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BRUCHSTÜCKE AUS DER GESCHICHTE CHINAS. 405
erklärten ihre Unterwerfung. Der Diba Daktsa erhielt von uns den Auftrag Fellboote') zu requirieren, mittels welcher wir am 22/VIII den Übergang über den Fluss bewerkstelligten. Ich teilte das Heer wieder in drei Teile, welche ich dem Gardekapitän Nacin?) und zwei anderen Führern unterstellte. So brachen wir am dreiundzwanzigsten um die Zeit der fünften Wache auf und bemächtigten uns (der Hauptstadt) Tibets*). Die in der Stadt befindlichen grossen und kleinen Dibas, Häuptlinge sowie die Lamas aus den Tempeln wurden versammelt, und ich verkündete ihnen Ew. Majestät erhabene Absicht, das Volk von Tibet zu retten. Nachdem die Speicher und Magazine des Dalai Lama sämtlich versiegelt waren, schlug ich an einem uahe gelegenen festen Platze das Lager auf, welches ich durch vorgeschobene Wachen sichern liess. Die Wege auf welchen die Dsungaren-Leute verkehrten und ihren Proviant herbeiführten, liess ich versperren. Hierauf wurden von den ÀÂbten dreier Klüster alle in den Klüstern befindlichen Dsungaren-Lamas festgenommen und uns ausgeliefert, zusammen 101 Mann. Hierunter befanden sich fünf falsche Hauptlamas, von welchen der Diba Daktsa und die  bte der drei Klüster sagten, dieselben fünf Männer seien alle von Ceringdondob eingesetzte Grosslamas. Daraufhin habe ich diese fünf Lamas sofort kôpfen lassen, Die übrigen 96 Lamas habe ich alle ins Gefängnis geworfen.””
Auf diesen Bericht erschien ein Kaiserliches Edikt: ,Galbi hat meinen Anordnungen entsprechend die Kaiserliche Armee in weit entfernte (Gegenden geführt, in welche schon seit alter Zeit keine
Truppen hingelangt sind. Dadurch dass jeder Einzelne von den
1) J fau. Hier sind jedenfalls die auf den dortigen Flüssen gebräuchlichen aus
Robr geflochtenen nnd mit Leder überspannten Kürbe gemeint.
— Z n 2) EA Æ damals (S F5 mandsch. hiya Er mag vielleicht mit dem Herzog
Nacin identisch sein, welcher im ]3. Jahre Kienlung das Kommando über die Kin-ch‘uan- Expedition erhielt, und welchem dann nach seinen Misserfolgen der Kaiser ein Schwert sandte, mit der Auffordernng sich das Leben zu nehmen.
3) Tibet steht hier für Lhasa, nach der üblichen Ausdrucksweise, Hu-pei für Wu-ch‘ang.
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Leuten Müben und Anstrengungen auf sich genommen hat, ist es ihnen gelungen, das Land Tibet zu erobern. Die von den Dsungaren als Vertrauensmänner gebrauchten verräterischen fünf Lamas sind nach dem Gesetz abgeurteilt wordeu. Das Volk der Tanguten und Tibeter wird in schonendster Weise in Ruhe und Frieden gehalten. Das sind ganz hervorragende Taten. Die Leute, welche an der Expedition teilsenommen haben, vom General abwärts und vom Soldaten aufwärts, sollen mir alle besonders namhaft gemacht werden.” Den Kaiserlichen Truppen aus Secuwan und Jôn-nan, welche Tibet erobert hatten, wurden vom Kaiser Belohnungen gegeben. Dem Kriegsministerium ging ein Kaiserliches Edikt zu: ,,Ich habe in der Erwägung, dass für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Frieden im Staate die liebevolle Behandlung von Heer und Untertanen von grüsster Bedeutung ist, seit meiner Thronbesteigung früh aufstehend und spät zur Ruhe gehend die Sarge um das Wohl des Heeres und des Volkes auch nicht eine Stunde aus dem Herzen gelassen. Nun hat in diesen letzten Jahren Tsewang Rabtan Krieg angefangen und ist gekommen ohne Grund und ohne Recht unser Hami-Gebiet') anzugreifen. Zugleich hat er Latsang getôtet, sich Tibet's bemächtigt und Not und Elend über die Tibeter und Tanguten gebracht. Dann haben sich die Leute aus Turfan in der Nähe der an Secuwan und Jôn-nan angrenzenden Gebiete niedergelassen. Wenn jetzt die Dsungaren Turfan erobern und dann die Tibeter und Tanguten zu einem Vordringen und Angriff auf Huhu noor bereden würden, dann wäre es nicht nur sehr schwer diesem Lande zu Hülfe zu kommen, sondern auch die Gelegenheit zur Einnahme von Tibet wäre dann für uns vorbei. Aus dieser Erwägung heraus habe ich aus den Mandschutruppen und dem Grünen Banner von Secuwan und Jôn-nan ein Heer aufgestellt und über Lari vorgeschickt, während ich zugleich die Westarmee von Huhu noor aus
in Tibet einrücken liess?). Bei dieser Gelegenheit haben die Offiziere
1) BA 28. 2) Strasse von Kuku noor nach Tibet s. S. 222, Anmerkung 6.
