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Ibid., p

Zuruf an die Bewohner der Preussischen Staaten veranlasst. durch die freimüthigen Betrachtungen und ehrerbietigen Vorstellungen über die neuen Preussischen Anordnungen in geistlichen Sachen.

Nicht fur Euch, Ihr erleuchteten Freunde Eures guten Kôünigs u. seiner Staatsverwaltung, die ihr mit Vertrauen auf seine Weissheit u. Güte seine Verfügungen aufnehmt u. sie mit gutem Herzen, und ohne Vorurtheil prüft, sind diese Blätter geschrieben — Ihr bedürft ihrer nicht; nur Euch übergebe ich sie, die Ihr jene täuschenden Vorstellungen gehôrt, oder gelesen habt, durch die man dem Kônige, der auf dem glänzendsten Throne sich arm dünkt ohne die Liebe, an der Spitze eines der mächtigsten Reiche, sich schwach dünkt ohne das Zutrauen seiner Unterthanen, u. dessen Herzen der Anblik eines beglükten Volks wohler thut, als der bezwungener Länder, u. gedemüthigter Nebenbuhler, seinen hôchsten Schatz, die Liebe seiner Unterthanen rauben zu wollen scheint; die Ihr aber noch nicht abgeurtheilt habt, oder, wenn Ihr es auch häâttet, die Ihr es nuch nicht so unwiderruflich gethan habt, dass Ihr nicht noch hôren, noch Euer Endurtheil berichtigen kônntet, die Ihr ohne Leidenschaft oder Privat-Interesse urtheilt.…

Vertraut mir. Mir leitete kein Privat-Interesse die Feder. Preussens Kônig ist mir so fremd, als irgend ein Monarch der Erde, ich verehre in ihm nichts als den grossen u. guten Mann. Ich bin ein Ausländer, zwar seit kurzer Zeit ein Gast in den Preussischen Staaten, der aber im kurzen wieder gehen wird, wie er kam. Ich kenne keinen seiner Räthe, ehre in ihnen nur den Abglanz, den die Wahl eines solchen Kônigs auf sie: wirft; u. weiss nichts von Ihnen, als das was ein Mann wissen kann, der keine Anecdoten sammelt und in die Geheimnisse der Cabineter (sic) nicht eingeweiht zu werden sucht. Mein Name wird keinem genannt werden; und die Feder würde mir entfallen, wenn ich mir bewusst wäre, dass der Gedanke an irgend einen môglichen Privat-Vortheil mir bei Ergreifung derselben vorgeschwebt hâtte. Man hat die Streitfrage so gestellt, dass ich Parthei gegen Männer zu nehmen scheine, die ich mit dem Publicum innig verehre, und die es waren, welche

durch ihre Schriften meinen Geist bildeten. Diejenigen, deren Sache ich führe, kenne ich nicht, und sie haben kein Verdienst um mich.

Doch vielleicht suche ich Ruhm? Aber sollte einer unter den Lesern sein, der es nicht wisse, dass die Grundsätze, welche ich zu unterstüzen suchen werde, schon längst durch das lautère Geschrei als Unverstand, und die, welche sich zu ihnen bekennen, als Dummkôpfe oder Heuchler verrufen sind... Was konnte mir also die Feder in die Hand geben, als reine Liebe zur Wahrheit?

Ideen zur Dedication an Preussens gereifte Bewohner. An denjenigen Theil des Publicums, der noch unpartheiisch urtheilen kann. L

… Ich ergreife Parthei gegen Männer die ich mit dem Publicum ehre, die meine Lehrer waren; indem ich ihrer denke, schweben mir die seeligen Stunden vor, wo ich in ihren Schriften zuerst denken, forschen lernte; die, deren Parthei ich ergreife, kenne ich nicht; sie haben kein Verdienst um mich. Ich wage, indem ich diese Schrift schreibe. Ich habe verehrte Männer zu Freunden, die ich, bis auf ihre Denkungsart über die vorliegende Materie, schätze, deren Freundschaft mir werth ist, die ich verliere, wenn ich als Verf. dieser Blätter bekannt werde. Ich verliere, denn du weisst es, Leser, dass der Vorwurf der Unwissenheit, der Trägheit, der Faulheit fertig ist, diejenigen zu brandmarken, die andrer Meinung sind als unsre Aufklärer.

