Die Gafobiner und Augereau
. |. Une nouvelle crise est à la veille d'éclater et qui décidera vraisemblablement de l'existence politique de l'une ou de l'autre des premières autorités. La lutte, si elle a lieu, sera sanglante. Quoique la faction des Jacobins soit réduite infiniment ici pour le nombre des individus, elle recèle néanmoins dans son sein des chefs pleins de résolution et d'’audace. Le général Augereau est du nombre, Augereau qui conservant surtout un ressentiment profond de l'oubli que l'ancien Directoire avait mis à ses services lors du 18 fructidor, croit trouver aujourd'hui l'occasion de s’en venger en eulbutant les directeurs et le directoriat. L'établissement d'une Convention et d'un Comité de salut public lui vaudrait pour récompense, à ce qu'on débite, le titre et la place de généralissime de la force armée dans l'intérieur de la République . .
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276. Denfihrift des Herzogs von Braunfchweig. 1799 Auguft 25. Abichrift im Grofberzogl. Hans:Arhiv zu Weimar !). Ausbreitung ber revolutionären Principien in Europa. Berechtigung ber Coalition
gegen Franfreih. Widerlegung der Einwendungen gegen bie Theilnahme Preußens am Kriege und Gründe für biefelbe.
Der gegenwärtige Krieg ift von feiner Entftehung an als ein Beweis an-
1) Herzog Karl Auguft bat eigenhändig barauf bemerkt: Memoire des Herzogs von Braunschweig über die Verhandlungen im Lager von Petershagen bei Minden anno 1799, bem Könige von ibm übergeben und mir im Herbft 1500 mitgetheilt. Die mit „ “ be zeichneten Worte oder Grunbjäge, welche bas Memoire beftreitet und zu widerlegen int, find ipsissima verba 5. M. des Königs.
Berichte von Sanboy Rollin. Derfibrift des Herzogs von Braunfdiweig. 323
zujehen, wie weit eine Nation burd Trugichlüffe und Verdrehungen der allgemein anerfannten Grundjäße von Religion und Moralität verleitet werden fann. Die Verführer der franzöfischen Nation befchräntten fit nicht lediglich darauf, unter dem Schein von Freiheit in Frankreich die Grundpfeiler aller Religion, Negierungsform, und die fich darauf gründenden Gefebe umzuftürzen, fonbern e8 ward als Princip der revolutionären Politik angenommen, durch die Gewalt der Waffen diefe Grundfäe allgemein zu verbreiten.
Die Borjpiegelung einer idealischen Freiheit, die den Menjchen Rechte ohne zu beobachtende Pflichten Lehrte, wirkte auf den unvorfichtigen, unbe- (ehrten, Leidenjchaftlichen großen Haufen, befonders auf die Jugend, und auf eine Rlafje von Menjchen, welche die Befriedigung ihrer Eigenliebe und ihres Stolze8 darin juchte, der heranwachjenden Generation burd Sophismen die Köpfe zu verdrehen und fie dadurd für alle allgemein fchädlichen Eindrüce empfänglich zu machen. Der nicht beobachtende oberflächliche Theil der Menchen fab nicht die Folgen einer fo verftimmten Dentart ein, nannte den gegen Tranfreich unternommenen Bertheidigungstrieg einen Krieg gegen Meinungen. Diejer theils falfch verftandene, theils aus Bosheit erfonnene Ausdrud wirkte mehr auf die gegen Frankreich aufgeftellten Armeen, als man e8 vielleicht je vermutbete; fie glaubten gegen Meinungen über Freiheit, die zu einer allge: meinen Glückjeligfeit leiteten, angeführt zu werden, und das Glüd der Waffen, welches durch die Schlaffheit und Unbeftimmtheit, womit der Krieg von Seiten Deutichlandg geführt ward, fid für die Ujurpatoren der franzöfiichen Nation erklärte, ward nur von zu vielen Leichtfinnigen, Betrogenen, oder