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und Mannschaften alle mir meine Liebe und Sorge mit Dank vergolten. Gemäss meinen Anweisungen sind sie, während jeder einzelne Mühe und Anstrengungen auf sich genommen hat, geradeswegs in die gefahrvollen und weit entlegenen Nachbarländer vorgedrungen und haben Tibet erobert. Dafür verdienen sie mein Mitgefühl und meine Gnade im hôüchsten Masse. Ich befehle, dass Ihr, das Ministerium den bereits empfangenen Sold für die Offiziere und Mannschaften der Mandschutruppen und des Grünen Banners von Secuwan und Jôn-nan insgesamt auf der Stelle auszahlt, zu welchem Zwecke stets ein Präsident hinzusenden ist. Jeder Mann aus dem Secuwan- Jôn-nan-Heere, welches Tibet erobert hat, soll (ausserdem) 10 Taels Silber als Geschenk erhalten, desgleichen die Kinder und Frauen derselben. Auf diese Weise will ich meiner allerhüchsten Genugtuung und dem Mitgefühl Ausdruck geben, welches ich bei den Strapazen meiner Offiziere und Soldaten empfinde. Euer Ministerium hat ge-
mäss diesem Edikt zu verfahren.’”?
Am Tage i-mao kam eine Meldung vom Generalissimus Jôn-ti, dass General Jansin die Feinde geschlagen habe und in Tibet eingerückt seit).
Jôn-t's Meldung lautete: ,General Jansin hatte mit seinem Heere am 15/VIIT am Flusse Buk?) gelagert. Dort wurde er in der Nacht von Ceringdondob angegriffen, welcher aber in Gefechte geschlagen wurde und dabei Pferde, Tragtiere und Waffen verlor, Am 19. brach Jansin vom Flusse Buk auf und lagerte am 20, am Cino gool. Dort wurde unser Heer zur Zeit der dritten Wache von einer feindlichen Abteilung von über 2000 Mann überfallen. Da es jedoch vüllig vorbereitet war und Stellungen eingenommen hatte, so konnte der Feind nicht lange stand halten, wurde geschlagen und floh. Am 21. brach das Heer vom Cino gool auf und lagerte
1) Tung-bua-lu Kanghi XXI, 154.
2) h (jf) (5 NX Ye] : rl % Pa] ) im Westen des Kuku-noor —
Gebietes, s. Mêngku yu-mu chi XII, 24.
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am 22, an dem Orte Comara!). In dieser Nacht machten um die finfte Wache über 1000 Mann einen Überfall auf unser Lager. Aber die rings um das Lager aufgestellten Wachen nahmen den Feind unter das Feuer ihrer Geschütze, Gewehre und Pfeile, so dass er unter grossen Verlusten in die Flucht geschlagen wurde. Jansin, welcher mit seinen Mandschutruppen und dem Grünen Banner ohne Aufenthalt durchmarschierte, brach am 8/IX von Dam auf und führte den neu ernannten Dalai Lama nach Tibet (Lasa) hinein. Den alten Dalai Lama Bogda?), welchen man doch nicht mehr in Tibet belassen kann, will ich nach Peking senden.” — Auf diese Meldung erging ein Kaiïserliches Edikt: ,Vordem hatten anlässlich der (beabsichtigten) Aussendung des Heeres und des Einmarsches in Tibet der Staatsrat und die neun Ministerien #) eine Eingabe an mich gerichtet in welcher sie erklärten, das Land Tibet liege zu weit entfernt, der Weg sei zu gefährlich und noch dazu herrsche dort ein schlimmes Klima. Daher sei es unmôglich dorthin zu ziehen. Sondern es sei geraten die Grenzlinien zu befestigen und gut zu sichern. Ich dagegen hatte den Gedanken: Jetzt hätten die Dsungaren sich des Landes Tibet bemächtigt und die Tibeter und Tanguten in Unruhe versetzt. Weïiter hätten sich die Leute aus Turfan in der Nähe der Grenzen von Secuwan und Jôn-nan niedergelassen. Falls nun die Dsungaren das Land Turfan eroberten und dann die Tibeter und Tanguten zum Angriff auf Huhu noor bewôügen, dann würde es nicht nur sehr schwer sein, dem Lande zu helfen, sondern auch die Eroberung von Tibet würde dann für uns unmôglich geworden sein. Ich habe demnach selbständig meine Entscheidung getroften.
Die Generale Funingga, Furdan und Kilidei*) erhielten das Kom-
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