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Im zwülften Monat, am Tage ping-shèn, wies ein Kaiserliches Edikt den Staatsrat und den Grossfeldherrn an, genaue Vorschläge für die Operationen gegen Tibet zu machen ?).
Der Staatsrat, die vom Kriegsschauplatz heimbeorderten Offiziere und die neun Ministerien hatten eine gemeinsame Eingabe mit Vorschlägen betreffend den Tibetfeldzug an den Kaiser gerichtet.
Darauf kam eine Verfüsgung des Kaïsers: ,, Diese Vorschläge sind nicht erschôpfend. Es ist nur von der Expedition in das Westland gesprochen, der Armeen von Altai und Barkul') ist überhaupt keine Erwähnung getan worden. Wenn die beiden Armeen gemeinsam Turfan eingenommen haben und es dann schwer sein sollte, in Urumti®) eine feste Stellung einzunehmen, dann müssten entweder
beiden Armeen vereint angreifen, oder aber jede für sich mit ver-
a L)) £ DR: 2) FF FA], mandsch. akdungga furdan. 3) Tung-hua-lu Kanghi XXI, 7a &.
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ringerter Bagage vorrücken und, weithin Schrecken verbreitend, über Hôrdar') angreifen. Wenn sie das täten, würden die Feinde sicher in Furcht geraten und freiwillig ihre Weïdeplätze aufgeben. Wenn die Feinde dann noch erfahren, dass in Tibet das Kaiserliche Heer einrückt und die beiden Armeen (im Norden) auch die Offensive ergreifen, dann werden sie nicht nur vor Angst und Aufregung keine Ruhe mehr finden künnen, sondern es wird schliesslich Kopf und Schwanz einander nicht mehr schützen künnen. Efu Aboo!°) soll mit 500 der ihm unterstehenden Olet-Soldaten und 400 Cahar*)- Leuten mitmarschieren zur Eroberung von Tibet. Die in Caidam stehenden Truppen soll er auch zur Eroberung von Tibet mitnehmen. Von den vom Grossfeldherrn io Muru usu zurückgelassenen 3000 Maon sollen noch 1000 Mann mitmarschieren. Sollte das beim Grossfeldherrn befindliche Heer zu schwach sein, so wären aus Peking von jedem Hauptmann bei den Gardetruppen je zwei Mann, bei den Panzertruppen je ein Mann zu stellen, welche im zweiten Monat nach Si-ning aufzubrechen hätten. Weïter, der neue Hôbilgan hat mir hier geschrieben: da sich an allen Orten Betten (seiner Würde entsprechende Ehrensitze) befänden, so künne er sich überall niederlassen. Er sagt: , Wenn um meinetwillen Krieg entbrennen sollte, das wäre doch wahrlich schlimm für die gesamte Menschheit!” Es ist schwer zu wissen, ob das wirklich die Meinung des neuen Hôbilgan’s isë oder ob ihn etwa die Taïijis von Huhu noor, aus Furcht vor Tsewang Rabtan, im Vertrauen gebeten haben, mir das zu schreiben. Sollte der neue Hôbilgan mit den Taiji's von Huhu noor hierin eines Sinnes sein, so kônnte man ïihn nicht hinschicken. Sollten
aber die Taïijis von Huhu noor nicht dieses Sinnes sein, so müsste
n) Hf AT HL.
2) Pie] Hf] Knj ci efu ist der mandschurische Ausdruck für das chinesische Ef Æ ;
welches ,Gemahl einer Kaiserlichen Prinzessin” bedeutet.
