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VI. Gradus non debemus facere ante altare

VII. Reliquiae sanctorum venerandae sunt; si potest fieri, candela ibi ardeat per singulas noctes; sin autem paupertas loci non sinit, non

20 nocet eis.

VIII. Incensum domini incendatur in natale sanctorum pro reverentia diei, quia ipsi sicut lilia ded;runt odorem suavitatis et asperserunt ecclesiam dei, sicut incenso aspergitur ecclesia primitus iuxta altare.

IX. Laicus non débet in ecclesiis lectionem recitare nec alléluia dicere, 25 sed psalmos tamen et responsoria sine alléluia.

X. Aqua benedicta domus suas aspergent quoties voluerint qui habitent, et quando consecraveris aquam, primum orationem facis.

^ aecclesiae. — -^ sanctificare. — aspargere. — ^ conponi. — ■' conburenda. — '^ tune, codex habet fuit. — ^' grados. — ^^ reliquie. — veneranda. — "'■^ incensu. — -'' aspargent.

Wie man sieht, enthalten dièse Bestimmungen viele intéressante Nachrichten und neue Verordnungen liber die Kirchengebaude und manciie gottesdienstliche Gebrâuche. Wir werden versuchen, die einzelnen der Reihe nach mit einigen Belegen aus der Karolingerzeit zu begriinden und zu beleuchten.

I. Mit dem «Verlegen einer Kirche an einen anderen Ort» kann hier nur die Wiederingebrauchnahme eines fruher verlassenen, entweihten oder zerfallenen und jetzt neu restaurierten Gotteshauses gemeint sein. Es muss an demselben offenbar fruher die îeierliche Kirchweihe vollzogen worden sein, denn, so wird hier bestimmt, es braucht nicht zum zweitenmal — non débet iterum — nach dem grossen Kirchweihordo konsei^riert werden, sondern es genûgt, wenn der Priester den Ort mit Weihwasser besprengt und an der Stelle des Altares ein Kreuz aufrichtet; denn sonst

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verlangte man seit jeher, dass jede neue Kirche und jeder Altar vom Bischof geweiht sein mussten (').

Karl der Grosse ordnete im Jahre 803 an : De ecclesils emendandis, et ubi in unum locum plures sunt quam necesse sif, ut desiruantur quae necessaria non sint et alla conserventur {•). Durch dièse Massregel musste es vielfach notwendig werden, verwahrloste oder ganz zerfallene Kirciien wirderherzustellen. Es war eine besondere Sorge der Missi darauf zu achten : Prinmm de ecclesils, qaomodo structae aut destriictae slnt in tectls, in macerlls slve parletlbus slve In pavlmentls necnon In plctura etlani et In lumlnarlls slve offlciis (^). Bei der oft vori<onimenden Wiederherstellung zerstôrter Kirchen konnte also die Frage nach der Neueinweiliung recht praktisch werden. Immerhin scheint unser Kapitulare fiir die Karolingerzeit eine laxere Auffassung zu vertreten. Denn wie man gewôhnlich dachte und handelte, zeigen die Capitula eccleslasilca Karls der Grossen, die zwischen die Jahre 810 und 813 zu setzen sind; darin wird bestimmt : Ut eccleslae vel altar la, quae amblguae sunt de consecratlone, consecrentur{^). Und ganz auf unsern Fall ware auzuwenden das letzte der Capitula e conclllorum canonlbus collecta, das also lautet : De ecclesla quae antea sacrata fuit, et pro qualibet occaslone aut incendia altare élus fuit destructum, licentiam habeat pontlfex In eadem Iterum altare construere. Quod si pontlfex aut pro senectute aut pro egrltudlne ad Ipsum sanctum locum ambulare minime potuerlt, tune llle presbiter aut qualiscumque custos per conslllum plebls ad suum pontlflcem altare déférât ad sacrandum; et Ipse presbiter per auctorltatem pontlflcls sul In loco constltuto ordlnare debeat. Et si ecclesla novlier aedlflcata fuerlt, nullus eplscopus habeat

