EXTRAIT DE LA RELATION DE OTTO 6ERIGKE
Als nnn der Rath dieze abschlagige antwort (Tilly's) bekommen undt zugleich gesehen in was gefœhriichkeiten die sladt gestanden, hat er den trompeter verharren, den folgeoden tag (war dcr 9ji9 mai) die ganze burgerschafft in ihrer vierthels hernn haaser zusamraen fordern undt dieselbe samplich befragen lassen, ob man nahmlich gegen gênerai Tilli gesanten schickeo^ und sich mit ihme in tractaten einlassen solte oder nicht. Worauf sie dann in theilsvierteln (durch die mehrsten stimmen) geschlossen dass man schicken und traktiren wolle^ theils viertel haben ailes zu des Raths willen und gutachten gestellt, theils aber und vornemlich die persohnen so von anfang zu diesem werke gerathen und befœrderung dazu geleistet, ganzkeinen tractaten eingehen, sondern noch allestunden nnd augenblick des K. in Schw. suceurs erwarten wollen, aiso dass auch theils unter jehnen stadviertel begriffene bnrger (weil sie an dieser sache ihre viertelsherrn verdachtig gehalten) etliche ihres mittels zum Proesidirenden Bur* germeister, noch desselbigen abends abgefertiget , undt ihm durch dieselbe (sofern etwa ihr votum der viertelherr nicht aufrichtig dem Rathe vorgetragen) dièse resolution, dass sie mit dem Tilly ganz nicht tractiren, sondern sich lieber bis' auf den lelzten mann wehren wolten berichten lassen. So waren auch dieser tage kurz zuvor abermals die Prediger der altenstadt zum rathause gewesen (darunter ly Christianùs Gilbertus, prediger zu St-Ulrich das worth und directorium gefurt) den Rath aïs ihre liebe beicht (?) und Pfarre kindere zur grossmuthigkeit und bestoendigkeit ermahnende mit verstraestung das Gott der Allmachtige die stadt in so gewisser sache, die allein, zu erhallung dessen ehre and lehre gemeinet, gewisslich schutzen wurde, sofern man nur bestoendig bleiben, und sich mil den
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catholischen in kcine tractaien oder bûndnissen einlassen wurdt, und wass dergleichen worth mehr zu vorgelauffen, damit der Rath vom accordiren abgemahnet worden ist. Ob aber die prediger ingesampt aile einerley meinang sein gewescn, oder ob nicht etliche auch die gedanken dabey gehabl, (weil gleichwol auch der kaysèr, noch auch der gênerai Tilli die reformation in der religion bey der stadt niemaisgesuchet, sondern nur die allerunterlhenigste dévotion und submission begehret) dass man die stadt and so viel tausend menscben auf sogar augenblickliche extroemileten nicht setzen, die religion lieber beim accord vorbiehalten, und also Gott der durch seine allniechtigkeit auch ohne so grausamer ruin bey sein wort und lehre behalten kunue, trauen solle, zumahlen ja auf den fall solcher œussersten* trengniss und darauiï erfolgenden uberwindung an sich umb so viel mehr mitt der religion werdegethan und verlohren zein, sollches ist aus allerhand umbstanden wol vermutlich. Es hat aber ohne zweifiel gleich wie auch hei anderen stoenden geschehen, einer dem andern folgen undt (damitt er nicht als ein ungetrauer hirte, der in zeit der anfechtung abtriinnig werden wolte, angeseben wurde) mitt in die rige (?) tretten massen Der Rath ist den angeregten 9/19 mai zu nachmitlag (wiewol in geringer anzahl) abermals wiederumb zusammen kommen, da dan unter anderen vom autore berichtei worden dass nunmehro die sturmpfele aus dem BoUwerke bey der Neustadt entlangs der face ganz ausgcgraben, und also die in der fausse braie liegende besalzung aile stunde undt augenblicke vom feinde uberfallen werden konte, derowegen man eine resolution fassen musse, damit es nachmals nicht zu spœth falle. Darauf der syndicus D^ Johann Denhardt geantwortet : cr were nicht allein des Rathes, zondern der ganzen stadt syndicus und miiste nach seinen besten verstandt und wegen so vialer tausend hierunter periclitirenden reden. Was dan
gleîchwol die stadt machen wolle, wan sie kein pnlver mehr hatte^ und sonst dem gcgeritheil nicht widerstehen koDle, Siso dass man sie biss uff den wall kommen lassen massen? Der Rath solle es bedenken, und so viel menschen nicht in die eusserste ruin und gefahr.sturzen, etc. Alsoisl von denen beysammenjgewesenen rathspersohnen wi^derumb votirt und dass man zu Tilli schicken und tpacliren wolle geschlossen, auch . amslwegen Aulori solcher aller, nebst dem, was er wegen des feinden avantagiigesehen, an den Falçkenberg zu hinterbringen anbefohlen worden.
