‹ Matériaux pour l'étude des glaciers (volume 3)Chapitre 49 sur 216 · GLACIERS EN ACTIVITÉ · texte numérisé non relu

GLACIERS EN ACTIVITÉ

liche Processe vor sich gehen , so findet man auch da das Eis erfùllt mît Steinen und Sandkôrnern und den Felsboden geglâttet; die Reibung der unreinen zunâchst auf dem Felsboden aufliegenden Eismasse bewirkt aiso auch hier Glaltwig.

Das allgemein und stetig anhaltende Trûbsein sâmmtlicher unter Gletschern hervorlrelenden Bâche weisl ferner unzweifelhaft darauf hin , dass der Abreibungsprocess , den wir an zwei Stellen beobachtet haben, ein allgemeiner ist, ûberall an der Berûhrung von Gletscher und Fels vor sich geht; weit der grossie Theil dièses Wassers dringt nâmlich aïs so zu sagen krystallbelle Flûssigkeit von der Oberflâche des Gletschers durch seine Masse hindurch, wird also erst durch die Bcimengung des Schleifschlammes (boue de glacier) getrûbt. — Wirklich sehen wir auch beimGangzurn unlern Endedes Vieschgletschers, das vor zwanzig Jahren um einige hundert Fuss weiler thalabwârts gereicht bal als gegenwârlig, an den Felsen JerSéitenwânde und des Thalbodens dieselben sanflwelligen und glatten Formen, deren Entstehungsweise wir so eben verfoigt haben. — Bei genauer Betrachtung finden wir ferner an den geglàtteten Wânden sowohl als an den Steinen , die an der Greiize des Gletschereises eingebacken sind, mehr und minder feine^oftwie mit dem Diamant gezogene Furchen und Krilze y (raies, coups de gouge, stries), deren Richtung an der Felswand ûbereinstimmt mit derjenigen der grossen Furchen , also auch des Gletschers selbst. Die Beobachtung zeigt unwiderleglich , dass dièse Kritze hervorgebrachl sind durch die hàrteslen der Steinarlen, welche ûber die etwas weniger harten hinrûckend dièse angreifen , einen Kritz auf ihnen hinterlassen. — Sehr auffallend und deutlich stellen sich dièse Kritze in dem Falle dar, wenn die eine der Steinarlen in ihrer ganzen Masse weniger hart ist als die andere; so z. B. wo kiesliger Sandstein ûber den viel weichern Kalkstein hingeht. Eine Probe eines Slûcks Glelscherwand ist vor Ihren Augen aufgestellt, ebenso lose Slûcke von Kalkstein y die an Granitwànden hingegangen sind^ -~ Weitere Vergleichung der Formen des GletscherscMiffs (surfaces polies par les glaciers) mit den Ausuioschungen y welche geschiebreiche Slrôme in ihren Felsenbetten hervorbringen , belehrt uns, dass dièse von den ersteren wesentlich verschieden sind und dass auch die geschiebreichsten Strôme nie und nirgends etwas den Gletscherkritzen II. *«

Gleiches wedei' hervorbringen noch ûberhaupt hei^vorbringen kônnen! — Haben wir uns so vertraulgernachtmildenEigenthûmlichkeiten des GleiscJierschliffs und blicken wir nun vom Aargleischer oder Vieschgletscher aus in die Hôhe empor, so sehen wir zu unserm grossen Erstaunen an den beiden Thalwânden ganz dieselben Formen bis einige tauscnd Fuss hoch ûber den Gletscher hinauf anhalten ; bloss die obersten Grâte und Gipfel zeigen die dem Gesteîa eigenllich zukommende, rauhe und knorrige Oberflâche. -- SoIUe also wirklich der Gletscher einsl bis da hinauf gereicht haben , iim 2000 Fuss (650 mètres) dicker gewesen sein als er jelzl ist? Um Ântwort auf dièse Frage zu erhalten , erkh'mmen wir die Felswand und finden in der Thatnicht nurâchtesten Gletscherschliff ^ sondern (auf schmalen Felsbàndern) auch Blocke, wdche ihrer Sleinart zufolge nicht von den direkt ob uns beflndlichen Gipfdn , sotidem von einem Felshom im Hintergninde des Eismeers Iierstammen. Halb erschrocken, halb erfreut ûber diesen Fund , wenden wir uns danu thalauswàrts, um zu sehen ^ ob und wie weit sich hier Spuren ehemaliger Gletscher erstrecken ; da finden wir z. B. im Vieschthale 500 Fuss (460 mètres) hoch ûber dem jetzigen Glelscherende (pente terminale) einen Bbckwall (moraine), der in aUer nnd jeder Hinsicht ûbereinsUmmt mit denjenigen, welclie den Gletscher in der zu uixseren Fûssen liegenden Tfialtiefe begleiten; er besteht ans unordentlich durch einander gemischten Steintrùmmcm des Thalhintergrunds und ist durch einen leeren Zwisclienraum getrennl vom Alhhang des Gebirgs , so dass es unmxr.glich ist , seine Morànennatur zu verkennen; der Wall setzt aber fort bis unmittelbar ûber das im Hauptthal des Wallis liegende Dorf Viesch; seine Hôhe mag hier ungefâhr 200 Fuss (65 mètres) betragen. Wàren wir der rechien Thalseite gefolgt, statt der linken , so hàtten wir àhnliche Verhàllnisse, nur nicht in so ausserordentlicher Klarheit gefunden. — Wir sind also gezwungen anzunehmen, dass einstder Yieschgl4*tsLher den Thalboden, wo jelzt das Dorf steht, bis in 200 bis 300 Fuss (60 à 100 mètres) Hôhe bedeckt bat. Die GletscherschUffartigen Formen (roches moutonnées) , welche wir aber noch hoch ob unserm Wege gesehen haben , deuten indess darauf hin , dass die Gletscher einst noch viel hôher hinauf gereicht haben. Und wirklich, wenu wir nun durch's Wallis hinauf wandern , so zeigen sich an seinen

Page 1