(1) Concilium epaonense, 517, c. 26; Concil. arelatense, 524; Concil. aurelianense, 549, c. 8. In den sogen. Statiita S. Bonifacii heisst es : Ut nul/us presbyter in ecclesia aliiid altare erigat, nisi quod ab episcopo sanctificatum est, ut sit discretio inter sacratum et non sacratum. Mansi, Conciliorum amplissinia colledio, Bd. Xil, Ko!. 384\ c. 2. 3. Ganz kategorisch ist das Capitulare primiun Karls des Grossen vom Jahre 769 : Nullus sacerdos nisi in locis Deo dicatis vel in itincre positus in tabernaculis et mensis lapideis ab episcopo consecratis missas celebrare praesumat. Quod si praesnmpserit, gradus sui periculo subiacebit. MGH. Capital., Bd. I, S. 46 c. 14. Vgl. Tiieodulfi Capitula, 789, cil; Capitula excerpta de canone, 806, c. 16; Concil. parisiense, 829. c. 47.73; Concil. aquisgranense, 836, c. 24.26.

(2) MGH, Capital., Bd. I, S. 115, c. 1.

(3) MGH, Capitul., Bd. I, S. 136, c. 4. Vgl. Capitulare ecclesiasticum, 818- 819, c. 14.28; Eugenii Concilium romanam, 826, c. 25.

(4) MGH, Capital., Bd. I, S. 178, c. 6.

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licentiam, sicut superius legitur, presbiterum transmiitere, sed ipse pontifex pergat virtutes conlocare vel altaria sacrare (').

Im Grunde genommen handelt es sich also in unserem bischôflichen Statut um die Rekonziliation einer bereits geweiiiten Kirche, die, wie auch das eben zitierte Kapitulare beweist, ein einfacher Priester vornehmen durîte. Wann eine Rekonziliation oder besser Rekonsekration einer Kirche stattîand, sagt uns ein Mainzer Pontifikale aus dem XIII. jahrhundert : Ordo ad reconsecrandam ecclesiam. Et nota quodhoc officium locum habet, quando mûri alicuius eccleslae consecratae vetustate aiit incendlo consumti fuerunt, vel saltem mûri decrustaii sunt : iîa quod in toto vel saltem in maiori parte simul reparati sunt, fundo ecclesiae permanente inviolato, fiât hoc modo (-').

Der Ritus der Rekonziliation einer Kirche geschah in Spanien schon im VI. Jahrhundert durch Besprengung mitWeihwasser (■^); fiir die gleiche Praxis im Karolingerreich sprechen unsere Statuten und die zahireichen Ordines bei Martène und die Besprengung mit Weihwasser ist noch heute der wesentliche Ritus der Rekonziliation (^). Der Altar musste von einem Bischof geweiht werden und darum wird unseren Statuten gemass vorlaufig an Stelle des Altares vom Priester ein Kreuz aufgerichtet.

II. Das Konzil von Auxerre (c. 573-603) hatte im 10. Kanon bestimmt : Non super uno altar io in una die duas missas dicere ; nec in altario, ubi episcopus missas dixerat, presbyter in illa die missas non dicat ("). Unser Kapitulare trifft hier eine Milderung und erlaubt, dass taglich zvvei Messen an einem und demselben Altare gelesen werden duften. Noch weiter geht das Konzil von Tribur vom 5. Mai 895, indem es sogar drei Messen an einem Altare zu feiern gestattet : Nihilominus statuimus et iudicamus nulli sacerdoti esse licitum una die uno altari plus quam ires

(1) MGH, Capital., Bd. I, S. 232, c. 5.

(2) E. Martène, De antiquis ecclesiae ritibus, Liber II. cap. XV, Ordo V, Bd. III, S. 337. Rouen, 1702.

(3) ViGiLius, Ep. ad Profiiturum, PL, Bd. LXIX, Kol. 18. Vgl. Duchesne, Origines du culte chrétien, S. 410-411. Paris, 1908.

(4) Pontificale romanum, Pars II, De reconciliatione ecclesiae et coemeterii. Ueber die Rekonziliation der von den Hâretikern ûbernommenen Kirchen, vgl. D. Stiefenhofer, Die Geschichte der Kirchweihe vom 1.-7. Jahrhundert, S. 69-71 ( Verôffentlichungen aus dem kirchenhistorischen Seminar Munchen, herausgeg. von A. Knôpfler, III. Reiiie Nr 8). Miinchen, 1909.

(5) MGH, Concil., Bd. I, S. 180. Der zweiie Teil des Kanons ist sogar in das Corpus iuris (D. 2. c. 97. de consecr.J ûbergegangen.