Hierauffbatherr Falçkenberg anordnung gemacbt, dass Doch gegen der nacht ein aussfall geschehen, und die. kayserlicben des orthes vom walle und auss dem graben getrieben werden sollten, welcber aber ganz verblieben imd zu keinem effect gekommen. Die ursacfaen zwar sein unbewust; jedoch so dieser aussfall zu werke gerichlet worden were, hatten dadurch die kaisrlichen in ibrem vorhaben (weil sie wie man auch nach der eroberung von ihnen vernommen, desselben abends die slurmleiter angclegt, und ailes zum anlauf fertig gemacht gehabt) ohneallen zweifiel grosse confusion und erhiuderniss bekommen. Sonst hait auch des gedachten abends der von Falçkenberg den regicrenden burgermeisler ersuchen lassen, das in der sache (die vorhabende tractation und accord belreffend) ohne sein wissen nichts vorgenohmen, sondern g^eo den kunftigen morgen, sich zu 4 Uhren der Ralh zusammen gefordert werden mochte, alsdan wolle eine coDJunction zu dem tractaten schreilen und sich darin vereinbaren. Wie dan auch zû dem ende der Rath aufsass, ond viertelherrn an einer, der hofmarschalck Falçkenberg, ambassador Stallman, und des administrators rathe anderseils des folgenden tags, als den 10/20 may zu besliramten fruhe zeill ùffm rathause erschicnen und zusammeD gekommen scind. Der rath bat auss ihrem mittel den
D. Georg Kuhlewein, den syndicum» item herrn Coorad Gerhold und auctorcm zu dem von Falckeoberg (so nebsi déD Stallmann und herrn administrators rahten in.einer besonderen stuben gewesen) diesen tracta ten zu vollenschreiben, und aiso fort mit dem. trompeter gesanten an den gênerai Tilli zu schicken deputiret und abgeordnet. Âls man sich nun hierin unter einander bereden wollen, hatt herr Falckenberg angefangen aile des kœnigs in Schweden hochtbeheuerte zusag und versprechungen des 80 lang vetraBSteten entsatzes wegen, beweglich zu erzehlen, und denen selben nochmals festiglich inhœriret und vertraget, mit fernerer anzeigung, dass ja die gefahr, wieelliche vermeinten, noch nicht so gross und weil man sich nunmehro des entsatzes stundlich, ja augenblicklich vermuttete, ^ebre keine stunde die man sich lenger hielte, mitt keiner tonne goldes zu bezahlen. Indem er aber also von diesen und dergleichen wol aber eine stunde lang geredet, ward indeme der secretarius aus dem Rathe geschicket, welcher berichtet^ dass durch die bede kerle (so auff dem Dom und St-Jacobus thurm wacht zu halten bestellet) vorm Rathe angezeiget were, wie die kayserlichen auss allen.wegen sehr starck in die bede vorstœdte Neastadt und Sudenburg