‹ Tung pao. Toung paoChapitre 102 sur 261 · XIV · texte numérisé non relu

XIV

Im achten Monat, am Tage kèng-yin,

wurde in die Stadt Ceng-du-fu in der Provinz Secuwan eine Mandschu-

garnison gelegt ?).

Der Gouverneur von Secuwan Niyan-ceng-yoo hatte folsendes Schreiben eingereicht: Secuwan ist eine Grenzprovinz. In ihrem Innern wohnen die Eingeboreuen-Stämme mit der anderen (chinesischen) Bevülkerung vermischt. Nach aussen hin stüsst sie an die äussersten Ecken von Tibet und Huhu noor. Das Land ist von hüchster Wichtigkeit. Nun sind hier zwar ein Provinzialgeneral und

ein Generalgouverneur eingesetzt. Aber unter den Mannschaften der

1) Es mutet den Leser wunderbar an, aber es war wirklich der Fall: trotz der masslosen Entfernungen in diesem Feldzuge leitete der Kaiser die Operationen in der Hauptsache persünlich von Peking aus. Die Meldungen der Generale gingen durch die vorschriftsmässigen Instanzen an den Thron und kamen mit dem Kaiserlichen Bescheide auf demselben Wege wieder zurück. Diese Art der strategischen Leitung sowie die gegenseitige Benachrichtigung der einzelnen Kommandostellen auf dem ungeheuer ausgedehnten Kriegsschauplatze (vom Altai-Gebirge bis zur Provinz Yünnan) war nur durch das Relaiswesen môglich, welches es gerade in jener Zeit zu einer hervorragenden Leistungsfühigkeit gebracht hatte. Die Relaisposten, welche ja heute auch noch bestehen, aber mit dem wachsenden Telegraphennetz ihre Bedeutung eingebüsst haben und sich in verwahrlostem Zustand befinden, vermochten damals an einem Tage bis zu 600 Li zu bewältigen. So wurde z. B. die Strecke von Peking bis Kingchou in 6 Tagen zurückgelegt, und die Generale an der Westgrenze konnten einen Entscheid auf ihre Meldungen binnen einem Monat erwarten. So behielt der Kaiser die Oberleitung aller Operationen in der Mongolei, in Turkestan, in Kuku noor und Tibet in seiner Hand, und nur in besonderen Fällen wurden den Führern selbständige Entschlüsse zugestanden, unter der Formel: acara (oder nashôn) be tuwame Yabukini — ,es ist nach Lage der Verhältnisse zu handeln”. Über das Relaiswesen zu den verschiedenen Zeiten s. die ofliziellen Geschichtsannalen Nien-ssü shih ip py Æ unter dem Abschnitt Militär”’.

2) Tung-hua-lu Kanghi XX 288 (nur eine kurze Notiz).

BRUCHSTÜCKE AUS DER GESCHICHTE CHINAS. 281

von ihnen ausgewählten und mitgebrachten Truppenteile befinden sich zuviel Leute aus fremden Provinzen. Da nun die Eigenart und der Charakter der hiesigen Landesbewohner ein ganz besonderer ist, so ist (für die Soldaten) sehr schwer mit ihnen auszukommen. Ich môüchte nun in Rücksicht darauf, dass bei den zur Zeit hier liegenden Mandschutruppen aus Gingjeo in ihrem Verkehre mit den Einheimischen stets die grôsste Eintracht seherrscht hat, beantragen, diese Truppe in Ceng-du zu belassen, auf dem freien Gelände vor dem Westtor der Stadt Gebäude aufzuführen und dort 1000 Mann hineinzulegen, einen Brigadegeneral !) zu ernennen, weiïter die übrigen Offiziere und Beamten nach Erfordernis zu kommandieren und ihnen diesen Platz als dauernde Garnison anzuweïisen. Dabei würde man die Macht des Reiches an den Grenzen erweitern *) und daneben auch in den Stand gesetzt sein, das Innere der Provinz in Schach zu halten. In Anbetracht der jetzisen Verhältnisse, wo man gerade die Truppen benôütigt, habe ich die Angelegenheit fürs erste noch aufseschoben, müchte aber beantragen, die Mittel für den Bau der Stadtmauer und die Anfführung der Gebäude schon vorher bereitzustellen.”

Der Kaiser verfügte darauf: ,,Was Niyan-geng-yoo über seine Absicht sagt, in Secuwan eine Mandschugarnison einzurichten, klingt sehr vernünftig. Der Staatsrat soll sich mit der Sache beschäftigen und ein Gutachten darüber vorlegen.”

Der Staatsrat äusserte sich darauf wie volgt: ,Wenn wir nach Secuwan eine Mandschutruppe von 1000 Mann legen, so reicht das nicht hin, um Mannschaften auf die einzelnen Posten abzuseben, Wir müchten daher beantragen, noch 600 Mann dazuzufügen.

