VON
Baron D' FEIiIZ Ton OEFEIiB
(Bad Neuenaiir jm Rhbinphbussen).
Erster Teil : Âassere Parasiten.
ALL6EMEINE WiCHTIGKElT DER PARASITOLOGIE FUR AE6YPTEN.
Sonsino (1) berichtet, dass nacli Cobbold, Leuckarl und Siebold Aegyplen das reichste Land in Bezug auf Parasiten wàre. Doch nach Sonsino selbst ist Aegypten nur unter den Parasiten-reichen Làndern wie China, Japan, Cochinchina und Polynésien das fur Europa zugàngiichste Land. Vor alleni ist aber die Parasitenfauna Aegyptens in keiner Weise specifisch, sondern mit ganz Afrika gemeinsam.
Wàbrend aber fur Europa die Bakteriologie die berufene Wissenschaft zur Erforschung der Krankheilsursaclien ist, treten fur die aegyptische Pathologie die pllanzlichen Schinarotzer in einen ganz nebensàchiichen Hintergrund. Die Parasitenfauna beherrscht hier die Pathologie fast allein. Dabei sind es nicht nur, wie bei der Bactériologie, Parasiten, welchenurdurch starkeVergrôsserungen wahrgenommen werden kônnen, sondern vielfach Parasiten makroskopischer Grôssen oder Parasiten, deren Grosse scharf an der Grenze unseres Sehvermôgens steht, wie die Sarcoptesarten.
Fur die Culturlànder von heute inusste erst eine vorgeschrittene Wissenschaft den botanischparasitologischen Charakter der Mehrzahl der Krankheiten erweisen. Fur Aegypten und die verwandten Culturen des Altertum war schon fernen Zeiten teils durch direkte Beobachtung teils durch Analogieschluss aile Krankheit und ailes
(1) P. Sonsino, Gontributo aUa entozoologla d'Egltto. Mémoires de rinstitut égyptien. Le Caire, 1896.
Archives de Parasitologie, IV, n" 4, 1901. 32
482 F. VON OEFELE
Uûbeil eine Folge von Wûnnem, Wie wir seben werden, darf dabei natûrlich unter Wûrmern nicht die moderne Begrenzung verslanden werden, sondern mûssen vielfach Schlangen, Larven und Schnecken unter diesen Sammelbegriff eingereiht werden. Wie erweislicb wurde die altaegyptische und andere altorientaiische Medicin von Volk zu Volk weitervererbt, sogar bis zu Détails in Recepten herab. Damit vererbte sich aber aucb die Ansicbt voni Wurme als Krankheitsursache. Wenn der practische Arzt mit aufmerksamem Ohre nach den Ausdrùcken der Volksmedicin borcbt, so erlauscht er dadurch noch beute eineMenge von augeblichen Wurmkrankheiten.
Als darum Prof essor R. Blanchard mir den ehrenvollen Auftrag zuerteilte die Parasitologie der Hieroglyphencultur zu bearbeiten, nachdem ich mich im verilossenen Zeitraum mehrfach an die Entscbleierung medicinischer aegyptischerOriginaltexte gewagt batte, war ich mit Freuden bereit ; aber gleichzeitig fûhlte ich eine gewisse Angst wegen der Menge des Materiales und dessen zweckmàssiger Abgrenzung. Dann ist aber auch noch sehr viel unsicher und ungeklàrt, so dass manche Mitteilung von mir selbst als fragiich bezeichnet werden muss.
Die Abgrenzung des Materiales war insofern schwierig, als die Furcht vor tierischen Feinden weit ûber die Humanmedicin hinausgreift. Auch die Gesundheit der Haustiere und die Land* wirtschaft litt unter feindlichen Tieren(l). Der Bauer bat zu klagen : Der Wurm hat die eine Hàlfte der Nahrung genommen und dos Nilpferd die andere. Es hat viele Màuse auf dem Felde gegeben und die Hev^chrecken sind niedergefallen. Dos Vieh hat gefressen und die Spatzen haben gestohkn.
Immer wieder traten dem Landwirte dièse Feinde entgegen. War der Nil nach der Uberschwemmung in das Flussbett zurûckgetreten, so batte er das Feld mit einer dùngenden Schlammschichte ùberzogen. Pflûgen und Dûngen war also sehr erleichtert und die Saat versprach ûppig aufzugehen ; aber in den zurùckgebliebenen Tûmpeln war eine reiche Brut von Lurchen und Larven, welche die keimende Saat bedrohten. Der Schreiber
(1) Papyros SalUer I. 5, 11 fl. und Papyros Ânastasl V. 15, 6 11. aus den Seleet Papyri of the Brilish Muséum. London, 1844 bis 1860.
STUDIEN OBER ALTÂGYPTISCHE PARASITOLOGIE
Ani làsst sich in seinem Totenpapyros (1) darstellen, wie er ini
un
Flg.i. — Das Land ohne Wassertiere und Wùrmer, nach Budge.
Jenseits mit einem Ochsengespann das Feld pflûgt (Fig. 1), ebenso Nebseni (2). Der Vorzug jener elysàischen Gefielde vor der Welt, in welcher wir leben, wird damit bezeichnet, dass weder Wassertier noch Wurm im Ackergetilde ist, hiéroglyphisch ausgedruckt :
Dièse Zeit des Pflûgens ist aber in der That die geCàhrlichste Jahreszeit fiir Parasiteninfectionen. Wir werden darauf zurûckkommen mûssen, dass die Stechmûcken dieser Zeit mit den Krankheitskeimen, welche sie ûbertragen, einen breiten Raum in den zehn Plagen Aegyptens in der Genesis einnehmen. Sogar ûber die engeren Grenzen des Landes liinaus waren aiso dièse parasitelogischen Gefahren bekannt. Wie einschneidend dieselben aber fur die Gultur des ganzen Landes waren bat erst vor Kurzem Kreistierarzt Zippelius (3) erwiesen.
Der schlimmste Feind des Pferdes war zu jeder Zeit in Aegypten die Tsetsefliege, deren Infektion aile nicht immune Tiergattungen rettungslos erlagen und die noch heute in den weniger cultivierten afrikanischen Flussniederungen jede Viehzucht au! das Aeusserste erschwert. Die Verheerungen durch die Tsetselliege sind gewiss auch der aileinige Grund, warum die Aegypter des alten Reicbes ihren Haustierstapel in so befremdlicher Weise zusammensetzten. Sie konnten eben nur solche Tiere zàhmen und in grôsserer Menge haiten, welche gegen die Infektion durch die Tsetsefliege immun waren und deshalb finden wir, die Haustierheerden des Pharao-
(1) Papyrosof Ani Brltish Muséum, N» 10470, Abscbnitt 35.
(2) Papyros of Nebseoi. firiUsh Muséum, n« d900, Abschoitt 17. Die beiden letzteren verdfleDtlicbt von Budge in The Book of t/u Dead, London. 1896.
(3) Das Pferd im Pbaraonenlande. Zeitêchrift fur Pferdektinde tmd Pferdesucht, Warzburg, XVll, 1900, N» 17-iO.
484 F. VON OEFELE
nenlandes ans den Abkômmlingen des Somaliesels und des nubischen Esels, der Ziege, dem Bûfîel, spâter den Buffel-Zebu-Bastarden» sowie aus den einheimisclien Gazellen-und Antilopenarten zusammengesetzt , Elemenle , welche erst sehr spat , nachdeni der Flusslauf rorrigierl tind die Thalsohle cuUivierl war, allmalilirh aus dem Viehbestande wieder verschwanden.
Die Thatigkeil der Tselselliege erkennen wir im Laufe der Zeileii iibrigens nocli gang deiitlirli an dem aegyptischen Rinderlypus. Keine Monographie kônnte ihr Aullreten besser vor Aiigen fuhren, als die Hinderbilder vom srhwarzen immunen Apis der vorgeschichtlichen Période bis zii den Zebiirindern des neuen Reiches, welrhe îmmer heiler werden und nur mehr von Zeit zu Zeit durcli einige nussgrosse schwarze oder russige Slellen die ehemablige Beimischung des Bùilelblutes verraten. Je mehr ebeu die Gefaiir der Tsetselliege allmalicii zuriirktrat, desto mehr konnte man sich geslatten, das BiilTelblut zu eliminieren und an dessen Stelle die viei leistungsfàhigeren Zebus in Kultur zu nehmen.
Sobald ein Volk einmal vom Nomadentuuî zum Arkerbau Cibergelit und den Slier rfls IMlugtier nicht mehr entbehren kann, werden dem Rinde gôttiirhe Ehren gespendet. Die olïiriellen (iir Jahr tausende lang festgehaltenen Abzeiclien des Apis deuten wohl die Farbe an, welche das aegyptische Kind zur Zeit des llberganges der Nillande zum Ackerbau durchschuittlirh zeigte. Sie beweisen deshalb wohl auch, dass schou zu Osiris Zeiten, als man zum Ackerbau iibergieng, nicht niehr dei* reine BulTel gezogen wurde, sondern, dass man schon damais etwas Zebublut beimischte.
Weiter zeigt Zippelius, dass auch im neuen Reich von Aegypten (1600-1100) die Pferdezucht nie volkstiïmlich wurde und nie volkstiimlich werden konnte. Wenn auch in Aegypten zur Zeit s^iner grôssten Stàrke 300,000 bis 400,000 Pferde gestanden haben, so war dièse Zucht immer ein Régal des Kônigs und in den Zeiten des politischen Verfalles Sache der uuabhàngigen Gaufûrsten. Ausserdem handelte es sich stets uni Stallzucht und Stallfiitterung und dies ergiebt einige Charakteristika, welche aile heimischen von den Aegyptern abgebildeten Pferde besitzen, wàhrend asiatische Pferde der Feinde in Gestalten gebildet werden, welche die Aufzucht auf der Weide zeigen. Auch zu dieser Pferdezucht zwangen Stechniucken und die von ihnen ûbertragenen Blutparasiten. Wie
STUDIEN ÛBER ALTÂGYPTISCHE PARASITOLOOIE 485
einsclineidend die Parasiten auf die Gestaltung des Wirtscbaftsleben in AUaegypten wirkten, hat hier Zippelius an einem einzelnen Beispiele gezeigt.
Dass der aegyptische Landwirth somit gar nicht auf falschem Wege war, aile seine Feinde in das Tierreich zu verweisen, liegt vor Augen. Sehen wir aber nach anderen Gebieten, so liegt es àhnlicb. Eisen war fur den Aegypter noch grôsstenteils unbekannt ; Kupfer und Bronze war zu kostspielig; Stein liess sich nicht immer in die gewi'inschten Formen bringen. Obwohl Aegypten nur wenig Baume besass und das meiste Holz importiert werden musste, so war der Aegypter doch gezwungen die meisten seiner Handwerkszeuge aus Holz zu verfertigen, Pflug und Hacke zur Feldbearbeitung und anderes waren aus Holz. Aber auch hier kam wieder der « Wurm » (Larve) als zerstôrender Feind. So wird auch das Holz krank vom Wurme, und der Aegypter verglich den Soldalen, welcher durch Kriegsstrapazen invalide wurde, dem Holze, das der Wurm zerfressen hat (i).
Die Farasitologiegreift hier ohne scharfe Grenzen in Gesundheit und Leben des einzelnen Menschen, des einzelnen Haustier, aber auch in die Gestaltung der Nationalœkonomie ein und zwar fur das Bewusstsein des alten Aegypter leicht erkennbar.
Mit einer Freundschaft fur Tiere und einer Frômmigkeit, wie wir beide Eigenschaf ten heute noch beim Hindu bewundern, betrachtet trotzdem der Aegypter die Schopfung des Ungeziefer als ein Werk der AUgiite Gottes. Ein iienotheistisch gefârbter Amonshymnus singt (2). Gott ijiebt denAtem dem Tiere im Ei und erhàlt den Sohn des W'urmes (wohl = Imago der Insekten); er schafft, loooan die Miicke lebty und die Wurmer und Flôh^, soviel ihrer sind. Er schafft, was die Marne brauctien in ihren Lôchern. und erhàlt die Vôgel aufallen Hàumen. Und damit dies ja nicht als vereinzeite Ansicht eines Sonderlings erscheinenkann,ist uns fast dergleicheTextnoclimals erhalten(3): Gott giebt den Atem dem, der noch im Ei ist, an Menschen und Viigel;
(f) Papyros Anastasi III. 5, 5fl und Papyros Anastasi IV. 9, 4fT. in den Select Papy ri of the Brittsh Mmeum.
(2) Papyros von Hulaq No XV II. 6,3.
(3) Ausfuhrliches VerzeichnU der aegyptischen ÀUertiimer und Gipsabgusse der koniglichen Museen zu Berlin, Berlin. 1899. Cf. N' 6910.
486 F. VON OEFELE
er machty Wds die Màuse brauchm in ihren Làchem und die Wiirmer und die Flôhe desgleichen.
In diesen beiden Sâtzen sind schon eîn paar so liebevoUe, aber auch wissenschaftlich so richtige Beobaçhtungen gemacht, dass dieselben weit ûber das naturwisseoschaftliche Wîssen des Alltagsgriechen ùber ein Jahrtausend spàter hinweg ragen. Und um hier die Einblicke in die entwickelungsgeschichtlichen Kentnisse des alten Aegypters von deninsekten zu vervoUstândigen sei nochmals auf Gebrauche verwiesen, welche als Abwehr der Parasiten zu gelten haben. Ein Satz, welchen ich noch hervorheben werde, wird uns einen vi^eiteren Einbiick gewàhren.
SCHUTZ DER LeICHEN VOR PaRASITEN.
Die alten Religionen vom chinesischen Osten biszum Abendlande bauen sich auf auf Ahnendienst, Geslirndiensl und Verehrung der Naturkrafte. Wenn die meisten Gebrauche auch dem Ahnendienste gelten, so sind die erhaltenen Religionen doch meist Mischungen. Mag aber der Ahnendienst einen grossen oder kleinen Raum in der Religion einnehmen, so muss doch jeder verstorbene Familienangehôrige als zu den Ahnen versammelt anerkanntund darum fur seine Leiche gesorgt werden. Im Nilthate war dies einfach. Sobald man die Leiche aus dem Gebiete der Flussniederung entfernte, batte dieselbe von den Athmosphârilien nichts mehr zu leiden. Nur wieder das Tierreich war hier gefàhriich in Gestalt von Raubtieren, welche die ganze Leiche fressen konnten oder in Gestalt von Insectenlarven, welche dieselbe langsam zerstôrten. Zum Schutze dagegen wurde der tote Aegypter mumificierl.
Gar mancher Text giebt uns einen Einbiick, dass die vornehmlichste Sorge des lebenden Aegypter sich um seine demnàchstige Hestattung drehte. Das ganze Land sland unter dem Banne der Abgesrhiedenen. Und dass die Angst vor Insectenlarven ini Vordergrund stand, spricht Zehapemou, ein Rechnungsbeamter des Kimigs auf seinem Sargdeckel in der saïtisclipersischen Période aus(i). Es Uiegt dorl die Seele des Tolen aus und sieht die Sonne. Darunter steht ein Gebet des Toten, in dem er seinen Voter, den Gott, bittet, seinen Leib vor dem Verwesen zu bewahren, wie den
(1) Ànafnhrliches Verzeiehma der aegyptischeti Àlteriiimer, N» 49, p. 270.