ankommen, und sich hinler die approchen, aile mauer und keller begeben hetten. Gleich darauf kam ein bùrger vom walle mit anzeigung, dass es im felde hinten allen hiigeln und griinden voiler reuter hielte, sa hatte man auch sehr viel volck in die vorstœdte marschieren gesehen. Hierauf dervon Falckenberg géantwortet : Er wolle dass sich die kaiserlichen unterstehen und sturmen machten, siesollten gewiss also empfangen werden, dass ihnen iibel gefallen wûrde, hait ferner in seinem gesprœch und volo fortgefahren, biss der waitter ùfF St-Johannis ihurm slurm geblasen und die weisse kriegsfahne aufgestreckt. Da dan autor nicht langer sitzeu sondem hingehen und sehen wolte wass passirle, und als er
in die fischergasse gekommen, hat er gesehen dass die Croaten (so umb dass Rondthail bey dem kleinen wasser aafgeritlen waren, wie darnach besser wird gesagi werden) schon der fischer hauser stiirmelen und pliinderten. Darauf autor sich eilends zu rathhause verfiiget, und mit kurzen worthen dem Rath angedeutet, dass es unvonnœthen da zu siteen, den der feind schon in der stadt, wel ches allen gar unglaublich vorkommen.
Und als indessen auch des Falckenbcrgs eigene pagian za Rathaus kommen und berichteten^ das die kayserlicben schon ùff dem waile bey der Neustadt sein sollten, ist er aafgestanden, zu pferde gesessen undt hin des obersten lieutenants Trosten régiment volk vom Marsch abzufordern, geritten. Da er aber mit dem volcke naher der hoheû pforte ankommen, und die kayserlicben allbereits daberumb in den gassen der stadt angetroffen, hat er hefFtigin sie gesetzet, und anfangs ziemlich zùriickgetrieben, weil sie aber je mehr und mehr voick zû huiff bekommen, auch allbereits mit reutterey in die stadt gewesen, ist der von Falckenberg nebst dem oberst lieutenant Trosten allda todt geblieben, und ihr volck zerstreuet und gescblagen worden. Und ob wohl der oberste Usslar mit seiner reutterey undt wass sonst noch zur reserve vorhanden gewesen^ undt zusammen kommen, den Falkenbergen entsetzen woUen, ist es doch viel zu spœth und vergebens gewesen. Der Rath ist mehrerentheils ùff den marckt in einen oder andern ordre zu ertheilen (wie dan alsofort etliche trommeischiager um einen accord anzuhalten, an die aerther da die kayserlicben herein gekommen, zwar ausgeschicket, aber mitt solcher anlwort, dass keîner davon wiederzariick kommen, versehen worden) gewesen blieben, biss endlich aiss die feinde immer mehr herein gedrungen eio jeder gewesen, wohin er sein refugium nehmen und sich ûffs beste salviren m^gen.