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super ponere missas... Ideo sacerdotibus missarum numerum non imponimus, sed quantas celebrari in uno convenit altari praecipimus (0- Da man sonst nicht zuviel Altâre in der Kirche errichten soUte — De altaribus, ut non superfluû sint in aecclesiis (-) — so konnte eine Milderung der âlteren Praxis durch die Umstande geboten sein ( ')•

III. Unter dem panis ist hier nicht die hl. Kommunion, sondern das gesegnete Brot, die liturgische Eulogie zu verstehen ; damit fugen wir zu den wenigen Zeugnissen uber die Eulogie in der Karohngerzeit ein neues hinzu.

In den Diozesanstatuten eines frânkischen Bischofs, die Werminghoff aus dem Codex Voticanus Otfobonianus 261 saec. IX-X. herausgegeben hat ( '), wird den Pîarrern anbefohlen, jeden Sonntag allen ihren Pfarrkindern Eulogien, das ist gesegnetes Brot auszuteilen — uf omnibus parrochianis suis per omnem diem dominicum eulogias benedicti panis distribuant. Dies geschah gewôhnhch nach der Messe {'-') und wird merkwiirdigerweise durch unser Kapitulare nur denen gestattet, die kommuniziert hatten ; denn sonst pîlegten die Eulogien gerade denen gereicht zu werden, die die Kommunion nicht empfangen hatten. Vielleicht wich man in unseren Statuten von der gewôhnlichen Regel deshalb ab, um durch die grosse Hochschâtzung, die man fur die Eulogien hegte, die Glaubigen zur ôfteren Kommunion auzuspornen. In Klôstern wurden Eulogien den Brudern im Refektorium vor der Mahlzeit gereicht ('■)•

Mit dem Friedenskuss hat es bei den Franken und Germanen, wie es scheint, immer Schwierigkeiten gehabt. Zunachst wollte sich die Sitte desselben bei den streitbaren Leuten gar nicht ein-

(1) MGH,Cap/7«/.,Bd. II, S. 224, c. 19. Man vergleiche damit Walafried Strabo, De exordiis et incrementis rer. eccl. c. 22, in den MGH, Capital., Bd. II, S. 495- 496, wo aber nur von der Anzahl der Messen, die ein Priester tàglich lesen darf, die Rede ist.

(2) Capitulare missonim in Theodonis Villa datiim primum, mère ecclesiascum, 805, c. 8, MGH, Capital., Bd. I, S. 121.

(3) Ueber die Zahl der Altâre in einzenen Kirchen vgl. den Artii<el autel in Cabrol-Leclercq, Dictionnaire d'archéologie chrétienne et.de liturgie, Bd. I, 1, Sp. 3186. Paris, 1907.

(4) Neues Archiv, 1902, Bd. XXVII, S. 582.

(5) Hincmari Capitula, c. 7, PL, Bd. CXXV, Kol. 774; A. Franz, Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter, Bd. 1, 247-250. Freiburg, 1909.

(6) Capitulare monasticum, 817, c. 68. Jetzt werden in manchen Benediktinerklôstern noch am Feste der hl. Agatha (5. Februar) solche Brote nach der Messe geweiht und im Rekktorium gereicht. Vgl. Franz, a. a. o., Bd. I, S. 253.

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biirgern. Die Mahnung : ift commun ionem sancfae pacis in ecclesia facere non dedignentur et maiorem exinde usum habeant, ut in sanctae pacis osculo ostendant se unanimes in concordia ('), musste noch oft eingescharft werden (').

Durfte das osculum pacis nur denjenigen gegeben werden, die in der Messe die Kommunion empfangen hatten, so ist es eigentlich klar, dass sie niichtern sein mussten. Ueber das Gebot, den Friedenskuss nur den Kommunizierenden zu geben, handelt ganz ausfijhrlicli Walafried Strabo (^). Er fiihrt aber an, dass man dièse alte Vorschrift der Kanones zu seiner Zeit verschieden erklàrte, jenachdem man den Ausdruck communicare von dem Empfang der hl. Kommunion oder von der aktuellen Zugehôrigkeit zu der Gemeinschaft der Glâubigen verstand, mit anderen Worten, ob man exkommuniziert war oder nicht.

IV-V. Dièse beiden Kapitel handeln von der Heiligkeit beziehungsweise Entweihung der heiligen Orte, besonders der Kirciien.