STUDIEN CbBR ALTÂGYPTISCHE PAHASITOLOGIE 4B7
der Gôtter und Gôttinnen, damit dax Fleisch nicht schlechtes Wdsser
werde stinke und sich in viek Wurmer venoandele und ihn zu
schûtzen vor allen Fischen, vor allen Schlangen und vor allen Wurmem, Posiliv wird dies ein Jahrtausend vorher în eîner Begleit- 8chrift(l) zu einer Mumie ausgedriickt : Nicht werden die Maden zu ihren Fliegen in dir. Es soll damit gesagt sein, dass die Mumie so gut einbalsamiert ist, dass Dipteren (undwohl auch Coleopteren) nicht die Entwickelung wie im faulen Fleisclie durchmacben kœnnen.
Entwickelungsgesghichte der Parasiten im Geiste des
ALTEN AeGYPTEN.
Der Aegypier verschîedener Zeiten im Laufe der raehrtausendjahrlgen Geschichte und der Aegypter verschieden^r Bildungsgrade hatte sicherlich eine verschiedene Vorstellung von der Entstehung und Entwickelung der Parasiten. Bei der immerhin noch geringen Zabi von Litteraturdenkmàlern aus Altâgypten mûssen wir fur zoologische Fragen zu einem Mosaik viele Sàtze aus Gebeten, Grabsteinen etc. verwenden, welche nur die Zoologie im Geiste des Mannes aus dem Volke wiederspiegeln und nîcbt die Ansicbt des Gelehrten von Beruf. Im allgemeinen werden wir also den Eindruck eines tieferen Niveau gewinnen mûssen, als berecbtigt ist.
Die bisherigen Belege und nochmehr die weiteren Ausfùhrungen ergeben, dass dem Aegypter der Kreislauf in der Natur, besonders im Insecten-und Amphibienleben gelàufig war, so dass aus dem Ei die Larve, aus der Larve das Geschlechtstier und aus diesem wieder das Ei kommt.
Der Kâfer ^ ist fur die aegyptische Kultur ein Bild von gleicher Verbreitung, wie daz Kreuz im Christentume. Es stellt Ateuchus sacer, den heiligen Pillendreher dar, welcher wie seine ûbrigen Genusgenossen die Eier je in einer aus Mist gedrehten Kugel ablegt und dièse unter die Erde vergràbt. Das einfache Bild dièses Kafers ist Hiéroglyphe fur « Entstehen », a Werden ». Wo dieser Kafer als wirkliches Bild dargestellt wird, roUt er sein
(1) Papyros von Giseb No 18026, Spalte 4, Zeile 14, ver6ffentlicht in Licblein, (/u€ mon nom fleurisse, p. 15 und XXII.
488 F. VON OEFELE
Ei in der Mîstkugel und gilt als religiôses Symbol der sich aile Tage erneuernden Sonne. Es muss dem Aegypter bei der Wahl dièses Sinnbildes bekannt gewesen sein, dass der heilige Kàfer in jener Mistkugel fur seine Wiedergeburl in der Cieslalt seines Sohnes sorgte. Und dièse Kenntnis setzt die ganze Kentnis der Entwickelungsgeschichte der Coprophagen voraus.
Doch halte der Aegypter auch die Ansicht von der Generatio aequivoca teilweise geglaubt. Und sein Hang zum Mystrcismus làsst ihn manchen Zauberspuk glauben. Man konnte sowohl Crocodile (1) wie anderes Ungeziefer (2) aus Wachs und Papier (||^^) bilden und ihnen durrh Zaubersprfiche magisclie Kràfte verleihen. Ein solches Crocodil iujnnte einen Verbrecher verschlingen und ihn nach einigen Tagen wieder lebend ausspeien. Das Ungeziefer brachte man heimlich in das Haus seines Feindes, um dort Krankheit und Leiden zu verbreiten. Es konnten also Ungeziefer und parasitische Krankheitserreger angezaubert werden. Und wie das Gericht jeden Unterthanen gegen unberecbtigte Schâdigungen zu schûtzen hat, so befassten sich folgerichtig auch in Aegypten hohe Gerichtshôfe mit der Bestrafung solcher angeblicherVerbrechen.Wàhrend also so die Fortpllanzung des Aleuchus sacer schon in der Pyramidenzeit bekannt war, wurde vielleicht zweitausend Jahre spater dièse zauberhafte Entstehung von Ungeziefer geglaubt.
Bei diesem Gemische mit aberglaubischen Verirrungen niûssen wir fragen, bis zu welcher Hohe naturwissenschaftlicher Erkenntnis die Trâger der Hieroglyphencultur gelangt waren. Die nàchstliegende Antwort wâre, dass wir von der Hohe der Naturvvissenschaften bei den Griechen und Rômern der klassischen Zeit ein ungefâhres Bild besitzen und dass die weit altère Hieroglyphencultur den Stand der Kenntnisse von Griechen und Rômern hôchstens erreicht, aber nicht ûbertrolîen haben kann.
Abgesehen von der Hieroglyphencultur widerlegt die Keilschriflcultur diesen Schluss und zwar erweislich in den Worten eines Griechen selbst. Herodot (3) giebt einen Bericht ûber die Befrueh-
(1) Papyros Westcar.
(S) Papyros Lee, i, 4. und Papyros RoUin 1. Devéria, Le papyrus de Turin et les Papyrus Lee et Rollin. Journal astatiq^ue^ Paris. 1868. (3) Herodot, I, 193.
STUDIEN ÛBER ALTÂGYPTISCHE PARASITOLOGIE 489
lung weiblicher Dattelpalmen durch Vermittelung von Insecten, welcher klar erkennen làsst, dass der erklârende Babylonier sicherlich eine richtige Vorstellung von der dioecischen Natur der Dattelpalme batte, aber dass dies Herodot so wenig, wie seine ûbrigen I^ndsleute begrifl. Der Griecbe kann hier Larven und fertige Insecten nicht auseinander halten.
Auch der alte Aegypter bat bôhere naturwissenscbaftliche Kentnisse als der spàtere Griecbe besessen, der leider immer noch der idealeMusterknabe aller modernen Paedagogen bleibt. Dem Aegypter kam bier die Natur seines Landes zu Gute. Tiere, welcbe in verschiedenen Entwickelungsstadien unter verschiedenen Erniibrungsbedingungen leben, zeigen besonders grosse Aenderungen in ibrer Entwickelung. Aber aucb umgekehrt miissen" in einem Lande mit grossen Jabresschwankungen solcbe Tiere mit starken Entwickelungsveranderungen bevorzugte Lebensbedingungen finden. In Aegypten nun kann sicb in der einen Jahreszeit ein Sumpf oder See zeigen auf einer Stelle, wo in einem anderen Monate nach allen Ubergangen eine Wùste liegt. Der Aegypter in seineqi verànderlichen Lande mit verànderlicben Formen der Fauna wurde darum aucb mehr auf die Entwickelungsgeschicbte in der Zoologie aufmerksam gemacbt, als der Bewohner Europas bis vor wenigen Menschenallern durch den allgemeinen Fortscbritt der Naturwissenschaften.
Speciell die naturwissenscbaftlicben Kentnisse in der^oologischen Parasitoiogie hàngen, da die meisten Parasiten gleichfalls ein Larvenstadium durcbmachen, auf das innigste mit der Erkenntnis der bàufigen (jestaltsanderung in verschiedenen Entwickeiungsaltern verschiedener Tiere zusammen. Aucb fiir ralionelle Thérapie kann obne die Erkenntnis, dass Ei, Larve, Huhezustand und Geschlecbtstier nur verschiedene Alterstufen des gleichen Wesen sind, aucb nicht der allererste Einblick in die Ubertragung, etc., der lieriscben Parasiten gethau werden. Tnd gerade hier liegt der Ausgang vicier Fehler des klassischen Altertums.
Der Aegypter kannte aber, wie die Hieroglyphenzeichen ^^ 5^ "^Sb. ^ und Jl beweisen, seit âltester Zeit die Entwickelung des Frosches. Das charakteristiscbe Tier in der Entwickelung des Frosches ist jenes Wesen, da^ balb Kaulquappe, halb Frosch ist und Scbw^anz mit den beiden Hinterbeinen, aber keine Vorder-
490 F. VON OEFELE
fusse besitzt. Dièses Entwickelungsstadium haben die Aegypter nicht nur beobachtet, sondern, wie obige Hiéroglyphe zeigt, scharf in der Zéichnung erfasst und aïs allgemein bekanntes Bild unter ihre Schriftzeichen aufgenomineii. Die Gelegenheit zu dieser Beobachtung war ja in Aegypten grôsser aïs anderswo, da der Landmann nach dem Ende der Ueberschwemmung an die Feldbestellung zu gehen gezwungen war, wâhrend ûberall in und zwiscben den Feldern noch kleine Tûmpel mit diesen Froschlarven standen.
Beachtung der niederen Tierwelt in Alt^gtpten.
Zwei cîtierte Stellen liessen auch das Ungeziefer im Geiste der Aegypter als Schôpfung der Gottheit erscheinen. Der Abscheu auch vor unschàdlichen niederen Tieren, welcher zum àngeblichen guten Ton unseres modernen Salon gehôrt, war dem alten Aegypter fremd. Und wie ira Hymnus an die Gottheit die Flôhe Erwàhnung finden durften, so darf auch selbst im gekûnstelten Liebeslied des altaegyptischen Salon der « Wurm » erwahnt (1) werden und doch sind die Liebeslieder, welche uns vor Kurzem W. Max Mùlter in Pbiladelphia in moderne Sprache ûbersetzt bat, voll wahrer Poésie.
Der Vogelsteller benûtzt dort den Wurm als Lockspeise und das verliebte Màdchen, welches auf die Vogeljagd geht, làsst sich keinen Abscheu vor diesen Wùrmern anmerken, sondern benùt^l eben gerade ihre Erwàhnung zur poetischen Detailmalerei der Vogeljagd.
Die Beachtung der niederen Tierwelt erbte der christiiche Nachkomme des alten Aegypters, welcher Kopte genannt wird. In der Bibliotheca Borgiana wird ein oberaegyptischer d, h. sahidischer Codex als Nummer 189 aufbewahrt. Am Rande sind Vôgel Fische und Insecten abgebildet. Zoêga giebt zwei Proben davon mit Beischriften (Fig. 2 und 3).
Zu diesem Bilde (Fig. 2), das unzweifelhaft Fi^. 2. — Koptiache eine Larve irgend eines Insectes darstellen /eichnunK oinnr
,, . . , Ti,, . j Larve nach Zoéga.
soU, ist (1er Name icd = aMnus angegeben und ^
(1) Papyros Harris 500, in Mispero, Etudes égyptiennes, I, Paris, 1886,12, 2 fl und 12,7 fl.
STUDIEN ÛBER ALTÂGYPTISCHE PARASITOLOGIE 491
weîter mitgeteilt, dass es eine Species (cmot) von bnx = vermis ist.
Fig. 3. — Koptiscbe ZeichDUQg eines Hymonopteren oach Zoéga.
Dièses Bild eines Hymenopters (fig. 3) ist mit cxuuet^^ oleariua benannt aus dem Genus der Vôgel welche springen (sxxht 6mbiu<?6). Wenn es nach unseren Begriffen auch eine kindlîche Systematik ist, so ist es doch immerhin schon eine zoologisctie Systematik Raubwespen und Heuschrecken in eine (Jruppe der u springenden Fliegtiere » zu vereinen ; jedenfalls ist aber auch dies ein Beieg fur die zoologische Beobachtungsgabe der Aegypter, welcher auch bei Beurteîlung ihrer parasitologischen Kenntnisse beachtet werden muss.
Die Parasiten der EpmEMiEN.
Mikroskopifiche Parasiten oder Parasiten scharf an der Sehgrenze konnten natûrlich vom alten Aegypter nicht richtig klassificiert werden. An alten Gemmen sind allerdings Arbeiten mit einer Feinheit ausgefiihrt, welche sei es ein direktes sei es ein indirektes, also bewafinetes Sehvermôgen des menschlichen Auges voraussetzen, wie es stârker zur Erkennung der einzelnen Sarcoptesindividuen auch nicht notwendig ist. Auch ist ja die Erzâhlung von den Brennspiegein des Archimedes bekannt. Und was Archimedes wussie, konnten auch die alten Aegypter gekannt haben. Die objective Môglichkeit wàre darnach zur Entdeckung der Milben gegeben geweson; alier es felilte subjectiv die Richtung so kleine l^ebewesen naturwissenschaftlich fur moglich zu halten oder gar svstematisch zu suchen.
So weit das Tebergreifen auf niehrere Individuen durch die Umstande auf endemische oder epidemische Parasiten batte aufmerksam machen kônnen, zog man die Erklàrung durcli gôttliches Walten vor. Am nâchsten lagen iiier als Feinde die Gôtter feindli-
492 F. VON OEFELE
cher Lànder. Denn die Gôtter des Altertum sind nationalisiert. Es sei ausseraegyptisch nur an das Symbolum des JudengoUes erinnerl, das zu den Philistern versohieppt wird und dort schwere Epidemien verursarht. DieserGedankengangistesaurh, wenn der Raal oder die Haalim der Vôlker Palaeslinas alssolclie feindiiche Epidemiegôlter aufgefasst werden. Wieder gegen Vôlker Palaeslina's kehrt sicli dieser Baal der Epidemien, wenn Ramses II im sogenannten Epos des Penlaur ûber die Schlacht bei Qadesch die Feinde schaarenweise hinmelzelt und sich nicht miteineraegyplischen Nationalgottheit sondern mit Baal gleich einer Epidémie vergleicht (1). Es war aber nicht immer angângig solche fremde Gôtternamen zu citieren. Es wurde darum der aegyptische Gott, welrher schon in der grauen Vorzeit den guten Gotl Osiris getôtet hatte, der Bringer der Epidemien. Im Papyros Ebers wird Set (Typhon) in dieser Weise in einem medicinischen Specialwerke angefùhrt und zwar um so leichter, als mit seinem Namen auch der Baal und die Baalim Palaestinas in officielien Schriftstûcken iibersetzt wurden. Da aber in Aegypten der Gott und das specifische Tier stets wechseit, so wird die schlimmste Epidémie nach dem Esel des Set als Eselskrankheit benannt. Die Griechen haben hier beides môglichst gelreu zu ubersetzen versucht, indem sie den Gott Typhon und die zugehôrige Krankheit Typhos naniKen.
Abwege sind dies schon und wir werden noch schlimmere auf den folgenden Seiten lînden. Esistdies aber die aite Erfahrung in der (îeschichte der Naturwissenschafteu und der Medicin, dass, soweil nur Beobachtung und Empirie in Frage kommt, jede Cultur und sogar der Naturzustand wertvolle Entdeckungen gemacht hat und, sobald der Culturmensch scheinbar selbst auf einer ailes belierrschenden Hôhe des Wissens in Speculalionen geriet und wo môglich damit noch theosophische Problème verschmolz, derselbe unfehlbar Irrwege einschlug.
