‹ Les catholiques français et leurs difficultés actuelles. Du militarisme. Du nationalisme. Les femmes et la politique. Antisémitisme. Les catholiques et le bon vieux temps (volume 2)Chapitre 63 sur 121 · FRANKREICH · texte numérisé non relu

FRANKREICH

Ein Katholik ûber den franzôsischen Katholizismus .

Vor etwa einem lahre wurde in der Justice Sociale ein Brief an einen Bischof verôffenlicht, der aus seinen Befiirchtungen in Bezug auf die gegenwârtige Lage der Kirche Kein Hehl gemacht hatte. Der Brief war so frei, die Aufmerksamkeit des Bischof s auf die schweren Fehler zu lenken, die von der Leitung der Kirche in der letzten Zeit begangen worden sind, vor Allem in der Affaire Dreyfus, in der die Katholiken vom Papst bis zum letzten Sakristan sich auf die Seite der Gewalt, des Militarismus und des Chauvinismus gegen die Wahrheit und die Gerechtigkeit gestellt haben. Der Brief machte damais ein gewisses Aufsehen, denn er traf thatsàchlich eine sehr wunde Stelle.Der Verfasser des Brief es hat jetzt die Austellungen, die er an der Leitung der Kirche zu machen hat, ausfùhrlich dargestellt und eingehend begriindet in einem Bûche, dasden Titel fiihrt : les Catholiques français et leurs difficultés actuelles, par Léon Chaîne (Paris, Verlag von A. Storck et Ç}\ 16, rue de Condé). Der Verfasser istein aufrichtiger, glaubiger KathoUk, aber er hat noch ein offenes Auge fur die Schâden des hergebrachten und gegenwartig geltenden Kirchenthums, und er ist muthig genug, seine Meinung offen herauszusagen. Er tadelt u. A. die Verquickung von Religion und Politik, die Vorliebe der Kirche fur Militarismus und Chauvinismus und iiberhaupt fiir jede Art von Reaktion, die Riickstandigkeit des Klerus in der Wissenschaft, die AusAviichse der jesuitischen Andachten, die Zunahme des Wunder Glaubens usw. Aile dièse Dinge machen es sehr begreiflich, das der hohe wie der niedere Klerus in der Affaire Dreyfus keine andere Stellung finden konnte als auf Seiten der Verbrecher des Generalstabs. Der Verfasser rst nicht

so optimistich, zu hoffen, dass sein Buch die Leiter der Kirche zur Einkehr iind IJmkehr veranlassen werde, aber als braver Mann erklàrt er, schliesslich auch damit zufrieden zu sein, dass er seine Pfiicht gethan habe, indem er dasjenige, was sein Gewissen bedriickte, verôffentlichte. Man wird gut thun, auf solche Stimmen zu horen, wenn man verstehen will, was gegenwârtig in Frankreich sich vollzieht und was noch weiter sicli xurbereitr-^t. Das Buch Léon Chaine's enthâlt ein sehr reichhaltiges Material und es ist ausserdem recht lelDendig geschrieben, so dass es wohl verdient . auch im Ausland l^eachtet und gelesen zu werden.

Journal de Saint-Pétershourg , 26 février (11 mars) 1903.

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