Es ist aber, was die eigentliche besturm : und erober-
rung der sladt anlanget, -damitt in folgender gestalt daher gegangen. Âls, wie obgemclt, der graff Pappenheim sich der fausse braie des bollwerkes vor der Neusiadt derogeslalt bemechliget gehabt, dass er 1^ durch die gallerie, 2® durch die biss ûff die spitzeD des Bollwerkes gemachte funf approches, nicht allein an den walI koramen, die sturmpfehle entlangs der ganlzen face aussgraben, und seine sturmieittern in grosser anzahl den abend zuvor nach ailen belieben anschiagën, und also im bûi mit ellich hundert zugleich iiber die bruslwehr der faussebraie heriiber, denen Faickenbergischen kaechten einfallen koennea, sondern auch, 3^ am Ronthail bey der Elbe eine opereille oder uffgefiihrten Erddamm (auf welchen man zu gleich in dièse fausse braye steigen und auch hierumb nach den Ronthail biss unter den fisçherufer gehen moegen) uffwerfen und verfertigen lassen. Dess gleichen als der Graf von Mansfeldt ûff seiner post bey der Sudenburg, sonderlich aber vor dem Heideck mit aufslummerung der wassergraben und schiessing der slraitmauerdaselbst.auch ferlig gewesen, demnach hal der gênerai Tilli(wie selbst die relationen von diesem sonst besagen) mitseinengeneralen und obersten rath gehalten, wie mandiesachen angreiffen soite, dabey er sehr zweifelhaft, ob ein sturm zu versuchen wàhre (sintemahl ihm nicht mag unwissend gewesen sein, wass enth'ch den Heydeck belangt, solcher ein sehr festes boitwerck und wan gleich die sireilmauer erstiegen und eingenommen, man doch noch nicht ùffbollwerck ware. Vor anders ob schon an dem bollwercke bey der Neustadt der von Pappenheimb sich der fausse braye wol bemseechtigen konte, so waren umb den fuss des walles pallissaten gesetzt, dass man ûff den Bolhverck und den w^all (ohne durch ein enges pforllein, welcher durch .den Thiirm zûm eingangin der fausse brayegemacht) nicht kommen ks^nnen. Jedoch als ein kaiserlicher obersler slarck dazu geralheri, und dasexempel mit Maeslricht hervor geriickt, da die wacht in der
morgenstunde geschlaffen, hait man geschlossen, dass 1^ dergraffvon Pappenhêimb nebst seinem eigenen und dann den Gronsfeldischen, Wanglerischen ; Savellischen regimenterii, dass bollwerck bey der Neuclladt. 2® herzog Adolf von Holslein dass îiornwerdk vor dejn krackauthor, mf Wolf von Mansfeldt mit seinen regimenlern das heyaeck und ravelin bey der Sudenburg (welcher ravelin ddmals noch keine graben batte/ sondern allein ùfT der brastwehr der fausse braye mit palissaten besetzet war) sambtanderenwerken allda, 4^ die Liguistischen dascroneDwerck oder durchschnitte ùff dem Marsche und dan^ 5® zwey. kaiserliche regimenter die bedén halbe monde vor dem Ulrichs und schrottenthor anfallen solten, und solte der slurm aiso zugleich, van eine lôsungmit dem geschiitz gegeben, gescheben. Aber der gênerai Tilly. hatt den selbigen morgen noch einmahl kriegsrath gehalten, wie wol den vorigen abendt beschlossen und abg'eredet gewesen gleich mit dem tag anzùfallen, so gar hatt man an gùtem eflect gezweifTelt, darauf es sich dan mitt dem anfall biss um 6 uhren verzœgert. Es hatt der von Pappenhêimb den anfang gemacht, ist in grosser furi (dureh hilf der obbeschriebenen bequemlichkeiten) von allen enden deses bollwercks zugleicb heruber die brustwehr, in die fausse braye^ zu deoen darin ligenden faickenb. soldaten gefallen. Undt weil denen selbigen von der kays. starcken vergatterung in die laufgraben, wenigervon jenem vorhabènden sturm kçine adverlisement und wissenschaft gescheben , dahero auch die schildwachen allein ihre lunten (weil bey der stadt zù so langewierigen krieg ein solcher vorrath , dass so viel voick ihi*e lunten. brennent haben kœnnen, nicht gewesen) entzundet gehabt, welché aber einen solchen mechtigen Qud plœtzlichcn einfal der feindten zû resistiren viel zu ohomechtig gewésen, undt was etwan von den anderen zûm gewehr greifen undt seine lunte ziinden wollen^ darauf iststracks chargiretund geschossen worden, also dass die
