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BRUCHSTÜCKE AUS DER GESCHICHTE CHINAS. 199

Generalstabswerken vergleichbar. Eine kurze Geschichte des Krieges findet sich in der Kinleitung. Zu diesen Büchern, welche in Doppelausgaben, in mandschurischer und chinesischer Sprache, erschienen sind, gehôüren z. B. das K'ai-kuo fang-lio ‘) ,die Begründung der (Mandschu-)Dynastie”, das San-ni fang-lio *) ,,die Bekriegung der drei Rebellen’”’°), das Shuo-mo fang-lio ‘) ,,der Krieg in der Nord- Gobi” (gegen Galdan), das Chin-ch'uan fang-lio *) ,die Eroberung des Chin-ch'uan-Landes” und das Hui-pu fang-lio ‘) ,die Unterwerfung der mohamedanischen Stämme. Diese seien aufgeführt als die bedeutendsten unter deu Kriegsgeschichten. Von dem ,,Feldzug gesgen die Dsungaren”’ allein sind dem Verfasser dieser Arbeit vollständige Exemplare noch nicht vorgekommen. Er selbst besitzt nur die mandschurische Ausgabe, welche den Titel trägt: Han-1 araha Jun gar-i ba be necihiyeme toktobuha bologon-i bithe, Das Werk ist im Jahre 1771 erschienen und zählt 171 Bücher in drai Teilen. Also ein sehr umfangreiches Werk, entsprechend der Länge des behandelten Feldzuges, welcher einen Zeitraum vom mehr als sechzig Jahren umfasste. Aus diesem Werke sind alle die Tibetexpedition betreffenden Schriftstücke, von den ersten militärischen Massnahmen im Sommer 1717 an bis zur Einnahme von Lhasa im Herbst 1720, ausgezogen und in Übersetzung gebracht. Die kritische Behandlung der Arbeit machte Schwierigkeiten, einmal weil im allgemeinen das Kartenmaterial über Tibet und Kuku noor recht dürftig ist, sodann weil im besonderen von den einschlägigen europäischen

Literatur geographischen und historischen Inhalts am Ort der Ab-

3) Wu San-kuei D: —= ÀE , Shang Chih-hsin fi A 45 und Këng Ching-chung

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200 E. HAENISCH.

fassung nur sehr wenig zur Verfügung stand ‘). So kam fast ausschliesslich chinesische Hülfsliteratur in Betracht. Auch der Übelstand, dass nur die mandschurische Redaktion vorhanden war, machte sich fühlbar. In geringerem Masse bei der Interpretation einiger schwieriger Textstellen als bei der Feststellung der chinesischen Personen- und Ortsuamen, welche ja nur in der mandschurischen Schreibung vorlagen. Nun liessen sich allerdings fast alle Namen durch Hinzuziehung chinesischer Hülfsbücher identifizieren. Von den 37 in Übersetzung gebrachten Schriftstücken sind allein 24 mehr oder weniger vollständig im Tung-hua-lu *) enthalten. Immerhin blieben einige Namen unaufgeklärt. Die vorkommenden Eigennamen sind der Folgerichtigkeit halber durchweg in mandschurischer Schreibung gebracht worden, so wie sie im Texte standen, ohne Rücksicht auf ihren maudschurischen, chinesischen, mongolischen oder tibetischen Ursprung. Doch ist ihre eigentliche Schreibweïse, vor allem aber sind die chinesischen Zeichen, soweit sie bekannt, in Fussnoten dazu gesetzt worden, ebenso Varianten in der Schreibart. Die Romanisierung folgt bei den mandschurischen Wôürtern dem Gabelentz'schen *), bei den chinesischen dem Wade’schen System.

Da die Schriftstücke oft aus dem Zusammenhange herausgenommen werden mussten, so wird es sich rechtfertigen, wenn davor, der Übersichtlichkeit halber, eine kurze Skizze des Tibetfeldzuges gebracht wird:

Schon der Kaiser Kanghi hatte in den Jahren 1677—1698 einen gewaltigen Krieg gegen den Olôtenfürsten Galdan ausgefochten. Der olückliche Ausgang desselben war nicht zum mindesten Galdan's

Neffen Tsewang Rabtan zu verdanken, welcher aus persünlicher

1) Es sei aber wenigstens auf den im Vol. XI N° 1 erschienenen ausführlichen Aufsatz von W. W. Rockhill hingewiesen: the Dalai Lamas of Lhasa and their relations with the Manchu emperors of China 1644—1908.