Infolge der Verwilderung unter den Merovingern liess man es nocii im der karolingischen Zeit iiie und da an der notigen Ehrfurcht vor den iieiligen Orten fehlen. Staat und Kirche mussten ôfters ermahnen, man solle in die Kirche nicht mit Waffen kommen (^), durfe darin keine Gelage und Tanzbelustigungen (^) und auch keine weltlichen Verhandlungen {*') halten ; die Kirchen sollen nicht oîfen stehen, so dass aile Hunde hineinlaufen kônnen (•), der Pfarrer durfe in denselben nicht sein Getreide und Heu aufbewahren (").

Anderersits zeigt das karolingische Zeitalter auch eine hohe Auffassung von der Wiirde der Gotteshâuser und Altâre, wie es die

(1) Concilium baiuvaricum, 744-750, c. 5.

(2) Karoli Magni Admonitio generalis, 789, c. 53 ; Concil. francofurtense, 794, c. 5; Concil. rispacense, 800, c. 9; Concil. moguntinum, 813, c. 44; Ansegisi Collectio capitularium, 1. I, c. 50.

(3) A. a. O., c. 23, MGH, Capital., Bd. II. S. 502.

(4) Concil. aurelianense, 538, c. 32.

(5) Concil. aurelianense, 523, c. 12; Concil. anlissiodorense, 573-603, c. 9; Concil. cabilonense, 639-65i, c. 19; Concil. baiuvaricum, 740-750; Concil. rispacense, 800, c. 1 ; Concil. turonense, 813, c. 38; Concil. parisiense, 829, 1. MI, c. 12.

(6) Karoli Magni Capitulare mantuanum secundum générale, 1%1 , c. 4 ; Concil. arelatense — moguntinum — turonense, 813, c. 22-40-39; Capitula legibus addenda, 818-819, c. 14.

(7) Karoli Magni Admonitio generalis, 789, c. 71 ; Capitulare missorum item speciale,802, c. 36.

(8) Thzodulfi Capitula, 789, c. 8; Capitula ecclesiasfica, 810-813, c. 5.

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zahlreichen Bestimmungen der Reichsversammlungen und Konzilien zeigen. Was eine katholische Kirche ist und sein soll, das îasst treîflich das Konzil von Aachen vom Jahre 836 zusammen ('); und warum die Kirchen so hoch verehrt werden, das driicken die sonst berûchtigten karolinischen Buciier vunderschôn so aus : Multis namqiie honoribus locus ille sublimandus est, ubi a fidelib'js populis iindique convenitur, et eorum supplicationes Deo miserante exaudiuntur, et nostrae salutis mysteria celebrantur, et Deo sacrificium taudis offertur; ubi ad perferenda Deo sacrificia a fidelibus populis per manus sacerdotum illata, angelicus fit concursus; ubi crebro suavisonus psallentium reboat concentus, ubi divinae lectionis arentia corda irrigantes personant fluctus (-). Deshalb werden auch in den karolingisciien Kapitularien und Kanones die Regeln uber das sacrilegium locale und reale immer wieder erneuert.

Entsprechend der strengeren Richtung der alten Kanones verbietet unser Statut im IV. Kapitel auch die Verwendung des Baumaterials zerstôrter Kirchen zu profanen Zwecken, ein Verbot, das heutzutage nicht mehr besteht. Die Mônche jedoch diirfen das Hoiz zum Bereiten ihrer Mahlzeit brennen. Analog zu dieser Bestimmung erlaubte die Karolingerzeit die Verwendung des Kirchenschatzes fiir die Bedùrfnisse der Armen ('), verbot aber auf der anderen Seite streng, die Kirchengefâsse und kirchUchen Kostbarkeiten zu verschleudern und zumal an die Juden zu verkaufen ('). Die Capitulatio de partibus Saxoniae verbietet jede Entweihung der Kirche und den Kirchenraub unter Todesstrafe(-'); spater wird nur ein dreifacher Erzatz und eine Busse gefordert ('').

Das V. Kapitel unseres Statutes gibt Weisungen ûber die Exekration und Pollution der Kirche durch das Begrâbnis eines Unglâubigen. In einer Kirche, in der vor der Konsekration Heiden begraben wurden, kann kein Altar geweiht werden. Wiinscht man die Kirche dennoch einzuweihen, so miissen die Leichname daraus entfernt und mit dem gereinigten Material die Kirche neu

(1) MGH, ConciL, Bd. II, S. 736-742; vgl. Concil. leodiense spiiriiim, 710, . 7-8; Anse^isi Collectio capitulariitm, 1. I, c. 67.

