IV SOMMAIRE
Necrologie: Colonel Sir Henry Yule, Pavet de Courteille, Pieter Anton ‘4 Tiele, Maurice Jametel, l’Abbé Favre . . . . . . NOTE Edward Colborne Baber, Emmanuel Forchhammer, Tagliabue. 164. Ferdinand Denis 4) QE AUX MARNE: RSS
Se Tohn-Francis Davis 0/4 UNE CRE EN On SORA
Bulletin critique: 3. Silvestre, L'Empire d’Annam et le peuple Annamite; Tcheng Ki-tong, Contes Chinois; Hervey St. Denys, La Tunique de perles, Un serviteur méritant, Tang
le Kiaï-youen . . . ; : SAN UUTISE F. Hirth, Chinesische Sons Roland on Le premier établissement des Néerlandais à Maurice. . 166.
Henri Cordier, Notice sur la Chine . . . . . . . 264.
Emile Montégut, Curiosités historiques et littéraires —
SiriJohniMaundeville, NAT ATLAS ZA Willy Bang, Uralaltaische Forschungen. . . : . . 346. Franz Kühnert, Zur Kenntniss der älteren Lautwerthe
des Chinesischen . . . : 0490; F. S. A. De Clercq, are tot de kennis der resi-
déntieiTernatest 20 CANON CRT AM UD:
Jules Ferry, Le Tonkin et la Mère-patrie — Témoignages etidocumentst MATE MEME ERNEST ENS Bibliographie des principaux ouvrages etc. parus pendant l’année 1889, PAL HENRECORDIER NE, CNET CORNE EC 0 87.
Nouveaux livres publiés sur la Chine, la Corée, le Japon te. 348, Notes and ‘Ouerres.vs sys PO REIN ONCE EAU Er SE 95169; À = Kin kou ki kouan; Chinese medical D] preparations; Chinese mode of inserting teeth; Alphabet des inscriptions recueillies à Kara-Koroum . 266. Index Alphabétique Le. 00 PONS RE RCE 439.
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VON
FRIEDRICH HIRTH.
Die Frage, wer im chinesischen Alterthum zuerst auf den Gedanken gekommen ist, auf glatter Oberfläche mit einer farbigen Flüssigkeit Schrift- oder andere Zeichen aufzutragen, ist wahrscheinlich so wenig zu beantworten wie die nach «dem kühneren Mann, der zuerst am Maste Segel erschuf». Dass die Chinesen in ihrem Bestreben, die Anfinge aller Kulturerscheinungen an dem Namen einer bestimmten Persünlichkeit zu befestigen, uns auch hier nicht im Stiche lassen, darf uns nicht wundern. Nur dürfen wir dem in der chinesischen Literatur uns erhaltenen Andeutungen keine grüssere Bedeutung beimessen als unserer eigenen Ueberlieferung in Bezug auf die Geschichte der Erfindungen. Wenn wir sehen, wie noch im 19. Jahrhundert dem Franziskanermünch Berthold Schwarz in seiner Vaterstadt ein Denkmal errichtet wird als dem Erfinder des Schiesspulvers, während doch die Thatsache der Erfindung selbst in tiefes Dunkel gehüllt ist; wenn wir uns erinnern, wie wir als Schulknaben die Namen so mancher Erfinder mit Ort und Jahreszahl als unumstôssliche Thatsache hingenommen haben, die dann früher oder später von der Kritik als volksthümlicher Irrthum nachgewiesen wurde;