wahren Böjewichtern als die Folge des Kampfes der Freiheit gegen die Tyrannet angejehen, jo daß wenig Armeen fit werden jchmeicheln können, nicht heimliche Anhänger der franzöfiichen Revolution bei fich gehegt zu haben. Dieje Stimmung erjchlaffte die Disciplin und den militärischen Geift, welcher der Ehre, gegen den Feind durch vorzügliche Thaten fid zu zeigen, alle anderen Unter: fuungen nadiebte. Die Folgen diejer überhand nehmenden Dentungsart, die hervorfeimende Meinung von der Entbehrlichkeit der bisherigen Regierun: gen, die auf Geburt oder Herfommen fid gründen, der heimliche uni, durch das Glüd der franzöfiihen Waffen eine Veränderung in der jebigen politifchen Berfaffung von Europa entjtehen zu feben, äußerten für das Scidjal von Europa eine folche eritaunliche Wirkung, daß e8 nicht wenig auffallend ift, wie jolche haben überjehen werden fünnen, und wie Berjünlichkeiten und übel verftandene Bolitik die Aufmerkfamkeit von dem vor Augen liegenden wichtigen Gegenftande haben entfernen fünnen. Die Berblendung und Kleinmüthigfeit jtieg zu einem jo unbegreiflichen Grade, daß man öffent: ih behauptete, nichts fünne den franzöfiichen Heeren und ihren Anführern widerstehen, und deutjche Armeen, die bis zu diejem Zeitpunfte allen feindlichen Anfällen Frankreichs rübmlid widerjtanden hatten, verließen die ftärt-
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ften Stellungen, fefte Bläte, Provinzen und anjehnliche Länder, welche ebedem mehrere Feldzüge hindurch zum Kriegsichauplage gedient hatten, ja ftatt fid) zu vereinigen, wie gegen die Eroberungsjudt Ludwig des XIV., um Deutidiands Unabhängigkeit von Frankreich zu behaupten, die Ehre und Rechte der deutichen Nation zu retten, juchte man fein Glüd und feine Rube in Nadjgiebigfeiten und partiellen Friedens - Traktaten, die von Seiten des franzöfischen Directorii offenbar die Abficht verriethen, den einen Staat durd) den andern zu ftürzen.
Rad jo manchen angefnüpften und wieder abgebrochenen Unterhand- (ungen mit dem Directorio war endlich an einen Generalfrieden zu Raftatt die Hand gelegt. Ohngeachtet daß man beinahe drei Kurfürjtenthümer am linfen Rheinufer dem Feinde zum Opfer brachte, ohngeachtet daß Mainz auf eine nie zu erwartende Art den Franzofen war übergeben worden und ohngeachtet man fi) empürenden Forderungen abjeiten des Feindes biegjam fügte, jo ließ dennoch die ftolge Raubiudt des Directorii nicht zu, den Frieden zu beendigen.
Außer der Unterjochung der Schweiz, des Kirchenftaats, des Königreichs Neapel, der Entjeßung des Königs von Sardinien, mit dem dag Directorium Frieden geichlofjen hatte, der Befitnabme von Toskana, war das rechte Rbeinufer anhaltend mit den Läftigften Bedrüdungen bejchwert, Ehrenbreititein blotirt und zur Übergabe gezwungen, und zwar alles diejes während eines geichlofjenen Waffenftillftandes. Nachdem nun aud) diefe wider das Völkerrecht laufenden Handlungen geduldig waren ertragen worden, hielt bas Directorium dafür, den legten Schritt wagen zu dürfen, e8 verlangte nämlich vom Kaijer die Zurücjendung der ruffiichen Hülfstruppen, die zum Schuß von Ofterreich nad) der Umwälzung der Schweiz und Italiens herbeigeeilt waren, und griff bekanntlich das Haus Ofterreid ohne weitere Kriegserflärung an. Das Rriegsglüc wandte fich endlich in diefem Beitpuntte, und Ofterreid mit Rußland vereinigt, burd England unterftügt, haben big daher bas auf dem Bunft des Umfturzes ftebende Europa gerettet.
