A M. MIC H EL ET
Gdttingen, 13 ment 1837.
Verehrter herr,
Vor aeht Lagen endlich habe ich auf einmal von Strassburg Ihre franzosische geschichte und 49 bogea eines neuen werks, dessen titel ich noch nicht weiss, erhalten. fur jenes geschenk meinen aufrichtigsten dank; und das andere buch hat uiif fast noch mehr freude gemacht. man kùnoie es eine vennehrle und veredelle bearbeitung meiner rechtsalterthttmer uennen. Sie haben die gesichtspuncle zugleich crweitert und vereinfacht; in dieser gestalt wird die untersuchung viei anziehender sein, und das herbe nieines, freilich aut'ganz andre léser berechnelen werks glueklich ausgeschieden haben. ausserdem ist von Ihrer hand 80 viel eigenthûmliches und neues hinzugethan worden, dass von der geringen wirkung meiner arbeit hier in Deutschland gar nicht mehr auf die grbssere, die der Ihrigen iu Frankreich bevorstehl, geschlossen werden darf. vielleicht wird man dennoch noch etwas deulschen beigeschmack dariu finden und wegwdnschen. mir ist es um so werther; ich weiss unter memeu laïuUlcuten keineo, der eo genau eingegangeu ist in meine ideen und gefuhle; Sie haben das bild voll-
« Nous reproduisons le plus exactement possible l'orthographe suivie par i. Grimm. Quant aux retranchements qui sont indiqués par des points, nous avons supprimé, d'abord les détails particuliers qui n'offraient aucun intérêt, et ensuite certaines appréciations de personnes encore vivantes, et d'autres passages que Grimm aurait été bien fâché de rendre publics. Il y a «les hienséances qu'il faut respecter, et une correspondance contemporaine ne peut être traitée avec la môme liberté que lorsqu'un siècle a passé dessus
standig gefiisst unil" mitempfunden, was in meincrseelc von unserm alterthum schwebte, ich reine Ihnen dafur dankbar die hand.
Sie konnen ermes9en,dass ich seit erscheinung meines buchs vicies hibzugelernt habe, uod es vielleicht etwas besser machen werde, weon es zu einer neueu auflage kommt. ich wttnsche aber vorher und vor allem eine samlung voo 600-800 weislhttmern (records) herauszugcben, deren wichtiger und reicher inhalt mir damais so gut wie gar nient bekannt war. an dièse samlung denke ich hand anzulegen, sobald der vierle theil meiner grammatik, der jetzt gedruckt wird, beendigt sein wird.
... lhrcm freunde, dem edlen, gelebrten Burnouf binlerbringen Sie meinen herzlichsten gruss und dank. er hat mich neulich wieder mit seinen scharfsinnigen uutersuchungen aber die inscriptions cunéiformes bescheokt ».
mit der grôssten aufrichtigsten hochachtung der lhrige
Jacob Grimm.
AU MÊME
Goltingen, S4 mcrx 1837.
Unserc briefe haben sich gekreuzt... Ihre ausfùhrliche einleilung erwarte ich mit verlangen; Sie werden darin viel scharfsinniges und hochst lesenwerthes enhvickeln. im allgemeinen konnen wir Deutsche schon zufrieden sein mit den fUhigkeiten die Sie uns beilegen ; versteht sich das solche characteristiken im einzelnen eine menge ausnahmen leiden, die zu unserm nach theil, anderemal zu unserm vortheil gereichen.
Ihre histoire de France ist ein geistvoller bucii, in dem aber manches ent-
halten ist, vorUber ich anders denke, namentlich auch ttber die altère gallische und cellische geschichte, in welcher hoffentlich noch viel aufzurallmen ist. an cellische sprachstudien wird die reine auch einmal kommen, jetzt liegen sie in wahrer barbarei.
Ich bin mitgr'ossten hochachtung, Ihr ergebenster
Jacob Grimn.