Aberglâubische Gefahren von Seite der Tiere.
Dièse angeblichen gôttlichen Epidemien sind der Versuch eînes Ausdruckes fur unerklârte medicinische Beobachtungen. Rationalistische Zeilen versuchen dies mit Constellationen der Sterne
(1) Papyros SaUfer IIÏ, In Select Papyri of the Britifih Muséum.
STUDIEN ÛBER ÀLTÂ6YPTISGHE PARASITOLOGIE 493
Oder mit Feuchtigkeit oder Wàrrae der Jahreszeiten oder mit herrschendea Winden und àhnlichem zu erklàren und die Epidemien-Gôtter sind ja vielfach nur der Ausdruck fur solche àussere Tbeorerae. So ist Set (Typhon) die versengende Glutsoniie des Sommer. Aberglaubisch koennea wir dies noch nichl nenoen.
Aber eine uns unbekannte Gefahr fiir Gesundheit und Leben bereitete deni allen Aegypter das Tierreicb in mystiscber Bezie liung. Denu es kann sieb nur um Gesundheitsschàdigung des Feindes bandeln, wenn sich mitten im medicinischen Papyros von London(l) das Hecept findel : Schreihen (wôrllicli : macben) den Namen eines Feindes^ den Aamen seittes Vaters, den ^amen seines Gî'cssvaters timl den y(fmen seiner Mutter. (ieben m das ftmere eines Stuckes Fleisches, Gebtii der Kalzc.
Oben zeigte ich, dass man auch scbàdlicbe Tiere aus Wachs formen konnte und diesen duirh Zauberspriicbe die Kigenscbaften von lebenden Tieren und selbsl noch mehr verleihen kounte. Eine Mischung aus Wachs und Papier, wie Erman die Slelle libersetzl, ist aber viel schwerer zu formen aïs Wachs allein. Ich môchte das zweite Wort j^j V,*7| ^o fassen, dass es sich um bezauberle Tierligureu handelt, deren einer Teil piastisch in Wachs geformt war und deren anderer Teil nur mit Tinte auf Papier gezeichnet war.
In der hieroglylis(*hen Schrift komnien viele Tiere und darunler auch Wurmer und Schlangen vor. Auch dièse musslen nach dieser Vorstelluug im Context veizauberbar sein. Und in der Thaï suchle man sich auch davor noch besonders zu schiilzen. So wurde der Laut F mit «^ geschriebeu, was ursprunglich das Hild der Naktschnecke darslelite und unter welchera man sich spàter Hornvipern oder andere gefàhriiche Schlangen vorstellte. Andere bôse Tiere kounteu in der Schrift umgangen oder ersetzt werden. Fur *<-- war dies uicht moglich. Im Herliner Muséum (2) beiiudet sich aus dem mittleren Reich (ungefàhr 2000 v. Chr. ) der Sarg des Henui. In den Inschriften desselben, welche nur religiôse
(1) Medlcinischer Papyros des Britishen Muséum. Spalte IV Vcrsum ZeUe 6 u 7. Ich verdanke die Abschrift der FreundUchkeit von W. Max MûHer in PhUadelpblawelcber diesen Papyros in Bâide berauszugeben gedenkt.
(2) Àus/iihrliches Verzeichnis der aegyptischen AUertiimer und Gipaabgiisse der k. Museen zu Berlin, 1899, N<» 13772, p. 101.
4^ F. VON OEFELE
Fonueln eathalten, ist dièses >w-^ stets durchschnitten dargestBllt, um dies bôse Tier gleichsam sciion im voraus zu tôten, bevor eiu bdswilliger Mund durch Zauberformein dasselbe zur Schàdigung anderer Menschen missbrauchen konnte. Zu beachten ist hiebei das hohe Aller dièses Beleges.
Dass allerdings schoa im hôchsten Aller der Hieroglyphencultur das Tier <k«w aïs Trager von Krankheit und Unheilgalt, zeigt das wreitere Schriftzeichen ^^ v^elches als Durchbohrung dièses Schàdlings, der hieroglypbische Ausdruck fur chasf wurde, das im Papyros Ebers hâufig die « Abwehr » von Krankheiten bedeutet, aber auch ebenso von einer Mauer (1) gesagt wird, wrelche die Beduinen abwehrt, Der Grundbegriff der Abwehr richtet sich, wie dies Scbriftzeichen beweist in der Urzeit weniger gegen Feinde als gegen Ungeziefer.
Allukmeinës zur antipathischen Thérapie.
Aus griecbischer Zeit besitzen die Berliner Sammlungen (2) den Grabstein einer Schlange aus Aegypten^ mit der griechischeo Inschrift : Fremdlingy bleibe am Kreuzweg stehen, gegenulfer dem gewaltigen Steine und du wirst ihn wit Sch ift zerborsten finvien. Laut jarnmemd beklage mich, die geheiligte, langlebende Sehlange, die durch sckàndliche Uande zu den Unteren voranging. Was hast du datxyn, scUimmster der Meiischen, dass du mich dièses Lebens beraubt hast ? denn dir und deiuen Kiîidem zugleich icird meine Brut das Verhangnis sein; hast du doch in mir ein Wesen getotet, das nicht allein aufErd&n ist. Sondem so zahlreich wie der Sand am Meeresstrande, ist auch das Geschlecht Her Tiere auf Erden und traun nicht als ersten, sondem ats letzten werden sic dich in den llades senden, wenn du mit eigenen Attgen deiner Kinder Tod wirst gesehen haben.
Hier werden die Schlangen und andere Tiere als dem Menschen gleichberechtigte Wesen aus der gleichen Schôpfung der Gôtter anerkannt und die Blutrache, welche zwhchen den einzelnen Araberstâmmen zu Becht besteht, wird hier vor 2000 Jahren als Becht zwischen Mensch und Tier proclamiert. Unter solchen Verhâltnissen war natûrlich das Tôten von Ungeziefer eine gefàhrlicbe
(1) Geschichte des Sinuhe, ZeUe 17.
(2) Ausfukrlickes Verzeichnis der àgyptiscken AUeriiimer. . ., No 7974, p. 339.
STUDIEN ÛBER ALTÀGYPTISCHC PARASITOLOGIE 495
Sache. Wenn auch ein Mann mit wohlgezieltem Hiebe eine Schlange unschàdlich zu machen wusste, so wusste er doch nicbt, ob nicht zur Rache dafûr einnial ein Sohn dieser Scblange aus sicherem Verstecke dem Sohne des Uarders einen tôtlichen Biss beizubringen vermochte. Wie der Araber im Kampfe mit tûrkischen Soldaten und umgekehrt aus Ângstlichkeit wegen der strengen Gesetze der Blutrache heutigen Tags in die Luft schiesst, so musste der Anhânger von Lehren, wie sie obige Aufschrif t birgt, die Parasiten nur verscheuchen, ohne sie zu tôten.
Wie dies im einzelnen Falle der Aegypter fertig zu bringen suchte, werden wir bei den einzelnen Parasiten sehen. Der Papyros Ebers(l) zeigt, dass dièse Fragen in das Fach des Arztesgehôrten. Es mussten dafûr vor allem die Antipathien der einzelnen Tiere studiert werden. Vôgel, welche sich von Fliegen nàhrten, waren die natûrlichen Feinde der Fliegen und Katzen die natûrlichen Feinde der Mâuse. Fett von diesen Tieren vertrieb also Fliegen resp. Màuse. Auch zwischen Fisch und Wurm sowie Gazellen und Ratten wurde dièse Antipathie geglaubt und praktisch ausgenûtzt.
Aberglaube in der Bekâmpfung der schâdlichen Tiere.
Wenn aber der Mensch nichts mehr wusste, so mussten die Gôtter und die Magie hellen. Horus batte als Kind gefàhrliche Scorpionstiche erlitten und war doch wieder genesen. Horus war also jener Gott, welcher besonders in der Spâtzeit helfen musste. So besitzt das Berliner Muséum (2) ein Amuletttafelchen mit deni Bilde des Horus, der die wilden Tiere bezwingt, aus dem mittleren Oder neuen Reiche. In der saitisch-persischen Zeit stellte man zum Schutze gegen Schlangen und andere Tiere in den Hâuseru Tafeln oder Figuren auf, die einen kindlichen Gott als Besieger schàdlicher Tiere zeigten. Auf einer grôsseren Tafel zum Aufstellen (3) steht Horus als Kind auf Krokodilen und hait einen Lôwen, eine Gazelle, zwei Skorpione und vier Schlangen (Fig. 4). Eine kleine Tafel als Amulett (4) zeigt Isis mit dem Horuskinde, in
(1) Das EinschlAgige ist in den Spalten 97 und 96 entbalten.
(2) ÀutfUhrliches Verzeichnis der àgyptUchen AUertûmer, . ., N* 11855, p. 206.
(3) Loco eitato, N* 4434, p. 309.
(4) Loco citato, N» 7369, p. 309.
496 F. VOK OEFELE
àen SiiiiipleD, wo es der Skorpion stacli. Auf einem anderen (1) stelit Horus in langera Kteid auf Krokodileo und hâlt eine Scliutztalel vor sirh. Horus [2} auf Krokodilen mil Schlangea, Skorpioiie, (iaxelle und Liiwen in den Hiinden wiederholt sich.
Kunif; Nechlharhel», wclelier dSi bis 364 regierle, balte sich eine grosse Schulzlalel inaoben lassen, welcbe un ter de m Na nien « MellerDicbslelti »
bekanul isl (3j. V'orn beliiidet sicb der IloruKknaJie und viele kleiiie Uilder scbûUeadcr (îeisler, ebenstt olien ;iuf der Kiirkseile.
Sie eutliiilt ausserdeni binge Zauberfonneln, web^lie liesonders auf ilieSrbirkîialedes kleineti Itorus liiiideulen, der vim bôsen Tiereii, vijii KfiiiT und and*-n>in l'nglûi'k bedrohl war, aller (lefabr aber daiik dfiii itaulier der Isjs eulging.
KiiH' aiideie kleiiiere Si-liiitztafel (4| li-agi binicii dit- Zauberfiiiluclii : Wrhre mir ab aile. IMwen in Jer Wùsle.
HisKind.aUSchuUlafotKeBpn „//p Krokodilc auf dem Strome, allé fVunner, tDcIrlic mil ibrcm Mutide hdssfii und mit ilirem Sckwame stechen, u. s. w.
)1| Laco ci'al», N' 7S09. p. 309 (Si loco cttaia, K- TKJî, p. 309.
(3| IMO} etial», G. 31B, p. 482.
(4) Loco eitato, G, 219, p. 482.
STUDIEN DBER ALTÂUYPTISCHE PARASrTOLOOll£ 497
Im mitUerea Reiclie (l)scheiDt das Bedurinis oach ^cliutzgottem noch Daernooen anderer ArtgegenleindlieheTiere verwendet zu haben. Eia Elfenbeinstab [i) mit solchen Uarstetluiigen tragl die Aulschrift : Es ipreehen die vielen {aâmïich auf dem Stabe dargesteUten) AmuietU : mr gewàhren Schutz der Frau Seitaaeb.
Wohl ein homceopatbisches Amulette ist im mittleren Keiche die Darstelluog eiaer Krôte (3) oder im Deuen Reiche Schlangenkôpfe aus Carneol (4).
Schwerer erlilàrlicb isl das AuftreteD rhachitiscber Kindergestalten iii der saîlisch-persischeii Période als SchutzaiDulette. IJoch gelten auch im spàteren Volksglauben bis auf deD lieutigen Tag kôrperlicli uod geistig ~ degenerierle Kiuder als K^sicliert gegeaSchâdigungen duich Raub- und Gifttiere. Dièse Geslalt hâlt Schiangen (Fig. 5)uad wird vun Isis-Hathor geschiitzt (5) oder stelit auf Krokudilen und hâlt Scblaugen (6).
VVenn sich der Aegypter allzii lest auf diesen Schutz verlie^s, so war er naturlich betrugen. Doch das kaon ein glàubiges Volk nicht irre luachen.
Der betrogene (ïlaubige hatle sich dann liôchstens iii der Persoii des Schutzgottesvergritlen. Cnd dem war nur vor7.ubeugen. weun maii verschiedene Amulette gleichzeitig darstellte, wie wir dies schon obeu gesehen hatten. Oder man wandte sich au verschiedene Gôtter durcli Gebet uad Darstelluag gleichzeitig (7) : H^eiwfaf euch, le/ft eucft aufeurea Itiieken, eerschliesit
(I) Loeo dtato, p. 107.
(5) Loco citalo. N- Itan, p. 107.
0} toco citalo, N* 9611, p. 107.
(4) loco citato. No »33, p. 190.
IB) Loeo eitalii, N" 5668, p. 306.
(6) £oeu eitaio. S- 11018. p. 306.
|7| Looo eitato, N* i43t, p. 30».
Arehieet tU Prtraiitnlogte, IV, o* i, 1901. 33
196 f. VUN OEFELfc:
euren Muitd! <ioU He selbsc terstopft eure hehle, Ubllin Sechmtt ierltackt evch, Goll Tholh bleiulei eure Augr». Dies war angefertigt lûr PentM.... (unleserlichj, deu Sohu des Haperdis, Von der persichsaïlischeii Période an war die Zpît aucli guiislig aus niehrereii Oôttern eiiie Mischgestalt 7.11 bildeii (h'ig, 6). Mail hotlle dureli die ZiisatiimeiiseUuug der verseliiedeiieti (lôlter iliie versehiede nen Sclmlzkrâfte zii vereiuigeii. Es i^\ hôclist wahfiirUetDlirh, d»s!;in jenen sj)âtâKy[itischen Zeilen solclic Kigureii in den Hâiisernaiifgesleiltwurden iim Schlangen und aiidere schâdlit-lie Tiere 7.U verlreibeu. Eine solclie Miscligeslalt (Ij ist vorn der Kàfer de> Gottes Cliepre, liinleii der Geier der tiûttin Mut. Ats Kop[ ersclieiiil vorn der Sclialialskopf des (tottes Anubis mil den Federn des GoUes Min, daruber der Ibis- Kopf des Aer2tegottei< Thotti, liinlen der Widderkopf des Gotles Cbniiin mit der Kroiie des Gottes Osiris. An den BeiaeD i$( dies Weseo katzenkôptig , wie die Gôttin Bast und mit den Handen wiirgt es Schlangen.
EiD anderes Wesen (2) tràgt den SchakalsKopf des Gottes Anubis und die verkriippelteD Beine des Gottes Bes, hinten Geier-
(II Loco eitaio, N" Ï5*7, p. Ï39.
il) loeu eitaio, ^' MtM und 79TI, p. S»i.
STUDIEN ÛBER ALTAGYPtlSCHE PARASItOLOGlE 499
leib und Widderkopf und ist als Bezwinger von Schlangen und Krokodilen dargesteltt.
Auch wurde Gott Bes (1) geflùgelt wie Isis dargestelll, liiuteii als Sperber des Horus mit den Widderkôpfeu des Gottes Chnum. Er steht auf Krokodilen und Lôvven, nach denen er mit zwei Speeren sticht.
