DER
HEILIGEN MARINA
(Leben der Heiligen, Augspurg, Günther Zaïiner, 1472. Voy. [Ὁ 56°-56v.)
Von Sant Marina.
Marina die wz ein schône iunckfrow vnd wz eyn cristen vnd het got lieb vnd dienet im mit fleiss tag vnd nacht vnd ir vater was ouch ein eristen νῇ het gros begird dar Ζὶ dz er sein tochter dè almechgen got an ein stat opferet das sy got mit. fleiss môcht dienen bis an iren todtes wz im die tochter gehorsam da leget ir ir vater mans cleider an vñ kam mit der tochter vnd bat den abt mit fleiss dz er im seinen sun zù den orten enpfieng. da gewärt in der abt wañ im gefiel der schün knab wol vnd west nit dz es ein iunckfrow wz vn segnet in in.
williclichen mans cleider an in dè orten. darnach uber lang | czeit da ward ir vater siech vñ hiess den abt bitten dz er im erloubt dz er seyn kind zù im näm dz erlobt im der abt vnd |
liebe tochter ich bit dich das du nimer keinem menschen sa= gest dz du ein iunckfrow seyest dz gelobt im die tochter. darnach starb ir ir vater seliclichen. da fur Marina wider heim in ir closter vnd waz gehorsam vnd demütig. da enpfalch ir
einen wogen vnd fur ze wald vnd fürt holez heim vnd vnderweil fügt es sich dz Marina uber nacht tzù einè wirt müst sein. nun kam eyns mals ein ritter ouch an die selben herberg vnd legt sich zù des wirts tochter die ward eynes kindes schwanger des ward ir vater innè vnd wz ser betrübt vnd fragt sein tochter wer an dem schuldie wär. da sprach sy es hat Marinus der munch getan der mit dem wagen fert. da wz irem fater zorn auff den munch vnd kam zù dem abt vnd sagt in dz uber den brüder recht als im sein tochter gesagt het. da was dem abt vnd den brüdern allen leid vnd sprachen er hat sich allzeit gestellet sam er οἷ᾽ sey vn hat vns mit seiner gleissenheit betrogen γῇ hat vns zeschanden bracht vnd der abt sprach zù Marina vor den brüdern allen du büsser mensch warü hastu die sund gétan và hast vns da mit ein ubel wort gemacht. da fiel Marinus fur des abts füss vnd sprach ich bin gar büs γῇ han vil ubels getan ich will mich furbass bassern da vo büst mich durch got wie ir wült. da erschracken die munch all vnd wolten wänen er wäre schuldig an dem kind vod wurden zornig auff in vnd tete in fur dz closter in ein clein cellin va hielten in gar hertticlich γῇ gaben im dru iar nur wasser vnd brot ze essen vn ze trinckè. darnach sandt der wirt dè abt dz kind χὰ Marino vnd sprach nim dein sun va pilig sein selber vnd beleib dz kind zwei iar bey ir. da tet got sat Marina vil trosts da danckt sy got aller seiner gnaden mit fleiss vnd wz gedultig in allem irè leiden va da die brüder sein gedult sahen. da namen sy in funff iar auss der buss vnd namen in wider in daz closter vn hetten in gar schmächlich des het sy all zeit begeret. darnach befulhen sye im schmähe ampt in dem closter vnd liessen in mit mer auss dem closter kümen. da beleib sy ouch gern inn vnd dient got mit fleiss tag vnd nacht mit beten mit fasten mit wachen vnd mit vil ander güttet übung vnd dancket got dz er sye mit dem vnschuldigè leiden bereit vnd dancket got ouch dz er ir gedult dar inn het geben vnd ward darnach schier siech va starb seligclichen va fur ir sel zù den ewigen früden. da zugen sy die munich ab nach ir gewonheit γῇ wolten sy wäschen da sahen sy daz es ein iunckfrow wz da erschracken sy gar ser vn die munch baten all got dz er in es vergeb dz siss als vnschuldiclich vnd hertticlich gebüsst hettè vñ trügen den heyligen
leichnaz in die kirchen vnd begrüben in mit grosser andacht.
beilige iunckfro sant Marina erwirb vns vi got das ewig leben. amen.
D'après deux mss. du xiv° siècle, qui se trouvent, l'un dans la Bibliothèque de Strasbourg et l'autre dans celle de Künigsberg.)