2) 8. S., Fussnote 1.

3) Nur ist statt z ein /s gesetzt.

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Feindschaft gegen seinen Oheim dem Kaiser seine Waffen zur Verfügung stellte. Galdan, bei Ioo Modo geschlagen !), kam durch Giftmord ums Lebeu, und Tsewang Rabtan erbte die Herrschaft über das mächtige Dsungarenreich, welches Turkestan und den westlichen Teil der Mongolei bis zum Altaigebirge umfasste. Aber auf Tsewang Rabtan’s Treue war kein Verlass. Der Kaiser Kanghi bezeichnet ihn in einem Edikt als ,.niohe deberen-i gese gônin toktoho akô” unberechenbar in seinem Wesen wie ein juuger Wolf. Nicht lange, so musste der Kaiser von neuem die Westgrenze seines Reiches in Verteidigungszustand setzen. Die Linie von Barkul bis Sining im Kuku noor-Gebiet wurde durch grüssere Truppenkürper gesichert. Dort in Barkul stand im Beginn des Jahres 1717 der General Funingga mit einem starken Heere und hatte bis zum Sommer seine Vorbereitungen soweit getroffen, das er im sechsten Monat in drei Abteïilungen den Vormarsch auf Urumtsi antreten konnte und damit den grôssten Krieg einleiten, den die Dynastie geführt hat. Bei seinem Vormarsche erhielt Funingga nun eines Tages durch einen gefangenen Dsungaren die überraschende Kunde, dass Tsewang Rabtan im elften Monat des vergangenen Jahres ?), also um die Jahreswende 1716/17 eine Kolonne von 6000 Mann unter den Generalen Dugar Sanduk, Ceringdondob und Tobei über Arik, d. h. in der Richtung auf Tibet, vorgesandt habe. Hierdurch wurde ein neues Moment in die Operationen hineingebracht. Die Verhältnisse in Tibet waren zu der Zeit durchaus nicht geregelt. Der Mann, welcher dort die Macht in der Hand batte, war der Fürst Latsang in Dam, ein Nachkomme des oben erwähnten Gui Han. Latsang hatte im Jabre 1705, wie es scheint, im Einverständnisse mit Kaiser Kanghi —

jedenfalls wurde seine Handlungsweise von diesem nachträglich gut

1) Sieg des Generals Fiyanggô, s. Shuo-mo fang-lio Buch XXV S. 1 ff.; Tung-hua lu Kapitel XHI 84.

2) Bei der Bezeichnung der Monate ist immer der chinesische Stil gemeint.

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geheissen — sich des Dalai Lama mit Gewalt bemächtigt und nach dessen bald darauf erfolgtem Tode einen von ihm selbst entdeckten Hubilgan auf den Kirchenthron erhoben. Es ist begreiflich, dass Latsang durch seine Gewalttätigkeit sich unter den Lamas eine Menge Feinde erworben hatte. Von seinem neuen Dalai Lama wollte auch ein grosser Teil der buddhistischen Welt nichts wissen. Bald faud sich ein anderer Prätendent auf den Kirchenthron, mit grosse Auhange besonders im Lande Kuku noor, der aber von Kanghi Kaiser in weiser Voraussicht in einem Kloster bei Sining in Gewahrsam, für spätere Verwendung bereit, gehalten wurde. Der Dsungarenfürst Tsewang Rabtan, welcher das Steigen des chinesischen Einflusses in Tibet mit wachsender Besorgnis bemerkte, — eine entscheidende Stimme in Lhasa musste dem Kaiser auch einen gesteigerten Einfluss auf die Gesamtheit der mongolischen Stimme verschaffen — glaubte jetzt den Augenblick gekommen, wo er mit Hülfe von Latsang’s Feinden die Gewalé in Tibet an sich reissen müsste, um damit seinen eigenen Stamm zur lamaistischen Vormacht zu erheben. Es galt für ihn, in aller Stille zu handeln, damit ihm der Kaiser nicht zuvorkäme. Denn er, der Dsungar, hatte den längeren und bei weitem beschwerlicheren Weg. In grôsster Heimlichkeit überschritt sein Feldherr Ceringdondob die Pässe des Tingkurting-Gebirges, und es gelang ihm tatsächlich Latsang's Wachen zu überraschen. Nach Osten verhinderten die ungeheuren wege- und verkehrslosen Strecken das Weiterdringen von der Kunde des Überfalls. Als der chinesische Kaiser die ersten Gerüchte davon vernahm, befand sich das Dsungarenheer schon sieben Monate im Lande der Tibeter. Kanghi wusste bei Funingga’s kurzer Meldung zuerst nicht recht, was er von dem feindlichen Handstreich halten sollte. Ob die Dsungaren es wirklich auf Tibet abgesehen hatten, oder ob sie beabsichtigten über Caidam, vielleicht im Verein mit Latsang, das