Als besoodere Forra dér Amulette uiiissen die Siegelsteine erwàhnt werden. Der Orient beniUzte seit àltester Zeit das Siegel als Identificationsmittel des Individuum. Dasseibe wird nach persônlichem Geschmacke ausgevvàhlt und in Forni von (^yiindern, Scarabaeen oder âhnlichem in Hingen gefassl getragen. Ks lag auch hier nahe eine Auswahl von Figuren zu tretïen, welche Aniuleltschutz gewàhrten. Auch auf vorderasiatischen Siegel^teinen tinden sich Darstellungen, von denen man nicht vveiss, ob es (iotter oder Menschen sein soUen. Dieselben halten Tiere mit beiden Armen^mpor und sollten wohi Schulz vor diesenTieren gewahren. In Aegypten gehôren dièse Oarstellungen meist dem mittleren oder dem Beginne des neuen Reiches an(ungefàhr 2000-1500 v. Chr.). In Berlin sind vorlianden ein Mann mit zwei Schlangen (2), mit zwei Krokodilen (3), mit einer Schlange in der Hand (4) und Gott Bes (5) mit einer Keule gegenûber einem Crocodil.
Wir sind hiemit tief in den Aberglauben der alten Aegypter hineingerathen und werden glûcklicher VVeise bei den einzelnen Parasiten und ihrer Behandlung ein erfreulicheres Bild vom Stand der damaligen Wissenschaft gewinnen. Ich will hier dièses Gebiet des Aberglauben nicht noch weiter durch Anlulirung aus denZauberpapyri der spàtesten Zeit ausmalen. Ks ist dies nacli unseren BegritTen keine Wissenschaft mehr. Dem Aegypter war sie es aber wohl und gehorte ebenfalls dem Gotte der Weisheit und der Arzneikunst, dem Thotli zu, so dass der greise Atum, welciier sich in Gott Uorus verjûngt, auf einem solchen Amulette (0) angerufen wird : Seride mit den Gott Thoth, damit er rnir das Krokodil abwehre.
(i) Loto cUalo, N» 13129 und âhnlich iN* 8677, p. 299.
(2) Loco citato, N» 13177, p. 422.
(3) Loco ciiato, N^ 5119 und N" 13929, p. 422.
(4) Loco ciiato, N«» 13919 und N' 13174, p. 422.
(5) Loco ciiato, N» 13173, p. 422.
(6) Loco eitato, N« 7652, p. 309.
BU) r. VUN UKFËLE
SPECIELLE PARASITOLOGIE
Haatparmaiten.
Eine grosse Zahl der Para^iten uud lliilbparasilen greifen vun der Haut aus an und hier .schUessen sich eine Menge von Tieren aD, welclie gelegentlich von der Haut aus und zwar manclinial rechlgefahrlich verletzeu. Dièse Feinde von der Haut aus waren den alteo Aegyplern sehr gelàulig und wurden scLuu ini aHg;emeinen praeservativ bekànipH.
Wir treSen hei den aegyptJscbeD Hriesteni eine gauze Reilie von Beinheîtsvorschriften, welche gleicbzeitig als Schutz gegen Hautparasiten aufgefasst werden kônoen. Da im Laufe der aegyptischen Geschjchte das Priestertum aber zum Nebeoberufe
STUDIEN flBEa ALTÂGYPTISCHE PAUASITOLOGIE 501
wurde und eine immer grôssere Zahl von Mànnern des Landes in sîch aufnahm, so dass scbliesslicli jeder (( bessere » Aegypter min destens ein, weun nirht mehrere Priesteràmter verwaltete, so wurden die Reinlichkeitsvorschriften auchim Laufe der aegyptischen Geschichte von einer stets wachsenden Zahl von Menschen befol^t. Freilich muss bezweifelt. werden, dass wenigstens in Zeiten des Niederganges sich aucb immer die Zweckmâssigkeit der Ausfûhrung der Reinlichkeitsvorschriften verbessert bat. Vielfach scbeint die Ausfûbrung zur âusseren Schablone geworden zu sein, welche mit dem Geiste wahrer Reinlicbkeit und der praeservativen Bekâmpfung der Parasiten wenig zu thun batte.
Wennich in Vorstebendem die Reinbeitsvorscbriften deraegyptiscben Prieslerscbaft als Abwebrmassregel gegen Hautparasiten aufgefùbrt babe, so ist es bezeicbnend, dass dièse Auflassung Herodol, ein Zeitgenosse der aegyptiscben Priester der letzten Blûtezeit derselben, leilte. Als Zeicben der Gottesfûrchtigkeit der Aegypter im allgemeinen fûhrt Herodot (1) folgendes an : « Sie tragen linnene Kleîder, immer friscb gewaschen; darauf sehen sie am allermeisten. Die Schamglieder bescbneiden sie sicb der Reinlicbkeit wegen und vvoUen lieber reinlicb sein als vvoblanstàndig. Aber die Priester bescheren sicb don ganzen Leib, immer den dritten Tag, auf dass weder eine Laus nocb irgend ein anderes Ungeziefer sicb einfinde bei ibnen, die da den Gôttern dienen(Fig.7). Auch tragen die Priester nur ein linnen Kleid und Scbube von Byblos und ein anderes Kleid diirfen sienicbtanlegen, aucb keine anderen Scbube. Sie baden sicb zvveimal des Tages in kaltem Wasser und zweimal des Nacbts. »
Dies sind meist bygieniscbe Vorscbriften, welche sich recbt wohl aucb nach beutiger Ansicht als Scbutzmassregeln gegen Infection durcb Parasiten betrachten lassen. Da aber Herodot wiederholt erzàhlt, dass er seine Berichte von den aegyptiscben Priestern selbst erfragt habe, so diirfen wir annehmen, dass auch der Zweck dieser Reinlichkeitsvorschriften von den aegyptiscben Priestern selbst so aufgefasst wurde, wie Herodot mittheilt.
Die Kehrseite bat ja Herodot (2) schon vorber mitgeteilt nàmlicb,
(1) Herodot, H, 37.
{3) Hbrodot. II, 36
dass der gemeine Mann entgegen den Gebràiichen bei anderen Volkern mit seineti Hiiiislierpn zusam tiK-iilelil. Il<i eine Aiixiilil voi) Farnsiteo der Ilausiiero aiii lien .MensoliPR liliergeiieri kHiiii. S4> ti'u^ dies sielierlicli àA7.\i l»ei, dass, vvie wir noch selieii werden, die aegypiische i'es|i. koptische Sprache mehr Bezei chnrin^en tiir Parasilenai'ten hat, als wir heute measctili che Hautparasiten talsachlich kennen.
Allgemelne Hautpflege.
Die Lieblingsstellen ftirdiegrosseren Hautparasiten sind die \'erstei.'ke in den natiirliclien Korperliaaren. l)a die Mânner der iiôlieren Stânde Haar uiid Bart sriieeren, so entfiillt sriioii datiiil viel Plat/ fur Parasiten. Kreilich fallt bel den Krauen das
Vlg. 8. — Verachiedeoe Haartrachten aehr aller Zeit. Haar lose Ûber
Sclmltern und Rii-
eken (Fig. S) uiid îni l'apjTOs Westcar bezieht sich sogar ein Schon-
RTUDIEN ÛBER ALT^GYPTISCHE PARASITOLOGIE S03
heitsattribut der HaremstnâdPheD auf die Haare. Ausserdem tratfeo die Kinder eine einxelQe Locke ao der rechten Schlâfe, so dass ffir Frauen und Kinder die Gefatir von Seite der Hautparasiten in Allaegyplen damit aurli niclil goriuger war Mb in spateren Zeiten. Atier aurli die Mi'mner trugen an Sicile des natiirlichen Haarscluniirkes gevvôhnlicli eine Periictie Hus vielen kleineo Liickchen und bei feîerliclierTrachl eine lange Perucke ( Pig. 9 ) und einen knrzen kânstliciien Bart. Wenn Krau und Kinder Ungeziefer beherbergten, su konnten dièse Periicken auch beim Manne ein zeilweiser Unterschlupf derselben sein.
Auch die Gewander waren sparsain. so dass sie Parasiten nioht ûberniâssige /ulluclit gewàhrien, aber docli immerliin geniigende.
Die Manner Irugea eînen kurzen Schuiv und die Frauen ein enges Hemd, welches die Srhullern Ireilàssl. p,^ , p,„,^, „,„„„ „,„^„
Dièse Verhal misse der Pyramidenzeit blieben auch zur Zeit der Fremdheri-schatt mit der Ausnahme, dass die Frauen das Haar mit Binden durchllochten. Anderthalb Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung beginnen
504 F. VON OEFELE
die Mânner aucb den Oberkôrper zu bekleiden und die Prauen ausser einem engen Kleide auch einen weiten Mantel darûber anzulegen. Bel den vielen Falten dieser Kleidung war das Ungeziefer viel schwerer wie in der alten Tracht fern zu halten (Fig. 14). Auch die Haariracbten werden in einer Weise verwickelter, dass die Parasiten sicherlich ihre Freude daran hatten. Doch wird jetzt auch der Salbkegel ziemlich allgemein auf dem Haupthaar dargesteilt und dièse Salbungen, welche Zimmtsâure und chemisch verwandte Stoiïe aus Fflanzendrogen enthielten, waren sicherlich zum grossen Teil auch als Parasiten tôtende Mittel verwendet.
Die Priester behielten auch spàter den Oberkôrper unbekleidei und den Kopf kahl geschoren.
Ein wichtiges teils praeservatives teils direkt bekâmpfendes Instrument von Haarparasiteu d. h. speciell der Pediculi war immer und ûberall derKamm. Derselbe ist als Uolzkamm aegyptisch vielfach bekannt. Schon aus den drei ersten Dynastien (1) besitzt das Berliner Muséum mehrere schmale und hohe Kâmme, welche ausser zum Ordnen der Haare und dem Ausfangen von Ungeziefer auch ais Schmuck und Befestigung der geordneteo Haare getragen wurden. Ausserdem war ein Kamm (2) in spàterer Zeit eine Beigabe in einem Grabe von zwei Frauen und einem Kinde. Andere Kàmme (3), welche liber 3000 Jahre ait sind. haben schon die Gestalt der moderueu Kamme Aegyptens. In rômischer und christlicher Zeit (4) sind die Kàmme nach Art der vom Volke (( Lausrechen » genannten modernen Kàmme zweiseitig benutzbar.
Auch Rasiermesser sind aus Aegypten bekannt und die Deutung dieser Instrumente ist gesichert. Das Rasieren spielte bei den Aegyptern eine grosse Rolle (5). Aus der Uyksoszeit ist dieMumie eines Kônig Sekenjenré lll erhalten. Derselbe starb, wie Schàdelwunden zeigen, eines gewaltsamen Todes. Vom Backen-und Schnurrbart zeigen sich nur schwache Stoppeln, so dass es unzweifelhaft ist, dass sich der Konig noch a m Morgen des Todestages, batte rasieren lassen (6).
(1) Àusfuhrliches Verzeichnm der aegyptischpn Alteriumer iind Gipsabgustte, Berlin, 1899, p. 37 uod 38.
{i) Loco cilato, N^ 1301, p. 192.
(3) Loco citaio, N*» 6813 u No 6814, p. â08.
(4) Loco ciiato, N" 13732. 6815, 13490 uad 13491, p. 39i.
(5) Loco citato, N 12751, 2766, 2758, p. 208.
<6) Stbindorpf, Die Blûtezeit de» Pharaonenreiches. Bielefeld uod Leipzig, 1900, p. 16.
STUDIECN ObER ALTÂGYPTISCHE PARASITOLOGIE 505
Schwimmende Mâdchen gehôrten zu den alltâglichen Erscheinungeii,sodass derKûnstler dièses Motiv wiederholt fur das Kunsthandwerk verwendet hat. Aus den aegyptischen Liebesliedern erfahren wir auch, dass die beiden Geschlechtergemeinsam badeten. Wenn am 16. Tybi aus Tagewàhlerei (1) das Baden unterbleiben musste, so war dies eîne einzelue besondere Ausnahme, wahrend an den ûbrigen Tagen Waschungen allgemein gcbrauchlich waren. Die Haar- und Hautpflege, welche (Jngeziefer fern halten, waren somit ausgedehnt und verbreitet.
LaRVEN von MlïSClDKN.
Gelegentiiche Hautparasiten sind Muscidenlarven. Verfasser war bei einem Falle seiner Praxis, wo bei einer Bâuerin seit Jahren eine nâssende Erkrankung derUnterschenkel besteht, jeden Sommer wieder mit âusserlichen Quecksilberpraeparaten Muscidenlarven zu tôten gezwungen. Wo mit Wunden unrein umgegangen wird oder umgegangen werden muss und das Klima warm ist, sind Muscidenlarven als Gelegenheitsschmarotzer zu erwarten.
Georg Ebers batte die Freundlichkeit am 29. Juli 1895 mir eine Stelle der Stèle des Haremheb mitzuteilen, welche schon Bouriant und spâter Max Mûller behandelt hatten. Es ist dies ein Gesetz, welches gegen den, der Haute stahl, angewendet werden soll, da^s man ihn achlàgt mit 100 ilieben, xo dass es finif hlutende Wunden giebt. Prof. Ebers erklàrte dies dahin, dass man mit dem Stock schlug und dass es schon manchen Hiebes bedurfte, bevor der Delinquent fûnf blutende Wunden batte. Bei fûnf blutenden Wunden wurde mit den Hieben aufgehôrt und die hundert Hiebe waren die Hôchstzahl, wenn nicht fûnf blutende Wunden entstanden.
Man muss sich nun nur solchen Delinquenten vorstellen, der in aegyptischem Klima mit solchen Wunden auf Rûcken und Gesâss wahrscheinlich gefesselt in ein enges Gefângnis geworfen wurde. Hier konnten Infectionen mit Muscidenlarven nichts seltenes sein.
Wenn der Aegypter um Befreiung von den Wûrmern, welche in Restau auf den Leichen von Mànnern und Weibern sind, bittet, so sind darunter auch Muscidenlarven zu verstehen. Der specielle
(1) Papyros Sallier IV.
306 F. VON OEFELG
Ausdruck fur Insektenlarven ist wohl ^^^vv Sohn des Wurmes. Im Papyros 17 von Bulaq erschien dieser Ausdruck fur Brman (l) unverstandlirh und er wollte ihn in einen ahnlichen Ausdruck. welcher Heuschrecke bedeutet emendieren. Es ist aber dort in srliôner Steigerung von fe'i, Laroe und Mucke die Rede.