APPENDICE III Vorrede.

Unser an Phänomen reichhaltiges Zeitalter hat sich endlich erschôpît eins der grôssten hervorzubringen, einen Kônig, dessen süssester Genuss auf dem Thron es ist Mensch zu sein; der ein gütiger Vater, ein warmer wohlmeinender Freund.. seiner Unterthanen zu sein für den einzigen Vorzug seiner Kônigswürde hält — dessen erster kôniglicher Gedanke bei seiner Thronbesteigung der war die Unterthanen zu erleichtern, — Ueberfluss in seinem Staate aufblühen zu lassen —.…. der, an der Spitze eines mâchtigen Reichs zur Zeit da seine natürlichen Nebenbuhler, in der grôssten Verwirrung waren.…. ihnen die Hand zum ewigen Bunde reichte — der besonders dadurch sich auszeichnet, dass er unter allen Sterblichen erhôht sich doch in Demuth vor Gott beugt, dem die Religion theuer ist, der ihr beruhigendes fühlt u. der, aus allgemeiner Menschenliebe gern jeden seiner Unterthanen im

Genuss dieser Religion so seelig machen môchte als er selbst ist. Ein solcher Kônig sollte der angebeteste (sic) — der Liebling seines Volks gewesen sein. aber... er wird weder so allgemein, noch so innig geliebt, als man Érwratten sollte. Welch ein Phänomen ! Aber doch auch wie natürlich zu erklären.

Sein Vorfahr, Friedrich der Einzige, war auf eine andere Art gross. In die fressendsten Kriege verwikelt, — so oft mit Europens Schaaren, . mit den Elementen u. mit dem Schicksal in blutigem Kampfe um Regierung, Ehre, u. fast um Existenz, u. in allen diesen Kämpfen sieghaft hatte seine Seele vorzüglich den Schwung vorzüglich (sic) für die erhabenen Tugenden bekommen, — hatte er fast aufgehôrt Mensch zu sein, um unter die Heroen überzugehen. Seine Grôsse, durch so viele Dinge in die Augen der Vôlker seblitzt, leuchtete ohne Hülle —, jeder der ihm nabhte, fühlte die Uebermacht nicht des Monarchen, sondern des Mannes. Frei von allen willkührlichen Handlungen der Déspotiel Fey der Man», der es sicher durch sein Leben nicht widerlegt zu werden, sagen durfte, dass ein Künig der erste Diener des Staats sei, flôsste doch schaudernde Ehrfurcht ein; u. nahe um ïihn herum wagte das Misvergnügen nicht laut zu werden, — jeder hatte dass sicherste Zutrauen zu seinen Aussichten, u. man glaubte, ohne sich zu bekümmern zu sehen — Glaube an ihn wars, der seine Regierung so mächtig machte, dass jeder neue Versuch (?) vor seinen hôüheren Einsichten die Segel strekte.

Sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm, glänzt in einer bescheidenen Grôsse... sucht Rath u. sucht ihn natürlich bei Männern die mit seiner menschenfreundlichen sanften Denkungsart am meisten harmonieren.….

Welch'eine grosse Veranlassung, dass eine Nation, die sich an den Wahn gewôhnt hatte, von einem Halbgotte regiert zu sein, unter der Regierung cines Fürsten, der die Menschheit zu sehr liebt, um mehr sein zu wollen, als ein Mitglied derselben... sich erlaubt Untersuchungen anzustellen, strenger zu censiren, u. zu finden, dass jeder unter ihnen die Sache weit besser würde gemacht haben, wenn er am Ruder der Geschäfte sässe…

Durch das Sistem der Preussischen Regierung mussten manche Maasregeln ergriffen werden, die so heilsam sie dem Ganzen waren doch dem Individuo bisweilen lästig wurden. Man versprach sich von einer neuen Regierung Erleichterungen... Man erhielt sie, aber nun war der eine weniger erleichtert, als sein Nachbar, weniger als er gehofft hatte — Er — zwar nur Er, — hätte lieber ganz frei sein wollen von der allgemeinen Last.