wenn wir die überall hervortretende Unbestimmtheït in unserer eigenen
2 FRIEDRICH HIRTH.
Erfindungsgeschichte in Betracht ziehen: so liegt es nahe, den Schluss zu ziehen, dass wir in China in diesem Punkte nicht viel mehr verlangen dürfen, als wir uns selbst zugestehen. Dennoch hat die chinesische Literatur vor den kulturgeschichtlichen Aufzeichnungen des Westens das Eine voraus, dass man gerade der Erfindungsgeschichte schon im Mittelalter besondere Aufmerksamkeit zuwandte; dass die chinesischen Quellen für die Befriedigung unsrer erfinduugsgeschichtlichen Wissbegier reichlicher fliessen, wo es darauf ankommt, den ersten Anfingen nachzuspüren. So kommt es, dass wir von dort her die interessantesten Aufschlüsse über so manche wichtige Erscheinung unsres eigenen Kulturlebens erhalten haben. Ich erinnere an die Forschungen Klaproth’s über die Entdeckung des Gebrauchs der Magnetnadel ‘); an das, was wir über die chinesische Kenntniss des Schiesspulvers im Mittelalter wissen ?); an die Porzellan- und Seidenindustrie *). In allen diesen und unzähligen anderen wichtigen Erfindungen sind uns die Chinesen um Jahrhunderte voraussewesen. Diejenige Erfindung aber, die bei uns der Neuzeit, gegenüber Mittelalter und Altherthum, am meisten den Stempel überlegenen Geisteslebens aufgedrückt hat, ist die Erfindung der Buchdruckerkunst, einer Kunst, deren Ausübung wiederum wesenthch abhängt von dem Vorhandensein der dazu erforderlichen Materialien; in erster Linie des Papiers. Die Erfindung des Papiers setzt wiederum ein Bedürfniss zu schreiben und das Vorhandensein der Sehrift voraus, die vorher auf anderem Material geübt wurde. Der Keim zur Erfindung der Buchdruckerkunst ist daher in der Erfindung der Schrift zu suchen. Diese führt uns in ein Gebiet, das weit über
das Zeitalter geschichtlicher Glaubwürdigkeit hinausreicht. Die my-
1) Klaproth, Lettre à M. le Baron A. de Humboldt sur l'invention de la Boussole. Paris 1834.
2) Mayers, On the introduction and use of gunpowder and firearms among the Chinese, Journal of the China Branch of the R. Asiat. Soc, Bd. VI, S. 73 f.
3) Wegen der Literatur zu diesen Artikeln s. Cordier, Bibliot/zca Sinica, Bd. I, col. 712 u. 713 f. Ucber die Porzellanerfindung s. Hirth, Ancient Porcelain, Leipz. 1888.
thischen Kaiser des grauen Altherthums Fu-hi, Shên-nung, Huang-ti und ihre nächsten Nachfolger, die nach der landläufigen Chronologie dem dritten Jahrtausend vor Christus angehôren, werden, wie es scheint, für alles über die geschichtliche Erinnerung Hinausliegende verantwortlich gemacht, So lehrte Fu-hi zuerst die Jagd, die Fischerei, die Viehzucht. Ein solcher Anfang würde dem natürlichen Entwickelungsgang eines ostasiatischen Kulturvolkes entsprechen; dass diese Künste gerade dem allerersten Kaiïser der chinesischen Geschichte zugeschrieben werden, darf daher wohl dahin gedeutet werden, dass auch dem chinesischen Kulturleben eine Periode des Jäger- und Hirtenlebens vorausging. Vor der Zeit des Fu-hi, so lehrt die chinesische Mythologie, liegt die Periode vôlliger Unkultur: der Mensch glich dem Thiere, kleidete sich in Felle und lebte von ungekochtem Fleisch; da Familienleben noch nicht vorhanden war, kannte Jeder nur seine Mutter, jedoch nicht den Vater, Fu-hi, dessen Regierungszeit in die Jahre 2852 bis 2738 vor Chr. verlegt wird, ist also die Personifikation der erwachenden Kultur. Freilich ging es mit der Entwickelung nach Ansicht der Chinesen ziemlich schnell, denn Fu-hi gründete nicht nur das Jäger- und Hirtenleben; er war auch der Erfinder des chinesischen Schmitt Vor jener Zeit hatte der chinesische Urmensch sich der Knotenschrift bedient, weshalb noch heutzutage das chinesische Wort für Knoten ($E) im Sinne von «Urkunde» vorkommt.