Land Kuku noor anzugreifen und sich des Hubilgan’s in Sining zu

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bemächtigen. Denn so klug war der Kaiser, dass er seinem Freunde in Dam auch nicht unbedingt traute. Der Entschluss des Kaisers lautete, die gesamte Westgrenze, vor allem aber das Gebiet von Kuku noor durch Truppen zu sichern. Im Norden wo die Generale Faningga und Arna mit ihren Heeren standen, war alles schon von langer Hand vorbereitet und eine Überraschung nicht zu befürchten. Zum Schutze von Kuku noor mussten dagegen umfassende Massnahmen getroffen werden. In Sining und Sung-p'an wurden Abteilungen zusammengezogen und bei den dortigen Eingeborenen Hülfstruppen aufgeboten. Die in Gas stehenden Garnisonen erhielten Befehl], sich in ihren Stellungen zur Verteidigung einzurichten. Von Ssüch‘uan aus wurde ein Rekognoscierungszug in der Richtung auf Kuku noor unternommen. Die Ungewissheit über die Absichten der Dsuugaren sollte aber nicht lange dauern. Noch im achten Monat kam ein Brief von Latsang mit der Nachricht, dass der Marsch der Dsungaren ihm gelte, und bald darauf ein dringender Hülferuf. Der Kaiser zügerte nicht, ihm zu folgen. Somit wurde die Expedition nach Tibet beschlossen, welche entscheiden musste, ob Dsungaren oder Chinesen die dauernde Herrschaft über das heilige Land in die Hand fallen sollte.

Un für alle Fälle gerüstet zu sein, hatte man bereits eine allmühliche Verschiebung der stehenden Truppen nach Westen eintreten lassen. Die Bannertruppen vou T'ai-yüan hatien einen Teil ihres Bestandes nach Hsi-an abgeben müssen, die von Ching-chou nach Ch'êng-tu, zur Bildung neuer Garnisonen. In der Provinz Yün-nan lagen Bannertruppen aus Hang-chou und Chiang-ning. Im Anfange des Jahres 1718 begann die Offensive auf zwei Linien: im Norden von Sining durch Kuku noor und Caidam, im Süden von Ch'éugtu über Ta-chien-lu, Litang, Batang d.h. auf der Strasse, auf welcher sich von jeher der Handelsverkehr zwischen China uud Tibet bewegte.

