LIT
Am Ersten des neunten Monats, am Tage jèn-tzü, erging ein Kaiserlicher Befehl an Norbu, Sereng und Budari 5).
Norbu, Sereng und Budarif) hatten sich auf den Kaiserlichen Befehl zum Einmarsche in Huhu noor hin an den Thron gewandt mit der ehrfurchtsvollen Bitte um nähere Anweïsungen.
Daraufhin schrieb ihnen der Kaiser: ,,Ïhr alle drei seid im Huhu noor-Gebiet viel herumgekommen und wisst mit den Wegen Bescheid. In Rücksicht darauf will ich Euch dorthin kommandieren. Falls jetzt Latsang im Stande sein sollte, Tsewang Rabtan’s Heer zu verjagen, würde ich euch, sobald die Nachricht käme, wieder zurückziehen. Falls aber Latsang dem Tsewang Rabtan unterliegen sollte, dann hältet ihr, den Taijis’) von Huhu noor eure Unterstützung leihend, ins Feld zu ziehen, was ihr ihnen klar und deutlich verkünden müsstet. Unter allen Umständen wie eine Person handelnd, hättet ihr euch davor zu hüten, jene auch nur in die ge-
ringste Unschlüssigkeit zu versetzen und Verwirruugen zu verur-
n 3h) MA. >) DK KV:
5 K JE. s) Di À.
5) Tung-hua-lu vacat.
6) 24 SR NE 5 AT 1, (& À; die chin. Umschreïung des Namens
Budari war nicht festzustellen. Tsewang Norbu ist ein mongolischer Fürst, Sereng ein Offizier des geränderten gelben Mongolenbanners.
7) ñ == ist ein mongolischer Edelmann.
BRUCHSTÜCKE AUS DER GESCHICHTE CHINAS. 213
sachen. Falls schliesslich Latsang im Verein mit Tsewang Rabtan’s Heere sich anschicken sollte, Daicing Ho$ooci ‘) anzugreifen, dann hättet ïhr an alle Taïis von Huhu noor folgenden Aufruf zu erlassen: ,,lTsewang Rabtan hat sich dem Kaiserlichen Heere entgegengestellt, wenn jetzt Latsang sich mit den Feinden vereinigt, so ist es klar, dass dies Feindschaft mit uns bedeutet. Unser allerheïligster Herr und Kaiser hat die Sühne und Enkel Guéi Han'’s ?) vom ersten bis zum letzten gehest und beschirmt. Das ist bis auf den heutigen Tag geschehen. Wahrlich, eine Gnade unsres allerheiligsten Kaiïsers, so hoch und so umfassend wie Himmel und Erde! Jetzt wäre der richtige Augenblick, in treuer Hingebung und mit Aufbietunug aller Krüfte sich dankbar zu erweisen. Wenn wir mit vereinten Kräften handeln, ist die Sache von grôsster Leichtigkeit. Die Zahl der zur Zeit an den Grenzen von Secuan *) und Sining stehenden Truppenkôrper beträgt hunderttausend Mann. Jetzt haben wir noch dazu von der Mandschugarnison in Gingjeo 2000 Mann kommandiert und nach Ceng-du in Bereitschaft legen lassen, und von Tai-yuwan und anderen Orten Mandschutruppen nach Ki-ning legen lassen. Wenn wir im Ernst unsere Truppen ins Feld führen wollten, wären sie unerschôpflich.” In dieser Weïse müsst ihr auch mit Daicing Hosooci sprechen. Und dass Tsewang Rabtan's Heer, weun er erst Latsang angreift, hernach dann dem Dalai Lama Gewalt antun wird, dass must ihr ihnen auch unbedingt einprägen. Noch eins: der Bannergeneral Erentei ist ein Mann von aussergewôühulichem Mut und bedeutenden Fähigkeiten. Ihr habt euch in allen Angelegenheiten mit ihm ins Einvernehmen zu setzen. Und wenn ihr irgend etwas in Erfahrung gebracht habt, dann habt ïhr unter allen Umständen erst nach gemeinsamen Beratung (mit ihm)
Massnahmen zu treffen.”
n ? » RH TT. » PU Jr.
214 E. HAENISCH.
Am Tage I-ssû beorderte ein Kaiserlicher Befehl den Divisionsgeneral Hori nach Jôn-nan, den Gardekommandanten Umpu nach Da-jiyan-lu !).
An den Staatsrat kam ein Erlass des Kaisers: ,,]n Anbetracht dessen, dass der jetzige Kriegsschauplatz im Westen Zugangsstrassen nach Jôn-nan ?) und Da-jiyan-lu *) besitzt, ist es nôtig Vorkehrungen zu treffen. Ich befehle hiermit, den Divisionsgeneral *) Hori °) nach Jôn-nan und den Gardekommandanten $) Umpu *) nach Da-jiyan-lu zusenden. Dieselben sollen sich je zwei Garde-Majore und Kapitäne sowie zwei Ministerialbeamte mitnehmen und sich mit Relais an
ihre Posten begeben.”
Ein Kaiserliches Edikt (von demselben Tage) kommandierte den Herzog Tsewang Norbu, den Bannergeneral Erentei und den Gardekapitän Acitu an die wichtigen Plätze im Hukunoor-Gebiet 8).
Es lag eine Meldung von dem Prinzen Lobtsang Danjin *) von
Huhu noor vor: ,,Als Ceringdondob, welchen Tsewang Rabtan aus-
1) Tung-hua lu Kanghi XX 124.
2) ES F4: Weg nach Tibet über Chung-tien.