Endlich u. zur Hauptsache hatte unter Friedrich, der Wissenschaften u. Künste ehrte, der aber die Seeligkeiten, die die Religion ihren aufrichtigen Verehrern giebt, nie [?] geschmekt zu haben [scheint], die Gleichgültigkeit über dieselbe die ihn beseelte, sich einer gewissen Klasse seiner Unterthanen mitgetheilt. Gelehrsamkeit blühte, u. ein Feuer der Untersuchung erregte in den Kôpfen der Gelehrten eine heilsame Gährung, die Licht über ganz Europa verbreiten half; aber wie bei jedem Guten der Misbrauch sehr leicht dabei ist, Freiheit artete in Ungebundenheit aus, u. Resultate, die nur als Vorbereitungen u. Fingerzeige des weitern Forschens dienen sollten, wurden als die endlichen

Resultate, Sätze die ohne Schaden nur ein Eigenthum des hellen, vielwissenden Kopfs sein konnten, wurden in den Volks-Unterricht übergetragen, das Volk wurde verwirrt, und von seiner ehemaligen Bahn — der einzigen die es richtig führt, wie wir bis zum klaren Erweise postuliren, abgeleitet, u. auf trokne dürre Sandwüsten abgeführt. Fr. W. selbst Frs (? Fürst ?) u. zu sehr Fürst, um nicht alle seine - Fürstenpflichten erfüllen zu wollen, zu sehr Vater seines Volks, um nicht wo môglich auch noch jenseit des Grabes für dasselbe zu sorgen, legte dieser Ungebundenheit Fesseln an, u. jezt schreien einige die um ihre errungenen Geistesschätze zu kommen glaubten, in allem Ernst, über Gewissenszwang u. Geistes-Knechtschaft u. tausend andere schreien ihnen nach, um auch etwas bei der verwirrten (?) Flamme zu thun, nur aus Mode ohne eigentlich zu wissen, wovon die Rede war.

Daher so viel fliegende Schriften, in denen die Anstalten des weisesten u. besten Kôünigs getadelt werden, mitten unter seinem Volke — Schriften, die eben durch ihre Existenz u. durch ihr freies Herumlaufen, sich Lügen strafen — wo jene verschriene Geistessklaverei (?), jene finstern Absichten herrschen, da duldet man diese Schriften nicht, da unterdrükt sie der lichtscheue Politiker, koste es was es wolle, in der Geburt.

Dieser Tadel, diese verkehrte Darstellung der Anordnungen, nicht die Anordnungen selbst sind es, die bestimmt sind eine Scheidewand zwischen den besten Kônig u. sein Volk zu legen.….

Aber was noch nicht geschehen ist kann geschehen — und was ganz sicher geschieht, ist dass diejenigen welche diese Anordnungen vorzüglich betreffen, misvergnügter folglich saumseeliger zur Ausübung derselben werden.

Dies môchte ich beitragen zu verhindern — wenigstens in dem Fache dazu beitragen, in welchem ich vielleicht etwas sagen dürfte, über die neuen Anordnungen in geistl. Sachen.

Der Verf. der Schrift freie Betrachtungen pp. schmeichelt sich selbst, die Sachen gesagt zu haben, wie sie noch nie gesagt worden sind; u.ich weiss, dass sie hier u. da starke Sensation gemacht, dass sie hier u. da bisher noch gut Gesinnte wenigstens verwirrt hat.

Ihn also widerlegt, heisst den gegenwärtig stärksten Sprecher der Gegner dieser Anordnungen widerlegt.

Soviel Gründe der Verf. für sein Recht auch (?) hat, diese Anordnungen zu bestreiten, u. das Resultat seiner Untersuchungen über dieselben bekannt zu machen, die Preussischen Patrioten aufzuforden, die Schrift in die Hände des Kônigs zu bringen, so viele glaube ich zu haben, auch die meinigen bekannt zu machen, u. sie in die Hände des Publikum zu bringen.