AU MÊME
Guttingen, 1 dec. 1837. Ich bin freilich in grosser schuld, dass ich far Ihre gUtige zusendung der
1 Cet alinéa et la lettre suivante, ne rentrant pas dans notre cadre biographique, n'ont pas été compris dans notre traduction. Nous les donnons ici à cause de l'inténît qu'ils offrent pour l'appréciation de notre Eug. Burnouf et pour celle des études celtiques.
bftchcr so spiil danke. erst trat «lie feier unsTes juhi lacum dnzwisclicn.h'Tiiarh eine kleine herborise, der beginn der wintervnrlesnngen, und unsere |x»litische unruhe, von welcher Su», wenn Sie dcut^ehe arlikel in den teitungen nicht ûberschlagcn, wol uulem< luei sind. dièse innere aufregnng verursuchl, dasa ich auch heute kilrzer schreibe, als ich mir vorgenommen halte.
Die einleitung zu Ihren origines du droit français habe ich mit grosser frende geiesen. sie ist voll geisl und feinheit, in den gedanken wie in ausdruck. Ihre befùrchlung, ich mbge Uber der alten zeitdie neue vergessen, war grundlos. ich verkenne die vortheile der gegenwart nicht uber ihren nachtheilen. aber inein gaozes leben war fast auf das alterthum gerichtet, et mihi vetustas res scribenti nescio qno pacto antiqiius fit animns. die daraus eîitspringende einseitigkeit ist zu dulden, wie die verwandte zu ehren, welche sich in hervorhebung «les vaterlandes zeigt. ich wendeDiren darum wenig ein wider das, was in Ihren augen den untcrschied iwischen deutscher und franzbsischer richtung beieichnet. Sie wûrden cbenso gerechtsein, wenn ich eine hin und wieder andere schilderung versuchen wollie. nur die noie s. cxxi geht nnr zu weit. ich meine, Sie verkennen in Ihrcr classischen poésie von Corneille bis Voltaire die fortschrilte und bedQrrnisse der heutigen selbst, die Sie sonst so lebhafl fûhlen. soll ich lhnen ein gestandniss wiederholen, das wir uns in Deutschland ganz gewohnlich roachen? ich habé schon oft, mit den beslen willen, versucht an Corneille, Racine, Boileuu, und faille auch wol ihr cntschiednes talent; aber ich vermag nicht bei ihueu auszuhalleu, es leuchtet mir ein, dass diesen dichtern doch vieles ver- Bchlossen geblieben ist, was die poésie in dem tiefsten prunde aufregt. Ihre introduction Ober das alte recht ist mir poetischer als Boileaus ansicht von der dichlkunst.
Auf welche weise Ihr buch aufgenommen werden wird, bin ich gespannl iu erfahren.ichliebettberhaupt nicht baare Uberselzungeu aus geliiufigen sprachen, sonsl wQrde ich wttnschen duss Ihre einleilung sien auch ,in Deutschland nâuer
Der Dirige Jacob Giumm.
AU MÊME
Cassel, 23 nov. 1838.
Verehrter henr und freund,
Mein unslates leben, das ich seit eiucm jahrc fuhrc, muss micli cnlscliuldigen, dass ich auf Dire theilnehmenden zuschiifteu, die mich herzlich eifreut unJ getrostel haben, so sp&t antworle. ich hofte immer auf irgend eine entscheidung Ober meine zukunfi, die ich lhnen mcldcn kftO'.Ue, sic isi aber nocht nte!it er-
folgt, und wird allcm anschein nach noch eine zeitlang ausbleiben. mitllerweile hab ich mirh seit einem monat rail meinem bruder und tueinen bûchern wieder vereioigt, hier in derselben stadt, in welcher wir vor zthn jahren scbon lebten und mehr eingewont sind, als zu Gôltingen. wir haben frischen mut geschouft und wollen nun die uns zu iheil gewordne unfreiwillige musse auf arbeiten wendcn, die vielleicht ohne jenes belrûbende ereignis nicht beschlossen und ausgefûhrt werden warcn. hauptgâhlichistesein ausfûhrhches deutsches wôrtcrbuch in siebenstarkenbiioden.dasuns eine reine von jahren besehaftigen soll, mehr Da^h den muster der academia délia Crusca, als nach dem de l'académie française; ein fur unsre sprache endlich sehr oblhiges, aber noch nicht zu spat gewordnes werk, das auch hoffentlich dem auslaude zur rechtenzeit kommt. die bedeutungen sollcn in dieser absicht lateinisch, und oft auch, wodie todte sprache uicht mehr heifen kann, franzosisch angegebeii werden. aile schriftsteller der letzten drei jahrhnnderte (scît Luther) werden ausgezogen (naturlich von vielen tnitarbeitern), was ein wirklich erslaunendes material zuwege bringen muss.
