EXTENSION. RETRAIT DES GLACIERS
stalt der langen Schneelehnen (pentes de neige) , ûber die wir im Winter herabgerutschl sind, finden wir jetztbedeulende Felswànde, von einander gelrennt durch SchtUlhaldm und Weideplâlze y an derem zwar kurzem, aber wûrzigem Grase die Scbaafe sich erlaben. — Wie, fragen wir, wodurch isl in diesen Hohen eine so rasche, fast unglaubliche Verwandiung môglich? cDaç thut der F'ôhUy » (A-ent très-chaud, vent du sud), antwortet uns der Hirtund theiltuns
Welleicbt etwas kâltem Klimas in das der supponirten Gletscheneit , betrachtet Prof. irklckBer die letzte nordeuropâische Senkung und die damit verbundene Etnwirkung der emgkallen Gewàsser (eaux froides comme g^Iace) des Potarmeeret und seiner Eismasseh. Jedenfalis stellt sich, nach unserer jetzigen Kenntniss von der Wirkung der ' Naturkrâfle , aïs unzweifelhafl dar^ dass die alpinen Geschiebe und Blocke, welche in der nun folgenden Zeit bis in sehr grosse Entfernungen vom Alpengebirge abgelagert (déposées) worden sind, dahin nicht gelangen konnten, ohne dass eine Briicke (pont) iiber die Seetiefen (fond des lacs) hin gelegt war, und unter solchen Briicken erscheint eben eine Ton Gletschereis (glace de glaciers, glacier) als die wahrscheinlichste. Wie, auf welche Weise das Gletschereis sich durch die Tiefe der jetzigen Seebecken (bassin des lacs) hindurch bewegt habe, ist allerdings noch nicht recht klar; iiber diesen Mangelan Einsicht darf man sich indess um so weniger verwundern und ihn als Einwurf geltend machen , da man noch nicht einmal weiss , ub und wie das Wasser ans der Tiefe der Seen an ihre Mùndungen hingelangt.
Aus der Gegenwart von der Molaxst-Nagelfluh fremden, bloss in den Hochalpen heiniischen Steinarten in fast sâmmtlichen Gerôllablagerungen unterhalb der Alpenseen ■lacs alpestres) , folgt , dass der grosste Theil der Gebilde in der Schweiz , die gewohnlich Diluvium genannt werden , in der GleUcheneit abgelagert worden sind und daher unterschieden werden mûssen von den Gebilden , welche âlter sind als der Transport der AlpengeMchiebe ûber die Seebecken hin. Von solch âlterm Diluvium ist mir aber in der nordOstUehen Schwei% ausserden Schieferkohlen bloss eine 10 bis 50 Fuss (3», 2 à 16b,2) mâchtige Ablagerung (dépôt, amas) bekannt, welche die Decke der Schieferkohlen von Ditrnlen bildet.
Der allerdings auflallende Umstand, dass in den geschichteten Gerôllmassen der Strûmthaler (vallées de torrents) keine grosse Fttndlinge (blocs erratiques), sondern nur gerundete (arrondis), hdchstens einige Kubikfuss haltende Geschiebe bekannt sind, mag seine Erklârung, neben der durch die AbroUung im Gewàsser erzeugten Yerklei nerang, darin finden, dass die zwischen das Gletschereis (glacier) und den Boden gelangteo Bruchatâcke eindr verhaltnissmâssig starken Abnutzung unterlagen; auch unter den jetzigen Gletschem sind (so weit die freillch sehr unvoUstândigen Beobachtungen reicJien), noch keine grosse Bldcke gesehen worden. Dass an diesen Geschieben def GerôUlagen keine Gletscberkritze (stries) vorkommen , ist sehr natUrlich , da solche , wo sic vorbanden waren , durch die gegenseitige Abreibung der Geschiebe bei der Bewe-* gung im Wasser bald verloren gehen mussten , me die Untersuchung der Geschiebe in jetzigen Gletscherbàchen zeigt.