Wenn die äußeren und innern Verhältnifje Preußens den Basler Frieden auch nothwendig machten, jo war jedoch im voraus zu berechnen, daß für die im Striege verbleibenden Mächte die gefahrvolliten Folgen daher entfteben mußten. Bon Seiten Preußen? war wahrjcheinlich mit diefem einfeitigen Frieden die billige Hoffnung verbunden, fürs beutiche Reid zu einem allgemeinen Frieden dadurch zu gelangen: wie wenig aber die folgenden Begebenheiten diefer Erwartung entiprochen haben, Liegt leider offenbar vor Augen. Der gute Zwed fürs Allgemeine ward gänzlich verfehlt, und der Zeitpunkt diejeg Friedens ward als die Quelle alles nachher ausgebrochenen Unglüds angejehen. Nachdem nunmehr das Glüd der Waffen auf eine entjcheidende Art fid gegen Frankreich erflärt, nachdem eine fremde Macht den thätigften
Dentidrift des Herzogs von Braunibiveig. 325
Antheil an dem Schicjale von Europa nimmt, eine Macht, welche eine vor- 1799 fidtige Politik bis daher von den inneren Angelegenheiten des deutfchen Neichs Ang. 25. Îtets zu entfernen gefucht hat, wird die Auflöfung der Frage von äuferfter Wichtigkeit: In wie weit der König von Preußen, als nad) Ofterreich das mächtigfte Mitglied des deutfchen Reichs, das Shidial desjelben ben beiden faiferlichen Höfen allein wird überlaffen wollen und der daher zu beforgenden Folgen halber wird überlaffen können? Um diefe Frage zu beantworten, wird genau auseinanderzufegen fein, was gegen eine thätige Theilnahme an . dem gegenwärtigen Kriege gefagt werden kann und was hingegen für Gründe eintreten, die eine Theilnahme anrathen.
Gegen den Beitritt zu den verbundenen Mächten fünnen folgende fieben Gründe angeführt werden, denen man die Beantwortung beigefügt hat.
»1. Dass ein anhaltender dauerhafter Friede nur allein das innere »Glück einer Nation zu befördern vermögend sei, dass die preussische »Monarchie nach so manchen Erschütterungen Frieden nöthig habe, so- »wohl um ihr Finanz-System völlig wieder herzustellen, als auch den neu- »acquirirten Theil von Polen in die Verfassung zu setzen, um dem ganzen »Staatskürper nützlicher zu werden«.
Beantwortung. Dieje weifen und wohlthätigen Grundfäße haben im Allgemeinen ihre völlige Richtigkeit, und ftände zu wünjchen, daß felbige zum Wohl der Menjchheit ausgebreiteter wären, jebod fünnen Berhältniffe davon modificirte Ausnahmen veranlafjen. Die preußische Monarchie fann ihrer Lage nad) id nie ifolirt betrachten, fie ift in diefem Falle, um in der glüdlichen Lage, in welcher fie fich bis jebt befindet, zu verbleiben, ihren mächtigen Nachbarn Achtung und Zutrauen einzuflößen verbunden; jeder Macht in Europa muß fie fich formidabel zeigen ,; ohne diefe Zwede zu erreichen, würde eine Armee von 200,000 Mann mehr zur Laft als zum wahren Nuben fein. Das innere Wohljein jeder Monarchie ift befonder8 abhängend von dem Berthe, welchen fie durch ihr Gewicht in die europäischen Angelegenheiten legt, von der Achtung, Die fie dadurch genießet, und von den Verhältnifien, in