Im Norden marschieren Generalgouverneur Erentei, der Herzog

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Tsewang Norbu und Acitu in Kuku noor ein und besetzen dort alle Plitze von strategischer Bedeutung. Die Fürsten des Landes müssen ein Hülfsheer von 6000 Mann stellen. Ein Rekognosierungstrupp trifft in Caidam mit einer Schar flüchtiger Tibeter zusammen, welche von der Eroberung Potala’s durch die Dsungaren und Latsaug’s Tod berichten. Da ungefähr gleichzeitig ein Gerücht eintrifft, Tsewang Rabtan sei selbst mit seinem Stamme nach Tibet gezogen, so werden auf Befehl des Kaisers sämtliche Operationen für das laufende Jahr eingestellt, nur ein selbständiges Detachement unter dem Kommandanten Sereng wird nach Tibet vorgeschickt um aufzuklären. Erentei soll dem Zuge folgen, um ïhn nôtigenfalls zu entsetzen. Sereng, dessen eigentliche Aufgabe es war, sich den Feind durch die Eingeborenen heranlocken zu lassen, dann Fühlung mit dem Feinde zu halten und môglichst genaue Nachrichten aus Hauptquartier zu senden, führt seinen Marsch auf selbständigen Entschluss ohne Aufenthalt durch. Er erreicht am 13/V den Fluss Muru usu, welchen er überschreitet, und kommt ins Land der Tangguten, wo sein Erscheinen eitel Freude hervorruft. Denn die Dsungaren hatten unter dem Volke übel gehaust wie sie auch in Lhasa unmenschliche Greuel begangen hatten. Sicher gemacht durch die freundliche Aufnahme bei der Bevülkerung marschiert er weiter, obgleich ihm die Verbindung mit der Abteilung Erentei schon lange verloren gegangen war. Er schickt nur eine Patrouille zurück, um Erentei zu suchen und ihm zu melden, er wolle am Ufer des Kara usu auf ihn warten. Am Kara usu wird dann Sereng’s Lager in der Nacht vom 21. zum 22. VII von den Feinden überfallen. Der Überfall wird abgeschlagen. — Erentei, welcher nicht vermutete, das Sereng in solcher Übereile marschieren würde, hatte seinem Heere erst noch ein paar Tage Ruhe gegünnt und war dann hinter dem Detachement hermarschiert. Er ist am 18/VI am Muru usu und überschreitet den

Strom bei Dolon olom. Er wundert sich hier keine Spuren von

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Sereng zu finden, obgleich er ihn auf den Flussübergang an dieser Stelle verwiesen hatte. Zufällig erfäihrt er durch den türkischen Proviantspediteur Dargan Bek, dass Sereng auf einem anderen Wege, über Baitu, marschiert sei. Erentei ändert darauf, um Sereng noch emmzuholen seine Route und rückt in Eilmärschen auf den Kara usu zu, über Kukusai, Bok ak und Mengdsan sirik. Am Flusse Cino gool wird auch er am 17/VII abends von den Dsungaren überfallen, wirft sie aber unter Verlusten zurück und marschiert weiter in der Richtung auf den Langla-Pass. Zehn Tage später hat er sich mit Sereng am Kara usu vereinigt, und beide zusammen haben nun harte Kämpfe mit den Dsungaren zu bestehen, die ihnen keinen Schritt weiteren Vormarsches gestatten. Uneinigkeit zwischen den beiden Führern, wie es scheint, Sereng’s Starrküpfigkeit, besiegelt das Schicksal des Heeres. Sereng und Erentei behalten ihre getrennten Feldlager, werden vom 29/VIT bis zum 20/VIII durch grosse feindliche Scharen von einander abgeschnitten. Proviantmangel tnitt ein, und ein trauriges Ende der beiden Führer sowie der gesamten Heeres ist die Folge. Die Feinde scheinen einen weiten Vorstoss nach Norden unternommen zu haben, denn etwa gleichzeitig wurde am Muru usu eine 500 Mann starke Eingeborenenkolonne zersprengt, welche eine Proviantzug geleitete. — Im Süden lagen die Operationen zuerst in der Hand des Gouverneurs von Ssü-ch'uan Nien Kéng-yao. Die erste Massnahme war die Detachierung einer starken Truppe nach Ta-chien-lu, wo unter der Bevülkerung bereits eine recht bedenkliche Stimmung herrschte. Da verlautete, dass mann in Litang mit dem Feinde sympathisiere, wurde sogleich eine besondere Abteilung zur Besetzung dieses Platzes ausgesandt, Weïtere Operationen gab es hier in diesem Jahre nicht mehr, in Gemässheit mit dem Kaiserlichen Entschlusse. Doch wurden die gewonnenen Stellungen verstärkt, die rückwärtigen Verbindungen

