TABELLE
für die Umschreibung chinesischer Schriftzeichen in dem für Schriftzwecke modifizierten Dialekt von Peking.
Dem XIII. Internationalen Orientalisten-Kongress in Hamburg vorgelegt von Professor Dr. FRIEDRICH HIRTE.
Der Gedanke, den Dialekt von Peking, von gewissen gegen das Jahrhunderte alte Herkommen in Europa verstossenden Eigentümlichkeiten befreit, als Grundlage eines für die Umschreibung der Schriftsprache bestimmten Systems zu verwenden, stammt von dem verstorbenen Dr. E. Bretschneider in St. Petersburg, der in seinen zahlreichen englischen Schriften davon mit Erfolg Gebrauch gemacht hat. In der folgenden Tabelle wird etwas Aehnliches für deutsche wissenschaftliche Werke, Landkarten, Zeitungen u.s.w. angestrebt. Nach dem Muster des von Herrn Martin-Fortris, Sekretär der vom Pariser Orientalisten- Kongresse ernannten Transscriptions-Kommission, aufgestellten «Tableau» sind darin neben der jetzt vorgeschlagenen deutschen Rechtschreibung (Rubrik II) noch Rubriken für das in Williams’ «Syllabic Dictionary» befolgte System (1) und die seiner Zeit von der Kommission dem Kongress in Rom 1899 vorgelegte internationale Rechtschreibung (II) ausgefüllt worden.
Im Williams’schen Wôürterbuch wird der Leser die sämtlichen zum Gebrauch der Tabelle nôtigen chinesischen Schriftzeichen unter den in Rubrik I genannten Silben finäen. Die internationale Schreibung, wie sie in Rubrik II mitgeteilt wird, wurde vom Kongress in Rom mit Recht verworfen, weil sie den einzelnen Nationen das Aufseben ihrer phonetischen Idiosynkrasien zumuthete. Statt dessen wurde die Zusammenstellung eines Handbuches empfohlen, worin für jede Nation oder Sprache ein den orthographischen Grundbegriffen derselben Rechnung tragendes System mitzuteilen sei. Diesem Zwecke entspricht die von mir nach dem Vorgang Bretschneider’s seit sieben Jahren geübte Rechtschreibung, wie sie in der
Rubrik III mitgeteilt wird.
Um eine annährend richtige Wiedergabe der Laute zu erzielen, beachte der Leser die folzenden Regeln:
4. Bei weitem die Mehrzahl aller Silben ist wie im Deutschen zu lesen; man lese jedoch
2, j wie im franzôsischen jardin. Andererseits wird der Laut des deutschen j stets durch y wiedergegeben; daher Yang, nicht Jang, im Namen des grossen Flusses, da jang einer ganz anderen Lautgruppe angehôürt, deren Aussprache im Anlaut mehr dem Namen Jean im Franzôsischen nahe kommt.
3. h vor a, o und « ist wie deutsches ch in «Schlacht» oder wie x im spanischen «Xeres» zu lesen.
&. Die konsonantischen Anlaute p, k, {, ts, tsch und {z sind etwas weniger hart als im Hochdeutschen auszusprechen, z.B. kang, wo das anlautende k die Mitte zwischen unserem k und g hält. Dagegen müssen die mit einem Apostroph bezeichneten Anlaute so scharf wie môglich gesprochen werden, z.B. £’ang, dessen Æ noch härter klingt als das unsrige, also etwa k—hang.
5. Der Accent über Diphthongen soll andeuten, dass die einzelnen Vokale getrennt auszusprechen sind, z.B. f’éu (Kopf), das so klingt wie das erste Wort in t‘hu wabôhu mit unterdrücktem #. Man lese daher mién, nicht etwa min, u.s.w.