‹ Les catholiques français et leurs difficultés actuelles. Du militarisme, Du nationalisme, Les femmes et la politique. Anthisémitisme. Les catholiques et le bon vieux temps. Timidité intellectuelle de certains catholiques. L'abus des dévotions nouvelles. Le christianisme social et les conversateurs. La loi du 1er juillet 1901 et les "Dreyfusards". Du clergé séculier et des congrégations. Etc., etc. Articles, comptes rendus, notices bibliographiquesChapitre 23 sur 134 · III. Das politische Leben der franzœsischen Katholiken · texte numérisé non relu

III. Das politische Leben der franzœsischen Katholiken

Ëine der eigenartigsten Erscheinungen im heutigen Frankreich ist der Hass gegen den Klerus. Die Untersuchung der Quellen dieser Erscheinung fûhrt auf das politische Gebiet.

Wie konnte es anders sein ? Wenn man beispielsweiss laengere Zeit den katholischen Gaulois verfolgt, so muss man Léon Chaine recht geben, œenn er dessen Ideen auf folgende drei Saetze zurûckfûhrt :

1). Jederistantichristlich, dernich mitschreit: « Nieder mit den Juden I » ;

2). Jeder ist antichristlich, der nicht die Armée bis ins Kleinste fur unûbertrefflich haett ; '

3). Jeder ist antichristlich der nicht ohne weiteres jeden Ausiaender dem Franzosen gegnûber fur ruckstaendîg und minderwertig haBlt. (Léon Chaine : les Catholiques français et leurs difficultés actuelles^ pag© 10).

Das ist zugleich der Rarrikatur des extremen Antisemitismus, Militarismus und Nationalismus, wie sie in diesem Blatte vertreten werden, die und so mehr an Reiz gewinnt, als der Direktor des Gaulois der — Jude Arthur Meyer ist.

Welch haassliches Ding, wenn ein Anhaenger der Christentums, der Religion der Liebe, einen unvernûnftigen Hass gegen einen Andersgla3bigen zu tage treten lassst, wie er sich kondensiert in dem Rufe : A bas les Juifs ! ohne die Schuld oder Unschuid des einzelnen zu prûfen ! Wie abscheulich, ganzen Kategorien von Bûrgen ohne weiteres den nationalen Sinn abzusprechen I Die deutschen Ratholiken haben sich jahrzehntelang sehnlicher Vorwûrfe seitens auderen Mitbûrger erwehren mUssen und wissen, wie wehe sie tun. Es ist zu bekiagen, dass dièse aus der Geschichte gewonnene Erfahrung den franzœsischen Ratholiken abgeht. Seibst in kirciichen Liedern hat sich ein ûbertriebener Nationalismus eingeschlichen, wie der Singsang Catholique et français toujours bezeugt. (Léon Chaine, page 46 : <c Du Militarisme » pages 13-41 ; a Le Nationalisme » pages 43-54; « Antisémitisme » pages 69-92.

Im fremden Lande darf der Ratholik sich naturlisieren lassen, die fremde Nationatitaet zu der seinigen machen, ohne dass jemand berechtigt wœre, ihm darob Vorwûrfe zu machen, aber niemals darf er seinen Glauben preisgeben. Das liegt daran, dass er katholische Christ seinen Glauben fur absolute Wahrheit haîlt. Der Mathematiker kann sehr guter Patriot sein, wenn man aber von ihm verlangen wûrde, er soUe anerkennen, dass 2 mal 2 gleich 5 ist, so mûsste er das ablehnen, seibst auf die Gefahr

hin, als vaterlandslos zu gelten, falls in jenem Lande die Vorurteile solches erheischten. (Léon Chaîne, page 41.)

Wie nun der Katholik seinen Glauben fûr den richtîgen haîlt und sich nicht von ihm trennen mag, selbst wenn man ihm das nationale Bewusstsein absprechen soilte, so solite er anderseits bedenken, dass auch der Andersglaeùbige seinen Glauben fur den wahren halten kann und kein Katholik soilte so unvernûnftig und grausam zugleich sein, zu behaupten, ein Jude oder ein Protestant kœnne kein guter Franzose sein. Das bringt Kraenkung, Erbitterung und Gegnerschaft.

So haben sich in der Dreyfusaffaire militaristische, nationalistische und antisemitische Tendenzen mit dem Katholizismus verbunden und den letzteren arg kompromittiert. Anatole Leroy-Beaulieu bat recht, wenn er dig Stellungnahme allzu vieler Katholiken in der « Affaire » und ihren Antisemitismus fûr die jetzigen Verfolgungen mit verantwortlich macht. (Léon Chaine, page 75.)

Intéressant ist die Bestaetigung dieser Ansicht durch den Brief einesFreidenkers,den der Abbé Pichotin seiner Broschiire : La conscience chrétienne et Vaffaire de Dreyfus wiedergiebt. Derselbe besagt inhaltlich folgendes :

1). Die Geistlichkeit hat in der a Affaire » schwer gefehlt, sie hat sich blindlings auf die Offiziere verlassen ;

2). Die Freidenker verfallen in den andern Fehler ; sie hat sich blindlings auf die Offiziere angestiftet, so zu handeln ;

3). Die Menge wird den Offîzieren verzeihen, den Geistlichen niemals. (Léon Chaine, page 163.)

Le Rappel^ 16 mars 1905.

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