(2) Libri curolini, 1. IV, c. 3, PL, Bd. XCVIII, Kol. 1188.

(3) Karoli Magni Capitula e canonibus excerpta, 813, c. 12.

(4) Capitulare missornm Niumagae datiitn, 816, c. 4.

(5) MGH, Capital., Bd. I, S. 68, c. 3.

(6) Concil. tribarense, 895, c. 6-7.

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aufgebaut werden. Hat man in der Kirche erst nach ihrer Einweihung begraben, so kann dort die hl. Messe dargebracht werden, wenn es Grâber von frommen Personen sind; bei einem Heiden ist es geraten, den Leichnam zu entfernen iind die Kirche zu rekonziliieren.

Ueber die Unordnung, die sich beim Begraben in den Kirciien eingeschlichen batte, geben die beiden Kapitularien Theodulfs von Orléans Aufschluss. Die Kirchen wurden manchmal zu reinen Friedhôfen. Theodulf verordnet, wo zuviel Grâber vorhanden sind, soll die Kirche nicht mehr zum Gottesdienst, sondern als Begrâbnisplatz beniitzt werden. Ist die Zahl der Grâber nicht zugross, so sollen die Grâber einîach planiert werden, damit sie nicht uber den Fussboden emporragen und die Kirche kann, ohne dass die Leichname entfernt zu werden brauchten, weiterhin zum Gottesdienste dienen. Kiinîtighin sollen aber nurmehr Bischôfe, Priester oder heilige Personen ein Grab in der Kirche erhalten, die anderen Christen im Vorraum oder Vorhoîe der Kirche (M. Theodulfs Bestimmungen weichen also in manchem von unserem Kapitulare ab, werden aber besonders durch die Beschlûsse der îtinf grossen Reformsynoden im Jahre 813 bestâtigt ('') und spâter von der Synode von Tribur, am 5. Mai 895, ausdrucklich als massgebend in die Akten aufgenommen (■^).

Wie die entweihten oder polluierten Kirchen in der Karolingerzeit rekonziliiert wurden, daruber sind wir nicht gut unterrichtet ; der Ritus wird wohl demjenigen âhnlich odergleich gewesen sein, den wir oben im ersten Kapitel gesehen haben {^):

VI. In alter Zeit werden vor dem Altare gewôhnlich keine Stuîen gewesen sein. Doch kennen wir auch schon aus den ersten christlichen Jahrhunderten Altâre, zu denen mehrere Stufen empor-

(1) Theodtilfi Capitula ad presbyicros parochiae snae, PL, Bd. CV, Kol, 194; Capitulare alteritm, Bd. CV, 3. 210.

(2) Capitula ecclesiasticn, 810-813, c. 14; Concil. arelatense, 813, c. 21 ; Concil. moguntinum, 813, c 52; Karoli M. Capitula e canonibns excerpta, 813, c. 20; Concordia episcoporam, 813, c. 24; Einhardi Vita Karoli Magni, c 31 ; Capitula e conduis excerpta, 826-827, c. 16; Ansegisi Collectio capitularium, 1. I, c. 153; 1. II, C..46.

(3) MGH, Capitul., Bd. II, S. 222-223. c. 17. — Ueber die Pollution der Kirche durch Blutvergiessen oder Tolschlag vgl. Ansegisi Collectio capitul, I. IV, c. 14; Concil. triburense, 895, c. 4; Capitula legibus addita, 818-819, c. 1.

(4) Vgl. Martène, a. a. O., 1. II, c. 15-18; Stiefenhofer, a. a. O., S. 69-71 ; J. B. Saegmùller, Lehrbuch des katholisctien Kirchenrechtes, S. 642. Freiburg i. Br., 1904.

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fuhrten (0- Der Ordo Romanus I setzt vielleicht (-), der Ordo Romanus II sicher (^) mehrere Stufen vor dem Altare voraus. Aus der Karolingerzeit ist uns sonst kein Zeugnis bekannt, das einen erhôhten Altar zu bauen verbieten wurde; es muss in unserem Falle eine lokale Vorschrift sein, deren Grund schwer zu erraten ist. Hugo von St. Viktor (t 1 141) und Sicard von Cremona (t 1215) deuten die Altarstufen als etwas Selbstverstandliches in tropologischem Sinn {*).

