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BRUCHSTÜCKE AUS DER GESCHICHTE CHINAS. 379

Arna’s Kommando zu unterstellen. Dieser hätte nach gemeinsamer Beschlussfassung mit Generalmajor Lii-yoo und Oberst Samboo !) zu operieren. Auf diese Weise künnte er die Kräfte des Besatzungsheeres verstärken. Und bei der vorzüglichen Beschaffenheit von Weide und Wasser in Caidam würde für die Pferde die Überwinterung dort auch sehr vorteilhaft sein. Weiter, da an dem Platze Muru usu nur die Abteilung des Generalmajors Tsungjab ?) steht und die dazwischen (zwischen Gas und Muru usu) auf die verschiedenen Relaisstationen verteilten Wachen alle sehr schwach sind tal es sich nicht leugnen lässt, dass Pferdediebstähle und Unterbrechungen der Postverbindung vorkommen durch die Feinde, so würde wahrscheinlich die Proviantherbeischaffung für das Heer unter diesen Umständen sich noch schwieriger gestalten. Daher sollte man die unter dem Kommando des Gouverneurs von Kansu stehende Truppe von 680 Schützen dorthin kommandieren. Und zwar in der Art, dass von der Station Gôm abgesehen, wo schon 300 Eingeborene-Soldaten liegen, auf die übrigen 17 Stationen je 40 Mann hinzukämen”.

Zu diesem Vorschlage gab der Kaiser seine Genehmigung.

XVIIT.

Am Tage chia-shên brachte Leutnant Lio-ki-cang, von Generalgouverneur Erentei aus dem Lager bei Kara usu abgesandt, eine Denkschrift an den Kaiser, in welcher Erentei von einem Siege über den Feind berichtete und ausführte, in welcher Weise er den Feinde unerschütterlichen Widerstand leiste. *) Erentei hatte sich bereits mit Sereng vereinigt. Sie waren dann verschiedene Male mit den Feinden zusammengestossen, wobei sie

stets gesiegt hatten. Nachher waren aber die Feinde in immer

grüsseren Mengen erschienen, und man hielt sich nun bei Kara

3) Cf. Tung-hua-lu Kaughi XX 304.

380 E. HAENISCH.

usu gegenseitig im Schach. — Jetzt schrieb Erentei: ,,Als ich am

18/VII am Cino gool ankam, brachte ich dem Feinde eine Nieder-

lage bei. Am 21. gelangte ich dann an den Fluss Kara usu, wo

ich Sereng’s Heer einholte. Ich sah mir den Ort an, welchen Sereng,

in der Nühe des Flusses für sein Lager gewählt hatte: er hatte

einen kleinen Hügel besetzt, welcher nach allen Seiten uugedekt

gegen die Feinde stand. Ich riet ihm aus diesem Grunde, er täte

am besten, wenn er über den Fluss zurückginge und auf einem

(der vorigen Stellung) gegenüberliegenden Berge seinen Lagerplatz wählte. Aber Sereng wollte meinen Rat nicht annehmen. Da am 29. die Scharen der Feinde die Berge besetzten und so den Weg versperrten, so konnte die von mir bei hergezogene Abteilung des Herzogs Tsewang Norbu nicht herangelangen. Am 20/VIIT ging das feindliche Heer bis auf 80 Li zurück, und ich drang noch einmal in $Sereng, sein Lager eiligst zu verlegen. Sereng sagte jetzt zwar zu, traf aber immer noch keine Anstalten dazu. Darauf machten vom ersten bis zum siebenten des achten Schaltmonats die Feinde, welche in grosser Macht erschienen waren und uns aus ihren neu aufzeworfenen Schanzen beschossen, ihre Angriffe auf unser Heer. So mussten wir uns, während uns schon der Proviant ausging, geswen die Feinde halten, und unsere Lage war hôchst kritisch geworden. Dass kam alles daher, weil Sereng in so unverantwortlicher Weise mit seinem Heere vorausgeeilt war. Da ich uun mit Sereng doch einmal nicht eines Sinnes werden kann, so will ich mein Heer ins Gefecht führen, wenn ich auch keine Reserven habe, und mir nur Mühe geben, indem ich soviel wie môügjlich Feiude niedermache, mir ein Verdienst zu erwerben.” — Diese Denkschrift überreichten Leutnant Lis-Ki-cang ‘) und Umbai ?), ein Familienangehôriger von Érentei dem Kaiser in der Hauptstadt. Sie be-

richteten dazu: ,,Als Erentei die Denkschrift fertig geschrieben

oo

hatte, übergab er sie uns, mir, Lio-$i-cang und meinen Begleitern, und sagte: bringt sie nach der Hauptstadt und macht dem Kaiser Meldung! Darauf setzte er sich persünlich an die Spitze des Heeres und drang mit grosser Bravour auf die Feinde ein. Eine grosse Menge der Gegner fiel im Kampfe. Die Pfeile gingen uns aus, aber der Kampf wurde nur beftiger. Schliesslich umzingelten uns die Feinde zu verschiedenen Malen, und Erentei, von einer Kugel durch die Stirn getrofien, blieb tot auf dem Platze.” — Auf diese Meldung hin erging ein Kaiserliches Edikt: ,,Wir befehlen, Erenteïs Leichnam nach der Hauptstadt zu schaffen. Bei der Ankunft desselben haben sich der fünfte und der zwülfte Kaiserliche Prinz zu seinem Empfang vor die Stadt zu begeben und die Opfer für ihn darzubringen. Die Prinzen zweiïter dritter und vierter Ordnung sowie die Herzôüge aus seinem Banner haben sich vor die Stadt zu begeben

und ihn eivzuholen.”