Dièse Larve als Sohn des Wurmes^ wie ich ihn oben in Hieroglyphcn wiedergegeben habe, linden wir im Papyros Ebers wieder(Fig. 10). Naclidem schon Ebers und Stern (2) den kranken Kftrperteil aïs
Fig. 10. — Papyros Ebers, Spalto 78, Zeile 6-10..
dorsum vel spina erkannt hatten, deiitet dies Lûring (3) wahrscheinlich, um den erwûnschten Guineawurm im Papyros Ebers finden zu kônnen (4), ohne Griïnde angeben zu kônnen, auf Schienbein. Dabei muss er ein Wort das « hinten, nctchher oder Hiicken » unbezwelfelt bedeutet, ignorieren. Wena du findesty dcLSS Rûcken oder Glutaeen schmerzen, dass ûbelrkchende Flussigkeit aus ihnen tràufelt (wôrtlich : es tropfen Flùssigkeiten hinter ihnen; iibel ist ihr Geruch) und dass auftritt der Sohn des Wurmes^ so soUst du sa^en : schmerzhaft wird meine Behandlung sein. Du sollst fur ihn bereiten die Hecepte zur Vernichtung des Wurmes sep.
Ich muss hier ausdrûeklich bemerken, dass ich den letzteren Wurm nicht fur identisch mit dem a Sohne des Wurmes » halte, sondern dass ich hier nach dem deutlichen Wortlaute annehme, dass ein bekanntes Parasitenrecept hier fur einen zweiten davon
(i) Erman, Àegypten und aegyptisches Leben im AUertum. Tabln^en, 18^, pg. 5i3.
(2) Papyros Ebers, Glossar, p. 38.
(3) LOrino, DissertatiOD der Unlversitàt Strassburg. Leipzig, 1888, p. 63.
(4) Dasselbe, p. 37.
STUDIEN ÛBER ALTÂGYPTISCHE PARASrTOLOGIE 507
verschiedenen Parasiten verwendet werden soll. Und daruoter halte irh nur den a Sohn des Wurmes » fur die Muwideiilarve.
Xach dem oben Aus^effthrten wird es sehr verstniidlieli, dass vor allem Wunden der Hinterseite des Menschen von Muscidenlarveii iiificiert vviirden. Der lible tieruch solcher von Muscidenlarven infieierler Wunden ist sehr cbarakteristisrh uud bestattigt
meine ^)eutunJ^^
Cysticerciis.
Cvsticercus von Taenia solium in Auge und Haut gehOren beute nicbt zu den Seltenheiten. Einen Cysiicerctis \m Auge konnte der alte Aegypter nicbt diagnostirieren. Anders stebt es mit der^Frage ob unter den verscbiedenen êrwâbnten HautatTectionen der mediciniscben Papyri nicbt Cysticercm der Haut gesucbt werden kann. Hier tritt aber der Môjçlicbkeit der Diagnose die Unwabrscbein- Hcbkeit des Vorkommens entgegen. Denn nur Taenia solium giebt beim Menscben Cysticerren und gerade Tneiiia solium war, wenn aucb nicbt ganz unmôglicb, so docb, wie gezeigt wird, sicherlicb der seltenste Bandwurm in Altaegypten.
FlLARIA MËHINENSIS.
Dieser Parasit in seiner Lange von 2 bis 3 Fuss und seinen specifiscben Krankbeitserscbeinungen konnte im Altertume nicbt ûberseben werden. So erscbeint derselbe scbon im aegyptiscben Mytbos vom Sonnengotte. Eine Kacbexie mit scbweren Scbmerzen befàUt den Sonnengott (1) durcb einen Wurm, welcben isis aus dem Spiitum des Gottes bervorzauberl und welcber auf den VVeg des Sonnengottes geworfen diesen in die Ferse slicbt. Fur die allgemeine Parasitenlebre ist dièse Stelle in sofei n wichtig, als sie die Entstebuug von Parasiten, wie in mittelalterJicber Zeit aus verdorbenen Kôrpersaften (bier Sputum) des Trâgers durcb Generatio aequivoca lebrl. Es môge bier ein làngeres Cilat geslattet sein :
« lias Aller des Gottes bewegte ibm den Mund, — es warf seinen Speicbel ibm auf die Enie — und was erausspie liel auf den Boden. — Das knetete Isis mit ibrer Hand — *zusammen mit der Erde, die daran war ; — sie bildete einen ebrwûrdigen Wurm daraus — und macbte ibn wie einen Speer. — Sie wand ibn nicbt lebend um ibr
(I) Papyros in Turin, 131 fT. 77-31. Arbeit von Lefebure In der Zeitschrift fur aegyptiftche Sprache und Àltertum, 1883, p. 27 flf., ciUert bel Erman, p. 359.
808 F. VON OKFELE
Gesicht, (Anspielung auf die Schlange als Konigszeichen) — sondern warf ihn ziisammengerollt auf den Weg, — auf dem der grosse Gott wandelte — nach Herzenslust durch seine beiden
Lànder. Der ehrwiirdîge Gott trat glànzend hervor. — Die
Gôlter, die dem Pharao dientCH, begleiteten ihn — und er ergieng
sich wie aile Tage. — Da stach ihn der ehrwiirdige Wurni —
Der gôttliche Gott ôlTnete den Mund — und die Stimine seiner Majestàt drang bis zum Himmel. — Sein (îôtterkreis rief « was ist das, was ist das? » — Und die Gôtter riefen : siehe ! siehe ! » — Er konnte nlcht darauf antworten ; — seine Kinnbacken klapperten;
— ail seine Glieder zitterten. — Und das Gift ergriff sein Fleisch,
— wie'der Nil sein Gelânde durchfeuchtet. Als der grosse
(iott sein Herz beruhigt batte, — so schrie er zu seinem (îefolge : — « Kommt zu mir, die ihr aus meinem Leibe enlstandet, — ihr Gôlter, die ihr aus mir hervorgiengt, — damit Chepre es euch mitleile : — Geschnitten bat mich etwas Krankhaftes, — mein Herz weiss es, meine Augen sehen es nicht, — meine Hand thaïes nicht. Ich weiss nicht, wer es gelhan bat. — Ich habe nie ein Leid wie das gekostel, — keine Krankheil ist schlimmer als dièses. — Ich bin ein Fiirst und Sohn eines Fûrsten, — der gôttliche Same eines Gottes — etc., etc. — Ich war ausgegangen, um zu besehen, was ich gemacht habe, — und ergieng mich in den beiden Làndern, die ich geschaffen habe. — Da stach mich etwas, was ich nicht kenne. — Feuer ist es nicht. — Wasser ist es nicht. — Mein Herz ist voU Glul. — Mein Leib zittert — und aile meine Glieder
schaudern. Wohlan bringt mir die Gôtterkinder, — die
weise redenden — mit verstàndigem Mund, — derenMacht bis zum Himmel reicht. — etc., eiz — « Da ward ich gebissen von einem Wurm, den ich nicht sah. — Feuer ist es nicht. Wasser ist es nicht. — Und ich bin kàlter als Wasser — Und ich bin heisser als Feuer. — AU meine Glieder sind voU Srh weiss; — ich zittere, mein Auge sleht nicht fest — und ich sehe den Himmel nicht. — Das Wasser strômt ûber mein Gesicht, wie zur Sommerzeil. »
Dass dièse Sage auch medicinisch geglaubt wurde, zeigt, dass selbst der Papyros Ebers mitten in seinen rein therapeutischen Abschnitten(l;die angeblichen sechs Recepte verschiedener Gôtter fur den kranken Sonnengott mitteilt.
(1) Papyros Eben, 46, 10 bis 47, 10.
STUDIEN ÛBEH ALTÂGYPTISCHE PAKASITULOGIE 309
Im Sennaar tôtet mandie Filaria medinensis durch Pflaster von saurem Brotteig und roteni Pfefïer; die Sudanesen verwenden Kataplasmen von kleinen Zwiebeln. Andere Mittel linden sich bei Hartmanii (1) und Schweinfurth (2) erwâhnt.
Fur die hieroglyphischeMedicin in Fachschriften kann icti sonst keine auf Filaria medinensis bezûgliclie Angaben finden, da die Vermuthung von Lûring sich als falsch erwiesen hat.
Pediculi vestimenti, etc.
Dass KiKi ein aegyptisches Wort ist, bezeugt Galenos (3) mit den VVorten : AIyû^ttiov iXaiov ^jir«p aùxot KaXouat KiKivov. Und dies Wort war nach Dioscorides (4j <( Cici aut croton nomen accepit a ricini animalis similitudine u eine gemeinsame Benennung der RicinuspUanze und gewisser l^arasiten. In der That finden wir im Koptischen Lexicon (5) KAK6I und KAKTI als Pec^icu/us. Wahrscheinlich wurden die Frûchte des Ricinus mit Làusen verglichen, was wohi aus Herodot(6) hervorgehen dùrfte: à:cô t<5v aiXXixuTcpûuv tou xapicoû, To xaXÉoufft {i.ev W^ûiztioi xixi, wobei atXXtxûnpia der Name der Ricinuspflanze ist. In der That finden wir nun im Papyros Ebers mehrfach eine Pflanze U ^ U \^ *)! Qaqa und eine Erkrankungs-
ursache U ^ U ^ J qaqat, so dass wir bei der Deutung des ersteren als Ricinuspflanze das letztere entweder als Fxodes oder als Pediculus fassen mûssen. Die Stellen des Papyros Ebers mit der Koptischen Bedeutung zusammen sprecheu fur die Aufiassung als Pediculus.
AUerdings filhrt das Koptische Lexicou (7) niclit weniger als acht Ausdriicke fur Pediculus auf, welche zu sechs verschiedenen Stammwôrlern gehôren. Wie ùberhaupt die Volksmedicin nicht scharf scheidel, so sind darunter allerdings niehrdeutige Wôrler, welche aucli Culer, rubigo, Muscacanina (Hippobosca) und vor allem
(1) Skizze, p. 402.
U) Zeitschr. f. ally. Erdkunde, N. F., XVlll, Seite lau, Aoui.
(3) Efoiiani, Gâtent et UerodoU Glossaria in Uippoeratem, edit. Frdnzii. Upsiae, 1780, p. 414.
(4j Pedacii Dioêcoridis Anazarbei mtUio Matthiuli. Veneltls, loiii, lib. 4, r«tp 158, pg. S38. (resp cap. 161 : xUt r^ xpotwv).
(5) Pàrthey, Yocabuiarium Berolini, 1844, pg. til o. pg. 62.
(6) HiRODor, Ub. II, cap. 94.
(7) Parthey, Voeabularium, Berolini, 1844, p. 414.
510 K VON OEFELË
auch IxodeS'diriQn bedeuten kœnnen. Dem spâteren christlicheD Aegypter, von dem auch die alten heidnischen Reinlichkeitsvorschriften in dem erhebendeu Bewusstsein, etwas Besseres als jene Heiden zu sein, vernachlàssigt wurden, waren schon darnach zu schliessen die Pediculi sehr gute Bekannte mit grosser Verwandtschaft, was noch ein weiterer Beleg ergiebt.
Dem erfalirenen italienischen Arzte Prosper Alpinus (1) konnte in seiner Zeit nnd in der eigenen Heimat die Làusesucht keine zu seltene Beobarhtung sein. Bei der Leichtigkeit, mît welcher modei-n die Parasilen des Genus Pediculus mil Quecksiiberprseparaten gelôtet werden, kœnnen wir uns nnr schwer ein Bild von der starken Verbreilung und der Hartnàckigkeit dieser Schmarotzer in fniheren Zeiten machen. Es mussten ja doch ira Millelalter, wie erst kiirzlich wieder Landau in Nùrnberg gezeigt bat, die Lause seibst in den Augenbrauen vornehmer Damen behandelt werden.
Grosse Zerstôrungen durch Lâuse batte Schreiber dièses seibst in seiner Landpraxis zu beobachten Gelegenheit. Eine idiutische Person war von Làusen befallen worden und dièse Sache war einige Zeit unbeachtet geblieben. Als ich mit dem Bûrgermeisler die noch jugendliche Person besuchte, war an der Manima von unten her eine apfelgrosse Hôhle durch Zerstôrungen in Folge der Pediculi vestimenti gebildel.
Sehr verbreitet mùssen also im l(i. Jahrhundert In. Chr.) die IJknse in Aegypten gewesen sein, dass Prosper Alpinus (2) nicht nur die Uâutigkeit der Lause bei den Aegyptern hervorhebt, sondern auch glaubt, dieselbe in damaliger Weise erklàren zu mussen und zwar aus dem vielen Staub und den hàuligenSchweissen in jenem Klima. Uns inleressiert nach seiner Beschreibung mehr, dass die Pflege der Kopfhaare, welche unter einem Turban versteckt wurden, eine sehrungenùgende war, wàhrend fur die Enthaarung und Par(umierung der weiblichen Genitalien sehr viel Mûhe aufgewendet wurde.
Der alte Aegypter der Hieroglyphenzeit (3) schrieb die gleiche
(1) Prosperi Alpini de medicina Aegyptifjrum. Venedlg, 1S9I, tlb. III, câp. XV, p. 107.
(2) Loco citato-
(3) Ge^chiehte des Sineha, Dièse Stelle wird weiter unteD aoch ausfQhrllch behanUelt.
STUDIEN ÛBER ALTÂGYPTISCUË PARASITOLOGIË 511
Unreinlichkeit den Beduinen zu. In den bildlichen Darstellungen der Aegypter treten als unreinliche Menschen noch mehr die Bewohner der Sùinpfe des Nildelta hervor (1). In den Vorbenierkungen habe ich von der Reinlichkeit der oberen Stande gesprochen. Hier muss von der Unreinliclikeit der unteren Stande gehandelt werden. Die Sumpfbewohner trugen ihr èigeiies voiles Kopfhaar und sciinitten hôchstens Bucliten davon ans iind liessen zu dem deneigenen Bart stehen. Dies galtdem vornehmen Aegypter als Hôhepunkt der Tureinlirhkeit. Als schweinisch wird darum ini obscônen Papyros von Turin der verliebte alte Amonspriester eineTânzerin in 14 Stellungen coitierend dargestelll und zwar im Besitze naturiirher Haupl-Bart-und Schamhaare. Vereinzelt lasseU sich auch im Berliner Muséum Trager naturlicher Bàrte, wenig stens derSchnurbàrfe nachweisen. Aber im allgemeinen unterschied sich von den umliegenden Vôlkern, zu welchendie Xeger mit ûppigem VVollhaare und die Trager der sogen. Keilschriflcultur mit langen wallenden Bàrten gerechnet werden mûssen/ der aegyptische Priester dadurch, dass er kein natûrliches Haar am Kôrper duldete. In der Zeit des Ketzerkônigs war es wohl eine Opposition gegen die abgeschaffte Religion, dass sich der Sôldner aus Syrien Terura (2) mit einem Barte eines modernen Tûrken abbilden liess, wahrend sein Sklave gJattgeschoren wie ein orthodoxer «gyptischer Priester dargestellt ist. Dieser Sôldner ist ein Biid jener asiatischen Gestalten, welche Sinehu als behaftet mit Lausen erwâhnt.
Dass sich der aîgyptische Priesler dazu (3) auch noch strenge fern von der Beruhrung mit unreinen Haartrâgern hielt, sodass der sonst so nationalstolze Hebraeer hier zugiebt, dass nicht dem Hebraeer, sondern dem Aegypter ein gemeinsames Speisen eine Verunreiniguug war, ist sicherlich zum Teil auch eine Vorsichtsmassregel, um von den als « lausig )> verrufenen Asiaten nicht Lause zu acquirieren.
