TRANSPORT DES MATÉRIAUX ERRATIQUES
artige, mit so ungeheurera Steinmaterial beladene Flutben ûber die Seetiefen weggehen konnten, ohne zunàchst dièse selbst auszufùl- *"*^'p*' i-l!^"'^ len. — Andere (z. B. Venturlnl) glaubten daber, die Fûndlinge seien nuf Tafeln von Treibeis aus den Alpen wegnacbibren jetzigen Fundslellen bingelangt , auf àbnlicbeWeise, wie jelzt nocb das von M.iénâux den Poiarlàndern sicb lossreissende Treibeis den Kùsten Labradors enrtuqoei tnniportéi und des sùdlicben Amerikas jâbrlich zablreicbe und zum Tbeil , ^l" , grosse Felsblôcke zufiibrt. — Aber die obère Grenze der alpinen Fûndlinge bildet nicht eine wagrechte Ebene , wie die Oberflàche aines slehenden Gewàssers es tbut. Die Walliserblôcke steigen am hôchsten am Chasseran in der Verlângerung der Richlung des untern lOwnethals; von da sinken sie einerseits gegen den Bielersee^ anderseits gegen Gex hinab. Wo sind ferner die Berge gewesen, welche dièses verraulhete Binnenmeer eingefasst, ibm aïs Ufer gedienl haben? Wir finden Blôcke auf der Hôhe des Salève bei Genf^ bei der Festung Hohentwiel , an der Sûdseite der Alpen hoch an den Abhângen der Berge. An allen diesen und zablreicben anderen Stellen ist das benachbarte Land niedrig und oflen , zum Theil in unabselîbare Ebnen verlaufend. — Die Vermulhung, dass unsere Blôcke auf Treibeis (glaces flottantes) an ibre jetzigen Fundstellen bingelangt seien, fiibrt uns also ebenfalls zu sellsamen Widersprûchen, denen sich nocb zablreicbe -andere Schwierigkeiten zugesellen.
So weit war am Ende der 20®'' Jahre , abgesehen von Varianten dieser hauptsâcblichsten Hypothesen, die Diskussion ûber dièse Frage unter den Gelehrlen gediehen '.
Einzelne auf die Phânomene der sie umgebenden Natur aufmerksame und nachdenkende Alpenbewohner, ohne Schulbildung, aber offnen, durch systematische Ansicbten nicht getrûbten Blicks, waren indess zu einer ganz andern Ueberzeugung gelangt. So sagte 1815 der Gemsjâger Perraudln im BagnetHal im l^alUs, zu Hr. v. Charpentier, dem ebenso verdienst- als geistvollen Direktor der Salzwerke von Bex: iDie Gletscher unserer Gebirge sind einst viel grôsser gewesen als jetzl; unser gantes Thaï ist von einem Gletscher bedeckt gewesen , der bis nach Martinach hinaus reichte ; das beweisen
* Dièse und die verwandten auch neueren Hypothesen sind beleuchtet , und ihre Unhaltbarkeit auPs klarste dargethan im oben angefuhrten Werke , \on «V. de ChArpentter, S. 171—244.
1845. Pemndin.
die in der Ungebutig dieser Siadi liegenden Blocke; sie sind zu grass , aïs dass das Wasser sie Mlle hinfûhreii kmnen, b Dieser Ausspruch kam indess Hérrn v. Charpentier so unwabrscheinlich vor, dass er ihn nicht nâher prûfte. Im Jahr 1829 aber âusserte sicb der durch sinnreiche kûostliche Zerstôrung: des Gletschers im Bagnelhal rûhro- 1825. lichst bekannte Ingénieur Venetz, in folgender Weise gegen Hrn. v. Charpentier: nMeine BeobachtungeJi lassen mich vermuthen^ A^s nicht ntir das Val de Bagnes, so7idem das ganze Wallislhal, eiu\t von einem Gletscher bedeckt gewesen ist, dersich bis an deti Jura hiu erstreckt und die Ablagerung der Alpenblœcke veranlasst hai. i — Diese Idée eines bis 60 Stunden langen und quer iiber die ganz«; Gegend zwiseben den Àlpen und dem Jura sicb ausdebnenden Gletscbers ersebien aber Charpentier so abenleuerlicb , dass cr , um seinen Freund vom Irrtbum abbringen zu kônnen, die Art und Weise des Vorkommens der Blocke nun eifrig studirte. — Allein jo mebrerforscbte, desto mebr ûberzeugteersicb, dass die Annafame von Gletscbern die beste und bis in die kleinsten Einzelheiteu stimmende Recbenschaft gebe vom Vorkommen der Fûndlinge und der damit zusammenhàngenden Erscbeinungen. — Charpentier isl so au s dem eifrigsten Gegner der Hauptvertreler der Gletscher-Hypolbese geworden; icb glaube mit Recbt, da nach meiner eignen Erfabrung derjenige , welcber unbefangnen Auges die Thatsachen betracblet, dem Gewicbt derselben nicht widerstehen kann. — Werfen wir also einen Blick auf die bieber gebôrigen Erscbeinungen , welcbe die jetzigen Gletscber uns darbieten.
