‹ Les deportation belges a la lumiere des documents allemands. Avec de nombreux fac-similes et la reproduction de tous les documents belgesChapitre 67 sur 112 · DER GENERAL-GOUVERNEUR · texte numérisé non relu

DER GENERAL-GOUVERNEUR

Brussel, den 23. November 1916.

Hochzuverehrender Herr Kardinal!

Euerer Eminenz bestdtige ich den Empfang des geehrten Sclireibens vom 10. d. M. und der handschriftlichen Zeilen vom 15. d. M. iiber der verspatete Zustellung. Ich habe darauf Folgendcs zu erwidern :

Euere Eminenz sind am 19. Oktober d. J . an rnich herangetreten, um zu erreichen dass von der V erwendung belgischer Arbeitsloser in Deutschland Abstand genommen werde. In meiner Antwort vom 28. Oktober d. J. habe ich, unter gebiihrender Wiirdigung des von Ilmen eingenommenen Standpunktes, die Griinde und Erwdgungen dargelegt, welche die besetzende Macht bei ihren Entschliessungen in der Arbeitcrfrage besiimmt haben. Diese Entschliessungen waren nicht der Ausfluss der Willkiir oder ungenugender Beurteilung der schwierigen Probleme, sondern das Ergebnis reiflicher Ueberlegung der in Betracht kommenden Umstande und der als unabwendbar erkannten Notwendigkeit. Im ganzen sehe ich mich also veranlasst, Euere Eminenz nochmals auf meine Darlegungen vom 28. Oktober

LES DEPORTATIONS BELGES

zu verweisen. Was sie gegen dieselben ins Feld fiihren, berulit cntweder auf missverstdndlicher Ausdeulung mciner Darlegungen oder entspringt Auffassungen, die ich Ilirem Wesen nach niclit gutheissen kann. Denn die umfangreiche Arbeitlosigkeit in Belgien ist ein schwerer sozialer Misstand, und die Beschdftigung der Arbeitslosen in Deutschland bedeutet jiir sie eine soziale Wohllat. Wenn ich Euerer Eminenz bei meiner Ankunft in Belgien sagle, ich wolle die dem belgischen Volke durch den Krieg geschlagenen W unden lindern, so widersprachen dem die ergangenen Massnahmen niclit. Auch muss ich es als eine Verkennung der Tatsachen ansehen, wenn Euere Eminenz mein vielfach erfolgreichen Bestrebungen nach Wiederbelebung der belgischen Volkswirtschaft mit dem Bemerken abtun mochte, es sei im Gegenteil eine kiinstliche Arbeitslosigkeit geschajfen worden. We gen der Zulassung von Rohstoffen in Belgien und Ausfuhr von Erzeugnissen hat England unannehmbare Bedingungen gestellt. Ueber diese Fragen haben im Laufe der Zeit mit den zustandigen neutralen und belgischen Siellen eingehende V erhandlungen slattgcf unden, auf die ndher einzugehen hier zu weit filliren w'lrdc. Ich wiederhole nur, dass die bcdauernswerten Zustande letzten Endes eine Folge der englischen Absperrungspolitik sind, wie die Beschlagnahme von Rohstoffen bereits ein erzwungenes Ergebnis dieser Politik war. Auch muss ich durcliaus daran festhalten, dass die Okkupation in wirtschaftlicher Ilinsicht dem Lande alle Vorteile wahrt, die unter den von England geschaffenen Zwangsverhaltnissen gesichert werden konnen.

In der Ausfiilirung der mit Bezug auf die Arbeitslosen getroffenen Anordnungen sind meiner Verwaltung eine Reihe von Schwierigkeiten erwachsen , welche auch fiir die Bevolkerung U nannehmlichkeiten br ingen. Das alles hdtte vermieden werden konnen, wenn die Gemeindebehorden durch ein geeignetes Vcrhalten ermoglicht flatten, die Durchfuhrung einfacher und zweckmassiger zu gestalten. Unter den gegenwartigen Verhaltnissen muss aber zu einen umstandlicheren Verfahren gegriffen werden, in das zunachst ein weiter Kreis von Personen einbezogen wird. Aber es sind Vorkehrungen getroffen, um Irrtiimer moglichst einzuschrdnken. Bestimmte Klassen von Berufen sind im Voraus von der Gestellungspflicht ausgeschlossen und begriindete Einzelreklamationen werden entweder sofort beriicksich tigt oder zur Beriicksichtigung weiter geleitet.

Euere Eminenz wollen aus V orstehenden ersehen, dass es unmoglich ist, Ihren Wiinschen auf Einstellung der beschlossenen Massnahmen nach zukommen, dass aber auch, trolz der entstandenen Schwierigkeiten, das geschieht, was bei der Durchfuhrung im Interesse aller geschehen kann.

Genelimigen Euere Eminenz den Ausdruck meiner vorziiglichsten Ilochachlung.

( Gez .) Flir. von Bissing, Generaloberst.

Seiner Eminenz Herrn K ordinal Mercier,

Erzbiscliof von Mecheln,

Mecheln.

PROTESTATIONS D’AUTORITES I3ELGES

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