‹ Preussen und Frankreich von 1795 bis 1807Chapitre 16 sur 234 · VI. Wieberannäherung Preufens an Franfreih. 1800. LVII · texte numérisé non relu

VI. Wieberannäherung Preufens an Franfreih. 1800. LVII

Preußen aber verlangte er ein energifes Auftreten gegen Ofterreid; zugleich jollte e8 feinen Einfluß bei Rußland und Bayern geltend machen, damit fich diejelben völlig von Dfterreich Losfagten ').

In Berlin fand Graf Haugwig die Erflärungen Napoleons unvollftändig und Hinterliftig;, fie feien ganz ungeeignet, zu irgend etwas Nütlidem zu führen?). Dem franzöfiichen Gejandten gegenüber erklärte er e8 für eine Unmöglichkeit, daß Preußen die NAheingrenze als Friedensgrundlage voridlage. Der König felbft fagte zu Beurnonville: was können wir Ofterreich erwidern, wenn e8 feine Eroberungen behalten will, fobald ihr die eurigen nicht herausgebt? Gleichwohl lie man ben erften Conful wiederholt der Bereitwilligfeit Preußens verfichern, mit Rußland zufammen vermittelnd aufzutreten, wenn fich Frankreich nur zu gemäßigteren Friedensbedingungen bequemen wolle. Man glaubte jelbit, daß eine Solde Nad)giebigteit im eigenen Sntereffe Frankreichs liege, da im nächften Feldzuge die Dfterreicher leicht aud nod das linfe Rheinufer erobern fünnten ?), Die Unterhandlung, die fid folcherweife nod eine Zeit lang fortbewegte, ohne je aus den allgemeinften Fragen herauszufommen, hatte für Preußen zunädjft nur den Einen Vortheil, daß fi Frankreich in dem Streite über die Linfsrheinifchen Lande zu einigen Zugeftändniffen herbeiließ. Beurnonville, der fi) überhaupt im Ganzen faft ebenfo maßvoll zeigte, wie früher Gaillard, rieth ernftlid) dazu, den preußifchen Klagen durch Riüdgabe der Eivil-Berwaltung ein Ende zu machen. Aucd Talleyrand wäre an fit nicht dagegen gewefen; man fürchtete jedoch, daß eine derartige Maßregel von der öffentlichen Meinung als ein Verzicht auf die Rbeingrenge überhaupt aufgefaßt werden könne, und befdräntte fic) deshalb darauf, den preußiichen Beichwerden über Verwüftung der Horiten, Härte und Bedrüdungen durch die franzöfischen Beamten u. dergl. abzubelfen.

In eine neue Phafe trat die Verhandlung zwijchen Preußen und Frankreich erft, als durch den Sieg von Marengo das Übergewicht wieder auf franzöfifche Seite übergegangen war. Am 30. Juni, auf die erite Nachricht von diefer Entjcheidung, beeilte fi) König Friedrid) Wilhelm, dem erften Eonful feine Vermittlung, fei e8 für einen allgemeinen, jei e8 für irgend einen bejonderen Frieden, abermals anzubieten. Er ließ zugleich andeuten, daß er bei feinen Beftrebungen auf die Unterititung des Raifers von Nufland rechnen fünnet). In Paris berrdte nur jehr geringe Neigung, auf diefen Antrag einzugehen. Man tadelte bitter Die Bolitit der unbedingten Neutralität und verjprad fid von einer preu-

1) Bericht von Sandoz-Rollin, 5. März 1800. Urk. Nr. 325. Damit übereinftimmenb ift ein Œrlaf an Beurnonville, gleichfalls 5. März.

2) Bergl. die Note auf S. 371, wo flatt 7. März 17. März zu lefen ifi.

3) Bergl. Erlaf an Sanboy-Rollin, 1. Mai 1800. Urt. Nr. 333.

4) Note vom 30. Juni, Urf. Nr. 342.

LVII Einleitung.

Bifhen Vermittelung feinerlei Wirkung !). Allein wenn man Preußen nicht mehr gegen Ofterreich brauchte, beffen Widerftand burd die. Niederlage von Marengo gebrochen fdien und das eben in Paris über den Tsrieden unterhandelte, jo konnte Preußen doch den Weg zur Verftändigung mit Rußland bahnen, defjen Frankreich gegen England bedurfte. Indem man alfo für das Anerbieten der preußifchen Vermittelung dankte, ohne durch ein näheres Eingehen dem Antrage Folge zu geben, forderte man Preußen dringend auf, fid für die Ausjöhnung zwijchen Frankreih und Rufland zu verwenden?). Eben das war ed, was auc den Gejinnungen des Königs von Preußen am meiften entfprad: e8 lag ihm daran, jein politifches Syitem auf die freundjchaftlichiten Beziehungen zu den miteinander ausgejöhnten großen Nachbarftaaten zu begründen?). Auf feine Anregung und anfangs aud) unter feiner Vermittelung, fam es im Herbft 1800 zwiihen Rußland und Frankreich zu Verhandlungen, die für die allgemeinen Berbültniffe Europas ebenjo wie für die befonderen Beziehungen Preußens zu Frankreich eine neue Epoche einleiteten.

1) Talleyrand an Beurnonville, 16. Juni 1800: »Je ne pense pas que si le rien-faire est un système en politique, il ait jamais été poussé plus loin que par M. de Haugwitz.«

2) Talleyranb an Sandoz-Rollin, 7. Auguft 1800; Urt. Nr. 349.

3) Beurnonville hörte von Struenfee, »que le Roi désirait de bonne foi que la Prusse, la France et la Russie se tinssent par la main.« (Beridt vom 1. Juli.)

1. Bericht Sardenberg'8.!) Bajel 1795 April 10. Nheingrenze. Freude im Eljaß über ben Friedensichluß.

.. . [Nicht Hiffrirt] Il me paraît de plus en plus probable que les 1795 Français renonceront finalement à la rive gauche du Rhin, à moins que rl 10. des événements heureux et brillants ne remontent l’exaltation des têtes.

La publication de la paix a fait une grande sensation et causé beaucoup de joie en Alsace . . .

2. Erlaß an Hardenberg. Berlin 1795 April 20. Concept vom Geh. Legationérath Le Coq; gez. Findenftein, Alvendleben, Haugwib. Rbeingrenge.

. Si le besoin de la paix et les dispositions modérées qui paraissent Aprit 20. prévaloir en France, engageaient cette puissance à renoncer à la rive gauche du Rhin, la paix avec l'Empire ne serait pas éloignée, et je me trouverais hors de tout embarras à l'égard de mes provinces d’outre-

Rhin. Je désire done beaucoup que vos espérances sur ce point essentiel, qui me paraissent s’accorder avec les nouvelles publiques, se confirment par l'événement . ..

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