Steben wir auf einem jener stolzen Feisgipfel , die sicb aus der Gletscherwelt der Alpen erbeben , so seben wir die grossen Verliefungen , welcbe die Berge von einander trennen , erfïillt mit ofl unûbersebbaren Scbnee- und Eismassen , den sogenannten Eismeerefit. In diesen boben kallen Regionen regnet es nâmlicb selten ; das Wasser , das bei uns wàbrend des grôssten Tbeils des Jahres als Regen aus der Luft fâllt, fâllt dort meist in Gestalt von Scbnee nieder, wie bei uns zur Winterszeit. Zudem ist dort die Wàrrae ira Allgemeinen zu gering, um den jàbrlicb fallenden Scbnee wegzuscbmelzen, — Der Scbnee und die durcb ôftere Trànkung mil Scbneewasser und aucb mit Regen daraus bervorgebende eisartige Masse, âbnlich derjenigen, in welcbe der bei uns im Anfaog des
Échtilc de de Saussure.
Winlers gefallene Schnee sicb bis im Frûhjahrofturawandeit, hâuft
sich indess in diesen Hochregionen nicht in's Unendliche an; wenn
ihre Oberflàcbe so bocb geworden ist, dass sie die tieferen Gegen-
(len um ein gewisscs Maas ûberbôbt , so bleibt sie nicht mehr still
liegen , sondern sie bewegt sicb langsara gegen die Tiefe hin , wie
ein sehr zàhflûssigerScblamnistrom es thun wûrde.Einer derersten
schlagenden Beweise fur dièses Yorrûcken der scbeinbar unbeweg-
lich daliegenden Gletscbermeere ist die Leiter, welcbe Saussure tm.
bei sciner Ersteigung des Mont-Blanc im Jahr il 88 bei der Aiguille
notre zurùck gelassen batte; ibre Trûmmer gelangten bis ins Jabr
1832 in die Gegend von les Moulins auf dem mer de Glace; sie
war also auf dem Gletscber und mit ibm in 44 Jabren um 14,500
Par. Fuss (5522 Meter) vorgerûckt , oder ungefàbr eine Stunde in
50 Jabren.
Durch neuere , namentlich von AsMNrfta und wwhem angestellte sorgfâllige Beobachtungen weiss man nun auch, dass die Bewegung der Gletscher denselben GeseUen unlerthan ist , wie das Fliessen der Strôme, und dass sie also um so schneller vorrucken , je stârker ihr Gefâll und je grôsser und dicker ihre Masse ist*.
Die Gletscher wùrden also bei ibrem zwar langsamen aber steten Vorrucken bald sàmmtliche Tbàler unserer Alpen bedecken , ihre saftigen Weiden in Eiswûslen umwandeln , wenn nicht glûcklicberweise die in den Tiefen herrschende grôssere Wàrme den Gletscher an seiner Oberflàcbe und namentlich an seinem Ende zum Scbmelzen bràcbte , sein Eis in Wasser umwandelle. In der Gegend des Endes der Gletscber findet also ein beslàndiger Kampf statt zwischen dervorrûckenden Eismasse und der si angreifenden wârmern Thallufl. Wird diesc Meister, so schmilzt der Gletscber mehr ab als er vorrùckt; er wird also kleiner, ziebt sich zurùck, wie man sich gewôhnlich, obgleicb nicht richtig ausdrùckt. Ist aber das Welter kalt, folgen gar mehrere nasse und kalle Jabrc nacheinander, wie es von 1812 bis 1817 der Fall war, so wachsen die Gletscher, sowohl in die Lange als in die Hôhe, in einem fur den Alpenbewobner scbreckhaflen Massstabe an.
