachahmung. VIII u. 215 S. Jl 3,—. Vf. bestimmt dièse Beitrâge in erster Linie fiir seiche, die sich der katholischen K.irchenmusik widmen wollen. Keinerlei theoretische Kenntnisse voraussetzend, geht er von den Elementen Schritt tiir Schritt vorwârts und beriihrt im Vorbeigehen, was ihm von der Akustik und besonders der Musikgeschichte wissenswert erscheint. Vf.
vertritt den richtigen Standpunkt : wer den jetzigen Zustand der Musik erkennen will, muss wissen, was vorher gewesen ist. Freilich steht Vf mit seinen historischen Bemerkungen nicht iramer auf der Hohe. — In der Harmonielehre behandelt Vf. nach dem Beispiel Sechter's die Dur- und Molltonleiter getrennt. Er erôrtcrt aile nur denkbaren Falle von Akkordverbindungen, verdichtet aber diesc Reihe von Fiillen nicht zu einem genûgend klaren Système. Ist das Fehlen von Aufgabenmaterial fiir den Schiller zu bemângeln, so muss man den engen Konnex mit der praktischen Kunst und den steten Hinweis auf ihre Meistei-werke anerkennen. — Im einfachen Kontrapunkt lehnt sich Vf. eng an Fux an, entnimmt jedoch dabei seine cantus firmi dem gregorianischen Choral. Seine Darstellung gewinnt ungemein dadurch, dass er stets auf Beispiele aus der Blutezeit der Kontrapunktik zuriickgreift und sie in streitigen Fallen als Richter anruft. Zu jedem C. f. stellt er jedoch nur einen Kontrapunkt auf; Bellermann's Verfahren ist fur den Schiller jedenfalls instruktiver. — Vorziiglich ist die Nachahmung abgehandelt. Durch Analysen von Meisterwerken zeigt Vf dem Schiller die Anwendung der willkiirlichen periodischen Nachahmung, sowie der Nachahmung in den kontrapunktierenden Stimmen. Eine Einleitung in die Lehre von der Fuge beschliesst das Werk. J. W.
Harris, ï. F. Handbook of acoustics for the use of musical Students. New York, Scribner, 1S98 — 286 S. 120.
Heckel, Karl. 1. Briefe R. Wagner's an Emil Heckel. Zur Entstehungsgeschichte der Bûhnenfestspiele in Bayreuth. Berlin, S. Fischer, 1899 — 170 S. 80. Jl 3,50.
— 2. Letters of Rich. Wagner to Emil Heckel. Translated by W. Asb-
tonEllis.
London, Grant Richarts.
E. Heckel war dereinzige, der sich 1871 auf einen Aufruf Wagner's als >Freund« der "Wagnersache meldete. Dadurch mit W. in personliche Beziehung gelangt, ward er einer der thatkrâftigsten Forderer der Bayreuther Festspiele, Begriinder der "Wagnervereine und Geschâftsberater W.s. Reiches briefliches Material erhellt die einzelnen Phasen der langsamen Entwickelung des Bayreuther Festspielhauses. Das Werk ist fiir den W.-Biographen unumganglich.
Heintz, Alb. 1. Briefe R. Wagner's an Otto Wesendonck. Charlottenburg, Allgem. Mus.-Ztg., 1898 — 8".
— 2. Rich, Wagner: Letters to Wesendonck. Translated and indexed by W. Astiion Ellis. London, Grant Richards, 1899.
Horneffer, Aug. Johann Ro s en millier (ca. 1619— 1G84). Berliner Dissertation, 1898 — 124 S. 80. Neue, auf Quellenforschung beruhende Darstellung von Rosenmiiller's Leben imd Wiirdigung seiner Werke. Fleissige und sorgfàltige Arbeit. Als Nachtrag hierzu ist ein bibliographisches Verzeichnis der Werke erschienen in Eitner's M. f. M., 1899, No. 3 bis ô. Vergl. No. 6. M. S.
Houdard, Georges. 1. Le Rhythme du Chant dit Grégorien d'après la notation neumatique. Paris, Fischbacher, 1898 — X u. 264 S. 8». 25 fr.
— 2. Appendice. Paris, Fischbacher, 1S99 — VII u. 70 S. 80.
Dem \î. sind die Neumen ein gctreues Spiogelbild der Mclodien und somit auch Zeichen des Ausdrueks und des Rliythmus. Das Studienmatcrial bietet ihm die paléographie musicale der Bcnediktiner von Solesmes, deren Forschung hinsiclitlich der Tonhohen fiir ihn massgcbend ist. Aus Veranderungen der urspriinglichen Neumenformen zieht er Schliisse auf den Vorti'ag.