Er gründet sein Recht auf seine Prädicate als Ausländer, als Mensch, als Gelehrter; u. — es sei seinem Gewissen überlassen : er meinte vielleicht Recht zu haben. — Ich bin Ausländer, wie er sich nennt, u. wer er immer sein mag. AÂls Mensch fühle ich eben die Aufforderung das, was eine dringende Angelegenheit der Menscheit zu sein scheint, zu führen, wie er dasjenige, was er dafür hält. Ich bin Gelehrter, u. Theologe, und mit welchem Recht ich beide Benennungen behaupte

entscheide der, der Beides ist, wenn er meine Schrift zu Ende gelesen. Als erster u. lezter fühle ich stärker, als einer, die Verbindlichkeit alles unser Wissen auf den hôchsten lezten Zwek hinzuleiten, u. alle Misleitungen desselben so viel in meinen Kräften steht, zu verhindern.

Als dasjenige endlich, was Er sich nicht nennen mag — was ich aber hôher, als alle Titel der Welt, u. alle Grôsse, u. allen Ruhm schätze, weil ich es noch zu sein denke, wenn schon der Erdball in verzehrenden Feuerflammen aufgegangen, — schon alle Reiche, alle Kronen zertrümmert, schon alles neu sein wird, als Christ ist mir die Verbindlichkeit heilig, zur Aufrechthaltung der Ehre des Christenthums beizutragen, zurufen u. zu schreien, wenn die Sache desselben mir in Gefahr zu sein scheint — wenn Anordnungen die der Herr, der für seine Kirche wacht, vielleicht in dem weisesten Plane hatte, auf dem Puncte zu sein scheinen hinter-

trieben zu werden — nicht als ob sie hintertrieben werden kônnten, — der Herr der seine Kirche schützt, wird sie troz aller Machinationen zu erhalten wissen, — aber vielleicht sind selbst meine Bemühungen

in seinem Plane.

Unsere Untersuchung über die Rechtmässigkeit u. Weissheit der neuen Preussischen Anordnungen in geistl. Sachen theilt sich in die Fragen : was sind Protestanten — was hat ein protestantischer Fürst gegen diese, als solche, für Verbindlichkeiten? was würde, gesezt er hätte auch keine besondern Verbindlichkeiten, schon Weissheit und Wohlwollen ihm rathen, — u. dann erst nachdem der Grund tief genug gelegt ist, künnen wir zur Beantwortung einiger seiner scheinbarsten Einwürfe übergehen.

APPENDICE IV Ueber die Achtung des Staats für die Wahrheit.

… Wir nehmen hier schon als erwiesen an, dass nicht die Vülker um der Fürsten, sondern dass die Fürsten um der Vôülker willen da seien u. dass sie noch andere Gezetze haben, als ihre Einfälle, u. andere mit Schranken, als die ihrer physischen Macht.

Wir glauben keinen zu beleidigen, sondern sie vielmehr zu ehren.… wenn wir, statt dass zu oft nur die Rede von ihrer Gnade, von ihrer Schonung u. Milde war, auch einmal von ihren Schuldigkeiten reden...

Ist nicht das Volk ein Sclave, ein angeerbtes Erbstück des Fürsten, sondern der Fürst der Diener der Gesellschaft, wie wir als erwiesen voraussetzen, so gründen alle seine Rechte sich auf die Rechte dieser Gesellschaft, deren Verweser er ist, er hat sie nur durch Uebertragung dieser, u. sie konnte ihm keiner übertragen der sie nicht selbst hatte. Die Rechte der Gesellschaft aber, die nur durch ausdrückliche oder stillschweigende Einwilligung aller entstehen konnten, gründen sich auf Vertrag der einzelnen Mitglieder, gegen gewisse Bedingungen, gewisse ihrer natürlichen Rechte aufzuopfern. Ohne uns hier in ein weites Feld von Streitigkeiten einzulassen, kônnen wir sogleich als [einen unmittelbar klaren]! Grundsatz feststellen, dass die Gesell-

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