Nach dem Bisherigen ist es fast iiberflûssig zu bemerken, dass die sâmmtlichen Gerôllmassen der Alpenthàler durch Strome und nicht etwa durch Meerwasser abgelagert
zur Bekrànigung den Spruch mit: i^Dei^lieb Gott widdiegiildi Snnn
vermôged nùd , wenn der F'ôhn nûd churU. > AcUon du Fœhn E. ct H. 8. Wir aile haben in diesem Winler hier in Zurich die WiriT^eUHr ié.T.'uèrel ^^^S ^^^ Fôhns crlebt. Vor Neujahr war die ganze Landschaft hocb r-i*"- mit Schnee bedeckl; wenige Tage Fôhnluft reichtcn aber hin, um
trolz des hart und tief gefrornen Bodens den Schnee in unsrer ganzen
Umgebung, selbst an den schattigsten Stellen des Uetlibergs und bis
worden sind; in der That sind leizterer Ànnahnie nicht nur die Niveau- und Terrainverhâltnisse huchst ungûnstig, sondern die vôllig;e Àbweseuheit aller und jeder marinen Produkte in sâmmtlichen Gebilden , welche jîinger als die Meeresmolasse sind , und i» noch hôherm Masse das in den GerôUlagen allgcmeioe Vorkommen kleiner Unregelmkssigkeilen und Eigenthùmlichkeiten der Schichtung , die Meeker de Smi«|mi« unler dem bezeichnenden Namen von structure torren h'e/te zusammengefasst bat, beweistaufi cinleuchtendste die Ablagcrung durch Gebirgsstrome.
Endlich mogen noch die tiefen Rinnen enviihnt werden, welche die Strôme in den Gerôllebenen , ihren alten Betten, an manchen Stellen bis tief in's anstehende Gestein hinab sich ausgehôlilt haben {Wiein unterhaib Schaffhausen nebst allen seinen Zuflùss^ri bis zu den A/pen^eenhinauf, also Limmat bis Zurich, Reuss hïsLuiern, Aare bis Tkun u. s. f.). Dass numlich der jetzige Lauf ganz unabhiingig von gewaltsam entstandeneo Spalten bloss aus der Erosion ihres Wassers hervorgegangen ist, ergibt sich vôllig klar a us seinen haufigen Serpentinen, welche ein treues Abbild sind des gekriimmten Lauf» eines mit schwachem Gefâll eine Ebene durchschlàngelnden Bâches.
Dièse tieferen Einschnitte der Strôme finden sich mit wenigen , wohi sammtlich ^va lokalen Ursachen herriihrenden Ausnahmen . hauptsachlich uiiler/ia/6 den Seen; es taucbt daher unwillkUhrlich die Muthmassung auf , dass , wenigstens in unseren Gegenden , das Einschneiden der Flusse in ihre Betten begann , aïs die Gletscher nahe ge^en ihre jetzigen Grenzen zuriickgewichen waren und siimmtliches aus dem Hochgebirge der Tlultiefe zugefuhrte Geschiebe sich in die Seen versenken konnte , die damais noch bedeutend grôsser als jetzt gewesen sein mogen ; denn durch dièse Ablagerung des AlpenQe' schiebes in den Seen wurde den Stromen unterhaW der letzteren eine grosse Last abg^ nommen, also ihre Krafl zur Aushohiungin gicichem Masse verstârkt, und sovertieflcn sie ihre Bette bis in das jetzige Niveau hinab, in welchem sie, im Ganzen genommeo, in Folge des bedeutend verminderten Gefâlls , bloss so viel Stosskrafl behalten haben aU zur Fortbewegung des von den Nebenfltissen ihnen zugefuhrten Geschiebes nôlhig ist
Am Schlusse dieser Betrachtungen mag noch die Frage aufgestellt werden, ob nicbt die im Erosionsgebiete der Stromthaler befindlichen und ihrer Richtung folgenden, h(>chstens bis 150 Fuss (50 mètres) tiefen, Seen, wie der Pfàffiker-, Greifen*^ Baldegtjtr-t Sempacher-See u. s. f. , als Ueberreste der Thalrinnen aus der der Gletscherpenodt vorangehenden Erosionszeit zu betrachtcn seien. Die genennten Seen sind nâmlich aile, wie der Zurichsee, an ihrem untern Ende umgeben von einem oder mehreren konienlrischen Blockvjàllen , so dass die Ycrmuthung geweckt wird, die oberhalb befindliche, jetzt vom See eingenommene Tiefe sei wâhrend des Blocktransports vor Auflftîllang blosi darum verschont geblieben , weil Gletschereis bis auf den Boden hinabreicbte.