T^EUE LEGENDE
L/er Herr der ewigen Schaaren Sitzt hoch auf goldenem Thron ; Vereint, harmonisch, in Paaren, Umstehen ihn Vater und Sohn.
Der einst Homeros auf Erden Haslt Beethoven an der Hand ; Shakespaere, Angelo, sie werden Mit einem Namen genannt.
Umhiillt mit einem Gewande, An Raphaël, Mozart sich lehnt; Sie fesseln heilige Bande Der Seelen, die laengst sich ersehnt.
Dicht bei da Vinci steht Dante , Verklasrt! er laschelt jetzt oft, Dass er einst, der Gottesgesandte, Menschen zu bessern gehofFt.
LK TOMBKAL
Was je sich auf Erden geahnet, Was geistig im Innern verwandt, Dran unklar, doch gliihend gemahnet, Sich freudig, sich jauchzend hier fand.
Wer zœhlte die einigen Geister, Die weilen im himmlischen Hausr Wie jauchzend sie preisen den Meister, Den Anblick, wer hielte ihn aus ?
Nur einer ist einsam, verlassen, Steht diister in Gram er gehïïllt ; Betrachtet voll Sehnsucht die Massen, Das Auge mit Thranen gefullt.
Denn nur dem Geiste dem gleichen, Gesellt sich der gleiche zu ; Armer Cellini! erreichen Musst noch den Brudergeist du.
Einst trat mit fragenden Worten Der Herr auf ihn zu : « Cellin, « Wer weilte an himmlischen Orten , « Mit gramumdiistertem Sinn>
« Ist Himmel ein Erden gewordenr' « Drang trostlose Trauer hier ein ) « Was thaste die Freude dir mordent « Was schafTt dir so arge Pein } »
— Herr mœgest in Gnaden gedenken « Der Zeit, als du heischtest von mir, « Der Erde auf Kurzem zu schenken « Den Sohn , ihr zur ewigen Zier.
« ïch that es, wie's aile einst thaten, « Die wiedergeeinigt ich seh'; « Verjiïngt, aus geistigen Saaten , « Erstand mein geliebter Gautier.
« Ruhmvoll setzt fort er auf Erden, « Was ahnend ich einstens begann ; « Krone und Lorbeer, sie werden « Gereicht dem erhabenen Mann !
<( Du siehst es oh Hernscher ! nicht mehren <( Kann Ruhm sich, den er dort fand , « Doch schmerzlich muss ich ihn entbehren, « Der einst mir zur Seite stand.
« So gieb îhm was aile hier fanden :
•( Unsterblichkeit ! Wiirdiger Lohn î (( Mach frei ihn von irdischen Banden — « Vereine uns, Vater und Sohn. »
Der Herr, mit gnœd'ger Geberde, Winkt rasch einem Engel, hehr!
« Eile hinunter zur Erde, « Erfulle Cellini's Begehr. »
Der fehrt wie Blitz, in die sieche, Erbarmende Menschengruft , Zertheilend die Modergeriiche , Mit Balsamisch wlirzigem Duft.
Vor einem der traurigen Graber, Stolz « Hasuser » auf Erden genannt, Haslt an der gesandte Beleber, Der wohl mi dem Orte bekannt.
Eintritt er, Helle verdrœnget Das Dunkel, das schwœrzet den Raum Gautier schlœft drinnen beenget, Er trœumet den irdischen Traum.
Ahnt er die himmlische Nashe?* Fiihlt frei sich, leichter die Brust } Laschelnd, als ob er ihn sèhe, Bebt Wang' ihm und Auge, vor Lust.
Der Engel betrachtet ihn lange, Nickt holde dann, als wie zum Gruss, Beriihrt ihm die Stirne, die bange.
Und kiissst ihn mit zœrtlichem Kuss.
Aufthut sich die ewige Pforte, Hervor tritt Gautier, stolz und kiihn ' Schon kennt er die himmlischen Orte.
Stellt dicht zu Cellini sich hin. —
Drum gaben an jenem Morgen Wir Mutter Erde zuriick, Was sie dem Geiste that borgen :
Die Huile, — mit thraenendem Blick.
Und schauten, von Wehmuth ergriffen, Zur traurigen Sonne empor, Die unsere Schmerzen begriffen, Sich einhiillt in nebligem Flor.
Oh Sonne ! acht' nicht unsrer Qualen, Steig auf in die lachende Hœh !
Vor Freude musst du jetzt strahlen, Du hast unsern Dichter Gautier!
LU'DWIG 'BEV^E'DICTUS.