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falkenberg. ofScierer uod knechte baldl in confusion gerathen, und sich mit grosser unordnung durch dass obgemelte enge pfoertiein retiriren und zuruckweichen kœnnen. Ob nun wol diejeuige 700 fatckenb. knechlen sambt ihren drei obristen wachlmeistern, fehndrich, etc. (als denen das bollwerck und fausse braye zu besetzen zugeordnel) und dan die biirger, so den rondlheil und das wercP bey der hohen pforte bewachten solten, damais nicht zur sielle gewesen : dan theils in bereitschaft ùff St-Jacobus kirchhof und den œrlern ligen miissen, theils einigen auch meist speize zu kauflen versuztigeit sein worden , so hait aulor (als der aile lage sonst an diesen orth, indem er bey der stadt gewesen, gekommen und gesehen wass etwa vorgelauffcn und wie starck der orl bezetzet worden) nicht davon, dass uffseitten der stadt der mangel und weinigeii wacht, wie etlichevermainet, gewesen, und desswegen die kayserl. so leicbt mitt verlust geringen voicks die stadt in diesen ort erstiegen und genommen hatten, es isl auch nicht vermutlich dass der Falckenberg unter seinen eigenen soldaten, (welche obne dass wegen mangel an unterhalt nicht herunter gehen diirfften, sinlemahi jeder knecht vom 24 aprilisan,ohne wassdie biirgeran victu9lien zugeschossen, aile tage drey gy. empfangen,) so schlecht ordre solle gehalten, und die meherslen uffeinmahl herunter gehen lassen; besondern es mussen nachfolgende umbstœnde, und wie weittdiebelagercr in ihren vortheil gedihen, vornemlich behauptet worden : 1^ das obgleich dera von Falckenberg dieser bericht uffm Rathhause zùkommen, wie nehmiicli der feind aus allen lagern in die vorstadte und approchen zùsammen zoege, etc., er dennoch denen officieren und knechten uff den wallen kein avertissement geschehen, noch auch keine piquen oder morgensterne und dergleichen in der fausse braye beyhanden gewesen, dass also dahero wegen des unversehenen und starcken einfalles der kayserl. denen in der fausse braye ligenden falckenb. soldaten
zûm gewehr zù greifen, die lunten anzùzûnden, und zugleich zù wiederstehen unmœglich gewesen. 2^ Aïs sich dièse durch das enge pfœrtiein retiriren mûssen, ist freund und feind zugleich mit einander eingegangen, und haben die uff dem boliwerck und rontheil liegende soldaten und biirger nichl gewust oder wissen kœnnen, was dabey zù schaffen sey, den sie denen falckenberg. die retirade nicht wehren durfen. 3° Ist auch wol etwan die bethstunde, so aber damais ein margrœflicher feldprediger uff dem boliwerck alhie gehalten, dem feind zu statten kommen, und dan 4*^ das retranchement oder der abschnilt (welchen der Falckenberg kurz zuvor ûff dièses boliwerck, weil er sich eirier mine und untergrabung besorgt machen lassen) denen durch das offt gemelte pfaertlein herauf kommenden kayserl. als eine gule brustwebr zùm vortheil gediehen, dahinter sie sich schilen und desto besser auf die falckenb. , so das boliwerck besetzt und daselbst predigt gehalten, feuer geben kœnnen. 5** Seind durch die obgedachte opereille viel kaiserl. volck herauf gestiegen, die nicht allein in der fausse braye, sondern zugleich umb den rontheil sicher den streitmauer herumb gelauffen und unter den fischerufer gekommen, wozù 6° der Pappenheimb zwo compagnien reutler umb dièses boliwerck durch wasser (welches aber zù der zeit sehr klein wahr) zu reiten gefbmmandirt, die dan sobald durch das thor (welches die fischer vorher nicht zumachen lassen, sondern selbst verwahren wollen) unter dem fischerufer einkommen, ailes derogestalt vonbiirgerey und soldaten in confusion gebracht, dass ehe und zuvor Falckenberg mit dem suceurs angelanget, die werhand gebricht, und also die stadt in diesem orth mit wenigen verlust ihrer volcker erobert und genommen halten. "
