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Am Tage ting-wei berichtete der Gardekapitän Sereng von einem Siege über den Feind bei Kara usu. !)
In einem vorher eingelaufenen vertraulichen Berichte Sereng’s hiess es: ,,Vor kurzem ist mir von Erentei ein Schreiben zugegangen: auf Befehl Ew. Majestät sollte ich den Iab?) als Boten an Cagan Danjin senden, mit der Aufforderung an diesen, Leute auszuschicken, um das Dsungarenheer herbeizulocken. Ich sollte erst die Antwort des Boten abwarten, bevor ich weiter vorrückte. Ich habe mir nun in meiner Einfalt gedacht: Jetzt, wo die Dsungaren die Bewohner von Tibet überfallen haben, sehnt das dortige Volk unser Heer herbei, sowie man auf den Regenbogen hofft. Deshalb sollten wir auch nicht ein wenig zügern. Dazu habe ich erfahren,
1) Tung-hua-lu, Kanghi XX 274, 296, 304.
310 E. HAENISCH.
dass das Heer der Dsungaren weit und breit verstreut steht, ohne einen Stützpunkt. Die Taktik der Feinde besteht auch nur darin, bei Einbruch der Dunkelheïit die Lager zu überfallen und die Pferde zu stehlen. Nun zählt die von mir befehligte Abteilung über 2000 Mann. Unsere Waffen sind stark und scharf, die Pferde in gutem Zustande und der Proviant reichlich. Jetzt sind wir am 18/V bei Muru usu angelangt, und da das Wasser des Flusses augenblicklich niedrig ist, kann er zu Pferde überschritten werden. Da ich ausserdem in Erfahrung gebracht habe, dass von hier aus in gerader Linie 500 Li entfernt sich eine Abteilung vom feindlichen Vortrab befindet, so hielt ich gerade jetzt die Zeit für gekommen, die Feinde zu vernichten und das Gebiet von Tsang wieder zu nehmen. Wenn ich anderseits nierbliebe und auf die Ankunft von Erenteïs Heer wartete, so müsste ich fürchten, dass mir in der langen Zeit der Proviant ausginge, und dass dann der Vormarsch und der Rückzug gleich schwer wären. Infolge dieser Erwägungen bin ich mit meiner Abteilung ununterbrochen weiter vormarschiert. — Der Staatsrat hatte darauf beschlossen dem Sereng zu schreiben, er sollte handeln, wie es die Lage gebôte, zugleich aber Erentei anzuweïsen, dass er schleunigst mit seinem Heere zum Entsatz heranrückte. Der Kaiser hatte seine Genehmigung dazu erteilt. — Gleich darauf war ein neues Schreiben von $Sereng eingetroffen: ,,Es handelt sich um die Tangguten. Diese sind eigentlich Untertanen des Dalai Lama. Als nun im vergangenen Jahre die Dsungaren ihnen ihre Pferde und ibr Vieh geraubt und Frauen und Kinder entführt haben, da haben sie Tag und Nacht ohne Unterlass auf die Ankunft eines Hülfsheeres gewartet. Als sie dann hürten, dass das Kaiserliche Heer im Anmarsch sei, sind sie, alle vor Freude gesprungen und haben erklärt, sie
wollten sich uns unterwerfen. Die Sühne des Taïji lariktu !),
D Pi re. HE ZE ll.