Dass bereits dem Kaiser Fu-hi die Erfindung des ursprünglich hieroglyphischen Schriftsystems der Chinesen zugeschrieben wird, darf dahin gedeutet werden, dass der Anfang des Gebrauchs eines solchen Systems über die geschichtliche Erinnerung hinausgeht. Die Frage, ob wir berechtigt sind, die Entstehung der chinesischen Schrift auf Grund der Theorie der Vülker-Psychologie als ein spontanes Gewächs zu betrachten, oder ob wir es hier mit der Einführung fremder,
etwa westasiatischer, vielleicht babylonischer Elemente zu thun haben,
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soll hier nicht erôrtert werden. Wenn wir aber mit den Chinesen die ersten Anfinge ihrer ideographischen Versuche in den Anfang des dritten Jahrtausends vor Chr. versetzen, so müssen wir auch annehmen, dass in jener Zeit ein Material zur Auftragung der Schrift vorhanden gewesen ist. Leider fehl es uns in China vollkommen an solchen handgreiflichen Nachweïisen für die älteste Geschichte der Kulturerscheinungen, wie wir sie in den ägyptischen Gräberfunden oder in den Steindenkmälern des assyrischen, babylonischen und altpersischen Altherthums besitzen. Wir sind hier lediglich auf die Literatur angewiesen, deren Zuverlässigkeit im frühesten Alterthum gar nicht, im späteren Altherthum und Mittelalter nur hier und da durch Vergleichung mit anderen, von der chinesischen Ueberlieferyng unabhängigen Quellen geprüft werden kann. Mag eine solche Prüfung nun in der Kontrole über etwa in den chinesischen Annalen verzeichnete astronomische Ereignisse, wie Sonnenfinsternisse, Kometen und veränderliche Sterne, oder im Vergleichen geschichtlicher und seographischer Thatsachen mit der Ueberlieferung anderer Literaturen, oder endlich in der Erwägung der aus den Umständen abzuleitenden Beweise bestehen, immerhin bewegen wir uns um so mehr auf dem schwankenden Boden der Vermuthungen, je weiter wir über die Periode zuverlässiger Ueberlieferung hinaus uns in die nebelhafte Urzeit verirren. Wollen wir es uns einen Moment auf diesem Boden, den ich je eher je lieber wieder verlasse, wohl sein lassen, so môchte ich über das älteste Schreibmaterial einige Vermuthungen aufstellen. Nach der Ansicht der Chinesen, die sich selbstverständlich ebenfalls auf die Vermuthungen späterer Kulturhistoriker stützen, wurden die ältesten Schriftstücke mit einer lackartigen Farbe (chi 2. eigentlich Firniss, wie er schon zur Zeit des Kaisers Shun 2255 v. Chr. zum Lackiren der Haus- und Opfergeräthe bekannt gewesen sein soll) auf lange, schmale Bambusbretter geschrie-
ben. Zum Niederschreiben eines kurzen Satzes gentügte ein Brett. Um
dasselbe leicht an der Wand befestigen zu künnen, war die vertikale Stellung der horizontalen vorzuziehen, da bei jener ein Henkel oder Loch und ein Nagel zur Aufhängung genügte, während die horizontale Stellung deren zwei verlangt haben würde. Dies kônnte die erste Veranlassung gewesen sein, aus der die alten Chinesen ihre Schriftzeichen in vertikalen, und nicht, wie die Vülker des Westens, in horizontalen Reïhen schrieben. Wo die Länge des zu schreibenden Textes mehr als ein Brett verlangte, da wurden mehrere Bretter durch Verzapfung aneinandergefügt ‘). Es entstand nun die Frage, ob die so gebildete Fläche in senkrechten Reïhen von links nach rechts oder umgekehrt zu beschreiben war. Man stelle sich eine an der Wand aufsehängte Holztafel vor. Will man nun, während die rechte Hand den schwer trocknenden Firniss aufträgt, der linken Spielraum zum Festhalten der unstäten Tafel lassen, so müssen die Schriftreihen allmählich in der Richtung von rechts nach links aufgetragen werden. Wäre das Umgekehrte der Fall, so würde man entweder vom Festhalten der Tafel mit der linken Hand abstehen müssen, oder man würde Gefahr laufen, das eben Geschriebene wieder zu verwischen. Was ich so eben gesagt habe, ist nicht mehr als ein Versuch, die Entstehung der chinesischen Schrift-Anordnung aus dem zuerst benutzten Schreibmaterial zu erklären; dass die Chinesen selbst darüber keine Aufzeichnungen besitzen, ist natürlich, da ïihnen das Schreiben von oben nach unten und von rechts nach links wegen der uralten Gewohnheït von jeher ebenso selbstverständlich erschienen ist, wie uns das horizontale Schreiben von links nach rechts, das viel weniger in der Natur der Menschen begründet ist als in der Eigenthümlichkeit des von unseren ältesten Lehrern benutzten Materials.
Es ist eine Erinnerung an das älteste Schreibmaterial, das dem
Bambus entnommen ist, dass eine Anzahl Schriftzeichen in der Be-
1) Ko-chih-ch'ing-yüan, Kap. 31, S. 184.