Der Graf von Mansfeld aber, so auch zur zelbigen zeit den an dem heydeck (allwo den graben ausgedammet und die streitmauer hernieder geschossen gewesen) ravelin
der sudenbiirger thor bitter anwerfen und sturmen lassen, hat damit wenig aufrichten koennen, da die seinigen sotchenvortheil nicht gehabt,derowegensie dieserœrtherviel volck einbûssen und den kiirzern ziehen mussen. Betreffend das hornwerck der krakaathor, und bede haibc monde vor dem ulrichs und schrotlenthor, die sein zwarauch fast besliirmet, aber von aussenhero nicht genommen, noch ubermeistert worden, sondern als die kayserl. sich.des ganzen walles von der haupstadl und Elbe bis hieher bemechtiget, ist aile ihr gegenwehr onmiiglich gewesen , aiso dass sie umb gnad und umb quartier bitlen mussen. Dass kronenwerck ûff den marsch undt ravelin vor der langen brucken, soll der herr Administrator under wehrenden slurm ganz zu veriassen, und von einem joch dieser brucke die bohien und briicken abzu^erfen befohlen, und wie wol aji so eilferliger retirade die balken mehrentheils beiligend bliben, sahen dennoch sich die kayzerlichen wegen der im bruckthor und mullenhofe bestelten burgerwacht hinuber zu gehen niclit unterstehen diirfien , biss endiich die stadt ohne dass ganz uberwaltiget gewesen , da dan auch viel reuUer, als sic auf jenser seitte der Elbe solchcs geschen , aus begirde zur beuthe durch die Elbe geritten und theils im wasser ersoffensin^.
Als nun gedachter massen durch den gênerai Pappenheimb eine ziemliche anzahl volcks uff den wall bey der Neusladt und daberum in die gassen der stadt gebracht, und der von Faickenberg erschossen, und das feuer an allen orlen eingelegt worden, so ist es mit der sta^lt gcschehen, und aile resistentz zu spœtt und vergebens gewesen. Dan ob sich gleich von biirgern und solditen an etiichen orten etwas wiedergesetzet und zur wehr gestellet, haben sich die kayserl. indessen immer mchr und mehr volcker und reutterey (weil der graben uff der' spilze dieser bollwercker noch nicht ausgearbeitet und
der obère wall sehr flach, also dass sie auch darûber in die sladt reilen koennen) zu hilfen gekriegt, endiich das krakaulhor eroeflhet, croaten,*polacken, heyducken, hispanier, Frantzosen, wallonen , nieder und oberteulschen ail hierein gelassen. ^Da isl es geschehen dass die sladt mit allen ihren einwobnern in die bande und gewaltsamkheit ibrer feinde gerathen (die dan aile beftig und grausamb, tbeils auss gemeinen bass gegen die auspurgiscber confessions verwandte, tbeils das nian mit drarhkugein gescbossen , und sonst etwa von den wallen, wie es zû geben pflegt, gescbmalet, erziirndt und erbitlcrl gewesen) so isl nicbls als morden, brennen, plundern, peinigen , priigein gewesen. Insonderbeit bal ein jeder von den feinden nacb mebrer und grosser beutbe gefpaget... suit une courte description des horreurs de la prise d'assaut et des excès commis dans la ville.
Es bat aber dièse trûbselige zeit nicbt vièl iiber zwo slunden lang in der stadt gemebret, indem durcb den unvcrsehens zustossenden wind das feuer (so zwar anfangs der Graf von Pappenbeinîb denen burgern und einwobnern zur perturbation und scbrecken einzulegen solle befoblen, nacbmals aber die soldatesque bierin keine discrétion und anfbœren gewust baben) derogestalt uberhandt kommen, dass umb 10 ubr vormittags ailes in feuer gestanden und umb 10 ubr gegen die nacbt die ganze sladt, zusambst den scboenen ambtbause und allen kirchen und kloestern, voellig in ascben und sleinbauflen gelegeu. Dabero dan dass kayserl. kriegsvolck da sie nicht selbst verbrennen wollen, wiederumb auss der stadt entweicben, and in ihre feldlœger retiriren mùssen.