Der enthaarte vornehme Aegypter fiihlte sich also frei von Pediculi capitis und pubis und bei dem adamitischen Costume selbst
(1) LspsiDs, Denkmàler^ II, 69.
(2) Àusfuhrliche» Verzeiehniss der œgyptisehen ÀlUrtumer und Gipsabgmse, Berlin, 1899, p. 1S9, No 14122.
(3) Gmesû, 43, 32.
iHi F. VON OEFëLë
Vornehiner (z. B. kôniglicher Frauen) in engerer Familie (anden auch (lie Pedicull vestimenti fur gewôlinlicli keine Wohnstaette.
Flg. 11. — Papyros Ebers, Spalte 27, Zclle 16 und 17.
Bevor ich nacli diesen langen Ausfûhrungen zu den Pediculides Papyros Ebers selbst ûbergehe, muss ich noch ein Symptom besprechen, welches bei den Làusen erwâhnt wird (Fig. 11).
y "^ ^ • UHA von einem Stamme, der vemichten, verheeren bedeutet, ist dies Symptom, das Joachim (i) in seiner Vorlîebe fur Deutungen, welche sich auf Anaemia aegyptiaca beziehen, als chroniscbè Obstipation mit Meteorismus im Anschlusse an Anchyloslomiasis erklàrt. Fur dièse Erkiàrung ist demselben eine andere Stelle unbequem, welche auch schon vorher Lûring (2) wegzuschafTen suchte. Wo ihnen dies VVort nicht passt, erklâren sie dasselbe einfach als Schreibfehler und setzen âhniiche Wôrter ein. Ich will nun deni Text keine Gewalt anthun, und dann findet sich dièses Symptom (3) auch unter den Augenerkrankungen. Dièse wird mit einerMischungadstringierender inetallischerMittei behandelt. In dem betreilenden Abschnitte ist meist von Erkrankungen der Conjunctiva und anderer àusserlicher Anhangsorgane des Auges die Rede, so dass als ein Bild, das auch auf anderen Kôrperteilen erscheinen kann, die Blepharitis ulcerosa mit Borkenbildung als das wahrscheinlichsle erscheint. Darnach fasse ich UHA als die Borkr auf verkeerten Cutispartien also ungefàhr als Eczem. Dass Eczem auf jedem Glied vorkommen kann.dass dasselbe local, aber gele^^entlich auch innerlich mit Abfûhrmitteln behandelt wird, entspriclil der allgemeinen alten Medicin.
Auch das Eczem (4) von Làusen wird innerlich behandelt in einem Abschnitt, welcher besondere Vorliebe fur interne Médication
(1) Joachim, Papyros Ebers, Berlin, 1890, p. XIX.
(2) LOring, DUtsertalion, Leipzig, 1888, p. 17.
(3) Papyros Eber*, Spalte 57, Zeile 4.
(4) Papyros Ebers, Spaite n, ZeUe 16.
STUDIEN ÛBER ALTÂGIPTISCHE PARASITOLOGIE 513
besitzt, daauch sofortdaraujffolgend die Pîgmentoarben von Geschwûren mit internen Receptea bekàmpft werden. Eio Recept die Lause zu vertreiben (Fig.l2) wird gleichfails inner-
Fig. 12. .— Papyros Ebers, Spalte 72, Zeile 7-10.
lich verwendet, wie die Aerzte ja auch Scabies bis in sehr neue Zeit inneriich behandelten. Die beiden folgenden Recepte sind aber âusserlich.
Dass Pediculi vestimenti allein, oder wenigstens eingeschlossen
Fig. 13. — Papyros Ebers, Spalte 72, Zeile 3-7.
in dièse Bezeichnung, gemeint sind zeigt die Receptûberschrift (Fig. 13). Làuse zu vertreiben aufjedemKôrperteite eines Patienten. Auf jeden Fall standen also unter den Pediculi schon im Altertume fur den Orient die Pediculi vestimenti gegenûber îhren anderen Verwandten im Vordergrunde.
Wo wir in der Vergangenheit Lâuse oder andere Parasiten erwàhnt finden, dûrfen wir nicht an eine praecis zoologische Benennung glauben. Auch beute, im Jahrhundert der Naturwissenschafuen, umgreift in der deutschen Sprache das Wort Lâuse : Pediculidaey Aphidae und andere Phytophtires, aber auch Pupiparae. Eine schârfere Abgrenzung hait auch der aegyptische
Archweit de Parasilologie^ IV, n* 4, 1901. 34
814 1*. VOK OEFËLË
Sprachgebrauch nicht ein,îwenn es sich uin einen Ausdruck in der Belletristik handelt. (lerade hier sieht es fur den vornelimen Aegypter, der sein Leben lang sieii aïs frommer Priester frei von Làusen und Consorteii gehalten bat, sehr gut aus, wenn er in einer afiektierten Unkentnis einmal absichtlich ein paar Parasitenspecies verwecbselt.
Darauf beruht auch die Unsicherbeit,ob mit Recht die poetîsche Steile von den Làusen des Sinuhe hieher zu /.iehen ist. Ich werde dieselbe ausfubrlicher weiter unten besprecben.
Das Eczem von Làusen als Kakte finden wir sehr viel spàter auch wieder und zwar, wie mich 0. von Lemm in Saint-Petersburg freundlicher Weiseaufmerksani niacht, am Ende des sahidischeu medieinischen Fragmentes bei Zoêga.
PULEX mRITANS.
Schlimmer als mit den Pediculi stand es wohi mit den Flôben in Altaegypten. Im modernen Aegypten sind die Flôheeine wahre Landplage. Wenn auch die verschiedenen Haustiere ihre besonderen Floharteu haben, so tràgt doch das Halten langhaariger HauS'Und Schoosstiere sehr zur Vermehrung dièses Ungeziefers bei.
Erraau(l) stelit dièse Tieriiebhabereien der Aegypter zusammen Die vornehmen Aegypter haben sich als Tierfreunde fôrmliche Menagerien gehalten. Die Abbildungen zeigen uns Lowen, Léoparden, Hyànen, Gazellen, Steinbôcke, Hasen, Stacheischweine. Parder, Paviane, (îiraffen, Bâren und Elefanten. Man zàhmte, was sichdazu eignete, so dass Kônig Ranises II (2) einen Lôwen besass der ihn in die Schlacht begleitete und sich abends im Lager vor dem Zelte seines Herrn niederiegte. Das beliebteste Schoosstier aller Zeiten war der Alîe. Derselbe (3) wird schon in der Unaspyramide als fremder Import erwàhnt. Im neuen Reiche kommeii Paviane und Meerkatzen aus demWeihrauchlande(4). Nebemchut, ein vornehmer Aegypter der Zeit des Pyramidenerbauers Chafre, lâsst sich und seine Frau von zwei ungeschlachten, langge-
(1) Erman, Aegypten und aegyptiêches Leben. Tûbingen, 1885, Seite 332.
(2) Lepsius, Denkmàler, III. 184 a und 155.
(3) Viiaspyramide 423.
(4) DûMiGHBN, Flotte einer K'ùnigin, Inschriften in Derei Bahari.
STUDIEN CbEB ALTÀOYPTISCHE PARASITOLOaiK 519
niâhateD Pavianen begleiten. Kleioe MeerkatzeD wurden, vor allem von den vornehnien Damen Altaegypteos, so sehr zur Familie gehortggerechDet.dassauEDeDk'Und Leichensteioenvielfachneben Mann und Frau, Kiadern uad sonstigen Angehôrigen auch der Lîeblingsalle unterdein Stuhle angebunden nicht fehien durfte.
FIK' li. — Ameaemopet uad Uenro. Bcrllner Muséum.
Ein Stûck der Berliner Sammlung (1) sclieint so^ar eine direkie Bestâttigungder Verantwortiichkett der Alïen fiir dea Flohreichtum. Aus der 18. Dynastie istals Hoizfigur der Beamte und Schatzmeîster Amenemopet und seine Frau Henro abgebildet (Fig. 14).
(1l Àmfuhrliehei Verteichni» der aegyptisehen ÀUerlûmer und Gipmbgattt lier Koniglicken Museen lu Berlin. Berlin, 1899, No 6910, Sêlte (42.
516 F. VON OEFELE
Unter dem Stuhle ist der Schoossafle mit zwei Frûchten dargestellt, wâhrend der Sohn Minmes nur klein eingeritzt ist. In dieser Familie hat jedenfalls der Afle eine wictitigere Rolle als der leibliche Sohn gespieit. Wie so hâuflg sind hier auch Gebete als Inschriften ange-
[ bracht und eine Stelle dieser Gebete lautet bezeichnender Weise :
. . .der den A tem dem, der noch im Ei ist, giebt, an Menschen und Vôgel;
\ er mojcht, wcts die Màuse brauchen in ihren Lôchem und die Wûrmer
und die Flôhe desgleichen.
Das Berliner Muséum besitzt, abgesehen von den reichen anderen Museen noch sieben Darstellungen mit Schoossafien.
Bewusst dûrften ja die Affen allerdings nicht als Vermittler von Ungeziefer in Altaegypten angesehen worden sein, da sie ausser dem Ibis die heiligen Tiere des Aerztegottes, des Vernichters von Ungeziefer waren. Wahrscheinlich wurden im Geiste jener Zeit sogar die Affen, wenn sie sich selbst oder gegenseitig Flôhe abfiengen als Vertilger von Ungeziefer angesehen. Vielleicht ist die Besichtigung der Handwerker des Nebemchut(l) durchdessen Paviane in dieser Weise aufzufassen. Der Ibis wurde von Herodot so aufgefasst (2).
Flg. 15. — Papyros Ebers, Spalte 97, Zeile 15-17.
Dass unter solchen Umstànden aerztliche Receptbûcher auch Mittel gegen Flôhe fûhren mussten, wird begreiflich. Im Papyros Ebers (Fig. 15) sind die Flôhe das erste Ungeziefer, welches im Abschnitte vom Haus besprochen wird. Die Flôhe galten dem Verfasser des Papyros Ebers und seinen Gewâhrsleuten nicht als Hautparasiten wie die Lâuse, sondern als Hausparasiten.
Dieser bekannte Schmarotzer macht auch thatsàchlich seine ersten Entwickelungsformen in einer Weise durch, dass er als Hausparasit gelten muss, so dass also auch hier wieder genaue
(1) Lbpsius, Denkmàler, II, i3, 107.
(2) Ubrodot, II, 75-76.
STUDIEN ÛBER ALTÂGYPTISCHE PARA8IT0L0GIE 517
entwickelungsgeschichtliche Beobachtungen von Insekten bei den alten Aegyptern sehr wahrscheinlich erscheinen mûssen.
Der altaegyptîsche Name des Flobes bat sicb în der Koptischen Spracbe und ibren Dialekten in drei Formen erbalten als : HENNE, nHI und 4>EI.
SCABIES UND AEHNUCHES.
Fur Scabies bat scbon Stern (1) )^^^i^ akut gedeteut,
indem er es gleicb impétigo und scabies setzt. Dieselbe Krankbeit wird aucb im Papyros Prisse (2), dem âltesten Bucbe des guten Tones von jenem Kôrperteile erwàbnt, welcber gleicbzeitig entweder Herz oder Magen bedeuten kann. Lauth batte in frûberer Zeit ûbersetzt : Car est lacerum. Môglîcb ist aucb an dieser Stelle die Auffassung vonScafrte^. Esbandeltsicb um einebildlicbeRedensart. Und in ganz realer Auilassung spricbt aucb beute nocb die Volksbeilkunde von Maqeiddusen und Magenkràtze. Aber die verdrebte und gekûnstelte Spracbe des Papyros Prisse ist scbon in den ûbrigen Stellen meist zu scbwer verstândiicb, um zu Aufscblûssen fur reale Fragen benûtzt werden zu kônnen. An dieser Stelle bat aber selbst Virey (3), der selten eine Scbwierigkeit dièses Papyros scbeute, erklârt keine Ubersetzung oder Erklàrung geben zu kœnnen. Wir sind also auf die Krankbeitsbezeicbnung selbst und die Belegstellen im mediciniscben Papyros Ebers angewiesen-, aus welcben icb die Bedeutung Scabies nocb nàher erweisen werde. Wicbtig ist die Stelle des Papyros Prisse dann nur insofern, als dieselbe zeigt, dass dieser Krankbeitsbegrifl der Scabies der allgemeinen Spracbe gelâufig war und nicbt ein terminus tecbnicus der Aerzte allein ist. Da aber umgekebrt Scbâfer (4) erwiesen bat, dass der Papyros Ebers Scbolien zu den Symptomenbezeicbnungen der Peritonitis entbâlt, so muss eine so allgemein bekannte Krankbeitsbezeicbnung aucb einer starken Verbreitung dieser Krankbeit entsprocben baben, wenn wabrscbeinlicb aucb nur in den niede ren Volksscbicbten , welcbe den Reinlicbkeitsvorscbriften der Vorbemerkungen nicbt unterworfen waren.
(1) Glossarium zu Papyros Ebers. Leipzig, 1875. Anhang zu Papyros Ebers von Ebers, p. 1.
(2) Papyros Prisse, Spalte 8. Zeile iO.
(3) Philippe ViREY, Études sur le papyrus Prisse. Paris, 1887, p. 56.
(4) Henricus Schafer, Dlssertatio inauguralis. Berlin, 14. MArz 1892; cf. p. 6.
518 F. VON OEFELE
Nach LautverânderuQgen, wie sie zwischen Altaegyptisch und Koptisch vorkommen, ist es sehr wahrscheinlich, wie schon Stern (1) anfiihrt, dass dies akui koptisch xxo, xxcd, €Xo enisprioht, welche wir im koptischen Lexicon als Scabies linden. Wenn aurh die Zeitschrift lanu% erwiesen hat, dass die Scabies- Milbe eînipfe Jahrzehnte langer bekannt ist, als man allgemein anniinmt,so ist doch, wie ich schoD ausgefùhrt habe, eine Voraussetzung der Kentnis der Milbe fur alte Zeiten obne sichere Belege zu gewagt. Eine strenge Scheidung der Hauterkrankungen in den Aegyptischen Sprachen der verschiedenen Jahrtausende ist kaum durcbgefûbrt gewesen, so dass sehr wahrscheinlich Scabies und Prurîtus senilis und anderes meist confundiert wurde. Zu Zeiten der Trennung der Krankheiten in viele einzelne Krankheitsarten und Untervarietâten musste aber Scabies bei derFûlle eigentûmlicher Symptôme aus der Gruppe a Prurîtus omnis » abgetrennt gewesen sein. Die Krankheitsbezeichnungen des Papyros Ebers stellen nun die Zeit der Specialisierungen dar und das koptische Lexicon, wie es uns heute wenigstens zugànglich ist, zeigt den Zustand der Krankheitsconfundierungen.