Von sante Marina einer juncvrowen
Marina hiez ein gotes maget von der herze wart veriaget,
swaz mit untugenden werben kan.
ir vater was ein guter man,
als er ouch wol liez schowen.
fin tochter, die iuncvrowen
-wolder von der werlde spote
opfern deme guten gote
mit unverscharter kuscheït, 10 des si im wol ouch was bereit
durch unsers herren willen.
nu wolder an ir stillen
des wibes namen uf erden
und lie der gotes werden 15 mannes kleidere sniden.
diz wolde si ouch liden
und gerne sinen willen tun.
alsus sprach er, ez were ein sun.
diz schuf er durch ein bezzer dinc. 20 ez Was ein schone iungelinc,
Marinus wart er genant.
alleine daz uzere gewant
was verkart durch witze,
doch was ir schone antlize 25 lustsam als daz wol gezam.
sin kint der vater mit im nam
gar durch gotelichen sin
und quam zu eime klostere hin, da munche heten sich gesat.
den abt er mit vlize bat,
daz er den sun entpfenge,
uf daz er mit in gienge
zu himele den rechten stic.
da was nicht langer widerkric, wand der abt was tugende vol; ouch behagete im sere wol
dirre schone knappe.
alsus quam in die kappe
Marinus der gotes helt.
do er zu munche was erwelt
und gesegent in daz leben,
alda seht begonder streben
in tugentlicher maze
an.des himels straze
deiswar lobelichen genuc,
so daz er billichen truc
mannes namen und die kleit, wand er mit voller manheit
uf den tuvel striten pflac,
da von er billich erschrac.
da nach uber manigen tac,
do sin vater siech lac,
do sante er zu dem klostere her und bat den abt na siner ger, daz er sin kint im lieze kumen.
nu wolder im nicht underdrumen sinen willen. ez geschach.
der vater zu der tochter sprach
« ey, nu wis daran gemant,
daz nimer menschen werde erkant, wie du sist ein wibesnam ».
hiemite er ouch sin ende nam und starb. der munch wider quam und hielt sich, als im wol gezam mit vlize an die gehorsam,
wand die ist aller tugende ein stam
und mac genade vil erholn.
Marino wart ein amt bevoln,
daz treib er mit einvalde.
er vur hin zu walde
und spien ochsen vur den wagen.
dar uf muste er holz tragen
und daz zu huse brengen.
biwilen wart sich lengen.
sin wec, daz er uzen bleib
die nacht, als in sin not treib.
diz liez er sunder erge.
da was ein herberge,
ein man gesezzen uf dem wege,
mit deme bleib er zu pilege,
als er ez willekurte
und im durch not geburte.
Sathanas der helleschubel
cedachte im vugen da ein ubel,
des er besweret wurde.
eines kindes burde
des wirtes tochter da gewan.
die beslief ein rittersman,
der ouch da hin wandern pflac.
ir vater grobelich erschrac,
do er diz laster bevant
und hiez im sagen alzuhant,
wer daran schuldec were.
do umme trat daz mere
uf den unschuldigen alsus.
die tochter sprach « Marinus
der munch, der mit dem wagen vert,
von dem ist leider mir beschert
diz lesterliche mere.
wand der trugenere
hat so lange mir gelogen,
unz er mich doch hat gezogen
in diz suntliche bant ».
der vater klagete alzuhant
dem abte und den brudern,
Le ot
wie bi im pflege ludern Marinus, der valsche man
und hete sich vergezzen dran, daz er truge munches kleit.
do wart dem abte sere leit
und den bruder algemein.
« ey », sprachen si, « wie gut er schein idoch si wir von im betrogen und in diz laster gezogen
von siner valscheit alzu tief.
der abt Marino do rief
vor den brudern und sprach
« ey, boser mensche, welch ungemach wir an valschem worte haben, des wir han an dir entsaben!
warume hastu daz getan? »
do wolde an tugenden bestan Marinus in den rechten not.
mit schult er sich im erbot und kurzte sin gekose.
« ich bin », sprach er, « vil bose, des han ich ubele gevarn
und wil ez gerne me bewarn.
setzet mir buze vor die schult ».
er viel mit grozer gedult
gesen des abtes vuzen
und bat durch got sich buzen, wand er ein sunder were.
von deme selben mere
die brudere alle erschraken.
ires zornes haken
wurfen si gemein dar um
uf bruder Marinum.
die buze teilten si im groz.
daz kloster man vor im besloz und liez in adda vor wesen
in einer cellen genesen,
da sin gemach was dunne
diz duchte in gar ein wunne,
wand er der werlde gerne enpar.
vil kum wart im di libnar, als in ir hertekeit gebot.
diz was ot wazzer und brot, des lebete er also dri jar, 5 daz er nie, als um ein har sich versneit mit ungedult, swie er gar Was ane schult.
Do ienez kint geborn wart und uf gewuchs an siner art, 10 daz ez der muter wol enpar; der dirnen vater nam des war, von dem die schande im bequam; hievon er daz kint nam un santez deme abte hin. 15 die brudere wurfen iren sin dar uf ez solde also genesen und bi sime vatere wesen im zu ungemache.
wand er were ein sache 20 dar an ir lob were blint.
man gab Marino sin kint.
« sich », sprachen si, « nim dinen sun ».
waz solde er arm man do tun, sit daz ungelucke 25 sich hufte uf sinen rucke?
er nam daz kint, daz bi im bleib.
zwei jar er dar nach vertreib in der gevencnisse alda. ἶ im gienc daz leit vil unna, 30 wand er guten trost ie vant an gotes helfricher hant.
hievon er nindert wancte.
mit vlize er gote dancte umme die hohen gabe sin, 35 als ouch den brudern wart schin dar nach, wie er mit stetekeit zu aller buze wart bereit.
do liezen si den armen