Mitlden weibern, bausfrauen, toecbtern und mœdcben aber die keine mœnner, eltern und verwandte gebabt so ihrenthâlben rançon erlagen, nocb bey den boben officieren hulfe sucben koennen, ist«cs mitt vielen iibel abgelau- Ten , seind tbeils gantz zUcbtiget und gescbandet , tbeils
zu concobinen erhalten worden , wiewol dcnnoch auch viele die derg}eichen freunde und schûtzer nicht gehabt, wonderlich bey ehren sind verhallen und von theils ehrliebenden soldaten durch erhiichkheit deren die sie gefangeD bekommen ehrlich loss gelassen, oder wol gar geheurathet worden. Die andern aber sonderlich die zuvorher sich schon leichtfertigcn handels gebrauchel (wie dan hierin die feinde damahls sehr fleissige umforschung gehalten) sind auch in solchen ungunstigen bande gerathen , und haben sich im lande herumb fuhren lassen.
Der Falckenberg ist, nachdem er geschossen und in einem burgerhaus in St-Jacob gelragen worden, in der feuerbrunsl, nebst anderën erschlagenen unbekannten geblieben. Dem ambassador Stallman aber hat es geschicket, das er elliche tage hernach im jager bey Farmersleben durch hulffe eines ihm volbekantes jûden die eisern bande an henden und fùssen entzwey fielen, undl bey der (wie man sagl) ausgebrochen anziindung dièses lagers auss weisen und zum kon. in Sch. kommen. Âus dem Rathe sind der Burgermeister Braun, und die Ralherrn Dielrich Brcwitz, Steinbach und Martin Baurmeisler umbkommen, die andern drey Burgermeister Georg Schmidl, GeorgKuhlewein, und Johann Westphal, nebst denRathsheer Otto Gericke and vielen anderen leutlen haben sich mit den ihrigen in hernn Joh. Âlemans haus begeben, aida sie endiich nach viel selbiger auspliindern, leib und lebensgefahr durch den Kays. gênerai kriegs commisserium herrn von Walmerodt (welcher aber der Johann Aiemans hausfrau zù salviren dahin gekommen) errettel und hinach nachher Schoenebeck in sicherang gebracht worden.
Herr C. Gerhold und andere mehr die so ulT die schwcdische seite gewesen, haben. gesehen dass sie sich slracks bey den kayserl. soldaten geranzioniret und scindt durch
und zurn koen. in Scbv. gegaogen. D^ Christ. Gilbertus, Hrmann Cummius und Heinrich Poepping aber (als welcher auch vorher gedacht worden) einige zeit von den kais. wegen dessen dass sie mit unter den schwedischen geslerckt haben sollen , gefœngb'ch gehalten, und allererst als die kayserl. die stadl wiederum verlassen mûsslen bberirel worden. Wie wol Poepping kurz vorhero au dem rothenfluss mit grosser wehklagung und beteuerung dessen dass erdie stadl Magdebourg verfuhren helfen solle gestorben sein, wie solcher dcr commiss. und die waiter, so ihn in der kranckheit gewartet berichtet haben. In denm Dombinsen sind wol in die 4,000 menschen gewesen die sich darin retiriret, und obwol anfangs etwas von kavserlichen volcke hierin kommen, die etiiche leule niedergemacht und zwey weibenpersohnen darin solien geschendet haben, so ist es bald schildwacht vor denm ihùrm gesetzet, und ferner gewalt verhùltet worden. Der Domprediger Doct. Reinhardus Bake hait sich auch in discr Kirche salviret, welchen zwar anfangs die Jesuiten und andcre Geisll. Cathoh'sche hart zugesetzet und angefahren, jedoch soll er seine gegen antwort der zugestall gelhan dass sie ihn als cinen lutherischen prediger passiren undgewahren iassen.