gesichert und die Proviantierung für die nächstjährigen Operationen

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vorbereitet. — Mit dem Beginne des nächsten Jahres (1719) traf General Galbi aus Peking in Ch'éng-tu ein, um mit Nien Kéng-yao gemeinsam die Leitung der jetzt beschlossenen Expedition nach Tibet zu übernehmen. Batang wurde besetzt und das Heer allmählich von Ch'éug-tu über Ta-chien-lu und Litang vorgeschoben. Diese Anmarschlinie hatte man nach Nordwesten gegen den Dsungarengeneral Cuimpil zu sichern, der sich auf einem Streifzuge im Kuku noor- Gebiete gezeigt haben sollte. Es hiess auch, dass der Feind bedeutende Verstärkungen erhalten habe. Die Offensive erfolgte im nächsten Jahre (1720) von Batang aus. Von Ssü-ch'uan führte General Fara Verstärkungen heran, von Yüu-nan marschierte General Uge mit einer Abteilung über Chungtien nach Batang. In Sungp'an brach General Ningguri nach dem gleichen Ziele auf. Ein Kaiserliches Edikt ernannte Galbi zum Befehlshaber des Expeditionsheeres, und im Sommer wurde der allgemeine Vormarsch angetreten, welcher die Armee über Bark'am, Lari und dan nach kurzern Aufenthalt weiter über Meju und Gungk'a am 22/VIIT vor die Tore der Stadt Lhasa führte. Sie fiel dem Heere ohne grosse Opfer in die Hände. Dem Volke und den Lamas wurde in einer Proklamation ,,die Errettung vom Dsungarenjoche durch den chinesischen Kaiser” verkündet, und das Heer bezog eine feste Stellung in der Nähe der Stadt.

Von Kuku noor aus war ungefähr um dieselbe Zeit ein neues Heer unter General Jansin ins Feld gerückt, um den neuen Dalai Lama nach Lhasa zu geleiten. Nach harten Kämpfen bei Bok $ak und am Flusse Cino gool langte das Heer am 8/IX in Dam an und hielt gleich darauf seinen Einzug in Lhasa, Und jetzt wurde vom Kaiser in seinem Spiele der letzte Zug getan, die Tat, ohne welche er sein Werk nicht als abgeschlossen betrachten konnte. Der Kaiser brachte den Tibetern den Hubilgan von Sining, der allgemein herbeigesehnt und als die einzig wahre Wiedergeburt

betrachtet wurde. Denselben Mann, dessen sich auch Tsewang Rabtan

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hatte bedienen wollen. Den mit ihren Vorstôssen nach Kuku noor hatten die Dsungaren nichts anderes bezweckt, als sich des in Sining eingeschlossenen Hubilgan’s mit Gewalt zu bemächtigen und ihn im Triumph nach Lhasa zu führen, um dort ihre eigene Stellung zu festigen. — Jetzt war grosser Jubel in den lamaistischen Ländern. Von allen Seiten drängten sich die mongolischen Grossen mit der Bitte, den neuen Dalai Lama in seine Residenz geleiten zu dürfen. Und gefolgt von einer zahlreichen Schar mongolischer Fürsten und Edler zog der Hubilgan in Potala ein, wo er als Dalai Lama der sechsten Wiedergeburt den Kirchenthron bestieg. Ceringdondob war mit seinem Heere nach Norden entwichen. Schon bei ihrem Einfall in Tibet hatten die Dsungaren, welche, ohne regelmässige Zufuhr, auf Raub und Plünderung angewiesen waren, schrecklich unter Hunger und Kälte leiden müssen. Wie es dem geschlagenen Heere bei seiner Flucht durch das feindliche Land mit der erbitterten Bevülkerung gegangen sein mag, das Lisst sich nur ahnen. — Im Norden ging der grosse Krieg, in welchen die tibetische Expedition ja nur eine Episode war, noch viele Jahre weiter. Er überdauerte noch den Tod Tsewang Rabtan's ebenso wie den des chinesischen Kaisers ‘). Aber in Tibet hatten die Dsungaren das Spiel verloren. Für die Chinesen handelte es sich darum, die gewonnene Stellung zu halten und zu befestigen. Um das Volk und die Lamas môglichst zu schonen, wurde der grôüsste Teil des chinesischen Heeres aus dem Lande zurück gezogen. Nur etwa 3000 Man», die meisten davon Hülfsvôlker aus Kuku noor, also Lamaisten uud besonders treue Anhänger des neuen Dalai Lama’s, blieben unter Herzog Tsewang Norbu als Besatzung in Lhasa. Doch nahm der Generalissimus Prinz Jôn-ti eine Bereitschaftstellung am Flusse

Muru usu, an der Strasse. Lhasa-Kuku noor. Im Sommer des näch-

1) Neben dem Chun-ko-rh fang-lio s. Shêng-wu-chi Kap. III u. IV, Huang-ch‘ao wu-

kung chi-shèng ET H}] ME JT} EU Jk Shanghai-Auss. Kep. I, 9.