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Kritischer Anzeiger.
Die Umwanclluug eines Punktes in einen Strich bedeutet nacli seiner Meinung eine Dehnung des Tones, ein ritenuto oder marcato allargando, die Verânderung einer virga oder eines Punktes in einen Apostroph den liquescenten Vortrag dieser Note, die Distrophe und Tristrophc em Tremolieren der Stimme eto. Er liest ans den Neumen heraus , ob eine Melodiephrase piano oder forte anfàngt, ob sie an Tonstârke zu- oder abnimmt und ob und wie ein Ton verziert werden soU. Besondere Beachtung verdienen seine Ausfuhrungen liber die rhythmisclie Bedeutung der Neumen. Gestiitzt neben andern Griinden auf Guido Micrologus cap. 15 stellt er den Satz auf, dass j e d e Neume, niag sie ans einem oder melireren Tonen bestehen, gleich einer rhythmischen Zeit zu setzen sei. Die Yerteilung des Wertes unter die Tone einer Neume geschieht nach Massgabe der Porm entweder zu gleichen oder ungleichen Teilen. An Hand von Beispielen zeigt er. wie neumierte Melodien unter diesen Gesichtspunkten iibertragen ihre voile Sclionheit entfalten. Erwâhnt werden mag zum Schluss noch eine Einteilung und Chronologie der liturgisclien Pormen, je nachdem in ilmen ein- oder mehrtonige Neumen Anwendung finden. Veranlassung zu dem Anliange gaben Missverstândnisse seines Hauptsatzes:
eine jede Neume gleich einer rhythmischen Zeit, den er hierin noch einmal klarlegt.
Hupp, Otto. Ein Missale spéciale als Vorlâufer des Psalteriums von 1457.
Beitrag zur Geschichte der illtesten Druckwerke. Miinchen-Regensburg, Nationale Verlagsanstalt, 1898 — 30 S. 4".
Hutor, W. Cari Davidoff und seine Art, das Violoncell zu behandeln.
Moskau, Selbstverlag, 1899 — 64 S.
Erschien zuerst i-ussisch in der Moskauer Ztschr. »Artist« 1891, liegt aber hier in deutscher Sprache erheblich erweitert vor. Vf. war ein Schiller Davidoff 's, dessen kiinstlerische Eigenart er vortrefflich durch eine Fiille von Bemerkungen liber seine Lehrmethode , Bogenfiihrung , Plageolett- Technik, seinen Lehrstoff, Vorti'agctc.kennzeichnet. Ein Anhang liber die Geschichte des Violoncells giebt manche wichtige Erganzung zu Wasielewski's kompilatorischem AVerke liber das Violoncell ; ein zweiter Anhang verbreitet sich liber die Elemente der
Violoncelltechnik. Das "Werkchen bietet dem Virtuosen auf diesem Instrument viele Anregiingen. 0. F.
Jadassohn, S. Ratschlage und Hinweise fur die Instrumentationsstudien der Anfânger. Leipzig, Breitkopf & Hartel, 1899 — 54 S. 8». Jl 1,50.
Hat Vf. in seinem ïLelirbucli der Instrumentation* den Tonumfang und die Behandlung aller jetzt gebrâuchlichen Instrumente besprochen und aile Moglichkeiten der Klangkombinationen theoretisch eingehend erortert, so beabsichtigt er jetzt. den Anfânger mit dem ganzen Apparat des modernen Orchesters praktisch vertraut zu machen. Vf beginnt mit dem Chorsatz, rat, zu Anfang nur flir solche Instrumente zu schreiben, deren Tonumfang den der Singstimme nicht zu viel iiberschritte (Messinginstr.), dann zu den Eohrblasiustrumenten, schliesslich zum Streichquartett liberzugelien. Trefflich charakterisiert Vf sodann die Verwendbarkeit der einzelnen Instrumente an der Hand von Beispielen der besten Meister. Die vielfach erteilten praktischen Winke werden Anfângern manche nutzlose Mûhe ersparen.
Mantuani, Jos. s. Bezecny.
Squire, W. B. s. Fuller-Maitland.
Vogel , E. 1 . Jahibuch der Musikbiblio-
thek Peters fiir 1897. Leipzig, Peters,
1898 — 105 S. gr. 8«. Jl 3,—.
— 2. Jahrbuch. der Musikbibliothek
Peters fur das Jahr 1898. Leipzig,
Peters, 1899 — 103 S. S^. Jf 3.— .
Ausser den stehenden Rubriken des Be-
richts liber die bemerkenswertesten Blicher
und Schriften v. H. Kretzchmar; und der
Bibliographie (v. E. V o g el) enthâlt an selb-
stândigen Aufsâtzen