5) 8 Pr FN
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der Hôbilgan auf jeden Fall nach Tibet œeschickt und auf den Stuhl des Dalai Lama gesetzt werden. Wenn wir dann die gelbe Lehre weithin ausbreiteten und es erreichten, dass das Volk der Tibeter sich aufrichtigen Herzens unterwürfe, dann würde Ceringdondob aus Furcht vor unsrer Macht sich natürlich davon machen, und unser Heer würde in Tibet einmarschierend die Lehre wieder befestigen. Danach künnten wir von unserem Heere 1—2000 Mann dort lassen um fürs erste Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten oder wir künnten sie dort dauernd garnisonieren. So würden sich die Tibeter an unsere Soldaten gewühnen. Falls dann auch Tsewang Rabtan und Ceringdondob (noch einmal) ein Heer sehickten, dann würde dies ermattet und erschôpft ankommen. Unser Heer dagegen würde sie in aller Ruhe erwarten und sie dann vernichten kônnen. Das ist meine Ausicht. Die Sache ist von grüsster Wichtigkeit, aber es hat keinen Zweck, sie zu überstürzen. Das Beste ist, dass ihr sie in aller Ruhe und Sorgfalt überlegt und einen bestimmten Plan macht. Wenn wir, wie es von den Beamten geraten wurde, uns jetzt auf die Defensive beschränkten, was dann? Von Si-ning an bis nach Secuwan und Jôn-nan hin wohnen die inneren und äusseren Fan-tzü'!) auf demselben Platz (mit der chinesischen Bevülkerung) gemischt, und die Leute, welche in Tibet wohnen, sind durchweg Fan-tzù. Das sind alles Leute derselben Art. Falls das Land Tibet von Ceringdondob beherrscht wird, dann ist das Heer von Tibet auch sein Heer. Wie würde man dann die Fan-tsü in den Grenzländern zusammenhalten kôünnen? Euer Rat, einstweilen Defensive zu beobachten, ist ungeeignet. Beratet die Frage noch einmal in erschôüpfender Weise und meldet mir euren Entsehluss!”
Gleich darauf ging ein neuer Bericht mit den Vorschlägen des
Staatsrats ein: ,Wenn man für das Geleit des neuen Hôbilgan's
nur 8000 Mann kommandierte, so wäre die Streitkraft dieser Truppe etwas schwach. Man sollte sie infolgedessen noch um 4000 Mann verstärken. Es müssten dazu kommandiert werden Efu Aboo mit 500 Mann von seinen Olet-Leuten, Brigadegeneral Cangling') mit 400 Mann Cahar-Leuten. Das in Caidam als Besatzung liegende Detachement des Divisionsgenerals Arna soll von seinen 2000 Mann 1500 Mann stellen, mit denen Gardekapitän Acitu zu marschieren hätte. Von den vom Grossfeldherrn in Muru usu zurückgelassenen 3000 Mann haben sich 1600 Mann dem Zuge anzuschliessen. Also alles in allem 12000 Mann. Ein hüherer Beamter ist zu kommandieren, der das Siegel des Obergenerals erhält und die Fübrung des gesamten Heeres übernimmt. Betreffend die Ernennung des neuen Hôbilgan’s zum Dalai Lama sind alle in Betracht kommenden Stellen zu Vorschlägen für ein passendes Siegel sowie einen passenden Titel aufzufordern, Divisionsgeneral Jansin, Cutsung, Herzog Tsewang Norbu und der Hanlin-Sekretär Cang$eo haben nach ihrer Rückkehr mit dem Grossfeldherrn gemeinsame Beratung zu pflegen. Wenn die Taiïjis von Huhu noor die ehrliche Absicht haben ïhn zu geleiten, soll man den neuen Hôbilgan mit der Expedition zusammen hinschicken. Wenn sie ihn aber erst nach Klärung der Lage hinbringen wollen, soll man ihm einstweileu seinen Sitz im Kloster Gumbum ?) auweisen vorher das Kaiserliche Heer aussenden, Tibet mit Waffengewalt erobern und die von Aboo mitgeführten 500 Mann, die 400 Mann Cahar, 2000 Mann Mandschutruppen und Truppen vom Grünen Banner sowie 2000 Mann von Hubhu noor diese Truppen alle zusammen als Besatzung in das Land legen. Weiter, Divisionsgeneral Fara soll, sobald die Umstände es erlauben, mit seinem Heere auf
dem Wege über Bark’am vorrücken. Galbi und Niyan-geng-yo0 sind
Lis 2) LÈ F5 in AN tibetisch sku obum ,,Kloster der 100.000 Gôtterbilder”, be-
rühmt als Sitz des Reformators Tsongkaba.