welchen fie mit andern Mächten ftehet, indem hierdurd) eigentlich die äußere Sicherheit des Staats, aljo die erfte Grundlage der Societät, hinreichend geftüßt wird. Sebt ift das ganze politische Syftem von Europa erjchüttert, zu defien Wiederherftellung Preußen aufgefordert wird mitzuwirken. Wäre Die preußijche Monarchie in dem vorfeienden Falle zur Beendigung des Kriegs gegen Frankreich genöthigt, Anftrengungen zu machen, welche ihr inneres Glüd ftörten, fo würde ein folches Unternehmen mit mehreren Schwierigkeiten verbunden fein. Da aber der Beitritt zu Den im Sriege befangenen Mächten nur einen mäßigen Theil der preußifchen Armeen erfordern würde, welcher durc) englifhe Geldbeiträge unterftügt werden fann, jo würden Feine neue Laften zu beforgen fein, die den großen Zwed überwögen: die Wiederherjtellung der
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1799 Ordnung der Dinge thätig mit zu bewirken. Die franzöftiche Revolution bat
Aug. 25. baë eigene, daß während ihrer Dauer man Lafter und Miffethaten in Übel-
thätern geehrt gefehen bat, und die Meinung, daß nur Glüd und Verjchmigt-
heit dazu gehöre, um fich zu erheben, hat auf leichtfinnige Gemüther dermafen
gewirkt, daß für die praktische Moralität zu wünjchen ftebt, bas Syitem, auf
welches diefe Verfehrtheiten fich gründen, erdridt zu jehen, wenn auch wichtige pofitifche Gründe e8 nicht erforderten.
2. Bei einem Kriege gegen Frankreich sei nichts zu gewinnen, ee | »urdrigem Glück aber zu verlieren«. \. iv, ur Ar fr ALU À T Er
Beantwortung. In einem Angriffskriege gegen Feankreid) würde aller: dings wenig zu gewinnen, Hingegen viel mehr zu verlieren fein; allein unter den jebigen Umftänden würde e8 vornehmlich) darauf ankommen, die von Frankreich in Befit genommenen königlichen Provinzen wiederum zu befreien, die im Jahr 1788 an Holland geleiftete Garantie geltend zu machen, und Frankreich nad) Maßgabe der Umftände fo viel thunlich in feine alten Grenzen zurückufchieben und dadurch den allgemeinen Frieden zu befchleunigen. Durd) die Wiederherftellung von Holland erhält der nördliche Theil von Deutjchland wiederum feine ehemalige Vormaner, und jet würde die Ausführung eines jolchen Unternehmens ohnftreitig burd die mißliche Lage der Franzöfiichen Armeen in der Schweiz und in Italien erleichtert, wenigftens würde dadurd) ein großer Theil der Beforglichkeiten als gehoben anzufehen jein.
»3. Wahrscheinlich wird Oesterreich nur die Räumung von Italien
»und der Schweiz erwarten, um Frieden mit Frankreich zu schliessen, moodurch gegen Preussen die ganze Macht Frankreichs würde angemoandt werden können«.
Beantwortung. Dieje gerechte Beforglichkeit würde verfchwinden, wenn Rupland die Garantie übernähme, daf Ofterreid nicht eher Friede mache, big x Holland befreiet, das linke Rheinufer vom Feinde gereinigt und dag Schidjal AE der Niederlande feitgejebt fein würde. Bei der befannten Stimmung des ruffiihen Hofes würde dieje Gewährleiftung nicht verfagt werden.