Danebon sollen jedoch auch audre plane ausgefilbrl werden, die grammatik beendet und theilweise umgearbeitet, und diesen winter noch inein vorralh vou weisthûmern (in zwei starken bandi n) gedruckt. dudurch wird es mir erst ntôglich von einerseite her meine rechtsalterthûmcr zu vermehren, von der andern seite regt mich Ihr buchzu maocherlei an, Qber dessen gelingeu ich mich freue.
Herr Marmier der mich neulich besuchte und dem ich grûsse an Sie auftrug, wird Ihnen gemeldet haben, dass ich den sommer an verschiednen ortenzubrarhte, besondere in Erlangen, Leipzig und lena. Paris wûrdc ich gern einmal wiedersehen, vielleicht gestatten es die verhaltnisse nachstes jahr. ich bin gertthrt von dem antheil den das ausland an meinem geschicke nimmt ; und wie vie! ungeahntes halte ich bei Ihnen zu sehen und zu lernen.
Und nun empfehle ich mich auf angelegentlichste lhrer fernern freundschaft und gewogenheit,
ganz lhrer
Jacob GniMM.
AU MÊME
[Bftriin. 1842]
Verehrter herr und freund,
Die gute gelegenheit Ihnen beifolgende abhandlung zu ubersenden mahnt mich zugleich lebhaft daran, wie lange ich schon unterlassen habe, Ihnen von mir nachricht zu geben. nachdem mir die régate theilnahme von Ihnen wieder-
i(î LES FRERES GRIMtf.
faliren ist, scheineich sie fast zu verscherzen ond gar nicht zu verdienen. erwarten Sie abcr von mir getrost, wie Gbthe sagt, dankes blume ;aus stillen garten. die neue versetzung aus Casse! in den hiesigen etwas sandigen boden hat mich in vielfache zerstreuungen und huidernisse gestûrzt, icli hoffe dass auch das fordernde nicht ausbleibeu werde, und erkenne jetzt schon mancherlei gutesan, das mir zu theil wird. Gott hat mir meinen gelieblen bruder leben lassen, der diesen winter lang und schwer krank lag; wir sind so gewohnt an zusammen sein und arbeiten, dass ich gar nicht mir denken kann, was aus mir geworden warc wenn ich mich allein gefunden hatte. wir schaflen an eincm an l uhrlichen deutsctien worterbuch, dcssen malerial in gang und Iluss zn bringen gar viel anstrengung kostet und wobei wir noch manche andre hilfe, die un3 oft im stich lâsst, ansprechen mttssen. jetz sind die fortschritte noch langsam, sollen aber in den nâchsten jahren, wenn Gott gesundheit verleiht, sich verdoppeln und verdreifachen.
Ausserdem habe ich eine sammlung von dorfweislhumern in drei starken biinden fertig gemacht und grosse mUhe aufgewandt des zerstreuten mateiïals babhaft zu werden. es sind weit ttber tausend einzelne slttcke von ungleichem werth und gehalt, doch aile, wenn ich mich nicht leusche, voll an aufschlûssen ttber unser altes recht. so sehr Sie der gegensland anzieht, po wenig wurde Ihnen jetzt schon mit dem blossen stof gedient oder gar geholfen sein ; ich warle also die erscheinung folgenden vierten bandes ab, worin ich abhandlungen und erlattterungen liefere, um Ihnen dann den ganzen plunder aufeinmal zuzuschicken
Den fttnften tome llirer histoire de France habe ich erhallen, und bewundere den aufsteigenden wachsthum dièses geistreichen werks, das nocli nicht einmal bis zut halfte gediehen ist. besonders sind lhre aufschlttsse Uber die pucelle bedeutend und lehrreich.
Ausserdem hure ich wenig von dem was jetzt dort ftlr das mittelal ter geschieht... warum druckt uiemand die werke eines Chrétien de Troyes? daraus wUrde sich viel entnehmen lassen.
Zûrnen Sie nicht dem saumseeligen, sondern erhalten mir lhre unschiitzbare gewogenheit.
Jacob Grimm.