VII. Wahrend in dem karolingischen Bilderstreite die Bilder ungerechtfertigterweise eine so strenge Aburteilung fanden, sprechen sich gerade die karolinischen Biicher (I. II, c. 24) so warm fiir die Reiiquienverehrung aus : Sanctis ergo corporibus honorem impendere magnum est fidei emohimenium, qiio praeseriim et illi in coelestibus sedibus cum Christo vivere, et eorum ossa quandoque resurreciura creduntur (^). Immerhin hat es auch an prinzipieller Bekâmpfung der Reiiquienverehrung nicht geîehlt. Claudius von Turin war ihr wichtigster Vertreter ('^).

Darum stellt unser Statut wie eine dogmatische Définition an die Spitze des VII. Kapitels -.Reliquiae sanctorum venerandae sunt, und bestimmt darauf die Art und Weise der liturgischen Ehrung. Ein Alkuin kann von îrommen Rom- und Orientpilgern nicht genug Reliquien erbitten ("). Aber anderswo entspricht die Praxis nicht immer dieser Auîfassung. In den Capitula a sacerdotibus proposita vom Jahre 802 wird allen ins Gedachtnis gerufen : Ut unusquisque sacerdos ecclesiam suam cum omni diligeniia aedificet et reliquias sanctorum cum summo studio vigiliarum noctis et divinis officiis conservet {""). Im Jahre 806 wird den Synoden

(1) Cabrol-Leclercq, Dictionnaire d'arctiéologie chrciienne et de liturgie' Bd, I, 2, Sp. 3165. Paris, 1907.

(2) Ordo romanus, I, n. 19.

(3) Ordo romanus, II, n. 5.

(4) J. Sauer, Symbolili des Kirchengebaudes und seiner Ausstattung in der Auffassung des Mittelalters, S. 165. Freiburg i. Br., 1902.

(5) PL, Bd. XCVlll, Ko!. 1166. Man vergleiche damit d.is Concilium romanum, 769, in den MGH, Concil., Bd. H, S. 87.

(6) Claudius taurinensis, Apologeticus atque praescriptnm adversus Ttieodemirum. Der Monch Dungal trat ihm 827 entgegen mit d.-n Responsa contra perversas Claudii taurinensis episcopi sententias, MGH, Epistolae, IV, 583; PL, Bd. CV, Kol. 465 ff.

(7) Epist. XI, XXVill, LXXV, XCVil, CXLVII, m MGH, Epistolae, Bd. IV, 37, 70, 75, 97, 146.

(8) MGH, Capital., Bd. I, S. 106, c 3.

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oder Kônigsboten als Gegenstand fiir die Beratung oder Untersuchung angegeben : D2 reliquiis sanctorum (').

Vor den Reliquien der Heiligen sollte laut unserem Kapitulare jede Nacht ein Licht brennen. Wir kônnen annehmen, dass die Lichter wirklich nur wahrend der Nacht brennen sollten ; denn Papst Léo III (795-816) ordnete an, dass vor dem Altar in der Vatikanischen Basilika jede Nacht zwei Lampen brennen sollten (-)• Papst Paschalis (817-824) Hess sie ebendort bei Tag und Nacht brennen ('). Es ist jetzt noch Vorschriît,dass vor Reliquien, die irgendwie sichtbar ausgestellt sind, wenigstens zwei Lampen brennen soUen (^).

Ebenso verniinftig wie naiv klingt der Schluss unserer Bestimmung \'Sin autem paupertas loci non sinit, non nocet eis.

VIII. Das Brennen von Weihrauch an « Festen der Heiligen » kônnte sich noch auî die Reliquien der Heiligen beziehen, oder der Ausdruck pro veneratione diei ist ganz allgemein zu verstehen. Das Anzûnden von Lichtern und Weihrauch in den Kirchen und besonders vor den Bildern der Heiligen war von jeher iiblich. Es ist uns durch die Libri Carolini ("') und durch die Akten des Konzils von Paris vom Jahre 825 (") auch fur die Karolingerzeit bezeugt.

Die Begriindung des Weihrauchbrennens an Festen der Heiligen sicut incenso aspergitur ecdesia primitus iiixta altare ist eine intéressante liturgische Notiz, die beweist, dass unser Statut aus Gallien stammt. Denn in Rom kannte man die Inzensation des Altares nicht, wie es Amalar bei seinem Besuche in Rom mit Verwunderung konstatieren musste (■). Dagegen bezeugt sie der gallikanisierte Ordo Romanus II {'') und stimmt so mit unserem Kapitulare ûberein.

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