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anzuweisen, ihrerseits auch 2000 Mann zu stellen und dieselben an Fara zu senden. Die von Divisionsgeneral Uge mitgeführte Abteilung soll von Mandschutruppen 1000, vom Grünen Banner 2000 Mann stellen. Den Befehl über die Mandschutruppen bekommen Divisionsgeneral Uge und Brigadegeneral Unaha, über das Grüne Banner Brigadegenerale Jao-kun und Ma-hôi-be!). Diese hat sich mit Fara zu vereinigen. Bezüglich des Tages, an welchem die Heere aufbrechen und des Ortes, an welchem sie sich vereinigen sollen, ist der Grossfeldherr anzuweïisen seine Dispositionen zu treffen, die er den Quartieren der verschiedenen Abteilungen zugehen lassen muss. Weiter. von den 20 000 Mann der Altai-Armee sollen 15000 Mann unter Mitnahme von 3 Monaten Proviant am Ende des sechsten Monats auf zwei Strassen, über Bulagan?) und Buraal*) vorrücken. Gelingt es, Tsewang Rabtan zu überraschen, so soll die Abteilung tief in Feindesland hinein vorstossen. Falls der Feind dagegen auf der Hut ist, soll die Abteilung sich wieder zurückziehen. Von den 13000 Mann in Barkul sollen 10000 Mann herausgenommen werden, von welchen 3000 Mann mit verringerter Bagage gegen Turfan*), 2000 Mann gegen Urumei marschieren. Die übrigen 5000 Mann sollen in aller Ruhe vorrüeken und der Urumci-Abteilung als Reserve dienen. Die Abteilungen von dieser Armee sollen für 2 Monate Proviant mitnehmen und zusammen aufbrechen an einem mit der Altai-Armee verabredeten Tage. Über die Fragen, wenn man das Kommando über diese ins Feld rückenden und die zurüekbleibenden Abteilungen geben soll, wer unter den auf dem Kriegsschauplatz befindlichen hôheren Beamten als Oberkommandeur für die Tibetexpedition in Betracht käme, und welchen Provinzialgeneral
oder Generalmajor aus Si-ning und den anderen Orten dazu kom-
» 6 67 14 2) 3) 15 pi] 2, {5 #8 Rà nicht weit von Urumci. 9 nE É
mandieren soll, über diese Fragen erwarten wir die Entscheidung Ew. Majestät.”
Der Kaiser verfügte hierauf: , Diese Vorschläge sind ausserordentlich erschüpfend. Da der Gegenstand von grôüsster Wichtigkeïit ist, so befehle ich, dem Grossteldherrn briefliche Anweïsung zu schicken : er soll die Angelegenheit mit den Taïjis von Huhu noor beraten
und mir seinen Entschluss melden.”
Im zweiten Monat (des 59. Jahres Kanghi). am Tage kuei-ch‘ou, wurde Gardekommandeur Galbi zum ,.Generalfeldmarschall gegen die Westländer” ernannt !).
Es erging ein Kaiserliches Edikt an die Grosssekretäre: ,,Generalgouverneur Niyan-geng-yoo hat, seitdem er die militärischen Angelegenheiten wahrnimmt, eine rastlose Energie und grosse Arbeitskraft bewiesen. Die Ausbildung, welche er den Truppen in Secuwan hat zuteil werden lassen, ist als hervorragend zu bezeichnen. Es ist eiligst ein Brief an Niyan-geng-yoo zu senden, welcher ihm seine Ernennung zum Führer der Armee mitteilt und ihn anweist, mit der Armee den Einmarsch in Tibet anzutreten. Sollte sich jemand finden, welcher die Geschäfte des Generalgouverneurs vertretungsweise wahrnehmen Kkünnte, und dessen Person Gewähr bôte, dass in dem Lande keine Unruhen entstehen, dann soll Niyan-geng-yoo mich das wissen lassen und demselben die Geschäfte vertretungsweise übergeben. Falls aber kein Mann zu finden ist, der in Anbetracht der Wichtigkeit des Landes die Vertretung zu übernehmen geeignet erschiene, dann soll Gardekommandeur Galbi Armeeführer
werden und den Befehl erhalten, mit den Truppen der beiden Pro-
vinzen Jôn-nan und Secuwan den Vormarsch anzutreten. Das Siegel als ,,Generalfeidmarschall gegen die Westländer””?) ist ihm in diesem | 2
Falle eiligst zuzustellen.”
1) Tung-hua-lu Kanghi XXI, 94. |
2) E pt LEA GE mandsch. wargi be toktobure jiyanggiyôn. |
BRUCHSTÜCKE AUS DER GESCHICHTE CHINAS. 401
Niyan-geng-yoo's Antwort darauf lautete: ,,Ein Mann, welcher geeignet wäre Siegel und Geschäfte des Generalgouvernements von Secuwan vertretungsweise zu übernehmen, kann nicht so schnell gefunden werden. Ich müchte der Erwägung Ew. Majestät anheimstellen, Galbi das Siegel als ,Generalfeldmarschall gegen die Westländer” zu geben und ïhn mit dem Heere nach Tibet einmarschieren, Divisionsgeneral Fara dagegen nach Da-jiyan-lu abzukommandieren und ihn dort eine Aufnahmestellung nehmen zu lassen.” Der Kaiser
verfügte demgemäss.