Diese sollten nach Beendigung der kriegerischen Operationen von

1) ll #T Ha mandsch. meiren-i jangyin.

2) In der Provinz Ssu-ch‘uan gab es noch weite ununterworfene Strecken, z. B. das Gebiet von Kin-ch‘uan.

232 £. HAENISCH.

dem Gouverneur Niyan-geng-yoo und dem Generalmajor Ningouri !) gemeinsam in besagter Zahl aus den jetzt dort garnisonierenden 2000 Mandschusoldaten ausgewählt und in der Stadt belassen werden. Für zwei Banner gemeinsam ist ein Oberst, für jedes einzelne Banner sind zwei Kapitäne, zwei Unterkapitäne ?), sowie zwei Leutnants zu ernennen mit der Garnison Secuwan. Ausserdem wäre noch ein einzelner Brigadegeneral zu bestimmen, welcher das Oberkommando übernähme. Alle Geschäfte betr. den Bau der von den Truppen benôtigten Kasernements wären Niyan-geng-yoo mit der Weisung zu übertragen, das Erforderliche rechtzeitig zu veranlassen.”

Der Kaiser befahl demgemäss zu verfahren *).

Am Ersten des achten (Schalt-) Monats

berichtete (reneralsouverneur Erentei von einem Siege über den Feind

bei Cino gool#).

Eine frühere Meldung von ŒErentei lautete: ,,Ich hatte dem Gardekapitän Sereng mitgeteilt: da das Wasser des Muru-usu-Flusses gerade im Steigen sei, so sei ein Übergang unmôglich; ich hätte aber erfahren, dass der siebenarmige Strom Dolon Olom ) passiert werdeu kôünne. Während nun S$Sereng mit seiner Abteilung schon vorausmarschiert war, beschloss ich selbst, im Hinblick auf die gute Weide und das gute Wasser, den Leuten und Pferden ein wenig

Ruhe zu günnen und daun erst abzumarschieren. Am 18/VI ge-

1) Die chines. Schreibung des Namens war nicht feststellbar.

2) fn #A, 7 SE, 17 EF mandsch. gôsai da, nirui janggin, tuwa$ara hafan-i jergi janggin.

3) Heute eine grosse Ansiedlung mit angeblich 30.000 Einwohnern, wie eine freundliche Gartenstadt am Nordtor von Ch'èng-tu gelegen.

4) Tung-hua-lu Kanghi XX 284.

5) & fi LA fé K ; ist mongolisch: dolugan olom (sieben Arme) = chines.

€ x il.

langten wir über Muru usu au einen Ort Tulhatu !), wo wir Lager bezogen. Da wir sahen, dass der Strom zwar tief, aber äusserst ruhig war, so machten wir Fäühren aus Lederschläuchen *) zurecht und setzten die gesamte Mannschaft nebst den Pferden über den Fluss, was drei Tage in Auspruch nahm. Als wir aber von dort aus an den Sieben-Arm-Strom gelangten, konnten wir keine Spuren finden, welche auf Sereng’s Übergang hindeuteten. Da trafen wir einen Proviantspediteur, den Mohamedaner Dargan Bek*), welcher uns folgendes erzählte: Bevor der Proviant herangeschafft gewesen, habe er Boten abgesandt, um Sereng zu benachrichtigen (dass der Proviant komme). Seine Boten seien über den Sieben-Arm-Strom gesetzt und hinter jenem hergezogen. Doch seien sieben Tage vergangen, ohne dass er irgend eine Nachricht erhalten habe. Eben jetzt habe er erfahren, dass Sereng auf dem Wege über Baitu marschiert sei‘). Wenn ich nun mit meinem Heere wieder umkehren und über Baitu hätte marschieren wollen, so hätte ich für Rückund Vormarsch einen Umweg von über 20 Tagen machen müssen und Sereng unmôglich einholen künnen. Ich brach daher am 24/VI vom Sieben-Arm-Strom auf und rückte auf dem Wege nach Kukusai vor. Dabei schickte ich seitwärts der Marschstrasse Patrouillen aus, welche genaue Ausschau halten sollten. Den Vortrab schob ich etwas weiter vor, mit dem Auftrage, falls er auf den Feind stiesse, ihn mit Aufbietung aller Kräfte anzugreifen und zu vernichten. Falls der Vortrab, auf seinem Vormarsch in Bok ak‘) Sereng's Abteilung träfe, sollte er sich mit ihr vereinigen und mit ihr weitermarschieren”.

Von diesem Bericht hatte der Kaiser Kenntnis genommen.

) fe À9 25 fé -

2) Fähren aus Lederschläuchen zusammengesetzt, mandsch. tulum.

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