»4. Preussen hat gegen den Rhein keine natürlichen Grenzen, kein N SÉ sicheres Vertheidigungs-System aus Mangel an festen Plützen, es würde NA) »daher allen Folgen eines unglücklichen Krieges ausgesetzt sein. SA
Beantwortung. Die ficherfte Defenfion des Niederrhein und des ganzen SS N
nördlichen Deutjchlands befteht in den ehemaligen holländischen Plägen an &\ der Maas, an der Waal und in der Generalität; e8 ift daher nicht eine will: N fürliche Unterftügung der Holländer, nicht der der ftatthalterfchen Regierungs-
form geleifteten Garantie im Jahre 1788 wegen, fondern zur Wiederherftellung
der ehemaligen Sicherheit der füniglich preußifchen Lande felbft, dak Hol-
land ein ganz unabhängiger Staat von Frankreich werde und durch eine
Dentibrift des Herzogs von Braunjchweig. 327
Berbindung mit Preußen dem nördlichen Deutichland gegen Frankreich wie- 1799 derum zum Schuß diene. a
»5. England hat ein grösseres Interesse an der Befreiung von Holland als Preussen; der südliche Theil von Deutschland ist allein durch das moidersinnige Benehmen des Wiener Hofs in die missliche Lage versetzt, »in welcher er sich kurz vor den letzten Successen von Oesterreich befand, „wogegen der nördliche Theil durch Preussens Neutralität gerettet ist.
Beantwortung. Seit der Trennung der Niederlande vom Haufe Ofter-
veic) wird das Sntereffe von England mit dem Wiener Hofe vermindert, und in dem nämlichen Mae mit Preußen vermehrt, da beide Mächte ein gleiches Intereffe Haben, Holland und wenigftens einen Theil der Niederlande nicht in franzöfischen Händen zu laffen und eine intermediäre Macht zwilchen Trank: reich, dem Nhein und der Nordjee zu bilden. Das Unglüd, welches den jiidfichen Theil von Deutjchland betroffen und nod betrifft, rühret ohmftreitig von dem Benehmen Ofterreich® her, welches die Trennung des Neichs hingegen ftet3 ala eine Folge des Bajeler Friedens den Mafregeln des Berliner Hofs zu feiner Rechtfertigung entgegengejeßt, und wenn der nördliche Theil von Deutjchland mit inniger Rührung feine Erhaltung allein dem wohlthätigen Schuße Preußens zu verdanken hat, jo wird fefbft diejer Theil des Reis nie zu einer ficheren Eriftenz wieder gelangen fünnen, wenn nicht Holland und das Finke Rheinufer gänzlich von Frankreich getrennt und die alte Ordnung der Dinge bergeftellt wird.
»6. Frankreich ist als ein natürlicher Allürter der preussischen Mon- »archie zu betrachten, den man nicht soweit heruntersetzen will, als V4 metzt die Umstände erlaubten ; überdem hat das Directorium in Frankreich den Neutralitätstraktat vom 5. August 1796 bis daher gehalten«.
Beantwortung. Frankreich konnte ehedem als Preußens natürlicher
Alliirter angejehen werden, fo lange England wegen der dfterreichiichen Befigungen der Niederlande mehr oder weniger Alltirter diefer Macht war, und jo lange Frankreichs Allianz mit der Pforte und mit Schweden der preußischen Monarchie einige Sicherheit gegen die beiden Faijerlichen Höfe darbot. Seit der Theilung Polens aber, jeit der Allianz der beiden Faijerlichen Höfe mit der Pforte hört die Theilnahme auf, die Franfreih an Preußen nehmen fonnte. Sollte aber aud Frankreich jemalen Preußen wieder nüblid werden fünnen, jo muß nothwendig die Wiederherftellung von Frankreich vorausgehen. ES muß nämlich diefes Reid eine fefte Negierungsform wieder erhalten, welche nicht wie die jebige auf Grundfäßen berubte, die gegen alle rechtmäßigen Regierungen offenbar ftreiten, eg muß feine Verbindungen mit der Pforte wieder anzufnüpfen im Stande fein, e8 muß mäßig, gerecht und billig wiederum handeln fünnen, und um diejes zu bewirken, wird die Nation von ihren jebigen Unterdrüctern befreiet werden müfjen. Das Directorium bat die Neutralität
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1799 injoweit refpeftivet, als e8 burd ein widerfeitiges Betragen mit Preußen fic Aug. 25. compromittiren konnte, allein die Behandlungen der königlich preußifchen Provinzen am linken Rheinufer gegen die Worte und den Sinn des Basler Triedens beweifen hinreichend, wie das Directorium fid alles erlaubt, was e8 mit Sicherheit und ohngeahndet glaubt ausüben zu fünnen, und daß e8 nur ledigli deshalb Preußen font, weil es fich fürchtet durch völlige Wortbrüdjigkeit
gegen dafjelbe einen wichtigen Feind mehr zu befommen.