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sten Jahres (1721) beschloss der Kaiser dann die Errichtung einer ständigen Bannergarnison unter dem Kommando des Generals Jansin. Die Stärke derselben betrug tausend Mann: 500 Mann Chiang-ningund Hang-chou-Mandschutruppen, welche in Yün-nan standen, und 500 Mann vom Grünen Banner der Provinz Ssü-ch‘uan zu sammeln

und persünlich in ihre neue Garnison zu führen.

Es folgen hierunter die Schriftstücke in der Übersetzung aus dem Mandschurischen, 37 an der Zahl. Das vier dreissigste, welches die Geographie der tibetischen Länder behaudelt, ist des Interesses wegen gebracht worden, wenn es vielleicht auch mit dem Thema

nur in losem Zusammenhange steht,.

Lie

Am ersten des achten Monats, am Tage jèn-wu [im 56. Jahre der Regierung Kanghi, 1717] bestimmte ein Kaiserliches Edikt den mit der Ausübung der Geschäfte des Bannergenerals von Si-an betrauten Generalgouverneur Erentei mit

einer Heeresabteilung nach Sining 1).

Es war eine Meldung von General ?) Funingga *) eingelaufen: »Ein kriegssefangener Mohamedaner namens Aduhôli) hat ausgesagt: Tsewang Rabtan ‘) habe die taisangs ©) Dugar Sauduk, Ceringdondob und Tobci*) an der Spitze von 6000 Mann im elften Monat

1) Tung-hua-lu Kanghi XX, 9.

2) Der Titel des Generals lautete Nr] fi LEA #5 mandsch. fudaraka be geterembure jiyanggiyôn ,, Vernichter der Aufständischen”’.

5) 5 2 2€ seine Biographie s. die Biographiensamniug [4 #H 2€ 1E Æ Z2 Kuo-ch'ao hsien-chêng shihlio Kap. 7.

s) y #6 nf 1.

5) SR 2e (ii D) 751 M.

6) JE SK ein mongolisches Wort, bedeutet das Haupt siner Horde.

D 0 NT À #6, À À 24 © 1h, 46 10

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des vergangenen Jahres über Arik ‘) nach Westen gesandt. Ob das geschehen sei, um Latsang ?) zu bekriegen oder 1hn zu unterstützen, künne er (Aduhôli) auch nicht genau sagen.”

Der Kaiser verfügte darauf: ,,[ch weiss zwar nicht, ob die Kunde, dass Tsewang Rabtan ein Heer über Arik vorgeschickt habe, auf Wahrheit beruht oder nicht. Aber ich entsinne mich der Worte, welche der hôchst verabscheuungswürdige Tsewang Rabtan seinerzeit die Boten des Iebtsundamba Hôtuktu *) gerichtet hat: Latsang Han sei ein Säufer und Nichtstuer, den man nicht als voll ansehen künne. So sagte er und behielt auch Latsang’s Sohn zurück, ebenso wie er die Gesandten des Dalai Lama ‘) und des Bancan *) festhielt und nicht wieder entliess. Nun kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, ob sein Heer Latsang bekriegen und die Westländer erobern oder ob es Latsang bei einem Angriff auf Huhu noor°) helfen soll. Falls sein Heer, welches im elften Monat vorigen Jahres aufgebrochen ist, den Marsch unternommen hat mit der Absicht, Latsang zu bekriegen, so wäre das Unglück jetzt schon geschehen, und wir künnten Latsang mit unserm Heere nicht mehr helfen, wenn wir auch wollten. Denn der Platz ist zu weit. Falls aber Tsewang Rabtan's Heer den Plan hatte, Latsang zu unterstützen und mit ihm gemeinsam einen Angriff auf Huhu noor zu unternehmen, so wären wir gezwungen mobil zu machen und gegen die Feinde die Offensive zu ergreifen. Nun stehen zur Zeit in

Barkul’) Funingga und Arna‘), welche in jeder Heinsicht mit

1) Fnj Hi 55. 2) hi JE.