Das Vorrîicken der Gletscber, das so unmerklich ist, dass es vom iEIpler mit dem Wachsen der Pflanzen verglichen wird, wird uns, Nvenn wir jene Hôhe besuchen , aber bie und da in sehr anschauli-
* 0. A. Nos observations ne confirment nullement cette hypothèse.
cher, ira ersten Moment -sogar erschreckender Weise vor Augen gefùhrt. — In der That , wandeln wir ûber einen Gletscher hin , se fùhlen wir zuweilen den Eisboden unter unseren Fûssen plôtzlich heflig erzittern undgleichzeilig dringt aus der Tiefe zu unsenn Ohre ein eigenthûmliches , von klapfartigen Tôoen begleitetes, zischendes Geràuscb, vergleiebbar demjenigen, welches wir bôreo, wenn eine grosse Hojzlafel in Folge der Trockenbeit der Lufl enizweireisst. — Âucb im Gletscher ist das Erzittern und das Gezisch hervorgerufen worden durch das Aufbrecben einer ofl nur i Linie breiten Spalte, die wir manchmal bis in grosse Enlfernung hin verfolgen kônnen; wo nàmlich der Feisboden des Gletschers uneben ist, plôtzlich stark abwârts geht, kann das Gletschereis wegen der geringen Verschiebbarkeit seiner Theile nichl in seiner ganzen oA viele 100 Fuss betragenden Dicke auf Einmal dieser verânderten Richtung nachgeben , es reisst also entzwei.
Die in diesen Gletscberregionen gewôhnlich herrschende laatlose Slille wird hie und da auch durch anderes Geràusch unterbrochen , welches nun aber nicht aus der Tiefe herauf , sondern von eînem Berge herab zu unserm Ohr dringt. Blicken wir nach dieser Slelle hin , so sehen wir oben an einer der Felswànde, die vom Gletscher aus in die Liifte emporsteigen, sich eine Sleinmasse ablôsen , welche nun liber die Felswand herab, Staub und Schnee aufwerfend und in kleinere Bruchslùcke zerspringend , dem Gletscher zufallt. — Dadurch aufmerksam geworden, bemerken wir dann, dass dièse vor unseren Augen herabgestûrzten Steine nur der Anfangspunkt sind eines ofl ganz zusammenhàngenden mehr oder minder breiten Streifens ganz gleicher Steine, der sich thalabwârts erstreckt, so weit das Auge reicht;
Bei der Wanderung iiber den obern Theil des Gletschers hin , finden wir noch mehrere andere Slreifen solcher Blôcke und namentlich viele lângs den Rândern des Gletschers; sie besteben sâmmtlich aus der Steinart, aus welcher der Felskopf gebildet isl, an dessen Fuss der Blockstreifen beginnt.
Da wir aber bereits vertraut sind mit der Bewegung des Gletschers nach abwârts, so wird uns jetzt klar, dass aile die Blôcke, welche die verschiedenen Slreifen bilden , vom Fusse ihrer Staramspitzen an, vermôge des allmâhlichen Vorrùckens ihrer Unterlage,
des Gletschers , abwàrts gewandert sind. Dièse wallartigen Slreifen von Blôckenund feinem Schutt heissen Morànen (moraines). — Die weitere Betrachtung zeigt uns dann , dass dièse Blockslreifen und Morànen, namentlicb wo siemàchtig sind, viele Steine auf einanderliegen, das unterihnen liegende Eis schûtzen gegen den ÂngrifT der Sonne und der warmen Luflslrôme ; das Eis unter ihnen schmilzt also in viel geringerem Maasse als das zwischen den Morànen befindliche und es enstehen so Reihen von Thâlern und Hûgeln , deren Hôhe manchmal bis 400 Fuss (32 Mêler) betràgt. Werden aber im Verlaufe derZeit, in Folge dièses ungleichen Abschmelzens, die Abhânge der Eishiigel betrâchtlich steil, so fallen die Steinblôcke nach beiden Seiten in die Vertiefungen hinab, vermengen sich dabei mil denen der benachbarten Morànen, decken und schiilzen das Eis nun aach hier; daher ist denn âuch die Oberflâche des Gletschers gegen sein unteres Ende hin in der Mille ura so ebener, je gleichiormiger sie mit Steinschutt bedecktist; làngs denSeilenwânden ist sie meist bedeutend niedriger, weil die durch