VON
E, HAENISCH.
Die Eroberung von Tibet, aus dem ,,Feldzug gegen die Dsungaren” auszugsweise übersetzt,
Unter den Sorgen, welche die chinesische Regierung sich um den Bestand des Reiches macht, steht zur Zeit die tibetische Frage im Vordergrund. Man scheint in Regierungskreisen der Überzeugung zu sein, dass man sich unter den heutigen Verhältnissen den Besitz Tibets nur durch den engen Anschluss dieses Landes an das Reich sichern kônne. Ob die Lüsung dieses Problems noch môglich sein wird, muss die nächste Zukunft lehren.
Es sind noch keine 200 Jahre her, dass sich China Herrin über das Land des Dalai Lama nennen kann. Zwar gehen die Beziehungen der beiden Reiche bis in das siebente Jahrhundert zurück. Bekannt ist die Geschichte von der Prinzessin Wén-ch'êng, welche der Kaiser T'ai-tsu von der T'ang-Dynastie dem Künige Lung-tsan nach Tibet als Gemahlin schickte. Seitdem kamen und gingen die Gesandtschaften zwischen den beiden Ländern. Damals, zur Zeit der T'ang-Dynastie, war Tibet noch ein mächtiges selbständiges Staats-
wesen. Mit den zunehmenden Beziehungen wuchs dann naturgemäss
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auch der politische Einfluss des grossen Nachbars im Osten. Und als um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, kurz vor dem Sturze der Ming-Dynastie, der Hosotenfürst Gusi Han, welcher sich des Gebietes von Kuku uoor und Tibets bemächtigt hatte, dem Kaiser T'ai-tsung in einer besonderen Gresandtschaft seine Ergebenheit ausdrückte ‘), betrachteten die Mandschus Tibet bereits als Tributärstaat, Von einer tatsächlichen Herrschaft über Tibet kann aber erst vom Herbst des Jahres 1720 abgesprochen werden, dem Zeitpunkt, als die Generale Galbi und Jansin sich der Burg Potala bemächtigten und eine ständige Garnison in die Stadt Lhasa legten. Im Tempel oo zu Lhasa befindet sich eine Inschrifttafel zur Erinnerung an diese Besitzergreifung ?). Über den Feldzug, welcher diesem Ereignisse vorausging, berichtet in knapper, zusammenfassender Form das Shéng-wu-chi *), ,das Kriegsbuch der Mandschudynastie”, im finften Kapitel. Ein ausführliches Sonderwerk, das Hsi-tsang fanglio') ,,der Tibetfeldzug”’ soll existieren, ist aber nicht bekannt geworden. Doch gibt es ein anderes Werk, welches die Tibetexpedition in seinen Inhalt einschliesst. Es ist das Chun-ko-rh fang-lio $) ,,der Feldzug gegen die Dsungaren”. Das Buch gehôrt zu der Klasse der Kriegsgeschichten. Eine Sammlung der während des Krieges erschienenen amtlichen Dokumente, Armeebefehle und Meldungen enthal-
tend sind diese, sehr umfangreichen, Werke am ersten unseren
1) {m 10. Monat des 7. Jahres Ch‘ung-tê = fi, s. Tung-hua-lu K FÈ EX Shanghai-Ausgabe III, 344.
2) Der Text dieser Inschrift, welche einmal von Klaproth in Übersetzung herausgegeben worden ist, findet sich in der Reïchsgeographie Ta-Ch'ing-i t‘ung chi AS Th — A x im Beginne des Abschnittes Tibet.
3) HE GE SU verfast von Wei Yüan SÙ JA.
4) DE JG 7 2. Der vollstindige Titel dieser Kriegsgeschichten ist 2 Di JE 7 À