‹ Tung pao. Toung pao (volume 4)Chapitre 12 sur 64 · à, u und à sind kurz und tonlos vor a, é, o oder u · texte numérisé non relu

à, u und à sind kurz und tonlos vor a, é, o oder u

7. Bei den sechs schwierigen Silben ssi, {zi, tschi, schi, ji und ir (Zungen-r) soll das Vokalzeichen à andeuten, dass der daneben stehende Halblauter (ss, €z, tsch, sch, j oder r) gleichzeitig mit einem Vokal zu intonieren ist. Bei ei verschmelzen die beiden Vokale zu einem nach à überklingenden e. Dass ich zu jenen sechs Lautgruppen mit Edkins ein allen gemeinsames Symbol, i, verwende, ist in der chinesischen Lautbeschreibung begründet, worin mehr das Gemeinsame ihrer Entstehungsweise als ihre Klangwirkung berücksichtigt wird. Letztere ist dialektisch verschieden; was jedoch allen Abarten im Gebiet der Mandarin- Dialekte gemeinsam ist, darf man als das Zusammenklingen eines vokalischen Elements, des «irrationalen Vokales», mit einem Halblauter bezeichnen. Die betreffenden Silben werden nach der Wade’schen Rechtschreibung des Pekinesischen wie folgt bezeichnet:

ssi=sst, tzi=tzù, tschi=tschih, schi=shih, ji=jih, ir=érh.

Im Uebrigen quäle sich der Leser, der nicht damit umgeht, chinesisch sprechen zu lernen, nicht mit diesen Aussprache-Regeln. Es genügt zu wissen, dass die in Rubrik III mitgeteilten Silben bestimmten Lautgruppen entsprechen, deren Aussprache in China selbst ohnedies die grüssten dialektischen Verschiedenheiten zulässt.

Dass der Dialekt von Peking, so wie er heute gesprochen wird, sich nicht für die Wiedergabe der chinesischen Schriftsprache eignet, wird wohl jedem einleuchten, der die folgenden, in unserer Jahrhunderte alten China-Litteratur wohlbekannten Namen in dieser Transscription wiederfindet : Fu-tschien = Fu-kién,

Nan-tsching=Nan-hing, Tschiang-hsi= Kiang-si, tschiang-tschün=tsiang-kün («General», in den alttürkischen Inschriften des 8. Jahrhunderts: sängün). Wenn es daher in China für dienstliche Zwecke (z.B. im Seezolldienst, in einigen Konsulaten und Gesandtschaften sowie neuerdings auch im Schutzgebiet von Kiautschou) von den durch mündlichen Verkehr in diesem Dialekt geübten Beamten als eine Erleichterung empfunden wird, wenn sie chinesische Namen so niederschreiben dürfen, wie sie im Dialekte gehôürt werden, so müssen wir doch nicht vergessen, dass dieser rein lokale Vorteil mit der Rechtschreibung des Chinesischen in der europäischen Wissenschaft, Kartographie, Presse u.s.w., nichts zu thun hat, während speziell Pekinesischer Eigenart entspringende Schreibweisen wie Fu-tschien u.s.w. bei europäischen Lesern nur Verwirrung anrichten künnen. Aus diesem Grunde wurde von der internationalen Kommission des Pariser Kongresses 1897 von der dem Pekinger Dialekt eigentümlichen Verschmelzung der Anlaute Æ und fs vor à in {sch und À und s in hs, wie man aus Rubrik IT der nachfolgenden Tabelle ersehen kann, gründsätzlich abgesehen. Die genannte Kommission setzte sich aus Gelehrten der verschiedensten Nationalitäten zusammen (Courant, Devéria, de Rosny-Paris, Douglas-London, Giles-Cambridge, Schlegel-Leiden, Turrettini-Genf, Nocentini-Rom, Hirth-München mit Martin-Fortris als Sekretär), und, wenn auch aus begreiflichen Gründen die erstrebte internationale Einigung nicht zu stande kommen konnte, so sollte doch bei der Feststellung eines nationalen Systems, wie es in Frankreich alle Aussicht hat zur allgemeinen Annahme zu gelangen (s. den Artikel «Notre transcription du Chinois» im «Bulletin de l'Ecole française d’extrême orient», X, Hanoi 1909, p. 178 ff.), der Anschluss an die bereits vorhandene grosse China-Litteratur sowie an die Schreibweisen der Nachbarstaaten nicht versäumt werden.

Page 1