»7. Durch den Beitritt zu den bereits vereinigten Müchten wird dem
Haus Oesterreich indirecte gedienet und dessen Macht bestätiget«.
Beantwortung. Wenn Preußen zu den bereits vereinigten Mächten träte, unter der bereit3 erwähnten Garantie von Rußland (daf Ofterreid feinen Bartieulair- Frieden made), würde Preußen allerdings einen Theil der franzöfischen Macht, welche gegen die faiferlichen Armeen concentrit ift, vermindern und felbige gegen fich richten, und dadurch allerdings die Succefje der kaiserlichen Armeen befördern ; Preußen aber gewänne hierdurch) das Verdienit, durch Abkürzung des Krieges Millionen von Menjchen von dem unvermeidlichten Berderben gerettet zu haben, einem verderblichen Kriege ein Ende zu machen und den nicht unbedeutenden Bortheil, beim Frieden eine entjcheidende Sprache zu führen und in die Reihe der erften Mächte wiederum einzutreten, wohin feit dem Rurfüriten Friedrich Wilhelm alle Regenten Preußens geftrebt haben. Europa erwartete von Preußen feine Rettung, die jebt Rußland übernommen bat, das beutidhe Reid und Holland hofften vorzüglich auf den mächtigen Beiftand Preußens. Imwvieweit diefe Macht den beiden Faiferlichen Höfen die Wiederherftellung der zerrütteten politischen Verbältniffe von Europa überlaffen will, würde einer nicht hinlänglich unterrichteten Feder zu erörtern nicht geziemen.
Db folgende Betrachtungen aus dem wahren Gefichtspunfte hergeleitet find, wird nur burd höhere Einficht entjchieden werden können.
Bekanntlich bat die preußische Monarchie gegen die Memel jowie gegen den Ahein feine natürlichen Grenzen nod feite Pläbe; die preußifchen und pommerjchen Küften find zu ausgedehnt, um in Ermangelung einer Seemadht vertheidigungsfähig zu fein. Nur die vorzüglichite Militär - Verfaffung, die Belebung des Geijtes in der Armee, welcher diejelbe in den miplihften Lagen bei Roßbach), Leuthen und Zorndorf fiegen machte, nebft einer burd die Leßte Theilung von Polen nothwendig gewordenen Bereinigung mit Rußland kann Preußens fortdauerndes Glüd und Sicherheit beftätigen.
Die jebige thätige Einwirkung Ruflands in den Kampf der legitimen Regierungen gegen das Revolutions » Syitem der Franzofen rettet wahrjcheinlich Europa von dem unvermeidlichen Umfturz, welcher bereit3 in der Schweiz, in Italien, in den Niederlanden, in Holland und am linken Rheinufer vollführet war und welcher bereits das rechte Rheinufer bedrohte. Der Friede
Dentihrift des Herzogs ven Braunihiweig. 329
wird dereinft nur unter ruffischer Garantie geichlofien werden, wodurd) dieje Macht einen durch Verträge beftätigten Einfluß in Deutichland erhält und mit Ofterreich alliirt ihre Präponderanz im Reiche teilen wird, wohingegen Preußen ohne zutrauliche Verbindung mit irgend einer Macht bleibt, indem e3 weder mit ben verbündeten Mächten nod mit Frankreich zu einem gemein- Ichaftlichen Zwede hat wirken wollen, und tritt e8 daher aus der Reihe der Mächte heraus, die burd ihre Macht und Lage ein enticheidendes Gewicht in die allgemeinen Berbältniffe von Europa zu legen berechtigt find. Die Folgen von einer jolchen politischen Trennung von Europa fünnen zu mancherlei fein, um fie im Voraus zu berechnen, und wenn Schweden und Dänemark ein unbedeutemdes Berhältnif in dem wiederherzuftellenden Gleihgewicht von Europa ertragen können, fo wird ihr Beifpiel nie fir Preußen anwendbar fein. Jene find durch ihre Lage von den mancherlei politichen Verbültniffen getrennt, in welche Preußen durd) die feinigen verwebt ift, abgefondert vom feften Lande giebt ihnen ihre Seemacdht eine Eriftenz, die zwar oftmalen compromittirt wird, jedoch) auf ihre inneren Verhältnifje nie die Wirkung bat, die fie Haben würde, wenn ihre Lage der von Preußen ähnlich wäre.