die Sonne erhitzlen Felswànde hier wie ein warmer Ofen wirken. Dièse Steine werden vom Gleischer oft unversehrl, in ibrer ursprûnglichen Grosse und mil fast vôlliger Erhaltung ibrer scharien Kanlen und Ecken so weit fortgelragen als er eben vorrùckt ; die ûber seinem Endabfall liegenden fallen herab und werden meist von ihm vor sich hergeschoben. ^hnlich verhâlt sich's an den beiden Seiten des Gletschers ; auch da wird , namentlicb wo das Gletscherbett enge ist , der Steinschutt bis ûber das Niveau des Eises hinauf gedràngt und die Gewalt des Gletschers istsounwiderstehiich, dassnichtnurRasen aufgerissen, sondern hie und ()a selbst Felsboden aufgewiihlt und fortgevVàlzt wird. Verkleinert sich dann aber der Gleischer in F^olge einer Reihe warmer Jahre , verschwindet er in bedeutender Ausdehnung , so bleibt der Schutt, den er wàhrend des Vorriickens vor und neben sich hingedrângt halte, nebst dem der ihn bedeckte , auf dem nun eisfreien Boden liegen in Gestalt von Schuttwàllen , welche von der frùhem Ausdehnung des Gletschers ein mehr oder minder voUstàndiges Abbild geben , also oben den Seiten entlang gehen , unten aber in eînem das Thaï der Quere nach durchziehenden , vom Gletscherbach an einer oder mehreren Stellen zerschnitlenen, bogenfôrmigen Wall sich vereinigen.
So hat der Gletscherstand des ersten Jahrzehends dièses Jahrhunderts, einer der grôssten , die seit langer Zeit eingetreten sind , fast ûberall seine Spuren hinterlassen in kleineren und grôsseren Wâllen , in denen feiner Sand und grosse Blôcke, scharfkantige und abgerundete Steine unordentlich durch einander liegen; hie und da ûnden sich in diesen Schultmassen Blôcke, die ebenfalls bei 40,000 Kubikfuss (1370 mètres cubes) Inhalt haben; einer im Saasthal im Wallis vor ungefàhr 100 Jahren vom Schwarzbergglelscher bergefûhrt, misst sogar 244,000 Kubikfuss (8,360 mèlres cubes).
Die Gletscher tragen aber nicht nur auf ihrem Rûcken die auf sie herabgefallenen Felsmassen bis an ihre Enden hin ; sie rufen aucb anihrer Seiten- und Unierflache merkwûrdige Wirkungen hervor, an dem sie einfassenden Belle , wo dasselbe , wie es gewôbnlich der Fall isl , aus kahlem Fels besteht.
GUcien en >ctivité. E. cl H. 2. Dicsc Wirkungcu kônnen wir am besten verfolgen an den
Action lur les rocbci
zwar sellenen Slellen , wo es môglich ist durcb eine grottenàhnliche
qui les encadrent. ' v c?
Hôhie zwischen dem Gletscher und der ihn begrenzenden Felswand eine Strecke weit vorzudringen. Das Bild stellt eine solcbe Stelle dar, die vor mehreren Jahren am untern Ende des Vieschgletscbers in Oberwallis zugânglich war. Wir sehen hier einen mâchtigen Schleif- und Polir-Apparat vor uns. — Die Felswand ist nicht rauh und slruppig wie das Geslein, der hiesige Granit sonsl ist; sondern sie zeigt gross- und sanilwellige Furchen, deren Richtung und Gefâll ubereinslimmen mit der Richtung und dem Gefâll des Gletschers ; die Felswand ist dort auch glatt und wie polirt anzufûhlen. Das Schleif- und Polirmaterial sehen wir wirklich ob uns; es ist der Sand und die zahlreichen Steine, welche sich in der Grenzflàche des Eises zum Theil fest eingebacken beGnden, beim allmàhlichen Yorrûcken des Gletschers sich und die Felswand auf ihrem Wege abreiben. — Die Richtigkeit dieser Anschauungsweise springt um so mehr in die Augen , wenn wir nun , eben als Résultat der gegenseitigen Abreibung , an der Felswand hie und da noch hôchst feinen schmirgelàhnlichen Schlamm ankleben (boue de glacier), an anderen nassen Slellen ûber sie herab traufeln und an ihrem Fusse angehàuft sehen. — Kriecht raan dann durch eine Hôhlung unler den Glelscher hinein, um zu sehen, ob hier âhn-