Am Tage chia-hsüû (des 10. Monats) berichtete der Divisionsgeneral Jansin, dass der Eingeborenen-Häuptling Jang-Zu-sung seine

Kräfte in den Dienst des Heeres stellen wolle!).

Der Bericht Jansin's?) lautete: ,,Als am 21/VIII der Eingeborenen Häuptling Jang-Zu-sung, der mit 500 Mann einen Proviant transport geleitete, auf seinem Marsche in Muru usu ankam, stiess er plôützlich auf die Dsungaren. Er erlitt bei diesem Zusammenstoss einen Verlust von drei Leutnants und Unteroffizieren sowie achtundvierzig Mann. Jang-Zu-sung selbst entkam mit den anderen Truppen. Jetzt haben sie uns einen Brief geschickt, in welchem

sie erklären, sie wollten ihre Kräfte gern in den Dienst unserer

1) Tung-hua-lu vacat.

= 2) AË 45 seine Biographie (er gehort zum Kaisorlichen Hause) 8. KR *É

7 É4 Æ À z} fi & Kap. 12 (Anhang zum Man-Han ming-ch'ên chuan).

382 E. HAENISCH.

Sache stellen. Weiter sind bereits vor mehreren Monaten die Häuptlinge Lu-hôwa-ling') und Ki-hiyan-bang?) mit einem Eingeborenen Heere bei uns eingetroffen. Alle sagen: da sie die überreiche Huld Eurer heiligen Majestät genüssen, so kônnten sie es nicht über sich bringen, ihren Sold müssig zu verzehren. Ob sie nicht ihre Kräfte in unseren Dienst stellen dürften ? — Darauf habe ich Jang-xu-sung in Nara sara*), Lu-hôwa-ling in Gôm‘) postiert, um von dort die Wohnsitze der Feinde aufzustôbern und Gefangene zu machen. Über die von den Feinden erschlagenen Leutnants und Soldaten will ich nach

Feststellung ihrer Namen an Ew. Majestät berichten.”

Divisionsgeneral Hori berichtete über die Gefangennahme des Rebellen Pungtsux Dagi5).

Hori’s Bericht lautete: ,, Der Generalmajor von Ho-li) Jao-kan’) hat gemeldet: Am vierten des achten Schaltmonats ist der Untertan des Diba Dakjiyei*) Pungtsuk Dagi°) mit acht Begleitern heimlich nach Jung-diyan!*) gekommen, um dort Handel zu treiben. Ich habe in Ambetracht dessen, dass der Diba Dakjiyei ein Maun ist, der nuit Tsewang Rabtan gemeinschaftliche Sache macht, den Pungtsuk Dagi festsetzen lassen und lasse ihn hier bewachen. Ich müchte dies Ew. Majestät zur Kenntnis bringen.”

Der Kaiser befahl darauf Pungtsuk Dagi nach der Hauptstadt

zu schaffen.

1) Pers 2)ND

3) Mongolisch, Sonne- und Mond-Gebirge, Xi} hr Ré hi (SE). 89 Ii s. w.

des von Hsi-ning nach Ssü-ch‘uan führenden Passes.

4) Identisch mit dem oben erwähnten Platze Gum?

5) Tung-hualu Kanghi XX 314. 6) {8 PE.

7) is Hh = Da-jao-kun späterer Gouverneur von Jün-Kuei. LR »

5) #4 EL € ff. ») 5 DE

) FH 41] Chung-tien t‘ing in Jünnan, westlich von Jung-ning.

Am Tage hsin-wei (im zweiten Monat des 58. Jahres Kanghi) gab der Kaiser dem Divisionsgeneral Fara den Auftrag sich nach Litang zu begeben, um die dortige Bevülkerung tributpflichtig zu machen; der Gardekommandeur Galbi bekam den Auftrag sich nach Secuwan zu begeben, um dort die militärischen Angelegenheiten wahrzunehmen !),

Fara hatte folsenden Bericht geschickt: ,,Der Platz Litang liegt ganz in der Nühe von Da-jiyan-lu. Wenn man einen Beamten hinschickte, um den Platz tributpflichtig zu machen, dann würden sich die dortigen Einwohner willig unterwerfen. Nun ist die Stimmung der Bevülkerung in Batang von der in Litang durchaus nicht verschieden. Man müsste also einen besonderen Beamten kommandieren, der erst nach Litang ginge und die Macht und Tugend Ew. Majestät den Leuten dort vor Augen führte. Wenn diese dann sich den Verfügungen unterwürfen, dann wären genaue Listen von den Orten und der Zahl der Einwohner anzulegen. Danach müsste sich der Beamte nach Batang begeben und dort desgleichen tun. Wenn die Leute aber ein Verhalten zeigen, als wollten sie es an sich herankommen lassen, dann müssten wir um die Zeit der Grassprosse in ihr Land einrücken, um sie mit Heeresgewalt zu unterwerfen. Sie würden kaum wagen, unseren Truppen Widerstand zu leisten. Für diese Aufgabe künnten die Mandschutruppen in Ceng-du 500 Mann stellen, unter dem Kommando des Obersten, die dem Gouverneur unterstehenden Truppen vom Grünen Banner künnten 1000 Mann und die Truppen aus Hôwa-lin und Jung-ning ?) 500 Mann stellen unter dem Kommando des Obersten von Jung-ning. Wenn diese Abteilung vereint weit vordränge, kôünnte sie sogar die über Batang

hinaus wohnende Bevôülkerung durch briefliche Aufforderung sich

1) Tung-hua-lu Kanghi XXI 24.

in Jünnan.

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