LI-KI-THAI
Sehr oft geschieht es, dass in Ländern, wo die Rechtspflege entweder unzureichend ist, oder auch das Recht durch die Macht und das Ansehen Einzelner verkauft oder verkürzt wird, und wo die Presse in Banden liegt, dem Schwächeren kein anderes Mittel, an die Offentlichkeit zu appelliren, übrigbleibt, als seine Beschwerden in einer Flugschrift, die er môüglichst zahlreich handschriftlich verbreitet und an üffentlichen Orten anklebt, darzulegen.
In China ist dieses Verfahren überall in Gebrauch und hat dort häufig gute Resultate erzielt. Aber auch die in de Kolonien sesshaften Chinesen ergreifen gerne dieses Mittel, wodurch sie ihren Feinden oft mehr in der üffentlichen Meinung schaden, als dies durch einen richterlichen Ausspruch geschehen künnte. Im Jahre 1866 wurde ein Schriftstück dieser Art in der Residentschaft X auf der Insel Java in grosser Anzahl verbreitet, wodurch auch ich in den Besitz eines Exemplars gelangte. Da es als Beispiel einer solchen chinesischen Philippica dienen kann und zugleich den Grad schriftstellerischer Fähigkeit eines Java-Chinesen beurtheilen lässt, so glauben wir der
Wissenschaft keinen üblen Dienst zu erweisen, wenn wir es hier
unverändert abdrucken lassen und mit einer getreuen Übersetzung begleiten.
Wie man aus der letzteren ersehen kann, ist der Ton des Schriftchens keineswegs parlamentär und erinnert in seiner naïiven Grobheit und Ungezogenheit, oder vielmehr Gemeinheït, lebhaft an die religiüsen Streitschriften, die zur Zeit der Reformation in Deutschland üblich waren. Der Leser wird deshalb gebeten, sich in Gedanken ein paar Jahrhunderte zurückzuversetzen, damit er an der ungenirten Ausdrucksweise des chinesischen Schriftstellers nicht allzu grossen Anstoss nehme.
Es ist selbstverständlich, dass wir, aus leicht begreïflichen Rück-
sichten, die wirklichen Namen in dieser Schrift maskirt haben.
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Wahrlich! ich schreibe ein Gedicht auf einen bôsen Mann: In Si-yuen ward aus üblem Geschlecht ein Kind geboren, Und Einer in Sin-ngan, der es nicht wusste, nahm sich dessen an. Seit seiner Jugend war jener gewohnt Knabenliebe zu treiben, Und als er gross geworden, liebte er es, Anderen zur Päderastie zu dienen.
Als sein Pflegevater dies vernahm , ward derselbe zornentbrannt Und jagte ihn sofort zum Dorf hinaus.
Umherirrend wanderte er endlich nach X Und hatte vor, sich zu Tok-hing zu begeben, der sich seiner jedoch nicht annehmen wollte.
Er wandte sich nun an einen gewissen Bä und wollte Kuli bei ihm werden ; Das war aber nur ein kleines Geschäft, welches nicht viel eintrug. Dieser Hurenbalg war spielsüchtig, hatte aber nicht das Nôüthige dazu;
Deshalb beredete er ein Weibsbild, zu ihm zu kommen.
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Er nannte sie seine Frau, damit er Geld mit ibr verdiene,
Und nahm noch eine Buhle dazu, um den Markt zu füllen.
Weib und Bubhle verdienten etwas an ihren Buhlern,
Und da sie durch Tausende geschändet wurden, bekamen sie auch keine Erst diente er Sun-bi mit der grüssten Speichelleckerei: [Kinder. Er schlachtete, kochte und bereitete die Speisen, um seine Kunst zu zeigen, Liess sich von ihm prügeln und befehlen, ohne etwas zu erwidern,
Und war verächtlich wie ein Sklave oder eine Sklavin.
Später hielt er sich an Sui-bi !), dem er zu schmeicheln wusste,
Und schickte seine Frau und Buhle auf Speculation zu ihm.
Aber Sui-bi war ein anständiger Mann und schändete sie nicht.
Dieser Räuber sann vergeblich darauf, einen Streich auszuhecken,
Und suchte nach irgend etwas, um Sui-bi zu schaden.
Ein Unmensch und Ungerechter ist er fürwahr!
KeinesVerräthers Heucheiei oder Falschheitist der seinigen zu vergleichen.
1) Der Sohn des Sux-bi.
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