) À PH EN Lx.

1) RE HET D) Ji -

5) = Pancen Erdeni JJE JIHI AE PA fi JE, , der Pancen Lama.

6) = Kuku noor chin. Fj ff. ) EE.

s) FT FT 10

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der militärischen Lage vertraut sind, sodass die Operationen dort sehr bequem auszuführen wären. Wir geben aber dem Staatsrat zur Erwägung, ob es vnicht angebracht wäre, Erentei') (von dort) zurückzunehmen und ibm seinen ständigen Posten in Si-ning ?) anzuweisen, mit dem Auftrage, die Hülfstruppen der Eingeborenen samt den Leuten von Huhu noor in Kriegsbereitschaft zu brirgen, Der Beschluss ist mir vorzulegen.”

Der Staatsrat richtete nach Beschlussfassung folgende eingabe an der Thron: Ew. Majestät haben in Ihrem Edikt die Lage auf das Richtigste gekennzeichnet. Wir wollen folgende Massnabmen anorduen: den mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Bannergenerals betrauten Generalgouverneur Erentei anweisen, sich eiligst nach Sining zu begeben und dort die militärischen Geschäfte und die Proviantfrage zu regeln; den Brigadegeneral *) von Si-ning Wangi-kiyan *) und Calihôn‘), vortragendes Mitglied im Hanlin-Kollegium(), nach Sungp'an ) kommaudieren, um dort Vorkehrungen zu treffen; schliesslich den Provinzialgeneral 5) K'‘ang-tai ”) sowie den Ministerialhülfssekretär ‘°) Batma !’) beauftragen, unverzüglich Patrouillen mach Huhu noor zu senden und genaue Nachrichten

einzuholen; falls sie Nachrichten erhielten, sollten sie einerseits

D 84 Àù #F- 2) pt 25 in Kansu.

3) A + = mandsch. uheri kadalara da. .

s E LÀ. 5) À Ne PE

6) (S: = SE mandsch, aliha bithei da.

7) 4 CHE) in Ssü-ch‘uan.

8) LE 7x mandsch. fideme kadalara amban.

9) Es Z$ aus Kansu, tat sich im Kriege gegen Galdan bei Ioo Modo hervor.

Über seine Person s. die Biographiensammlung DEA +, Fr. 1# Han ming-ch‘ên chuan Kap. 14.

10) 2 ÆF mandsch. ejeku hafan. un) EL À Ji

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Ew. Majestät davon Meldung machen, andrerseits es sich gegenseitig benachrichtigen, und dann jeder für sich so handeln, wie es ihm die Lage gebôte. An die in Gas!) stehenden Gardekapitäne °) Acitu *) und HooSan “) wäre schliesslich die Losung auszugeben: mit grüsster Gewissenhaftigkeit sich zur Verteidigung einzurichten sowie die Spuren des Feindes zu rekognoscieren.” Der Kaiser befahl

die Ausführung dieser Vorschläge.

LE

Am Tage Ting-wei erschien ein Kaiserliches Edikt, welcher Truppen

aus der Mandschugarnison Ging-jeo nach Ceng-du und Truppen aus der Mandschugarnison Tai-yuwan nach Si-an kommandierte ÿ).

Der Staatsrat hatte in Beratung eines Berichts von dem in Si-uing stehenden Han-lin-Mitglied Calihôn eine neue Eingabe gemacht: ,,Von dem Fürsten des Westlandes Latsang Han ist ein Brief gekommen: am Vierten des siebenten Monats ist Tsewang Rabtan’s Heer angerückt und hat das Volk von dem Stamme Bomboo f), welcher in dem Gebiete seines Landes Nakcan *) wohnt, geplündert. Weiïter heisst es, Ceringdondob sei mit einem Heere von 10000 Mann gegen mich, Latsang, im Anzuge. — Da wir unter diesen Umständen nicht umhin künnen, Vorkehrungen zu treffen, so beantragen wir, die Truppen von Sung-p'an und $i-ning über

die Grenze zu dirigieren und dort Lager beziehen zu lassen.”

1) DE Hÿ ein wichtiger strategischer Platz im westlichen Caidam. Von Gas führte eine Relaisverbindung in 18 Stationen über Gum nach Muru usu.

2) + f mandsch. hiya.

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