Das Koptische Lexicon (2) fûhrt fur Scabies sieben Worte von fûnf Wortstàmmen auf . Fûnf dieser VVôrter bedeuten neben Scabies gleichzeitig impétigo, so dass damit schon die unsichere Abgrenzung der Scabies von den ûbrigen Hautkrankheiten bei den Kopten den letzen Auslàufern der Aegypter erhellt. Dazu muss noch bemerkt werden, dass dièse Wôrter meist Bibelûbersetzungen, Legenden, Predigten, etc., entnommen sind. In dem einzîgen medicinischen Reste koptischer Sprache in Zoëga ist ein Compositum als Krankheit erwàhnt, welches lexikalisch als scabies aquosa wiedergegeben wird. Dasselbe ist aus dem griechischen Worte •Wpa und dem altaegyptischen Worte fur Wasser oder Urin in hybrider Weise zusammengeflickt.
Unter den Bezeichnungen fur Scabies im Koptischen befindet sich nach Kircher (3) ccuk, das gleichzeitig sterilita'S und nach den
(1) Siebe Citât N» 8.
(2) Parthet, Vokabularium coptico-latinum et latino-copticum, Berolinl, 1844, p. 444.
(3) KiRCHBRi Scala magna , hoc est nomenclator oegyptiaco-arabicus , cum interpretatione latina, Romae, 1634.
STUDIEN fiBER ALTÂGYPTISCHE PARAS1T0L0GIE 519
Litleraturnachweisen eine Menge andere Begriile bedeutet. Die ReduplicatioD ccukcgk ist nach Kircher oscitatio- Gàhnen trnd phthisig, Dass hier ein aller Begrifl Scabies zu fmden ist, bezweifle ick sehr. Ebenso wenig sicher ist xepxi, das scabies und pldga bedeuten soll, auf echte Scabies beziehbar. Ein sehr dehnbarer Begrifl its auch XX, das cakulm, lapis, grando, impétigo und scabies bedeuten soll. Es diirfte hier mehr an pustulôse Ausscblâge gedacht werden. Es bleiben nun noch die Ausdrûcke xxo, xxcd, exo und u)<|>u>ni, welche sâmtlich scabies und impétigo bedeuten soUen. Die beiden ersten sind wieder aus Kircher ûbernommen. Fur die beiden anderen wûrdedas mûhsehlige Aufsuchen der Belegstellen in theologischen Erbauungsschriften auch kaum Klârung herbeifûhren.
Aus dem Koptischen ist also nur mit aller Reserve erschliessbar, wie in der Sprache der Hierogiyphen Scabies gelautet haben mag, soweit dièse Krankheit ûberhaupt von den anderen Hautkrankheiten abspaltbar ist, zudem in der Zeit der Ptolemaeer und Byzantiner in dem sogenannten feineren Ausdrûcke der Gebildeten aus dem Griechischen das Fremdwort Psora entlehnt worden war und in die Sprache der medicinischen Kachschriften Eingang gefunden batte.
Nur soviel lâsst sich mit Sicherheit ersehen, dass zur Zeit als die Koptische Sprache im Aussterben war und lexigraphisch fixiert wurde, also ungefâhr von 1000 bis 1600 n. Cbr. die Koptische Bevôlkerungunter Scabies und âhnlichen Krankheiten sehrviel zu leiden batte und darum eine ganze Anzahl alter Krankheitsnamen auf Scabies bexog, von denen xxo und u)<|>cdni im Papyros Ebers wieder zu erkennen sind.
Ich will dies als Einleitung zum Begrifl Scabies betrachten und aus den Grûnden, welche sich aus dieser Einleitung ergeben, ailes was Scabies âhnlich ist, fur den Zweck dieser Arbeit einstweilen absichtlich unter dem Ausdruck unterschiedslos confundieren. Da ich in moderner Parasitologie zu wenig bewandert bin, batte ich mich wegen der Scabies auch um Aulschlûsse an Herrn Prof. R. Blanchard gewendet, dessen liebenswûrdigen Mitteilungen zur Fôrderung meiner Arbeit ich folgendes entnehme.
Auf Hund und Kamel tinden sich in Aegypten die Acarien : Hyaiomma œgyptium Linné und Hhipicephalus sanguineus Latreille. Dièse Hautschmarotzer, welche auch noch auf anderen Tieren
520 F. VON OEPELE
vorkommen, kônnen in Arablen, Aegypten udcI sofort auch auf den Menschen ûbertragen werden. Ausser diesën uod Sarcoptes scabiei kann man in Aegypten auch an a bouton d'Aden », « bouton de Biskra )> und âhnliche Hautausschlàge denken,weiche mehr oder weniger contagiôser Natur sind. Leptus-artige Schmarotzer kommen auch vor; ûber dieselben weiss man aber nichts genaueres. Vielleicht tragen dièse Zeilen dazu bei, dass ein Léser derselben spâter die verschiedenen schon oben angedeuteten Scabiessorten von Altaegypten rîchtig recognoscierl.
Fig. i6. — Papyros Bragach, Spalte 7, Zeile 6.
Lauth (1) will in Papyros Brugsch (fig. 16) major Scahies fmden in der Kapitel ûberschrift :
Zu vertreiben Bisseffecte derhrankheit zanarijt, Der Name erinnert bei der Labilitât des n sehr stark an die hebraeiscbe Krankheit n3^*^s, das so viel besprochen und umstritten ist. Das Recept fur obiges Leiden besteht aus Harz, Wachs, Antimonium sulfuratum, einer noch unbestimmten Pflanze, Asphalt und Ziegentalg zu ôrtlichen Fumigationen. Es kann nach dem Zusammenhange
ivT2.^'^âZ}hi
Fig. 17. — Papyros Ebers, Spalte 7i, Zeile 21, bis Spalte 72, Zeile 3.
recht wohl von einer der Scabiesarten die Rede sein. Gegen akut = xxo, als eine erwahnte Scabiesart enthàlt Papyros Ebers(Fig.l7) nun drei Recepte. In der Ubersetzungdieser Stelle hat sich Lieblein nicht der Annahme von Stern angeschlossen. Joachim (2) folgt ja
(1) Handacbriftlicher Nacbiass.
(2) JaACHiM, Papyros Ebers, das àlUste Buch uber Heikunde. BerliD, 1890, p. 120.
STUDIEN CBER ALTÂGYPTISCHE PARASITOLOGIE 521
fast durchgângig dieser norwegisch-dânischen Uebersetzung von Lieblein. Hier steht im Contexte akut unûbersetzt und nur eine Anmerkung verweist auf Stern.
Leider sind in diesen Recepten die meisten Medicamente nocii unbestimmbar. Doch erhalten wir eine Anzahl Anhaltspunkte.Vor allem werden die Medicamente sâmmtlicti auf die erkrankten Stellen appliciert, wôrtlich : « geben zu es ». Dann sind die beiden ersten Recepte Combina tionsrecepte, a us welchen sich Grundre* cepte auslôsen lassen. Ein solches Recept ist die Vereinigung von Mit und hauit. Dièse Vereinigung wird auch in einem Recepte (1) fur das Ohr, aus dem Jauche fliesst, mit anderen Combinationen local verwendet und ausserdem (2) mit weiteren Combinationen in zwei Recepten, deren eines jeden Tag, deren anderes aber nur sehr hàufig zu verwenden verordnet ist, um die Haut des Gesichtes schôner zu raachen. Solche Medicamente wûrden recht wohl passen auch die rauhe zerkratzte Haut bei einer Scabiesart wieder zu glàtten. Beachtenswert bleibt auch, dass sich an die Behandlung dieser Scabiesart im Texte des Papyros Ebers unmittelbar die Médication der PedicuH anschliesst.
Eine dritte Scabiesart entspricht der erwâhnten Koptischen Bezeichnung a)<|>cDNi in Hieroglyphen. Ich habe an anderem Orte ausgefûhrt, dass schon hier die spâtere sogenannte a Blasenkrâtz », wobei Urethra und Vesica in alter Zeit und in Volksmedicin verwechselt wird, als Gonorrhoe vorkommt. Im Papyros Brugsch (3) ist die Gonorrhoe mit obiger Bezeichnung als « im Urin » vorhanden fur die gonorrhoische Dysurie = Scabies des Urin genannt. Eine Stelle im Papyros Prisse (4) wo nur dièse Scabiesbezeichnung vorkommt habe ich frûher deshalb auf Gonorrhoe bezogen, kann aber ebenso echte Scabiesart sein. Es wùrde darnach in dieser âusserst schwierig zu ûbersetzenden Stelle nach meiner Auffassung einem Brâutigam, dessen Rraut sich alsscabiôs zeigte, gerathen, trotz der Fernhaltung von der Braut dièse doch vor der Klatschsucht der lieben Nachbarn liebevoll zu bewahren. Dièse Auffassung ist nichts weniger als sicher.
(i) Papyros Ebers, Spalte 91, Zeile 4.
(2) Papyros Ebers, Spalte, 87, ZeUe 11 und Zeile 12.
(3) Papyros Brugsch major, Spalte, 19. Zeile 5.
(4) Papyros Prisse, Spalte, 15. ZeUe 6.
522 F. VON OEFRLE
Doch kaoD in verschiedenen Koptischen Dialekten recht wohl das gleiche ursprûngliche Hieroglypbenwort einmal q><|>a>Nt und eiii andermai u^xse werden. Und dies u^xbc als Kraokheit neont ein koptisches medicinisches Fragment (1) in engster Beziehung
mit '^(opa aiso der griecbischen Ubersetzung der iiberlieferten Bedeutung von a;<}>œNi. Dazu wird ^epMooy erwahnt == 'j/topa des Urin was scbon oben in einem bieroglyphiscben Belege des Papyros Brugscb als Gonorrhoe besprocben ist. Im gleicben Koptischen Texte ist dann aucb ?<uk6 (der Pruritus nacb den Lexica) abgehandelt. Icb hofle, dass mir Prof. Blancbard in der Liebenswûrdigkeit, in der er meine bisberigen einscblâgigen Studien fôrderte, spàter einmal dennôtigen Raum zu einer eingebenden Betracbtung dieser koptiscben Texte ûber infectiôsellauterkrankungen zurVerfûgung stellt, welcbe zwar scbon bundert Jabre berausgegeben, aber bisber von den Lebrbûcbern der Gescbicbte der Medicin nicbt berûcksicbtigt sind.
Dièse dritte Art Scabies haftet nacb Papyros Ebers an dem Leibe von Mann oder Frau (Fig. 18). Dièse Cbarakterisierung ist sebr gut
Flg. 18. — Papyros Ebers, Spalte 86, Zeile 4-8.
gewàblt. Sebr leicbt môglicb wâre es aucb, dass vielleicbt die zweite und dritte Scabiesartnur eine Doppelbenennungdarstellen, wie wir in anderem Gebiet Lues und Sypbilis neben einander sagen.
So unbestimmt icb micb hier viellacb fassen musste, so erbellt docb dies, dass Scabies oder Scabies âbnlicbe Krankbeiten von
(1) ZoËOA, Catalogus codicum eoptieorum manu seriptorum, qui in Museo Borgiano Velilris adservcmtur. Romae, 1810, N* 278.
STUDIEN ÛBER ALTÂGYPTISGHB PARASITOLOGIE 523
âltester Hieroglyphenzeit bis zu den Kopten in Aegypten vielfach vom Arzte behandelt werden musste.
CiMEX.
DieWanzensinddem Kopten wohlbekannt.Ernenntsiexxpxoxoc und nachKircher îmPlural xexKec. Daserstere ist wohl einFremdwort aus dem Griechischen und hângt mit dem Stamme yct^icatsi = Kratzen, ritzen zusammen. In xexKec liegt uns wohl aber eine aus der altaegyptischen Sprache ererbte Bezeichnung vor.
Die vielen, wenn auph durch die Holzarmut kostbaren, importierten Stûhle, Tische, Ruhelager, Schifïe, etc. konnten leicht dièses Ungeziefer beherbergen. Gerade bei der Kostbarkeit des Holzes standen dièse Môbel ungewôhnlich lang im Gebraucbe, nach einer schon citierten Stelle bis sie wurmstichig waren. Dazu kamen die vielen Flechtwerke, welche im alltâglichen Gebrauche des Hauses waren. Ritzen, in welchen sich Wanzen aufhalten konnten, waren also reichlich vorhanden. Dass unter solchen Umstânden der Aegypter trotz der angeblich grossen Reinlichkeit je ganz Irei von Wanzen war, ist kaum anzunehmen. Erweislich sind dieselben, soviel ich weiss, bis jetzt in Hieroglyphen nicht.
Hypoderma bovis.
Im April 1889 wurde von Flinders Pétrie in Kahun, einer Stadt, welche in der zwôlften Dynastie begrûndet und in der 13. noch ungefâhr 1 Jahrzehnt bewohnt war, einVetrinàrpapyrusausgegraben. Derselbe ist unter den medicinischen Schriften das âlteste und altertumlichste Belegstûck. Er wird in London aufbewahrt.
Leider ist dieser Papyros nicht Irei von Zerstôrungslucken und auch im Abschnitte von Hypoderma bovis fmden sich solche Liicken, welche sich aber ergânzen lassen. Die Dasselbeule wird darin als das Nest des einen Wurmes als Diagnose bezeichnet. Einmal erhàlt sie auch die Bezeichnung des Uterux des Wurmes natiirlich insofern, als in ihr der Wurm als Embryo der Hypoderma bovis liegt. Der Text ûber Hypoderma bovU von Zeile 17 bis 33 besagt (fig. 19) :
Betrachtung des Rindes mit dem Neste des einen Wurmes, Wenn ich betrachte das Rind mit Nestem des einen Wurmes [es lâuft im Anfange] ohne zu ruhen, [Nicht beruhigt sîchj sein Gemûth davon. Nachdem es
584 f. VON OEFELE
(das Rind) dann gerannt ist die Nase zur Erde smkmd, wird es (das Ei der Hypoderma bovis) niederfallen avf daaselbe [das Rind) Dit musstdiagnûslicieren, dass verborgene Konier (die Anfànge der Dasselbeulen) daton (vom Niederfallen) sind. lek operiere dasselbe (das R'iOd): Eindringenmu$t ichmit meiner Hand indas fnnere seiner Beukn. Ein Krug Wasser slekt an meiner Seite. Es ist die Hand eines AssisUnten, welcke reinigi eine Partie seiTies (des Rindes) Rûeken (?) Es soU reinigender Assistent seine Hand in diesem Kruge mit Wassersoofl iciederhoU, aU Sckleim an der Hand isi, bis du enlleersl Blut, das zer-
Fig. 19. — VeteriDArpapyrus vnn Kahun, CHpltel t.
backen ist mil Slûckcn oder mit Milchwasxer. Du erkennsl die Krankheitsbeseitigung, sohald Milchwasser kommi zugleich mit der Tochier (der Larve der Hypoderma bovis) Deine Ftiiger beim Operieren (?) in seineinNefte?.... Er icird terbujtden ['.') mit Plîasier{?).
Der letzte Teil enthàlt itiehrere zerstôrte Worte. Dalier slammen die vielen Fragezeichen hioter erganzten Worlen.