Durd) die Anwendung nur eines Theils von Preußens Macht konnte der Friede bejchleunigt werden, und diejes fünnte noc) der Fall fein, wenn Preußen mit den Waffen in der Hand dem Directorio feinen Willen erklärte. Hierdurd) würde Preußen aber auch im Stande fein zu verhüten, daß Ofterreich fich beim Frieden weder zu wichtige Vortheile nod) Bergrößerungen ausbedänge, die natürlicher Weife das Mifverhältnif feiner Kräfte nod vermehrten. Dfterreid bat auf alle Weije gefucht, fi) an Rußland bei diejer Gelegenheit nod) inniger anzufchließen, und es ift hierin durch die Familienverbindungen nur noch mehr verjtärkt worden. Die einzige vielleicht fich nie wieder zeigende Gefegenheit, wodurch Preußen fi) Rußland verbindlid machen fann, ift offenbar der Beitritt zu den vereinten Mächten. Bewirit c8 durch feine Unthätigkeit eine Kälte zwifchen fi) und Rußland, fo fcheint Leicht zu beftimmen, was für unangenehme Verhältniffe dereinft bei jedem neuen Mifverhältniffe zwifchen Preußen und Ofterreich daraus erwachjen müfjen, befonders wenn man bedenkt, wie jehr Rußland feinen Einfluß in Deutjchland zu vermehren be: dacht ift.
Die ganze Summe der Gründe, welche Preußen bewegen können, zu den vereinten Mächten beizutreten, fcheint fic) auf Folgendes bringen zu laffen:
1) Durch Unterftüßungen von England bewirkt e8 ohne irgend eine bedeutende Anftrengung den allgemeinen Frieden viel fchneller, fdjonet daher das Wohl und das Blut von vielen Taufend Menfchen. 2) E3 bringt für ganz Europa einen weit fefteren Frieden durch diefen Beitritt deshalb zu Wege, weil dadurch dig Aussichten zu neuen Kriegen unter den großen Mächten benommen werden, indem bDiefe jodann fämmtlid mit einander einverftanden den
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330 Urfunden No. 276—278. | Frieden bewirkt haben. 3) ES erhält fi) in der ihm gebührenden Stelle der entjcheidenden Mächte Europas. 1) ES wird Herr, bei dem Frieden darauf zu feben, daß die übrigen Mächte fid) nicht in gar zu vwortheilhafte, ihm ge: fährliche Lagen verjeßen. 5) ES madt fi) das fo bedeutende und ihm jebt jo nahe gelegene Rußland geneigt und 6) Von neuem zum Garant feiner Länder. 7) C8 fichert fi, im Fall der Wiederherftellung der rechtmäßigen Regierung in Frankreich deren Erfenntlichkeit und Freundichait. ES fann mithin durch feinen Beitritt feine ganze politiiche Sicherheit feftitellen, dahin:
gegen bei fortdauerndem Nichtbeitritt jolche willkürlich aufs Spiel feben.