3) FT Fi cn der natürliche Grenzplatz zwischen Tibet und der Provinz Ssüchwan. Hauptstapelplatz für den Zwischenhandel, und heute noch wichtigste Etappe für militärische Unternehmungen gegen Tibet, Sitz eines militärischen Präfekten. Die Stadt ist von Ch‘êngtu 1000 Li entfernt, von ibr bis nach Litang sind es noch 620 Ii, bis nach Batang, der äussersten Grenzstation der Provinz Ssü-ch'uan, 12C0 Li. Ta-chien-lu befand sich seit dem Ausgange des 17. Jahrhunderts in der Hand der Mandschudynastie, Im Jahre 1700 wurde die berühmte Hängebrücke Lu-ting-ch‘iao gebaut. Die Strasse obwohl heute im allgemeinen gut im Stande gehalten, ist doch noch jetzt an vielen Stellen recht
schmal und gefährlich.
4) #T A mandsch. gôsa be kadalara amban. 5) fu NE . 6) TE Es À FE mandsch. (bayara coohai) tui janggin. 7) A H
8) Tung-hua-lu Kanghi XX 12a.
te 9) dé P JE FF EE Enkel Gusi Han’s. Erst ein Anhänger der Dynastie, empürte er sich im 1. Jahre der Regierung Yung-chêng und wurde von General Yo-Chung-
gesandt hat, mit 3000 Mann heranmarschierte, um Tibet zu erobern, ging ihm Latsang mit seinem Heere entgegen und nabm den Kampf mit ihm auf, wobei es auf beiden Seiten weder Sieg noch Niederlage gab'). Die Leute aus Ceringdondob's Heer, welches von weit her durch den Schnee gezogen kam, waren verfroren und verhungert, ibre Pferde und Kamele gefallen und krepiert, sodass alle Leute zu Fuss marschieren mussten und sich auf dem Wege mit dem Fleisch von Menschen und Hunden nährten. Von den 3000 Mann, unter welchen sich mehr Uriyanghai-Leute ?) als Ületen *) befinden, kamen nur noch 2500 Mann an. Die übrigen waren zu Tode erschüpft und hatten nicht Schritt halten künnen.”
Hieraufhin gab der Kaiser folgenden Erlass an den Staatsrat : «In Tibet gibt es eine Menge Proviant, den der Dalai Lama auf gespeichert hat. Auch Waffen sind vorhanden. Das Volk von Tibet hält an der Religion fest. Wenn jetzt Tsewang Rabtan ohne Grund die Religion stürzen und Tibet erobern will, so müchten sich das die Bewohner wohl kaum gefallen lassen. Nun befand sich noch dazu Ceringdondob’s Heer bei seiner Ankunft auf dem Gipfel der Erschüpfung. Und wenn es jetzt erst ins (Gefecht gekommen ist,
und man den Abgang au Gefallenen uud au Krankheït Gestorbenen in Betracht zieht, müchten schwerlich noch 2000 Mann da sein. Ob er damit noch imstande wäüre, Latsang’s Burg zu nehmen? Nein!
sondern, wenn Ceringdondob im Siune hat, das Land mit Waffeu-
ch'i in einem sehr schwierigen Feldzuge besiegt, s. die Biographien dieses Generals, Han ming-ch‘êèn chuan Kap. 28 und Kuo-ch‘ao hsien-chèng shih-lio Kap. 14, auch Mêng-ku ÿa-mu-chi ES nr Pres # SL »die Nomadengebiete der mongolischen Stämme” Kap. XII, S. 96.
1) s. Shêng-wu-chi Kap. 5.
2) LL 7 # auch 5 7 #.. eine Landschaft nôrdl. Kobdo.
3) Es] & JE auch JE nés JE. Die Ülôten sind der Hauptstamm, welcher
wieder in vier Einzelstämme zerfällt, darunter Dsungaren und Ho$oten, s. Mêng-ku yu-muchi Kap. 11.
216 £. HAENISCH.
gewalt zu erobern, so ist seine Streitmacht nicht mehr ausreichend. Und wenn er den Rückzug in die Heimat antreten will, so wird er auch keinen Wew zur Rettung mehr finden. Da es aber nicht ausgeschlossen ist, dass er in seiner Bedrängnis raubend und plündernd umherzieht, so ist es für uns unbedingt nôtig die umfassendsten Vorsichtsmassregeln zu treffen. Wir geben euch die Frage zur reiflichen Überlegung und wünschen Bericht darüber.”
Die gleich darauf eintreffende Antwort lautete:
Wir empfehlen, die Taiïjis von Huhu noor mit ihren Streitkräften schleunigst ins Feld marschieren zu lassen und den Herzog Tsewang Norbu, Bannergeneral Erentei und Gardekapitän Acitu mit ihren Abteilungen an die strategischen Punkte von Hubu noor zu postieren um Nachrichten zu erlangen. Dieselben hätten unter allen Umständen nur mit gegenseitiger Unterstützung und nach gemeinschaftlicher Beratung zu handeln. Schliesslich müsste General Funingga schleunigst benachrichtigt werden.” Der Kaiser verfügte
demgemäss.
Im ersten Monat (des 57 Jahres Kanghi), am Tage këng-shèn, erging ein Kaiserlicher Befehl, welcher den Gardekommandanten Umpu mit Gingjeo-Mandschutruppen nach Dajiyan-lu in Garnison legt !).
Eine Meldung des Divisionsgeneral Fara ?) lautete; ,,Die Strasse nach Da-jiyan-lu *) ist schmal. Es macht grosse Schwierigkeiten, den Proviant auf ihr heranzuschaffen. Die Mandschutruppen aus
Gingjeo hatten, als sie im vorigen Jahre ankamen, einen weiten
1) Tung-hua-lu vacat.
2) “k ii] seine Biographie s. Man ming-ch‘èn chuan D A Fr. fÈ Kap. 20
(aus der ,Sammlung von Biographien bedeutender mandschurischer und chinesischer Beamter”’.