Jedenfalls zeigt schon dièse attesle ausfùhrliche parasilologische Beschreibung dass die parasilologischea KennlDlsse der alten Aegypter 4000 Jahre vor uns aiif einer Hôhe standen, weli'lie die Grieehen nicht mebr besassen. Die Geoponika der Byzantinerzeit
STUDIEN ÛBER ALTÂGYPTISCHE PARASITOLOGIE 525
entlehnten zwar 2000 Zahre spàter noch dièse Beschreibung der Hypoderina bovis fast wôrtlich, erkannten aber nicht mehr die ZusammeDgehorigkeit des Rennens des Rindes vor der entwickelten Fliege und der Entwickeiubg der Dasselbeuien, sondern zertrennteo dies in zwei uDzusammengebôrige besondere Kapitel der Velrinàrkunde.
PUPIPAUAE.
Bei den tierischen Parasiten auf Tieren finden wir im Koptischen ciB (1) m. Ricinus, Musca canina, PedictUus, rubigo. In diesem Versuche das Wort lateiniscli wiederzugeben ist die Hippobosca canina zu erkennen. Dem koptischen Worte kann hieroglyphisch entweder ^ J -V- j Oder ^^'^^ entsprechen. Das letzlere Wort kommt im Totenbuche (2) an einer mir momentan nicbt zugânglichen Stelle vor. Wenigstens konnte ich bei Budge an der citierten Stelle dasselbe nicht finden. Doch wird wahrscheinlich ebenso wenig daraus zu ersehen sein, wie aus der weiteren Belegstelle im Londoner medicinischen Papyros (3). Beachtenswert ist es, dass im Papyros Ebers (4) zur Vernichtung von Muscidenlarven in inficierten Wunden Mittel citiert werden, welche zur Vernichtung dièses Parasiten allgemein bekannt zu sein schienen, dass aber anderseits im Papyros Ebers dieser Parasit nirgends mehrerwâhnt wird. Dies erweckt schon die Vermuthung, dass es sicb um einen Parasiten handelt, der nicht beim Menschen, aber sehr hâufig bei Haustieren vorkommt. Der erwâhnte koptische Beleg macht dies so ziemlich zur Gewissheit, dass es sich um Hippobosca canina handelt und dass Muscidenlarven in infîcièrten menschlichen Wunden ebenso behandelt wurden, wie Hippobosca canina oder vielleicht andere Hippobosca-Arien bei Haustieren.
Herr Professor R. Blanchard batte die Freundlichkeit mir mitzuteilen, dass fur das Kamel Hippobosca camelina Savigny und fur den Hund Hippobosca canina Rondani in Betracht kommt. Die Hippobosca camelina ist im koptischen Lexicon (5) als 6T6U)i f. zu finden. Das Kamel ist aber in Aegypten nicht so ait, dass dièse
(1) Parthet, Vocabularium, Berolini, 1844, p. 158.
(2) Totenbuch, 17, 54.
|3) Londoner mediclnlscher Papyros Rectam, Spalte 5, Zeile 5.
(4) Papyros Ebers, Spalte 78, Zeile 9.
(5) Parthbt, p. 39.
526 F. VON OEFELE
Bezeichnung auf ein hieroglyphiscbes Wort gerade fur Hippobasca camelina zurûckgehen kônnte. Es bedeutet im Koptischen auch ein ganz àhnlicbes Wort : Gms und Locu$tae species.
Wena der Kopte in dieser Weise Grillen und Kameliaus confundieren konnte, so ist wobl fur alte Zeiten eine spracbliche Unterscbeidungderverscbiedenen Species der Pupiparas nicbt anzunehmen. Unter 7^^/^AA sind also wobl aile Hippobosca- Xrien auf Einhufern, Wiederkàuern und Hunden und MelophagtAS ovinus zu versteben, wie scbon oben angedeutet.
Eine weitere koptiscbe Bezeicbnung fur Làuse der Tiere. also wabrscbeinlicb fur Lausfliegen ist xercic.
Blut saugende Dipteren.
Zu den Parasiten sind aucb die Blut saugenden Dipteren zu recbnen und zwar die Tabaniden unter den kurzhôrnigen Dipteren, die Bibioniden, Culiciden, etc., unter den Langbôrnern.
Die Auswabl der Feinde des Menscben ist bier eine grosse und die Scbâdigung eine scbr verscbiedene. Es kommen einzelne unbedeutende Sticbe in Betracbt. Docb koennen aucb dièse einzelnen Sticbe oft scbon recbt scbnierzbaft sein, wie wir in Europa von Stomoxys ealcitrans L. wissen. Gefâbrlicb koennen dièse Sticbe werden, wenn ganze M ûckenscbwârme, wie in Ungarn die Koluaibatscber Mucke, Tiere oder Menscben ûberfallen. Aucb scbon das làstige Gesumme der Tipularien vermag den Scblaf oder exakte geistige, und seibst kôrperlicb Arbeit zu stôren.
Fur Aegypten vermag icb allerdings keine Liste der eiuscblâgigen Dipteren mit wissenschaftlicber Bezeicbnung aufzustellen, teils weil iiberbaupt die Dipterenfauna der aussereuropàiscben Lânder wenig erforscbt ist, teils weil die trotzdem vorhandene vereinzeite Litteratur mir unerreicbbar ist. Aber darûber lassen weder die alten Belege nocb die neuen Bericbte einen Zweifel, dass Aegypten mit seinen periodiscben Uberscbwemmungen sowohl nacb Artenzabl wie nacb Individuenzabl ungebeuer reich an scbàdlicben Dipteren war.
Der Fliegenwedel (fig.20) wird dadurcb zueinem der gebraucblicbsten Instrumente in Aegypten. Wir seben den Kônig kaum irgendwo in feierlicber Darstellung ausserhalb des Palastes sich
STUDIEN ObER ALTÂGVPTISCHE PARASITOLOGIE B27
dem Volke zeigen, ohne dass Wedeltrâger anwesead siod. Zum Teil
eoUpricht dies der lioheD BedeutuDg frischerLutt in der pliysiolo-
giscben Auscliauung der atteo Aegypter iiberhaupt. In der tieissen
Jahreszeit gab der Wedel UQgenelime Kuhlung. Id der Jalireszeit
desSprossensHS. XI, bis 15. III) Irilt
dasi Bedûrfnis dei' LuItabkuliluDg
aucb fûrAegypten zuriick. Aberdann
ist ({erade die Zeit der Fliegenplage.
Es lassen sicb aucli recht gut die unge-
fâhr balbkreisfÔrmigeD grossen, lang-
gestieltBQ Fâcber vod den zierlichen
Fliegeuwedeln uaterscheidea. BeiKÔ-
nig Haremheb (1) tragen die l.ufl-
facher zwei Leute niederen Staodes,
wahrscbeinlich gemeiae Solda ten.
Nflben der Sâotte des Kônigs schreitel
aber mit gekriimmtem Rucken uod
der Tracbt der l'riesterkiasse eia vnr-
nehmer Maon als Wed^lnàger zur Fig. ». - KHegcnwedel.
Hechien des kôniys den zierlicben Flie-
geawedel in der Kand. Der Wedeltrager ist ein holier Hofraiig, so
dass bei der Audieaz des Stattliallers von Aethiopien Huy (:!)
dieser ausser dem Herrscherstab des Stathalters den Fliegenwedel
als Rangzeichen fûlirt. Der Titel eines Wedeltrager» utr Hechien
dex Kônigs wird (3| im neuen Reiche (1600-HOO v. Chr.) au die
Prinzeo, den Oberrichter, den Oberschatzmeistei-, (fie Générale uud
aDdere Beainte vom bôchsten Itange verliehea. Aucb die HuUrau-
leiQ der Kdoigin und der Haiemsweiber fûbren den FliegeDwedel.
Wer von Beamten dea Rang des Wedeltrâgers erhalten batte, lasst
sich nie ohne deuselben darstellen.
Doch auch die Màchtigen im Pbaraunenlaode besitzen wieder ibre Wedel-und Fàcbertràger, wîe z. B. der màchtige Giinslliug Ey des Ketzerkônigs. Uater Kônig Ramses IX, erfaliren wir vom Bakscbisch, welcben der Wedettrâger eines Gouverneurs erball.
(i) LcpsiDi, Denkmaier, III, ijfU.
It) Lepsius, Uenkmàler, III, 115.
(3) Erman, Àegypten und aegyplueht» lebtn un iJlertitui. TOblngeo, 1885, p. 111.
528 F. VON OEFELE
Aus der Zeit des ersten Kônigs der 5. Dynastie Userkaf entbàlt das Berliner Muséum (1) die Darstellung des Chnemhotep und seiner Frau Chentetka. Hioter ihnen befmden sich Diener, deren oberster eineo Wedel und einen eigentù m lichen Stab fûhrt. Ausserdem ist der Grifl eines Wedel, wie er zum Verscheuchen der Fliegen ûblich war, aus dem mittleren oder neuen Reiche als Arm gedacbt (2). Andere (3) soiche Griffe stammen aus dem neuen Reiche.
Dass den Aegyptern hiebei stets auch die Gefahr des Dipterenbisses zur Ubertragung von Krankheiten wie Malaria und Nagana vorgeschwebt hat, muss bezweifelt werden, wenn auch der Velerinàrpapyros vereinzelt die Kenntnis der Entstehung der Nagana durch Insectenbisse erweisl. Dass der Aegypter aber auch aerztli-
Fig. 21. — Papyros Eben, Spalte 97, ZeUe 21, und Spalte 98, ZeUe 1.
che Hûlfe gegen die Dipteren in Anspruch nahm, ervireist eine Stelle (Fig. 21), welche Erman (4) so auffasst, dass gegen Mûckenstiche frischer Palmwein verwendet werden soll.
Der Aegypter (ûrchtete wohl von den Mûckenstichen schwerere Gesunsheitsschâdigungen in der Weise, wie es die heutige Volksmedicin thut. Es bestehen dunkle Begriffe von Ptomainen, welche sich diastatisch selbst vermehren soUen. Teils werden nun die Fliegen àhnlich wie die giftigen Schlangen als Selbst producenten dieser Ptomaine betrachtel, teils, und zwar noch hâufiger, wird angenommen, dass dièse Fliegen durch Sitzen auf Cadavern zu Uebertràgern von Ptomaînen werden. Bis zum Begrifie der Uebertragung eines organisierten Giftes kommt die Volksanschauung
(1} Ausfuhrliehes Verzeichniss der aegyptischen AUertuner. Berlin, 1809, N» 14099, p 56.
(2) Loco eitato, N« 9647, p. 224.
(3) Loco eitato, N» 9578 uod 10236, p. 224.
|4) Erman, Àegypten und aeg. Loeo eitato, p. 485.
8TUDIEN OBER ALTAGYPTISCHE PARA8IT0L06IB ^ $29
)auch heute noch nicht, sondern bleibt beim Begriffe des organischen Gifles stehen. So mag es wohl auch mit der Ansicht des alten Aegypter gestaaden haben.
Hymenoptera aculeata.
Von dea beissenden und saugenden Dipteren werden selbst voa gebildeten LeuteD moderner Cuitur nur schwer die stecbenden Hymeaopteren getrenni. Wie viele Laien mit bester SchulbiiduDg confundieren Tabanus und Vespa^ ja selbt EristcUis !
Das Kopligche Lexicon (1) giebt unter Musca die koptischen Hezeicbnuogen : xxm, xb, xq und zxm. Schlagen wir aber jede einzelne dieser Bezeichnungen zurûck, so finden wir ûberall die dreifacbe Bedeutung : Mtêsca, Apis and Scarabseus. Sàmmtliche koptische Dialecte confundieren darnach also mit seltener Einhelligkeit : Dipteren, Hymenopteren und sogar Coleopteren. Die Confusion ist also sicberlich altehrwûrdig. Und wenn ich bier als ausserhalb meines Thema liegend die Parasilologie der Bibel im Ùbrigen bei Seite liegen liess, so muss ich hier eine S telle mit der gleichen Confusion (2) erwâhnen.
Von Sareophaga carnaria und ihren Verwandten habe ich schon beim Schutzé der Leichen vor Parasiten und bei den Larven von Musciden in Hautwunden sprechen mûssen.Wennnunin Palaestina ein toter Lôwe im Freien liegen blieb, so war es natûrlich, dass Insecten îhre Eier und Larven darin und daran ablegten. Dièse Larven und die Bienenmaden konnte der alte Hebraeer ebenso wenig auseinander halten, wie jene ganze Zeit einschliessiich der Aegypter Musciden und Apiden nicht scharf trennte. In der Simsongescbicbte entstehen nun aus den Muscidenlarvcn (und anderen Aasfressern) Bienen, welche Honig im Neste besitzen. Fur die PhilistersOhne mussdas darauf aufgebaute Râthsel unlôsbar erscheinen, da fur gewôhnlich aus den Wiirmern des Aases (d. h. den Larven) nur gewôhnliche Mûcken entstanden.
Der Aegypter war ein eifriger Bienenzûchter. In seiner Zoologie wurde also wohl das ganze Gebiet der grôsseren Dipteren, Hymenopteren und einiges andere als « Bienen » umfasst und daraus nur
(1) Partbit, Voeabularium. Berolinl, 1844, p. 397.
(2) Bfàch der Richter, 14,8.
Archivée de Paraêitologie, IV. a* 4, 1901. 35
S90 /. VON OEFELE. — STUDIEN CBEB ALTÂGYPTISCHE PARASITOLOGIE
M Affis mellilica » als (( echte Biene » ausgeschiedea und ailes andere als « wilde Bienen » betrachtet. Es enispricht dies ganz dem Stande der Zoologie, wie derselbe bis in das Mittelalter besiehen blieb. Nur die hageren Gestalten und die kleinen Blutsauger unter den Dipteren waren zu wenig beleibt, als dass sie mit den Bienen confundiert wurden. Dièse letzleren Tiere waren es wohl, welche mit frischem Palmwelne fern gehalten werden soUen. Dieseiben
JKIj^ <sj« â i4^A^&cr^
Fig. i2. — Papyros Ebers, Spalte'97, Zeile 20 und 21.
sind ja keine Freunde von Sûssigkeiten und alkoholischen Getrânken.
Die echten und wilden Bienen aller Ansicht wûrden im Gegenteil durch sûssen Palmwein angelockt werden. Hier wurde eine der Antipathien aufgesucht, welche inh schon in der Einleitung erwâhnt habe. Vom Vogel genu, welcher den Oriolus gaUmla oder vielleicht auch einen anderen Vogel bedeutet, halle der aegyptische Bienenzûchler beobachlet, dass er die Bienen wegfieng. Darnach musslen ((echte)) wie (( wilde)) Bienen eine Anlipalhie gegen diesen Vogel haben und als Praeservaliv (Fig. 22) gegen ihre Sliche galt darum eine Einreibung mit dem Felle dièses Vogels.
(Fortsetzung folgt).
Les caractères hiéroglyphiques, coptes et hébraïques employés dans ce mémoire ont été gracieusement prêtés par rimprimerie Nationale,
RICERCHE SPERIMENTALI
SULLA DURATA DELLA VITALITA DEGLI ENDOPA RASSITI ANIMALI RAGGHIUSI ENTRO GLl ORGANI DOPO LA MORTE DEI LORO OSPITI(l).