BRUCHSTÜCKE AUS DER GESCHICHTE CHINAS. 911
Boimasung Taïji') und Danjin Cuidak?) sind mit ihren Leuten bereits gekommen, um ïhre Unterwerfung anzuzeigen. Da ich in Ungewissheit über den Weg bin, auf welchem Erentei mit seiuem Heere heranzieht, so habe ich den Gardekapitän Norilda *) kommandiert, er solle sich den Sakca Taisang ‘), welcher sich uns angeschlossen hat, als Führer nehmen, und Nachrichten von Krentei einholen. Ich selbst will bei Kara usu auf seine Ankunft warteu, um dann mit seinem Heere vereint auf Dam zu marschieren.” *) — Der Kaiser befahl den zuständigen Behôrden, von diesem Bericht Kenntnis zu nehmen, So war die Lage, als ein dritter Bericht von Sereng kam: Am 20/VII war ich mit meiner Abteilung in Kara usu angelangt und bhatte Lager bezogen. Da kam am 21. Taiïji Boimasung, der sich uns neuerdings angeschlossen hatte, mit ein paar Begleitern und berichtete: die Oleten hätten gerade bei seinem Stamme Proviant requiriert und hätten die Absicht, unsere Abteilung zu überfallen. Daraufhin setzte ich mich an die Spitze der Mandschutruppen und des Grünen Banners, welche ich in drei Teile teilte, und rückte mit ihnen vor, um die Feinde aufzuhalten und niederzumachen. Als die Scharen von überall her zum Angriff herankamen, fassten unsere Truppen sie von verschiedenen $Seiten und schlossen sie ein. In dem darauffolsenden Kampfe schlugen wir den Feind an mehreren Stellen und bemächtigten uns dreier Bergrükken. Als das Heer der Feinde floh, verfolgte ich es mit meinen Truppen über 20 Ii weit und tütete dabei bei den Feinden mehr als 200 Mann. Eine Menge von feindlichen Wohnsitzen wurden von uns genommen”.
Der Kaiser empfahl den betreffenden Ministerien, sich mit die-
sem Bericht ganz besonders eingehend zu beschäftigen.
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5) Von Kara usu bis nach Dam sind es nach Wei-tsang t'u-chih nur noch vier Tagemärsche (300 Li).
3178 E. HAENISCH.
Im neunten Monat, am Tage chi-mao, kam ein Kaiserlicher Befehl an den Divisionsgeneral Arna und den Brigadegeneral Da-lii-yoo, nach Caidam eine Besatzung zu legen. !)
Es erging ein Kaiserliches Edikt an den Staatsrat: ,Jetzt ist Acitu, welcher auf dem Wege nach Gas stand, mit 1000 Mann nach Tsang marschiert. Mit den übrigen 1000 Mann steht der Major Cambu ?) aus Si-an im Lande Caïidam. Wernn man jetzt, noch während des Herbstes, Nachrichten über die Stellung von Ceringdondob’s Heer erlangt, so soll Unser Heer vorrükken. Sollte er das nach Tibet einmarschierte Heer nach Gas zurückziehen, in der Meinung, auf dem Winterschnee auf dem Wege nach Gas rekognoscierend herankommen und die Seite von Huhu noor beunruhigen zu künnen, so wäre es für jene (Unsere Führer) ein besonderes Glück. Aber man kann nicht wissen, was er beabsichtigt. Ich habe folgendes erwogen: der in Su-jeo stehende Brigadegeneral Da-lii-yoo ‘), ein tüchtiger Mann, sitzt jetzt untätig dort in Su-jeo*). Wenn man Lii-yoo eine Abteilung gäbe und ihn nach Gas schickte, um dort den Winter durch Wacht zu halten, so wäre das von Nutzen. Hierüber hat der Staatsrat genaue Erwägungen anzustellen und mir das Ergebnis zu melden.” — Der Staatsrat machte darauf folsenden Vorschlag: ,,Der Platz Gas ist von grüsster strategischer Bedeutung. Wenn man aber nur Li-yoo’s 500 Mann dorthin als Verstärkung schickte, so wäre das immer noch nicht genug. Da nun augenblicklich in Si-ning eine Menge Truppen stehen, so würde es sich empfehlen, die 800 Mandschusoldaten, welche Divisionsgeneral Arna nach Si-ning mitgebracht hat, nach Caïdam zu legen, ihnen Flinten,
Geschütze und sonstige Ausrüstungsstücke auszugeben und sie dort
1) Tung-hua-lu Kanghi XX 304 (eine Zeiïle).